Pfarrei Schröck v.2004 [Archiv]
St. Michael & St. Elisabeth
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Priestermangel

Wort des Bischofs

 

Quelle: »DAS WORT DES BISCHOFS (Erzbischof Johannes Dyba) in der Kirchenzeitung

"Bonifatiusbote" vom 06.07.1997

Priestermangel?

Im Bistum Fulda konnten wir im Bonifatiusmonat Juni dieses Jahr vier Priester und sieben Diakone weihen, die, so Gott will, im nächsten Jahr zur Priesterweihe anstehen. Das ist ein Geschenk Gottes, für das wir von Herzen dankbar sein dürfen. Danach werden die Weihezahlen voraussichtlich vorerst zurückgehen, während die Zahl der in den Ruhestand ziehenden Priester deutlich höher ist. Herrscht bei uns Priestermangel?

Ich glaube, daß ein Blick in die Geschichte uns da die Maßstäbe etwas geraderücken kann. Überfluß und Mangel waren nämlich beständig wechselnde Erscheinungen in der Geschichte der Kirche und speziell im Bistum Fulda.

Zur Zeit der Neuumschreibung der Diözese (1821) zählte das Bistum 70 Pfarreien und 109 Priester bei knapp 100.000 Katholiken. Die gesamte Diözesanverwaltung (einschließlich des Seminars und der Theologischen Lehranstalt) fand im Gebäude des heutigen Priesterseminars Platz. Die Bedürftigkeit des neuen Anfangs wurde aber zum Nährboden einer langsam wachsenden Volkskirchlichkeit, zum Ausgangspunkt erneuter Frömmigkeit, missionarischer und caritativer Aktivitäten, gesellschaftlicher Wirksamkeit und großer Treue zum Hl. Stuhl. In diesem katholischen Milieu nahmen auch die Priesterberufe wieder zu.

Einen erneuten Einbruch brachte die Zeit des Kulturkampfes (1872/80). Das Bistum verwaiste nach dem Tod des Bischofs Kött (dessen Nachlaß wegen einer nicht bezahlten Geldstrafe gepfändet wurde!), das »Priesterseminar wurde geschlossen, die Klöster aufgehoben und zahlreiche Geistliche verloren ihre Wirkungsmöglichkeit. So war um 1881 das Bistum ohne Bischof, es lebte noch ein Domkapitular und etwa ein Drittel aller Seelsorgestellen waren vakant oder ohne Priester.

Doch wiederum wuchs aus der Erfahrung der Not der Geist der Gemeinschaft und der Frömmigkeit. Nach Beendigung des Kulturkampfes stiegen die Zahlen wieder an und 1910 meldet der Fuldaer Realschematismus 151 Pfarreien, ca. 240 Priester und 61 Seminaristen.

Drei große Veränderungen standen der Diözese aber noch bevor: die Neuumschreibung 1929 (Frankfurt an Limburg, Thüringen an Fulda), der Flüchtlingsstrom von 1945/46 und die Trennung der Diözese nach Ost und West.

Und heute? Wir würden zwar gerne noch viel mehr Priester einsetzen und müssen auch eine gewisse Überalterung des Klerus feststellen. Aber was das zahlenmäßige Verhältnis von Geistlichen zu Gläubigen angeht, stehen wir nicht so schlecht da, unter den hessischen Bistümern sogar an erster Stelle. Denn auf einen Diözesanpriester (Weltpriester) kommen im Bistum Fulda 1.324 Gläubige, dagegen im Bistum Mainz 1.757 und im Bistum Limburg sogar 2.130 Gläubige.

Was sich in diesen Zahlen auch widerspiegelt ist die in den letzten zwei Jahrzehnten gemachte Erfahrung, daß der vermehrte Einsatz von Pastoralreferenten als Ersatzpriester in den Gemeinden den Priestermangel nicht behebt, sondern eher noch zementiert.

Das was wir heute komplex als "Priestermangel" ansehen, hat vor allem drei Gründe. Einmal die zurückgehende Zahl von geistlichen Berufen bei uns (weltweit ist sie schon wieder steigend). Zum zweiten die nach dem Zustrom der heimatvertriebenen Katholiken erfolgte Gründung vieler kleiner Seelsorgestellen und Filialkirchen in vorher nicht katholischen Gebieten des Bistums. Nach dem Ausscheiden der entsprechenden heimatvertriebenen Priester sind diese nicht mehr zu ersetzen. Und drittens eine gewisse "Servicementalität" auf Seiten der Gläubigen: trotz ständig sinkender Kirchenbesucherzahlen glaubte man Zahl und Häufigkeit der hl. Messen immer noch erhöhen zu müssen. Die Fuldaer Synode von 1924 sieht noch den einen gemeinsamen Pfarrgottesdienst mit Predigt als Regel an. Dem stehen heute drei Sonntagsgottesdienste als Regel gegenüber, ja es gibt sogar noch konkurrierende Vorabendmessen in benachbarten Pfarreien.

Wenn also in Zukunft die Zahl der in der Pfarrseelsorge einsetzbaren Priester noch zurückgeht, werden die kleineren Filialen auf dem Lande sich auf die größeren Pfarreien hinbewegen müssen, in denen die regelmäßige Feier der hl. Messe gewährleistet ist. Das ist bei der heutigen Mobilität auch durchaus (und meistens in 10 bis 15 Minuten) möglich. Keinem wird ja wie früher zugemutet, in aller Herrgottsfrühe stundenlang durch den Schnee zu stapfen, um zur hl. Messe zu kommen.

Wem das schwer fällt, der sollte bedenken, daß die Konzentration auf die eucharistiefeiernde Gemeinde mit Priester und sakralem Raum viel eher dem ursprünglichen Idealbild der Kirche entspricht, als Veranstaltungen in versprengten Grüppchen und ebenso wenig privat zelebrierende Priester.

Von jeher wurde die Gemeinde in der Kirche durch die gemeinsame Feier der hl. Eucharistie begründet. Das soll im Bistum Fulda auch so bleiben. Dafür stehen uns - Gott sei Dank - in unserem Bistum genügend Priester zur Verfügung. Und daß das so bleibt, darum wollen wir Gott von Herzen bitten, so wie er selbst es uns geboten hat: "Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter in seine Ernte sende." Bitten wir wirklich so, daß Gott uns erhören kann?

Euer Bischof Johannes

 

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Stefan Krönung 1996-2007 als Pfarrer in St. Michael und St. Elisabeth

 

 

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 Update 31.05.11

März 1999