Pfarrei Schröck v.2004 [Archiv]
St. Michael & St. Elisabeth
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Kirchenjahr <Januar>

27. Januar - Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus
"Leiden nicht vergessen!"

 

"Daß eine Meßfeier stattfinde in Schröck", schrieb die OP am 27. Januar 1999 als Reaktion auf die Pressemitteilung vom 16.1.99. Mehr nicht.

Warum aber Christen diesen Gedenktag halten, versuchte ich zum zweitenmal an diesem Abend in wenigen Predigtgedanken zum Ausdruck zu bringen. Erwin Rösner brachte uns ein Liedvortrag zur Gitarre in "jiddischer" Sprache und bald 100 Menschen waren anwesend. Auch "nichttypische Besucher von Werktagsgottesdiensten".

Warum?

In Berlin ist seit langem Streit: Wie soll ein Denkmal für die Opfer der Judenverfolgung und –vernichtung aussehen?
Die Auseinandersetzung zwischen dem Schriftsteller Martin Walser und dem Vorsitzenden des Zentral rates der Juden, lgnatz Bubis, hat erst vor kurzem die Frage neu aufgeworfen: Wie sollen wir uns in welcher Form an nie dagewesenens, perfektes Grauen erinnern?

Was wir nicht tun:

Wir betreiben nicht Vergangenheitsbewältigung.

Vergangenheit läßt sich nicht einfachhin ,,bewältigen". Vergangenheit läßt sich vergessen, läßt sich verdrängen, läßt sich verklären, aber sie läßt sich nicht abschaffen, abarbeiten, abhandeln.

Wir betreiben auch kein Gericht über Schuld und Unschuld, verurteilen weder, noch entschuldigen wir irgend jemanden oder irgend etwas.

Dennoch begehen wir dieses Datum (seit 1996). Weil es uns eine Verpflichtung ist. Sie kommt daher, daß es an die Geschichte unseres Volkes erinnert und zugleich an die Geschichte des Verhältnisses zwischen Christen und Juden rührt.

Nicht alle Opfer waren Juden, aber alle Juden waren Opfer. Und es ist eine nie dagewesene und noch nie so menschenverachtende schreckliche und perfekte Vernichtung von Menschen gewesen.

Wenn wir uns als Christen erinnern, erinnern wir daran, daß Menschengeschichte auch immer vor dem Angesicht Gottes passiert – oft in aller Ratlosigkeit.

Gerade unser Jahrtausend, daß zu Ende geht, Forstschritte erzielt hat, die uns bis zum Mond und Mars gebracht haben, ist in seinen letzten Jahrzehnten ein Jahrhundert der Unmenschlichkeit und Grausamkeit. Millionen Kriegstote, Millionen getöter Juden, 26 Millionen abgetriebene Kinder jährlich weltweit... und ich weiß nicht, welche Zahlen noch zu nennen wären...

Wenn wir uns als Christen erinnern, tun wir es auch, um die Wunden offen zu halten, d.h. nicht zu versuchen, das Unvorstellbare plausibel, das Schreckliche handhabbar zu machen, den Abgrund zuzuschütten.

Und ich habe eine Ahnung davon, wie es um die Menschheit steht, wenn sie Gott verleugnet, Gottes Gesetz mißachtet,... nach der Gottvergessenheit kommt die Menschenvergessenheit.

Wo Gott vergessen wird, da wird auch der Mensch vergessen, erniedrigt, entwürdigt, entmenschlicht. Und gegen die Gottvergessenheit kommen wir hier zu Feier des Leidens, Sterbens und Auferstehens Jesu Christi zusammen.

2001: Eine Schweigeminute zu Beginn der Vorabendmesse
2000: Fürbitten und Gedanken am Tag

 [PresseInfo] Pfarrei Schroeck 16.01.99
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Leiden nicht vergessen
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Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus in der Schröcker Pfarrkirche

Am 27. Januar (Mittwoch, 19.00 Uhr, Pfarrkirche Schröck) wird in der katholischen Pfarrgemeinde St. Michael u. St. Elisabeth der alljährliche Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus begangen.

