Bischof Dr. Eduard Schick
Am 20.
November 2000 verstarb im Eichhof-Krankenhaus in
Lauterbach Bischof Dr. Eduard Schick. Der
emeritierte Fuldaer Oberhirte (geboren am 23. Februar
1906) stand im 95. Lebensjahr und 72. Jahr seines
Priestertums. Er war der älteste katholische Bischof
in Deutschland und einer der wenigen Bischöfe der
Weltkirche, die von der ersten bis zur letzten
Sitzungs-periode noch am Zweiten Vatikanischen Konzil
teilgenommen haben. Als neutestamentlicher Exeget von
Rang hatte Schick dem Zweiten Vatikanum insbesondere
bei der Umsetzung des Kirchenbegriffs wichtige
Impulse gegeben. In seiner oberhessischen Heimat wurde er begraben.
Am 22. Dezember 1998 beging
Bischof Dr. Eduard Schick den 70. Jahrestag seiner
Priesterweihe, die er 1928 im Fuldaer Dom empfangen hatte. Der emeritierte Fuldaer Oberhirte war der
älteste katholische Bischof in Deutschland und einer
der wenigen, die von der ersten bis zur letzten
Sitzungsperiode noch am Zweiten Vatikanischen Konzil
teilgenommen haben. Als neutestamentlicher Exeget von
Rang hat Schick dem Zweiten Vatikanum insbesondere
bei der Umsetzung des Kirchenbegriffs wichtige
Impulse gegeben
1962 zum Weihbischof
ernannt und als Folge des Konzils mit wichtigen
überdiözesanen Aufgaben betraut, leitete Schick von
1974 bis 1983 die Diözese Fulda, zunächst als
Kapitularvikar, dann als Diözesanbischof und zuletzt
als Apostolischer Administrator. Nicht nur als
Konzilsteilnehmer, sondern vor allem auch als
Präsident der noch von Papst Paul VI. eingesetzten
Neo-Vulgata-Kommission hat er durch seine
entscheidende Mitwirkung an der neuen lateinischen
Bibelübersetzung als amtlichem Text aller
Originalausgaben liturgischer Bücher sowie Urkunden
und Dokumente des Heiligen Stuhls ein Stück
Kirchengeschichte mitgeschrieben. Als Beauftragter
der Deutschen Bischofskonferenz für die neue
Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift erwarb sich
Bischof Schick nicht zuletzt auch große Verdienste
um die wachsende Zusammenarbeit der christlichen
Kirchen im deutschen Sprachraum. Wenn die
Fertigstellung der Neo-Vulgata seinerzeit als
"wahrhaft historisches Ereignis" und die
neue deutschsprachige Einheitsübersetzung als
"ökumenisches Jahrhundertwerk"
herausgestellt wurden, so läßt dies ahnen, welch
gewaltiges Arbeitspensum sich der frühere Fuldaer
Oberhirte hier aus apostolischem
Verantwortungsbewußtsein über viele Jahre hin
auferlegt hat.
Das hohe Ansehen, das
sich Bischof Schick erworben hat, wurde in der
Verleihung der Ehrenbürgerrechte der Stadt Fulda und
seiner Heimatstadt Amöneburg, der Verleihung des
Großen Bundesverdienstkreuzes und der ersten
Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät Fulda
sowie der Ernennung zum Ehrenritter des Deutschen
Ordens öffentlich sichtbar.
Sorge um Glaubensverkündigung
[Inhalt]
Als Priester versteht
sich Bischof Schick in erster Linie als
"Werkzeug Gottes". Bestimmend für sein
gesamtes pastorales Wirken war daher stets die
Verkündigung des Glaubens: Als Theologieprofessor
kommentierte er das Neue Testament, als langjähriger
Regens des Priesterseminars trug er Verantwortung für
die künftigen Verkünder des Evangeliums, als
Bischof in der Nachfolge der Apostel war er stets
authentischer Künder des Gotteswortes. In seinen
zahlreichen Schriften hat sich Bischof Schick nicht
nur als ausgezeichneter Kenner der biblischen
Botschaft erwiesen, sondern auch vielen Menschen dazu
verholfen, einen tieferen Zugang zu Christus und
seiner Offenbarung zu gewinnen. Getreu seinem
Wahlspruch "Veritatis victoria caritas" hat
Bischof Schick deutlich gemacht, daß letztlich die
Liebe allein gültiges Beweismittel für die Echtheit
und Reife des Glaubens und damit Kern christlicher
Lebenserziehung ist. Durch sein klares Zeugnis der
Wahrheit des Evangeliums hat er neuen,
selbstbewußten Glaubensmut gegeben. Charakteristisch
sind die programmatischen Titel seiner Bücher
"Die Wahrheit siegt durch die Liebe",
"Das Vermächtnis des Herrn", "Im
Glauben Kraft empfangen", "Allen alles
werden", "Der erlöste Kosmos" - um
nur einige zu nennen.
