Pfarrei Schröck v.2004 [Archiv]
St. Michael & St. Elisabeth
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Kleiner Leitfaden für einen...
Besuchsdienst

Besuchsdienste der Malteser und der Pfarrei

 

Kleiner Leitfaden für Besuchsdienste (Vers. 1)

Einige Hinweise für den Besucher

1. Ehe ich ein Gespräch führe, versuche ich, mir die äußeren und inneren Einflüsse und Gefühle, unter denen ich momentan und grundsätzlich stehe, weitmöglichst bewusst zu machen. Ich möchte mein Hören und Sehen, mein Denken, Fühlen und Glauben ganz auf den Gesprächspartner konzentrieren und alles ab- und ausschalten, was mich am genauen und vorurteilslosen Hinhören und Hinschauen hindert. Ich prüfe, inwieweit ich diese meine persönlichen Gefühle und Einflüsse eindämmen, ausschalten oder sinnvoll integrieren kann.

2. Ich sorge vor und während des Gespräches für ein Höchstmaß an äußerer und innerer Ruhe.

3. Ich konzentriere mich auf den Gesprächspartner, auf seine Aussagen und Erfahrungen, Wünsche und Gefühle, auf sein Vermögen und Unvermögen.

4. Aufmerksames und ernsthaftes Zuhören kann sich verbal ("ja", "hm") oder averbal äußern (Kopfnicken, Mimik, Gesten etc.).

S. Ich höre nicht nur auf den Wortlaut, sondern auch auf Wortwahl, Tonfall, Stimmlage, Sprechtempo, Sprechpausen, Bruchstellen etc. Dabei stütze ich mich nicht nur auf das Hören, sondern auch auf das Sehen und beachte Mimik, Gestik, Körperbau, Kleidung etc. des Partners.

6. Ich achte nicht nur auf die logischen Aussagen des Gesprächspartners, sondern versuche zu erfassen, was der andere (noch) nicht verbalisieren kann, z.B. starke Gefühle, negative Emotionen (Vorsicht vor subjektiven Unterschiebungen!).

7. Ich beachte Stichwörter, Reizwörter, Schlüsselsätze, Hauptfragen, aber auch Bruchstellen und Pausen. Gibt es einen "roten Faden", ein bestimmtes Gefälle?

8. Ich höre mit einer "gleichmäßig schwebender Aufmerksamkeit" (Freud) zu, vermeide also ein zeitweises Abschalten sowie ein innerliches Abschweifen zu anderen Themen; ich beschäftige mich nicht mit einem bestimmten Thema (das mir wichtig oder schwierig erscheint), während der Partner schon von anderen Themen spricht.

9. Ich lasse den Partner ausreden und falle ihm nicht ins Wort mit Meinungsäußerungen, voreiligen Interpretationen und Zwischenfragen; Ich habe für den anderen Zeit und Geduld.

10. Ich achte sorgsam auf Verlockungen zu eigenen, langatmigen Reden: z.B. erzählen eigener Erfahrungen, Schilderungen eines ,,ähnlichen Falles", Überredungsversuche, Dogmatisieren, Moralisieren etc.

(Zusammengestellt nach W. Weber, "Wege zum helfenden Gespräch")

Aktives ZUHÖREN

Das Gespräch beginnt, steht und fällt mit dem Zuhören. Als Besucher sollte man sich deshalb systematisch mit der Methode des Zuhörens vertraut machen, um ,,ganz Ohr sein" zu können.

Zuhören geschieht nicht nur mit dem Ohr, sondern auch durch Sehen und Fühlen. Bei einem seelsorglichen Besuch begleitet der Besucher hörend und sehend, verstehend und mitfühlend. Wenn er zuhört, dann erfordert das ein Höchstmaß an Konzentration und Engagement: Der Besucher nimmt z.B. auch das wahr, was durch Gesten, durch Mimik oder durch den Ton ausgedrückt wird, oder die Angst, die während einer Pause entsteht, oder, daß etwas verschwiegen wird. Seine Aktivität während des Zuhörens besteht im Mitfühlen, Mitdenken und Mitsuchen.

ZUHÖREN bedeutet:

1. Ich sehe im anderen einen Partner, nicht einen moralisch Schlechteren oder im Glauben Schwächeren; d.h.: ich verzichte auf einen autoritären - dirigistischen - Führungsstil.

2. Ich konzentriere mich auf den Gesprächspartner, d.h. ich verzichte darauf, nur von mir zu sprechen.

3. Ich nehme den anderen an, so wie er ist, d.h. ich verzichte darauf, den anderen in seiner Person abzulehnen oder zu verurteilen.

