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Die Kreuzkapelle
der heil. Elisabeth am Lahnberg.
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von
K. Jüngst, Pfarrer
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Der ganze Ertrag ist für den
Wiederaufbau des
Kirchleins bestimmt.
- Preis: 25 Pfennig -
Fulda 1893.
Druck der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda
| Anmerkungen, meist mit Bleistift | Der Text |
[S. 3 - Zurück zum Anfang ]
Das katholische Marburg glich in den Tagen des / Mittelalters einer Festung des Gebetes. Um das Grab / der lieben heiligen Elisabeth reihten sich im Bezirke / der Stadtmauern 12 Kirchen, Kapellen und Klöster, deren Glöcklein die Bewohner zum geistigen Waffen- / dienste riefen. Draußen in der weiteren Umgebung / bildeten die Klöster zu Hachborn, Caldern, Wetter / u.s.w. die vorgeschobenen Forts, während auf den / Höhen des Lahnberges und den Ausläufern des Wester- / waldes Kapellen und Klausen als Wachposten sich dar- / stellen. Außer dem sogen. Eßilsgrund, (Einsiedlersgrund) / erwähnen wir von den Kapellen des Lahnberges: Die / Kapelle des Bruders Konrad (capella fratris Conradi), / von Ordensmeister Konrad von Thüringen an der / Stelle erbaut, wo Konrad von Marburg bei / Beltershausen erschlagen worden war. Sie stand unter / der ganz besonderen Obhut des Deutschordens (vergl. / darüber W?ß, hessische Urkunden I) und wurde erst vor / ganz wenigen Jahren vom jetzigen Hofbesitzer abge- / brochen. Berühmter wurde die Kreuzkapelle, / sanctaes crucis hinset des Lo?neberges, in der / Nähe von Schröck, am jetzigen St. Elisabethbrunnen. |
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| Srcickede 1233 1262-1363
"Wenn der heilige Bonifatius über die "Langen Hessen", wie diese Straße später genannt wurde, in unsere Heimat kam, führte in sein Weg über die Schnappax und nicht in der Schnappar. Vielleicht können Sie bei Gelegenheit die Stelle korrigieren." W. Krähling (2001) |
[S. 4 - Zurück zum Anfang ]Schröck ist einer der ältesten Orte des Hessenlandes. Schon der Name führt uns in die graue Vorzeit. In den ältesten Urkunden wird das Dorf Scrikede, Scirckede, Schrickede genannt, und Schrighede im 13.-15. Jahrhundert. Der Name wird von scric, Erhöhung, und der verallgemeinernden Silbe ede abgeleitet, so daß er etwa "hügelige Gegend" bedeutet. In der Nähe von Schröck führte die uralte "Heerstraße" aus der Wetterau nach Westfalen vorbei. Sie theilte sich hier in zwei arme. Der eine setzte bei Anzefahr (Furt der Ansen, Götter, Riesenstraße), über die Ohm ins Thal der Edder; der andere führte an der Ameneburg vorbei über Langstein zur Schwalm. In der sogen. Schnappax zwischen Roßdorf und Schröck hat sich noch eine sichtbare Spur erhalten. Der hl. Bonifatius kam auf dieser Straße ins Hessenland und erreichte den benachbarten Königshof Seliheim (Seelheim). Damals war das Ohmthal bereits kultiviert. Die Kirchenruinen von Breitenbrunn, einem in der Geschichte des hl. Bonifatius genannten Dorfe in der Nähe des heutigen Holzhausen, und einige Mauerreste von Häusern sind heute noch vorhanden. Adalgeruz schenkte die dortigen Güter nach Mainz (bei Schannat und Dronke). Ebenso erscheint Eiloha, jetzt Ela, Wüstung bei Roßdorf, Erfrateshusen (Erfurtshausen), Wersloh (Würfel bei Kirchhain, jetzt Wiesenfläche), in den damaligen Güterschenkungsverzeichnissen. In Schröck hatte eine uralte adelige Familie ihren Stammsitz. In den Schenkungen an das Marburger Deutschhaus erscheinen häufig im 13. Jahrhundert die milites de Scrickede, Ritter von Schröck, als fromme Schenker. Besonders häufig sind genannt: Ritter Albert, Berthold und Konrad von Schröck, Sibodo oder Sibido, Adelheid und Mechtild von Schröck. Auch die hessische Familie von Eilsa war Schröck begütert. (W?ß, Urkundenbuch.) Im Jahre 1220 verkaufte ein Ritter |
| Den Frauenberg hat ein
