Pfarrei Schröck v.2004 [Archiv]
St. Michael & St. Elisabeth
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[Archiv] Stellenbesetzung und Priestermangel

INHALT: Brief 1993 | Was Pfarrer in Oberhessen denken | Wie Zusammenlegung aussehen könnte
 

Vorbemerkung

Das katholische Dekant Marburg schrieb unter Dechant Winfried Leinweber im Jahre 1993 an die Bischöfliche Behörde zum Thema "Stellenbesetzung und Priestermangel"

"Priesterrat und Dechantenkonferenz haben im Jahr 1992 die Frage nach einem Stellenplan für die Diözese Fulda erörtert und daraufhin die Dekanatskonferenzen gebeten, die Frage zu besprechen: Was ist zu tun, wenn in unserem Dekanat, bedingt durch den Priestermangel, eine Pfarrstelle nicht mehr mit einem Priester besetzt werden kann?

Das Dekanat Marburg hat In drei Dekanatskonferenzen und in zwei Teilkonferenzen (für den Raum Marburg und den Raum Frankenberg) sich mit dem Thema befaßt. Ich teile Ihnen hierdurch das Ergebnis mit:

Was Pfarrer denken...

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1. In unseren Erörterungen sind Äußerungen gefallen wie:

Ich würde keine zweite Pfarrei übernehmen; die Gemeindepfarrer können nicht doppelt so viel arbeiten wie bisher; Gott ist kein Leuteschinder, also darf es auch die Bistumsleitung nicht sein. Die Tätigkeitshäufung schreckt alle ab1 die Priester werden wollen. Ich will mich nicht durch eine klerusinterne Lösung ausnutzen lassen. Wir müssen gegen überzogene Erwartungen in den Pfarrgemeinden vorgehen.

Wir haben zu viele Eucharistiefeiern.

Wie die Gesellschaft1 so setzt auch die Kirche auf die "Profis". Trotz des 1. Korintherbriefs (Kap. 12) und trotz der Ekklesiologie des II. Vatikanums sind bei uns zu viele Tätigkeiten mit dem Priester verknüpft.

Wir können von den Freikirchen lernen, bei denen alle für etwas zuständig sind.

Die Uhrzeiten der sonntäglichen Meßfeiern müssen verändert werden, damit nachbarschaftliche Aushilfe im Notfall möglich wird. Wir müssen schon jetzt damit anfangen (zunächst werktags), Gottesdienste von Laien leiten zu lassen.

Das Zusammenkommen am Sonntag zum Gottesdienst ist das Primäre, die Gottesdienstform ist das Sekundäre. In die Aufgabenstellung müssen möglichst bald auch die Pfarrgemeinderäte einbezogen werden.

Die ganze Angelegenheit stellt an die Bistumsleitung die Frage nach der Pastoral 2000. Die Gesichtspunkte der Stellenbesetzung müssen transparent sein für die Pfarrgemeinden.

Die Pfarreien wollen und dürfen sich nicht als Objekte der Bischöflichen Verwaltung verstehen. Daß sie Subjekte in der Pastoral sind, muß von der · Bistumsleitung akzeptiert sein. Leere Pfarrhäuser (weil kein Priester mehr da ist) müssen mit einem pastoralen Mitarbeiter/einer Mitarbeiterin besetzt werden. Die Mitverwaltung von Pfarreien zwingt zu der Frage, ob die Lasten im Diözesanklerus gerecht verteilt sind. Mitverwalter sollen z. B. vom Schuldienst befreit werden (wenn sie das wollen) zu Lasten eines Nachbarn, der keine Pfarrei mitzuverwalten hat.

Wie Zusammenlegung aussehen könnte

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2. Bei unseren anschließenden, Überlegungen und Vorschlägen haben uns die folgenden Gesichtspunkte geleitet:

a) Das Problem ist nicht den Priestern (allein) zur Bewältigung aufgegeben. Es muß vielmehr dazu kommen, daß die Pfarrgemeinden Subjekte der Seelsorge werden, wobei die Tätigkeit des Priesters ein wesentlicher Dienst ist. Die Eucharistiefeier in der Pfarrgemeinde bleibt das unaufgebbare Ziel.

b) Die Vakanz von Pfarrstellen zwingt zu anderen Formen und Trägern der Gemeindeleitung. Außer den Priestern sind dazu pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen. Für die Leitung von Gottesdiensten, die nicht Eucharistiefeiern sind, müssen ehrenamtliche Kräfte gefunden und ausgebildet werden. Für die Vermögensverwaltung ist ein Kurator zu bestellen.

c) Der Kirche von Fulda ist jetzt ein gemeinsames Lernen abverlangt. Dabei empfiehlt es sich, auch über die eigenen Bistumsgrenzen hinauszuschauen und von den Erfahrungen und Wegen anderer Bistümer zu lernen. Es empfiehlt sich, auf die Kirchen in Süd-und Mittelammerika, in Afrika und Asien zu schauen, inwieweit sich dort Modelle finden lassen. Der Priestermangel kann auch eine Chance und ein Anstoß des Hl. Geistes sein, das gemeinsame Priestertum aller Getauften zu verwirklichen und für neue und andere Leiter und Leiterinnen sowie Gemeindemodelle aufgeschlossen zu werden.