4. Ich spreche nicht nur über das, was ich möchte, sondern auch über das, was der andere will; der andere muß Möglichkeiten haben, sich über seine Probleme zu äußern, auch wenn er längere Zeit dazu braucht und zunächst erst Randthemen anspricht.

5. Durch mein Zuhören erhält das Gespräch eine heilende Ebene:

der andere kann sich aussprechen und damit fähig werden, seine Probleme zu sehen und zu verarbeiten.

GEFAHREN DER GESPRÄCHSFUHRUNG

Die Gesprächsführung bei einem Kontaktgespräch kann unter konkreten Gefahren und Belastungen leiden, für die der Mitarbeiter im Besuchsdienst verantwortlich ist.

Einige Verhaltensweisen, die der Besucher vermeiden sollte, seien hier kurz in

Form eines ,,Lasterkatalogs" umrissen.

Der Besucher sollte bei einem Gesträch möglichst nicht:

1. Dirigieren, d.h. Ratschläge, Mahnungen oder Befehle aussprechen, fertige Lösungen vorlegen, zu Überredung und Manipulation greifen.

2. Debattieren, d.h. Streitgespräche führen, rechthaberisch den eigenen Standpunkt vertreten (häufige Redewendung ,,Ja, aber ...,")

3. Doginatisieren, d.h. Aussagen von unanfragbarer Autorität verbreiten, ,Lehrsätze' aus Theologie und Psychologie, Lebenserfahrung und "Volksweisheit".

4. Diagnostizieren (in einseitiger Weise), d.h. hier: schnell und verallgemeinernd und endgültig eine Diagnose aussprechen, so daß der Besuchte seine individuelle Freiheit verliert und außerdem durch die Diagnose schockiert wird.

5. Interpretieren (einseitig), das bedeutet hier: eigenwillig und subjektiv auslegen, Dinge hineintragen oder herauslesen, die nicht wirklich angesprochen sind.

6. Generalisieren, d.h. ein allgemeines Schema anwenden und so die Allgemeinheit gegen das Individuum ausspielen; zu unzulässigen Verallgemeinerungen greifen (z.B. Wörter benützen wie "alles", "immer", "nie").

7. Bagatellisieren, d.h. ein Problem oder Gefühl des Gesprächspartners herunterspielen und als geringfügig ansprechen.

8. Moralisieren, d.h. negative und positive Werturteile aussprechen, den anderen beurteilen.

9. Monologisieren, d.h. viel und langatmig reden und dabei den anderen aus den Augen verlieren.

10. Emigrieren, d.h. innerlich und äußerlich auswandern und abschalten, abwehren und gleichgültig sein.

11. Rationalisieren, d.h. in einseitiger Weise logisch-intellektuell vorgehen und dabei die Gefühlswelt vernachlässigen.

12. Projizieren, d.h. eigene Erfahrungen, Gedanken, Gefühle und Einstellungen auf den Gesprächspartner übertragen; von subjektiven Erfahrungen auf den anderen schließen.

13. Sich identifizieren (in einseitiger Weise), d.h. in der Welt des Partners aufgehen, die nötige Distanz und Selbstkontrolle verlieren.

14. Sich fixieren, d.h. sich selber auf bestimmte Rollen festlegen oder sich vom Gesprächspartner eine feste Rolle zuschieben lassen (z.B. die Rolle des allwissenden Beraters, der ,trostreichen Mutter').

15. Abstrahieren, d.h. abstrakt und allgemein reden, theoretisieren.

16. Examinieren, d.h. ausfragen, zu viel fragen, verhören.

17. Externalisieren, d.h. Randprobleme zur Sprache bringen (z.B. ferne Probleme, Äußerlichkeiten).

18. Umfunktionieren, d.h. den Partner unterbrechen und das Gespräch gegen seinen Willen in eine bestimmte Richtung lenken (z.B. durch Fragen).

 

Lit.:

Soziale Dienste und Caritas der Gemeinde: Pfarrbesuchsdienst. Materialien zu Aufbau und Arbeit von Besuchsdiensten. Hg. vom Katholikenrat der Diözese Fulda. (Tel. 0661-87467 Fax 0661-87578)

10 Schritte zum Aufbau von ehrenamtlichen Sozialdiensten - eine Arbeitshilfe (....) Hg. Malteser-Hilfsdienst, Kalker Hauptstr. 22-24, 51103 Köln (Tel. 0221-9822240 und Fax 9822589).

Kurs: 15. und 20. Mai 2000, 20 Uhr, Pfarrheim Schröck

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Stefan Krönung 1996-2007 als Pfarrer in St. Michael und St. Elisabeth

 

 

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 Update 31.05.11

 

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