Leser mit Bleistift auf 1252 datiert. Ansonsten sind am Rand diese Seite drei Fragezeichen 1) bei der "Hahner Haide" 2) beim Opferstein 3) bei seinen "künstlichen Vertiefungen" (Wie der Riese Mils, Milseburg ;-)) "... Der Ort, wo später die Kreuzkapelle sich erhob, zu welcher die hl. Elisabeth so gern pilgerte, war schon im Alterthume berühmt ..." - Sag ich doch, altes keltisches Quellheiligtum, die keltischen Fund in der Nähe lassen durchaus diesen Schluß zu. W. Krähling (2001) |
[S. 5 - Zurück zum Anfang ]Rudolf von Schröck nebst anderen Erben Güter an das Kloster Haina. Später verlegte die Familie der Ritter von Schröck ihren Wohnsitz auf den benachbarten Frauenberg, dessen Name von dem durch Landgräfin Sophie erbauten Schlosse herstammt, und noch später nach Holzhausen. Sie änderte mit dem Wohnsitze jedesmal auch den Namen und ist noch jetzt unter dem Namen: "Rau von Holzhausen" bekannt. Da nach W?ß, Urkundenbuch, die Namen: Rau, Rabe, Rave (etc.) gleich gebraucht sind, so scheinen die noch jetzt bestehenden Raw- und Rüwenhöfe in Schröck der ursprüngliche Wohnsitz der Familie Rau gewesen zu sein. Auch der berühmte Gerichtssitz Ruchesloh auf der Hahner Haide hängt wohl mit diesem Namen zusammen. Der Ort, wo später die Kreuzkapelle sich erhob, zu welcher die hl. Elisabeth so gern pilgerte, war schon im Alterthume berühmt. Zeuge dessen ist die beständige Ueberlieferung, welche einst der Poet Kirchner in seinem langen lateinischen Lobgedicht ausgesprochen hat, daß aus diesem Brunnen die alten Helden getrunken haben (heroas bibisse); zeuge dessen ist die Sage, daß hier einst der Sachsenherzog Widukind sich lagerte; Zeuge dessen ist eine ganze Anzahl Gespenstergeschichten, welche von diesem Orte im Munde der Umgebung fortleben. Nahe bei Schröck liegt ein sogen. Riesenstein, den der Unhold vom Frauenberge im Kampfe hierher geschleudert haben soll, und ganz besonders bemerkenswerth ist ein altheidnischer Opferstein, der noch jetzt wegen Größe und Form angestaunt wird und eine Viertelstunde vom Brunnen nach Moischt zu liegt. Es ist ein großer rechteckiger Stein, mit vielen künstliche angebrachten Vertiefungen. Dazu kommt das bekannte größte altdeutsche Todtenfeld in Hessen, unmittelbar am Brunnenbezirk, das sogen. Hemmerich. Daran schließen sich nach Moischt zu die Hünengräber an. |
[S. 6 - Zurück zum Anfang ]Es war eine ständige Gewohnheit der Glaubens-boten in Deutschland, überall dort christliche Gotteshäuser zu erbauen, wo das Heidentum Spuren zurücklassen konnte. Daher erklärt sich der Ursprung unserer Kreuzkapelle. An der Grenze zwischen Mainzer Land und hessischem Gebiete, an steilabfallendem Berghange, von Buchen und Eichen überschattet, sprudelt eine mächtige Quelle. Ungewöhnliche Heilkräfte schrieb man ihr zu. Schreibt doch noch der alte Winkelmann in "Hessenlands Beschreibung" I, S. 63: "Dieser Schreckerbrunnen ist der fürnehmste, berühmste und ädelste Brunn Hessenlands. Er quillet an einem sehr lustigen, ganz mit Bäumen bedeckten Ort aus einem Felsen mit angenehmem Gelispel her-für in einen steinern Kumpf. Daher die Fürsten von Hessen vor diesem oftermals Lusten halber daseibsten hingereiset, Mahlzeiten und Banqueten gehalten, bevorab weil es um Diesen Brunnen eine große Menge der wilden Thieren und wohlsingenden Vögel gibt. Es pflegen sich auch die Professores und Studenten oft darselbsten zu ergötzen und zu erlustigen, dahero ich fast sagen dörfte, daß derjenige, der diesen Brunnen nicht gesehen, zu Marburg nicht studiert hätte." Der obgenannte Kaiserliche gekrönte Poet Kirchner recitirte bei einer dort stattgehabten ,fürstlichen Lustgasterei 1595 seine 50 Hexameter, worin er zum Schlusse be-singt, daß ein Hirsch während der Mahlzeit in die Küche gesprungen sei und sich als trefflichen Braten für die fürstlichen Herren dargeboten habe. Zur Jetztzeit kennt man die Heilkräfte des Brunnens nicht mehr. Bekannt ist nur für jede Hausfrau der benachbarten Dörfer, daß farbige Zeuge, "Halstücher" und "Zwickelstrümpfe" in diesem Wasser niemals "die Farbe verlieren." Wäscherinnen sieht man daher stets an sonnigen Tagen in der Nähe des Brunnens. Aus der nahen kleinen Quelle benutzt man noch jetzt das Wasser zum "Waschen der Augen." Möglich, |