1996 ist in der Bundesrepublik Deutschland dieser Tag zum ersten Mal als staatlicher Gedenktag eingeführt worden. Für Christen ist die Erinnerung an Gewalt und Verbrechen eine vertraute Vokabel - denn Erinnerung an Leiden, Tod und Auferstehung Jesu Christi stehen im Mittelpunkt jeder Liturgiefeier. Allem Ansinnen, die Erinnerung an menschliche Leidensgeschichte auszublenden, wie es immer wieder gesellschaftliche Gruppierungen vorhaben, steht die ganze christliche Liturgie von ihrem Wesen her entgegen.

Es versteht sich von selbst, daß an diesem Tag die Meßfeier besonders dieses unser Land betreffende Erinnerungsstück in Predigt, Fürbitte und Gebet aufgreift.
Streit um ein Holocaust-Mahnmal in Berlin oder die Debatte zwischen dem Schriftsteller Martin Walser und dem Vorsitzenden des Zentralrates der Juden, Ignatz Bubis, sind auch Fragen, die in einer kleinen dörflichen Landgemeinde bedacht werden. Dies auf dem einfachen Hintergrund, daß wir in allen unseren leidenden Schwestern und Brüder, das Antlitz Jesu Christi entdecken und in unseren täglichen Gottesdiensten erinnern. Die ungezählten Menschen, die dem Terror des Nationalsozialimsus zum Opfer gefallen sind, Männer, Frauen, Kinder aus allen Bevölkerungsgruppen, Religionen, politischen Überzeugungen und zahllosen Nationen, sind in unserer Memoria wichtig, denn Vergessen bedeutet neues Leid.


Mit der Bitte um Veröffentlichung. Danke!
Stefan Krönung

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Hintergrund

Der Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 wurde 1996 auf Initiative des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog offizieller deutscher Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. In der südpolnischen Stadt Auschwitz bei Krakau ließ die SS von April 1940 an das größte ihrer Arbeits- und Vernichtungslager bauen. Es bestand aus dem Stammlager, dem drei Kilometer entfernten Lager Birkenau, in dem sich die Gaskammern und Verbrennungsöfen befanden, und 45 Zwangsarbeitslagern bei Fabriken in der Nähe. Insgesamt waren in dem Gebiet bis zu 155.000 Menschen zusammengepfercht. 

Täglich trafen mehrere Güterzüge mit jüdischen Männern, Frauen und Kindern aus ganz Europa in Auschwitz ein. Bei der Ankunft in Viehwaggons wurden die Menschen selektiert, die meisten von ihnen noch am selben Tag mit Zyklon B vergast, der kleinere Teil zur Zwangsarbeit bis zur völligen Erschöpfung kommandiert. Die große Mehrheit der Zwangsarbeiter überlebte nur wenige Monate. Im Stammlager unternahmen SS-Ärzte grausame Experimente vor allem an Kindern und Frauen. 

Insgesamt wurden in Auschwitz von Anfang 1942 bis Ende 1944 wahrscheinlich rund 1,5 Millionen Juden sowie viele tausend Sinti und Roma und Polen umgebracht. Der systematische Massenmord, zu dem auch die Verwertung der Habseligkeiten sowie der Haare und Goldzähne der Opfer gehörte, war Höhepunkt des NS-Rassenwahns. Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz durch sowjetische Truppen befreit. 

Notabene:
Herzlichen Dank an Benedikt Kranemann u. Benedikt Walter und der Zeitschrift "Gottesdienst", die Jahr für Jahr Material zur Gestaltung des Gedenktages zur Verfügung stellen.

Stefan Krönung 1996-2007 als Pfarrer in St. Michael und St. Elisabeth

 

 

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 Update 31.05.11

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