"Daß eine Meßfeier
stattfinde in Schröck", schrieb die OP am
27. Januar 1999 als Reaktion auf die Pressemitteilung vom 16.1.99. Mehr nicht.
Warum aber Christen diesen
Gedenktag halten, versuchte ich zum zweitenmal an
diesem Abend in wenigen Predigtgedanken zum Ausdruck
zu bringen. Erwin Rösner brachte uns ein Liedvortrag
zur Gitarre in "jiddischer" Sprache und
bald 100 Menschen waren anwesend. Auch
"nichttypische Besucher von
Werktagsgottesdiensten".
Warum?
In Berlin ist seit langem
Streit: Wie soll ein Denkmal für die Opfer der
Judenverfolgung und vernichtung aussehen?
Die Auseinandersetzung zwischen dem Schriftsteller
Martin Walser und dem Vorsitzenden des Zentral rates
der Juden, lgnatz Bubis, hat erst vor kurzem die
Frage neu aufgeworfen: Wie sollen wir uns in welcher
Form an nie dagewesenens, perfektes Grauen erinnern?
Was wir nicht
tun:
Wir betreiben nicht
Vergangenheitsbewältigung.
Vergangenheit läßt sich nicht
einfachhin ,,bewältigen". Vergangenheit läßt
sich vergessen, läßt sich verdrängen, läßt sich
verklären, aber sie läßt sich nicht abschaffen,
abarbeiten, abhandeln.
Wir betreiben auch kein
Gericht über Schuld und Unschuld, verurteilen weder,
noch entschuldigen wir irgend jemanden oder irgend
etwas.
Dennoch begehen wir dieses
Datum (seit 1996). Weil es uns eine Verpflichtung
ist. Sie kommt daher, daß es an die Geschichte
unseres Volkes erinnert und zugleich an die
Geschichte des Verhältnisses zwischen Christen und
Juden rührt.
Nicht alle Opfer waren Juden,
aber alle Juden waren Opfer. Und es ist eine nie
dagewesene und noch nie so menschenverachtende
schreckliche und perfekte Vernichtung von Menschen
gewesen.
Wenn wir uns
als Christen erinnern,
erinnern wir daran, daß Menschengeschichte auch
immer vor dem Angesicht Gottes passiert oft in
aller Ratlosigkeit.
Gerade unser Jahrtausend, daß
zu Ende geht, Forstschritte erzielt hat, die uns bis
zum Mond und Mars gebracht haben, ist in seinen
letzten Jahrzehnten ein Jahrhundert der
Unmenschlichkeit und Grausamkeit. Millionen
Kriegstote, Millionen getöter Juden, 26 Millionen
abgetriebene Kinder jährlich weltweit... und ich
weiß nicht, welche Zahlen noch zu nennen wären...
Wenn wir uns
als Christen erinnern, tun
wir es auch, um die Wunden offen zu halten, d.h.
nicht zu versuchen, das Unvorstellbare plausibel, das
Schreckliche handhabbar zu machen, den Abgrund
zuzuschütten.
Und ich habe eine Ahnung davon,
wie es um die Menschheit steht, wenn sie Gott
verleugnet, Gottes Gesetz mißachtet,... nach der
Gottvergessenheit kommt die Menschenvergessenheit.
Wo Gott
vergessen wird, da wird auch der Mensch vergessen,
erniedrigt, entwürdigt, entmenschlicht. Und gegen
die Gottvergessenheit kommen wir hier zu Feier des
Leidens, Sterbens und Auferstehens Jesu Christi
zusammen.
2001: Eine Schweigeminute zu Beginn der Vorabendmesse
2000: Fürbitten und Gedanken am Tag
[PresseInfo] Pfarrei Schroeck 16.01.99
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Leiden nicht vergessen
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Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus in
der Schröcker Pfarrkirche
Am 27. Januar (Mittwoch, 19.00 Uhr, Pfarrkirche
Schröck) wird in der katholischen Pfarrgemeinde St.
Michael u. St. Elisabeth der alljährliche Gedenktag
für die Opfer des Nationalsozialismus begangen.
1996 ist in der Bundesrepublik Deutschland dieser Tag
zum ersten Mal als staatlicher Gedenktag eingeführt
worden. Für Christen ist die Erinnerung an Gewalt
und Verbrechen eine vertraute Vokabel - denn
Erinnerung an Leiden, Tod und Auferstehung Jesu
Christi stehen im Mittelpunkt jeder Liturgiefeier.
Allem Ansinnen, die Erinnerung an menschliche
Leidensgeschichte auszublenden, wie es immer wieder
gesellschaftliche Gruppierungen vorhaben, steht die
ganze christliche Liturgie von ihrem Wesen her
entgegen.
Es versteht sich von selbst, daß an diesem Tag die
Meßfeier besonders dieses unser Land betreffende
Erinnerungsstück in Predigt, Fürbitte und Gebet
aufgreift.
Streit um ein Holocaust-Mahnmal in Berlin oder die
Debatte zwischen dem Schriftsteller Martin Walser und
dem Vorsitzenden des Zentralrates der Juden, Ignatz
Bubis, sind auch Fragen, die in einer kleinen
dörflichen Landgemeinde bedacht werden. Dies auf dem
einfachen Hintergrund, daß wir in allen unseren
leidenden Schwestern und Brüder, das Antlitz Jesu
Christi entdecken und in unseren täglichen
Gottesdiensten erinnern. Die ungezählten Menschen,
die dem Terror des Nationalsozialimsus zum Opfer
gefallen sind, Männer, Frauen, Kinder aus allen
Bevölkerungsgruppen, Religionen, politischen
Überzeugungen und zahllosen Nationen, sind in
unserer Memoria wichtig, denn Vergessen bedeutet
neues Leid.
Mit der Bitte um Veröffentlichung. Danke!
Stefan Krönung
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Hintergrund
Der Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 wurde 1996 auf Initiative des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog offizieller deutscher Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. In der südpolnischen Stadt Auschwitz bei Krakau ließ die SS von April 1940 an das größte ihrer Arbeits- und Vernichtungslager bauen. Es bestand aus dem Stammlager, dem drei Kilometer entfernten Lager Birkenau, in dem sich die Gaskammern und Verbrennungsöfen befanden, und 45 Zwangsarbeitslagern bei Fabriken in der Nähe. Insgesamt waren in dem Gebiet bis zu 155.000 Menschen zusammengepfercht.
Täglich trafen mehrere Güterzüge mit jüdischen Männern, Frauen und Kindern aus ganz Europa in Auschwitz ein. Bei der Ankunft in Viehwaggons wurden die Menschen selektiert, die meisten von ihnen noch am selben Tag mit Zyklon B vergast, der kleinere Teil zur Zwangsarbeit bis zur völligen Erschöpfung kommandiert. Die große Mehrheit der Zwangsarbeiter überlebte nur wenige Monate. Im Stammlager unternahmen SS-Ärzte grausame Experimente vor allem an Kindern und Frauen.
Insgesamt wurden in Auschwitz von Anfang 1942 bis Ende 1944 wahrscheinlich rund 1,5 Millionen Juden sowie viele tausend Sinti und Roma und Polen umgebracht. Der systematische Massenmord, zu dem auch die Verwertung der Habseligkeiten sowie der Haare und Goldzähne der Opfer gehörte, war Höhepunkt des NS-Rassenwahns. Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz durch sowjetische Truppen befreit.
Notabene:
Herzlichen Dank an Benedikt Kranemann u. Benedikt
Walter und der Zeitschrift "Gottesdienst",
die Jahr für Jahr Material zur Gestaltung des
Gedenktages zur Verfügung stellen.