Vermächtnis eines Konzilvaters
[Inhalt]
Die Sorge um die
Verkündigung der Kirche hat Bischof Schick bis zum
heutigen Tag nicht losgelassen. So hat er erst Anfang
dieses Jahres in einer viel beachteten Abhandlung vor
den Gefahren einer nicht mehr ausschließlich an der
Offenbarung Gottes orientierten Verkündigung
eindringlich gewarnt. Wiederholt hat er gerade in
jüngster Zeit seine tiefe Besorgnis angesichts der
gegenwärtigen tiefen Krise des Glaubens bekundet und
als "Vermächtnis eines Konzilvaters"
herausgestellt, daß unsere Zeit weniger neue
Strukturen als zeitaufgeschlossene tiefgläubige
Seelsorger brauche.
Die Teilnahme am
Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) war für
Bischof Schick, wie er selbst - so u.a. in einer
Rückschau in "Stimmen der Zeit" - bekundet
hat, "das hervorragendste und persönlich
stärkste Erlebnis" seines ganzen
Priesterlebens. Es war dabei vor allem das Erlebnis
der Weltkirche, das ihn zutiefst geprägt hat. Mit
fundiertem biblischem Wissen hat der damalige
Weihbischof in der Konzilsaula mehrfach das Wort
ergriffen. Besondere Beachtung fand dabei seine
Intervention zur Theologie und Stellung der
Ortskirche im Rahmen der Gesamtkirche, deren
Grundgedanken in die dogmatische Konstitution über
die Kirche "Lumen Gentium", wohl eines der
wichtigsten Konzildokumente, eingegangen sind. Die
Kirche als das zu sehen, was sie wirklich ist, nicht
nur als historische Institution, die Neubesinnung auf
ihre missionarische Sendung lagen ihm besonders am
Herzen.
Sohn des katholischen Oberhessen
[Inhalt]
Bischof Schick ist ein
Sohn des katholischen Oberhessen. Immer wieder -
zuletzt bei der Bischofsweihe von Dr. Ludwig Schick
im Juli diesen Jahres - hat er herausgestellt, welch
prägende Kraft der Geburtsort Mardorf am Fuße der
Amöneburg, der ersten Klostergründung des hl.
Bonifatius in Hessen, und das bäuerliche Elternhaus
nahe der Stadt der hl. Elisabeth für seine ganze
spätere Entwicklung hatten. In der Mardorfer St.
Hubertus-Kirche fand am 2. Weihnachtstag 1928 auch
die Primizfeier statt. War damals in der
Kirchenzeitung "Bonifatiusbote" der Wunsch
geäußert worden, daß dem Neupriester "eine
reich von Gott gesegnete Wirksamkeit auf viele, viele
Jahre" vergönnt sein möge, so ist das
nunmehrige höchst seltene Jubiläum willkommene
Gelegenheit, Dank zu sagen.
Dem Bistum ein Leben lang verbunden
[Inhalt]
Bischof Schick hat -
wie er selbst vor kurzem formulierte - "dieses
verwirrende und verworrene Jahrhundert vom ersten bis
zum letzten Jahrzehnt erlebt". Als Priester
blieb er dem Bistum des hl. Bonifatius und der hl.
Elisabeth ein Leben lang verbunden. Nach
vierjähriger Tätigkeit als Kaplan in Hattenhof und
Kassel (St. Marien, St. Familia) zu weiteren Studien
beurlaubt, schloß er sein an der Universität
Göttingen begonnenes Mathematikstudium 1934 an der
Universität Bonn mit dem philologischen Staatsexamen
ab. Nach seinem Referendariat am Wilhelmsgymnasium in
Kassel legte er 1935 die Assessorenprüfung ab. Ein
Jahr später wurde er von den nationalsozialistischen
Machthabern aus dem staatlichen Schuldienst entfernt.
