Pfarrei Schröck v.2004 [Archiv]
St. Michael & St. Elisabeth
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Pfarrei | Feste und Feiern im Kirchenjahr | Bildstöcke

Alle Bittgänge in Schröck
Processionen um die Fluren...

  Blick auf Schröck - im Hintergrund die Amöneburg (Mai 1998)  Bittgang zum Marktgrundkreuz - Mai 1998
Bittprozession in Dorf: Ministranten und Gläubige ziehen zu den Bildstöcken in der Himmelfahrtswoche

Schröck: Pfingstprozession in der katholischen Enklave
Sie sind eine uralte christliche Tradition, die auch in Hessen gepflegt wird - jedenfalls in der katholischen Kirche. Prozessionen. Bittgänge raus in die Natur haben  heutzutage sogar wieder stärkeren Zulauf. In Schröck bei Marburg findet seit Jahrhunderten in jedem Jahr am Pfingstmontag eine Prozession statt - zu einem der vielen Bildstöcke und Wegkreuze. Jochen Schmidt war dabei. Sein Beitrag lief am 4.6.2001 um 19.30 Uhr in der Jubiläumshessenschau des HR.

Nach der Meßfeier zieht die Prozession zu den Bildstöcken und Wegkreuzen (Mai 1998) "Warum gehet man in den Processionen um die Fluren, Aecker und Felder? - Um den gütigen Gott zu bitten, er wolle mit seiner milden väterlichen Hand die Fluren segnen, die Früchte der Erde erhalten, und wie er alle Thiere mit Segen erfüllt, und ihnen ihr Speis zu gelegener Zeit giebt, also auch uns Menschen die nothwendige Nahrung mittheilen." heißt es bei Leonhard Goffine 1690 in seinem "Christkatholischen Unterrichtsbuch" zur Funktion der Bittgänge.

Bittgänge sind ein jahrtausend altes und geschätztes Zeichen, den Glauben an Gott, an die Macht des vertrauenden Gebetes und die helfende Fürsprache der Heiligen zu bekunden. Unter dem Begriff "Bittgang" versteht man zunächst alle Gebetsprozessionen, die im Verlangen nach übermenschlicher Hilfe und im Glauben an den Helferwillen Gottes unternommen werden.

Sie lassen sich auf eine Anordnung des Bischofs Mamertus von Lyon im Jahr 469 zurückführen, wegen Erdbeben und Mißernten an den drei Tagen vor Christi Himmelfahrt mit Fasten verbundene Bußprozessionen zu halten.

Um 800 wurden diese drei Bittage (Rogationes oder litantiae minores) auch von Rom eingeführt, allerdings ohne vorgeschriebenes Fasten.

Bittgang in Schröck 1998

Der Sprachgebrauch hat den Ausdruck "Bittgang" allmählich auf Prozessionen beschränkt, die mit der Landwirtschaft in Verbindung stehen. In den letzten Jahren ist dieser Themenkreis erweitert worden. So heißt es im Meßbuch: "An den Bitt- und Quatembertagen betet die Kirche für mannigfache menschliche Anliegen, besonders für die Früchte der Erde und für das menschliche Schaffen".

Die Feier der Bittage ist im religiösen Leben und Brauchtum der Pfarrei Schröck verwurzelt und wird Jahr für Jahr vom ersten Maisonntag an (Zechspannkreuz) in der Himmelfahrtswoche begangen vor dem Fest Christi Himmelfahrt. Das Gebet und seine Anliegen dabei, richten sich auf das gegenwärtige Leben und seine Gefährdung.

Der Dorfchronist weiß, dass Pfr. Laufer im Jahre 1950 die Bittprozessionen in der Bittwoche erneuert hat.

Im Jahre 2000 wurde an dieses Jubiläum erinnert. Alle Bittgänge fanden statt, so auch zum 300jährigen Kreuz am Kirschbäumchen.

Übersicht:

Freundliche Polizisten sichern die Prozessionswege ab (Christi Himmelfahrt 2000)

Erster Sonntag im Mai seit 1792 (bzw. nach dem 3.5.):
Bittprozession zum
Zechspann-Kreuz von der Kirche über Schröcker Straße, Zum Elisabethbrunnen und zurück.

Montag, in der Bittwoche: Bittprozession zum Kreuz am Bergerweg von der Kirche zur Roßdorfer Straße und zurück.

Dienstag: Bittprozession zum Kreuz am Marktgrund von der Kirche über die Zelterstraße und zurück.

Mittwoch: Bittprozession zum Kreuz am Kirschbäumchen von der Kirche über Schröcker Straße, Kastanienstraße und zurück.

Donnerstag (Christi Himmelfahrt): Bittprozession zum Bauerbacher Kreuz von der Kirche über Schröcker Straße, Heljehaus und zurück.

