NOTFALLSEELSORGE - Andreas Müller-Cyran 1.12.98 in Schröck
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Krisenintervention
"Rettungsdienst - Feuerwehr - Polizei - Krisenintervention: gemeinsames Arbeits- oder Spannungsfeld?".

Zeit: 20 Uhr

Ort: Pfarrheim St. Michael,
Marburg-Schröck, Kolpingstr. 5

Krisenintervention/Notfallseelsorge - Andreas Müller-Cyran in Schröck

Seit einigen Jahren ist das Thema Krisenintervention und Notfallseelsorge in aller Munde. Auch in unserem Andreas Müller-Cyran (München) im Gespräch mit Krisenhelfern des LandkreisesLandkreis hat sich inzwischen der »Kriseninterventionsdienst (KID) etablieren können. Etwa zwei Jahre Vorbereitungszeit hat der Aufbau des Systems gekostet; in dieser Zeit ist uns aber die Einführung eines Systems gelungen, dass in dieser Form nur sehr selten zu finden ist: Die breite Basis des Kriseninterventionsdienstes ergibt sich aus der Beteiligung von Feuerwehr, evangelischer und katholischer Kirche und Rettungsdienst, die gemeinsam für den Dienst an Notfallopfern und deren Angehörigen, Einsatzkräften aller an Einsätzen beteiligten Gruppen, sowie vielen anderen Menschen, die in eine akute Notsituation geraten sind, einstehen.

Zu Besuch und Vortrag ist am kommenden Dienstag, 1. Dezember, der Leiter des Kriseninterventionsteams München, Herrn Andreas Müller-Cyran M.A., in Marburg-Schröck.

Stefan Krönung
Beauftragter des Regionaldechanten für die kath. Notfallseelsorge
Mitarbeiter im KID-Marburg-Biedenkopf

 

Erste Hilfe für die Seele

Seit zwei Jahren gibt es im Kreis einen Kriseninterventionsdienst

Spätestens seit der ICE-Katastrophe in Eschede ist auch der Öffentlichkeit die Notwendigkeit der "Ersten Andreas Müller-Cyran, Marc A. BuchholtzHilfe für die Seele" ein Begriff. Auch im Landkreis Marburg-Biedenkopf hat sich inzwischen ein Kriseninterventionsdienst (KID) etabliert, der nach zweijähriger Vorbereitungszeit auf enger Zusammenarbeit zwischen katholischer und evangelischer Kirche, Rettungsdienst und Feuerwehr basiert. Gemeinsam wollen diese Institutionen Unfallopfern, deren Angehörigen und auch Einsatzkräften beistehen. Zu einem Vortrag von Andreas Müller-Cyran, quasi einem Pionier der Krisenintervention in Deutschland, hatte der KID Marburg-Biedenkopf und die Pfarrgemeinde St. Michael und St. Elisabeth am 1.Dezember 1998 nach Schröck eingeladen.

Andreas Müller-Cyran ist Gründer des Kriseninterventionsteams in der bayerischen Landeshauptstadt München und dessen Leiter. Müller-Cyran hat Philosophie studiert und ist bei der katholischen Kirche für die Polizeiseelsorge und die Betreuung von Rettungsdienst- und Feuerwehrmitarbeitern zuständig. Da er selbst Rettungsassistent ist, ist ihm das Arbeitsfeld bestens vertraut. In seinem Referat im gut besuchten Schröcker Pfarrheim wies Müller-Cyran darauf hin, daß sich Gesundheit nicht nur nach körperlicher, sondern in besonderem Maße auch nach geistiger und seelischer Integrität definiert. Hierbei ergebe sich jedoch ein Spannungsfeld in der Arbeit des Rettungsdienstes, dessen Aufgabe das Wiederherstellen und Erhalten der lebensnotwendigen Funktionen wie Atmung und Kreislauf sowie der Transport des Betroffenen in eine Klinik ist. Es bleibe die Frage offen, ob der Einsatz des Rettungsdienstes nach Übergabe des Patienten in der Klinik oder, wenn der Einsatz von Notarzt und Rettungsdienst vergeblich war, nach Feststellen des Todes wirklich beendet ist. Dies würde die Aufgabe des Rettungsdienstes auf die Sicherstellung einer "Vitalfunktionsmechanik" reduzieren. Eine weitere zentrale Aufgabe des Rettungsdienstes ist aber auch die Verhinderung schwerer psychischer Folgeschäden.

Dies betrifft einschneidende Ereignisse wie den Tod eines nahen Angehörigen, die Erfahrung von Gewalt (nach einer Vergewaltigung oder Geiselnahme) oder das Gefühl, für den Tod eines anderen Menschen verantwortlich zu sein. Diese Aufgabe haben sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams in München zu eigen gemacht: Sie ergänzen die Arbeit des Notarztteams durch Betreuung und Begleitung in der Akutsituation. Die Betreuung psychisch traumatisierter Menschen ist zur Verhinderung schwerer Folgeschäden eine Maßnahme, die so schnell wie möglich ergriffen werden sollte; die ersten drei Stunden nach einem traumatisierenden Erlebnis sind nach Müller Cyran entscheidend. Hierbei orientiert sich die Arbeit an den Bedürfnissen der Betroffenen, was eine fundierte Ausbildung der Mitarbeiter der KID voraussetzt. Denn intuitives Handeln, aus dem Bauch heraus, kann mitunter genau das Gegenteil von dem bewirken, was eigentlich erreicht werden soll; nämlich die Betroffenen zu stabilisieren, ihre Handlungsfähigkeit wiederherstellen und Perspektiven zu bieten. Zentrale Aufgabe der Krisenintervention ist die Überbrückung der Zeit, bis Freunde, Verwandte, Bekannte oder psycho-soziale Einrichtungen wie Selbsthilfegruppen aktiv werden. Oberstes Gebot ist hierbei, die Betroffenen niemals alleine zu lassen.

Viele interessierte Zuhörer aus dem Bereich der Hilfsorganisationen und der Kirchen folgten dem Vortrag von Andreas Müller-Cyran.


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 Update 03.01.07

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