Nach einem weiteren Jahr Kaplanstätigkeit in St.
Marien in Kassel war er bis zur Schließung durch das
NS-Regime 1938 Leiter der Bischöflichen
Rektoratsschule in Großauheim. Er setzte danach
seine theologischen Studien an der Universität
Würzburg fort und schloß sie mit der Promotion ab.
Seine Dissertation stellte eine sehr frühe
Auseinandersetzung mit der
Entmythologisierungstheorie Bultmanns dar.
1939 wurde Schick von
seinem Bischof zum Regens des Priesterseminars ernannt, das er während der
schweren Kriegs- und Nachkriegsjahre bis 1950
leitete. Daneben Dozent an der
Philosophisch-Theologischen Hochschule Fulda, wurde
er 1947 zum Ordentlichen Professor für
Neutestamentliche Exegese berufen und bekleidete von
1960 bis 1962 das Amt des Rektors der Hochschule.
1957 wurde er Ehrendomkapitular und im gleichen Jahr
residierender Domkapitular. Von 1955 bis 1959 war er
auch stellvertretender Generalvikar.
Am 14. April 1962
wurde Dr. Schick zum Titularbischof von Aradi
(Nordafrika) und Weihbischof in Fulda ernannt und am
11. Mai desselben Jahres in Fulda zum Bischof
geweiht. Nach der Neustrukturierung der Fuldaer
Bischofskonferenz aufgrund der Beschlüsse des
Zweiten Vatikanischen Konzils war er Vorsitzender der
Unterkommission der Deutschen Bischofskonferenz für
biblische Fragen. Nach dem Tod von Bischof Bolte
leitete Weihbischof Schick als Kapitularvikar das
Bistum Fulda, bis er am 18. Dezember 1974 zum Bischof
von Fulda ernannt wurde.
Sorge um Priesterausbildung
[Inhalt]
Als ehemaliger Regens
und Professor für Neutestamentliche Exegese (der
seine Lehrtätigkeit auch als Weihbischof bis 1970
fortsetzte), sah Bischof Schick in der Sorge für Priesterseminar und Hochschule eine der
wichtigsten Aufgaben seines bischöflichen Amtes.
Frucht seiner vielfältigen Bemühungen war eine
wachsende Zahl von Priesteramtskandidaten sowie 1978
die Erhebung der Philosophisch-Theologischen
Hochschule zur Theologischen Fakultät Fulda mit dem
Recht der Verleihung der akademischen Grade in
Theologie. Den seelsorglichen Erfordernissen suchte
er durch die Schaffung von neuen Pfarrheimen als
Begegnungsstätten der Gläubigen außerhalb des
Gottesdienstes und von Bildungshäusern gerecht zu
werden. Das älteste Bildungshaus des Bistums, das
Fuldaer Bonifatiushaus, erfuhr eine wesentliche
bauliche Erweiterung und wurde zu einer
Mustereinrichtung kirchlicher Erwachsenenbildung.
Muse christlichen Lebens
[Inhalt]
Am 1. Juli 1982 nahm
Papst Johannes Paul II. das mit der Vollendung des
75. Lebensjahres vorgeschriebene Rücktrittsgesuch
von Bischof Schick an. Aber auch als
"bischöflicher Pensionär" blieb Bischof
Schick für die Menschen verfügbar. Getreu seiner
erklärten Absicht, den Ruhestand zu einer "Muse
für das christliche Leben" zu machen, widmete
er sich auch wieder intensiv der theologischen
Wissenschaft. In Meditationen zu Büchern des Neuen
Testaments mit teilweise hochaktuellen Bezügen
sprach er Grundfragen menschlicher Existenz an,
suchte sie von der christlichen Botschaft her zu
beleuchten und setzte sich dabei kritisch mit
Strömungen der Zeit auseinander. Trotz tiefer Sorge
über das gegenwärtige Erscheinungsbild der Kirche,
das ihn auch im hohen Alter zutiefst bewegt, ist
seine Grundhaltung dabei doch stets von christlichem
Optimismus geprägt, einer unerschütterlichen
Zuversicht aus lebendigem Glauben, die weiterzugeben,
ihm sein ganzes Priesterleben Verpflichtung war.
[Inhalt]