Pfingstmontag: Bittprozession zum Roßdorfer Kreuz von der Kirche über Roßdorfer Straße und zurück.

14. September: Kreuzgang zur Ruine der Kreuzkapelle

Links:

Religiöses Brauchtum um Christi Himmelfahrt 
http://www.religioeses-brauchtum.de/sommer/christi_himmelfahrt.html

[PresseInfo 1999] Bittage gehalten – Unwetter, Katastrophen und Krieg als Themen

Mit vielen oberhessischen katholischen Gemeinden hat die Pfarrei Schröck den mehr als 1500 Jahre alten Brauch der "Feier der Bittage" gemeinsam.

Auch in diesem Jahr zogen in der "Himmelfahrtswoche" allabendlich über 100 Christen nach der Meßfeier in der Pfarrkirche mit Ministranten, Helfern, Alt und Jung zu den Bildstöcken und Wegkreuzen an den vier Ortsausgängen von Schröck.

Am Tag Christi Himmelfahrt wurde mehr als 200 Beter gezählt, die die Straße von Schröck noch Bauerbach zogen, sicher geleitet durch Polizeibeamte, die den Sicherungsdienst übernahmen.

Voraus ziehen dabei Ministranten mit Fahnen und Kreuz. Abschluß und Höhepunkt einer jeden Wallfahrt ist die "Allerheiligenlitanei" und der gesungene "Wettersegen" gegen Blitz, Hagel und Unwetter.

"Um den gütigen Gott zu bitten, er wolle mit seiner milden väterlichen Hand die Fluren segnen, die Früchte der Erde erhalten, und wie er alle Thiere mit Segen erfüllt, und ihnen ihr Speis zu gelegener Zeit giebt, also auch uns Menschen die nothwendige Nahrung mittheilen." heißt es bei Leonhard Goffine 1690 in seinem "Christkatholischen Unterrichtsbuch" zur Funktion der Bittgänge.

Daran hat sich nichts geändert: In den neuen Gebetstexten und Litaneien habe die Anliegen nur Namen und Inhalte, die den Mitmenschen aus den Medien bekannt sind: Krieg im Kosovo – Unwetter in der USA – Unmenschlichkeit und Ungerechtigkeit an vielen Orten.

Pfarrer Krönung: "Diese Bittgänge sind geschätzte Zeichen, den Glauben an Gott, an die Macht des vertrauenden Gebetes und die helfende Fürsprache der Heiligen zu bekunden. Wir machen oft die Erfahrung, hilflos zu sein. Das teilen wir einander mit und erinnern uns an die Zusage Gottes, daß er uns beisteht! Bittgänge sind die Friedensdemonstrationen der kleinen Leute!"

Im Meßbuch heißt es dazu: "An den Bitt- und Quatembertagen betet die Kirche für mannigfache menschliche Anliegen, besonders für die Früchte der Erde und für das menschliche Schaffen".

Die Feier der Bittage ist im religiösen Leben und Brauchtum der Pfarrei Schröck verwurzelt und werden Jahr für Jahr vom ersten Maisonntag an (Zechspannkreuz) in der Himmelfahrtswoche begangen vor dem Fest Christi Himmelfahrt. Das Gebet und seine Anliegen dabei, richten sich auf das gegenwärtige Leben und seine Gefährdung.

"Zusammengenommen bringen wir mit der Kirchengemeinde dabei über tausend Menschen auf die Beine" rechnet Pfarrer Krönung.

Letzter Bittgang ist am Pfingstmontag, 9.00 Uhr mit der Prozession zum "Roßdorfer Kreuz" (Beginn der Pfarrkirche).

 

Bildstocknotizen:

"Das Kreuz am Berger Weg wurde über 200 Jahre nach seiner Errichtung am Vorabend des Festes von der Himmelfarht unseres Herrn im Gewittersturm vom umstürzenden Baum zerschmettert. 2 Tage zuvor führte der letzten Bittgang zu dieser Stätte. Die baldige Wiedererrichtung muss in unser aller Interesse liegen!"
(Gottesdienstordnung 3.-10.6.1979)

Fernsehaufnahmen und Beitrag für www.hessenschau.de im Jahr 2001 mit Jochen Schmidt. In diesem Jahr soll auch das "Bauerbacher Kreuz" wieder aufgerichtet werden.

Lit.
Roppel, Alexandra: Glaubensbekenntnisse und Volksfrömmigkeit. Sehenswerte Bildstöcke markieren katholisch geprägte Landschaften. In: Marburger Neue Zeitung, 20. Mai 2000, S. 16

Stefan Krönung 1996-2007 als Pfarrer in St. Michael und St. Elisabeth

 

 

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 Update 31.05.11

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