Der Lernvorgang, der der Kirche jetzt abverlangt ist, schließt das Gebet um Priester und um Laien im pastoralen Dienst ein.

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3.Vorschläge für den Bereich der Stadt Marburg:

a) Die Pfarrer von St. Peter und Paul können wegen der Größe ihrer Pfarreien nicht noch eine Nachbarpfarrei mitverwalten.

b) Cappel könnte notfalls von Liebfrauen mitverwaltet werden, aber nur wenn Liebfrauen (zum Pfarrer) einen hauptamtlichen Mitarbeiter 1 eine Mitarbeiterin erhielte. Im Cappeler Pfarrhaus sollte ein Diakon wohnen.

c) Eine Mitverwaltung von Schröck durch Liebfrauen ist kaum denkbar. Die Gemeinden sind sehr verschieden. Daß Schröck und Bauer-bach kombiniert werden, ist nicht möglich. Zu beachten ist: Ginseldorf und Bauerbach sind 2 eigenständige Kirchengemeinden. Eher wäre eine Zusammenfassung von Schröck und Roßdorf zu realisieren.

d) Die Stadt Marburg ist gekennzeichnet durch die Universität (19.000 Studenten) und die Kliniken. Im Team der Klinikseelsorge muß unbedingt ein Priester vollzeitlich mitarbeiten (ohne die Verpflichtung zur Territorialgemeinde). Eine Universität von der Größe der Marburger braucht einen vollzeitlichen Priester (vgl. CIC S 813), zumal schon Fulda einen Hochschulseelsorger bekommen hat.

4. Vorschläge für den Bereich der Stadt Frankenberg:

a) Für den Fall, daß Gemünden/Haina nicht mehr besetzt werden kann und Vöhl besetzt bleibt: Zu Frankenberg kommen die Ortschaften Geismar, Loulsendorf, Ellershausen, Frankenau, Allendorf, Dainrode, Löhlbach, Hüttenrode, Haina, Bockendorf, Halgehausen, Altenhaina, Mohnhausen, Römershausen. Zur Pfarrkuratie Industrie-hof sollten kommen: Oberholzhausen, Niederholzhausen, Lehnhausen und Rosenthal. Der Rest der Pfarrkuratie könnte der Pfarrkuratie Emsdorf zugeteilt werden.

Vöhl übernimmt dafür aus der Pfarrei Frankenberg: Ober- und Niederorke, Ederbringhausen, Schmittlotheim und Altenlotheim. Wegen der Mehrbelastung von Frankenberg müßte die Pfarrei einen Laien im pastoralen Dienst erhalten (halbe Stelle im Krankenhaus, halbe Stelle in der Pfarrei).

b) Für den Fall, daß Gilserberg nicht mehr besetzt werden kann, sollte das Gebiet an Treysa angeschlossen werden. Die schulische und wirtschaftliche Orientierung geht dorthin.

Einige Orte liegen allerdings näher bei Gemünden (so Morscheid, Schönau, Schönstem).

c) Wenn Vöhl nicht mehr besetzt werden kann, liegt Frankenberg zu weit ab, als daß man das ganze Gebiet dort anschließen könnte. Dann müßte das Bistum Paderborn gebeten werden, den Bereich nördlich des Edersees durch die Pfarrei Korbach und Waldeck ex caritate mitverwalten zu lassen, zumal die wirtschaftliche Orientierung nach Korbach geht. Der südliche Bereich (ab Herzhausen) kann dann zu Frankenberg kommen.

d) Solange der Deutsche Orden einen Kaplan zur Verfügung hat, bleibt Industriehof/Ernsthausen eine Kaplanei von Wetter. Andernfalls bleibt Wetter allein als Pfarrei demDeutschen Orden übertragen und Industriehof/Ernsthausen muß dann an Frankenberg angeschlossen werden. Dann braucht Frankenberg einen Kaplan. Aus der Pfarrei Industriehof sollten die Ortschaften Rengershausen und Somplar an die paderbornische Pfarrei Hallenberg/ Bromskirchen angeschlossen werden.

Für weitere Überlegungen stehen die Priester und die pastoralen Mitarbeiter im Dekanat gern zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
(+Dechant Leinweber)

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Stefan Krönung 1996-2007 als Pfarrer in St. Michael und St. Elisabeth

 

 

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 Update 31.05.11