| Die Muster
werden mit einer "Spindel", einer in
ein dünnes Hölzchen gesteckten Stecknadel oder
einer spitzen Stahlfeder mit heißflüssigen
Wachs auf das ungefärbte Hühnerei
"gezeichnet", das dann kurz in die
kochende Farbe getaucht wird. Die Zeichnung erscheint schneeweiß
auf rotem, blauem, grünem, braunem oder gelben
Grund. In der Osterwoche, besonders in den
"katholischen" Orten Mardorf, Roßdorf,
Schröck, Emsdorf, Niederknien etc., die früher
zum "mainzischen Amt Amöneburg"
gehörten, saßen einst die Mädchen allabendlich
beisammen und übten diese zierliche Volkskunst
aus. Es sind die gleichen Muster, die Herzen,
Sterne, das Lebensbaummotiv, vierblättrige
Kleeblätter, Sonnenräder, Spitzmessermuster,
die auch in der Weißstickerei verwendet werden.
Die Zeichnung wird freihändig ohne jedes
Vorskizzieren in zügiger Arbeit aufgetragen,
doch befinden sich in vielen Familien
Musterbüchlein, die durch Generationen vererbt
und weitergeführt wurden. Die aufgemalten
Sprüchlein verraten Sinn und Zweck der
Osterreier; sei es die kurze Widmung: "Aus
Liebe", oder Verse wie:
"Ich male Dir
die Eier schön,
Laß mich nicht zur Kirmes stehn!"
"Die Täubchen auf dem Dache,
Die lieb ich gar zu sehr;
Und Dich, mein lieber Heinrich,
Dich lieb ich noch viel mehr."
"Wahre Freundschaft soll nicht
welken,
nicht wie Rosen, nicht wie Nelken,
sondern wie das Immergrün,
so soll unsere Freundschaft glühn!"
Es finden sich Eier, die 60
und 70 Jahre alt sind.
Lit.: Rumpf, Karl: Deutsche
Volkskunst Hessen. Köln, Wien: Böhlau, 1951, 2.
Aufl. 1972 (MAB
S/308).
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