Pfarrei Schröck v.2004 [Archiv]
St. Michael & St. Elisabeth
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Brauchtum in Oberhessen

Frauen bemalen Ostereier (Schröck, 1954)

Ostereiersprüche
Kleinschrift "Schröcker Gute Seiten" bringt 145 Sprüche

Schröcker Gute Seiten

Für unsere Gegend gibt es neben charakteristischen Gepäckformen und Gebildebroten an den Festen des Jahreslaufes (Neujahr) auch die Bemalung der Ostereier. Frau Maria Braun hat noch 1999 für mehr als 40 Senioren eine solche Kostbarkeit gefertigt und verschenkt.

Das Bemalen der Ostereier ist als Frühjahrsbrauch weit über Europa und Asien verbreitet.

Sie werden mit eigenen Ornamenten und sinnigen Sprüchen über und über dekoriert.

Die Muster werden mit einer "Spindel", einer in ein dünnes Hölzchen gesteckten Stecknadel oder einer spitzen Stahlfeder mit heißflüssigen Wachs auf das ungefärbte Hühnerei "gezeichnet", das dann kurz in die kochende Farbe getaucht wird.

Die Zeichnung erscheint schneeweiß auf rotem, blauem, grünem, braunem oder gelben Grund. In der Osterwoche, besonders in den "katholischen" Orten Mardorf, Roßdorf, Schröck, Emsdorf, Niederknien etc., die früher zum "mainzischen Amt Amöneburg" gehörten, saßen einst die Mädchen allabendlich beisammen und übten diese zierliche Volkskunst aus. Es sind die gleichen Muster, die Herzen, Sterne, das Lebensbaummotiv, vierblättrige Kleeblätter, Sonnenräder, Spitzmessermuster, die auch in der Weißstickerei verwendet werden.
Die Zeichnung wird freihändig ohne jedes Vorskizzieren in zügiger Arbeit aufgetragen, doch befinden sich in vielen Familien Musterbüchlein, die durch Generationen vererbt und weitergeführt wurden. Die aufgemalten Sprüchlein verraten Sinn und Zweck der Osterreier; sei es die kurze Widmung: "Aus Liebe", oder Verse wie:

"Ich male Dir die Eier schön,
Laß mich nicht zur Kirmes stehn!"

"Die Täubchen auf dem Dache,
Die lieb ich gar zu sehr;
Und Dich, mein lieber Heinrich,
Dich lieb ich noch viel mehr."

"Wahre Freundschaft soll nicht welken,
nicht wie Rosen, nicht wie Nelken,
sondern wie das Immergrün,
so soll unsere Freundschaft glühn!"

Es finden sich Eier, die 60 und 70 Jahre alt sind.

Lit.: Rumpf, Karl: Deutsche Volkskunst Hessen. Köln, Wien: Böhlau, 1951, 2. Aufl. 1972 (MAB S/308).

Stefan Krönung 1996-2007 als Pfarrer in St. Michael und St. Elisabeth

 

 

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 Update 31.05.11

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