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[S. 7 - Zurück zum Anfang ]daß auch wegen der Heilquelle zur Zeit der hl. Elisabeth viele Kranke und Arme hierher kamen. Nach der Ueberlieferung soll die hl. Elisabeth an diesem Brunnen die Kreuzkapelle erbaut haben. So heißt es in der Brunneninschrift: "sie hat Gott, der Natur, und mir dankbar, ein Kapellchen neben mir erbaut und mich zuerst mit einfachem Bau nach dem Stil jener Zeit ausgeschmückt." - Auch den Steinweg von Marburg über den Lahnberg nach jener Kapelle soll Elisabeth angelegt haben. Nach Justi, "Leben der hl. Elisabeth", hat die Heilige hier "während ihres Witwenstandes öfter ihre Andacht verrichtet und sich in dieser anmuthigen Einsamkeit dem helldüsteren Vergnügen religiöser Gefühle überlassen." Der Marburger Lokalhistoriker Bücking spricht sich ("Beiträge zur Geschichte der Stadt Marburg" S.29) dahin aus, diese Kapelle sei schon vorher vorhanden gewesen, und deshalb von Elisabeth jener Ort so häufig besucht worden. " Wenn die hl. Elisabeth die Erbauerin gewesen wäre, dann hätte der deutsche Orden, dem die Aufsicht über das Hospital nach ihrem Tode übertragen ward, diese Stiftung, die Kapelle, ganz gewiß nicht durch einen fremden Priester, sondern durch einen seiner Ordenspriester verwalten lassen." Dieser Beweis setzt voraus, daß Elisabeth nothwendig die Kapelle dem Deutschorden, resp. dem Hospital übertragen mußte. Aber was nöthigte sie denn dazu ? Welchen Nutzen sollte die Zugehörigkeit zum Hospital bringen ? Der Deutschorden existierte damals in Marburg noch nicht. Es war doch klar, daß die Kapelle zum ganz nahen Schröck gehören müßte. Der Grund und Boden der Kapelle war landgräfliches Eigen. Wenn Bücking zum Vergleiche auf die Konrads-Kapelle bei Beltershausen hinweist, die durch einen Ordensbruder verwaltet wurde, so ist dem zu entgegnen, daß die Konrads-Kapelle erst lange nach Konrad's |
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[S. 8 - Zurück zum Anfang ]Tode (1255) an der Mordstelle gebaut wurde, und zwar vom Deutschherren selbst auf eigenem Grund und Boden. Der deutsche Orden hatte fast die ganze Beltershauser Gemarkung erworben. Gewiß handelten hier die Deutschherren so aus Pietät gegen Konrad von Marburg, der ihrem Orden in Marburg den Weg geebnet hatte. Sollten sie seine Todes-und Grabstätte ohne Denkmal lassen ? Dagegen verknüpft keine derartige Ursache den Deutschorden mit der Kapelle am Brunnen. Sie existierte schon vor Auftreten des Ordens in Marburg und wurde der Pfarrei Schröck einverleibt, um so mehr, als damals in Marburg noch keine Pfarrei bestand. Mehrfache Gründe machen den Bau gerade einer Kreuz-Kapelle durch die hl. Elisabeth wahrscheinlich. In Kreuzburg soll schon der hl. Bonifatius eine Kirche des hl. Kreuzes erbaut haben. Im Jahre 1223 ließen der Landgraf Ludwig und seine Gemahlin, die hl. Elisabeth, welche zu Kreuzburg mit der Wartburg abwechselnd residierten, unmittelbar neben der Werrabrücke zwischen dem Flusse und der steilen Felswand, eine Kreuz-Kapelle erbauen. Es wallfahrteten namentlich in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts so zahlreiche Scharen zu dieser berühmten Stätte, daß noch heutigen Tages der steile Pfad von der Kapelle auf den Gipfel des Berges der "Wallsteig" heißt. (Mertens, der hl. Libonus. S. 171) Auf dem Schlosse der Kreuzburg wurde Elisabeth's Sohn Hermann geboren. Hatte Elisabeth nun eine zarte Anhänglischkeit an Kreuzburg und die Kreuzkapelle, was war natürlicher, als daß sie auch am Fesabhange des Lahnberges, wo die ganze Gegend mit jener in Thüringen so große Aehnlichkeit hatte, eine zweite Kreuzkapelle erbauen ließ ? Auch an der Stelle, wo ds bekannte Rosenwunder sich zugetragen haben soll, ließ Ludwig eine Säule mit einem Kreuz errichten. (Montalembert-Städler, S. 236 und 237). |
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[S. 9 - Zurück zum Anfang ]Die Errichtung von Kreuzkapellen war in den Tagen der Kreuzzüge allgemeine Sitte. Die Ehre des Kreuzes Christi gegen die Ungläubigen zu vertheidigen, war das Ideal des Ritters. Walther von der Vogelweide glaubt, daß er erst jetzt zum rechten Menschen geworden sei, seit er in's hl. Land gezogen ist. Hartmann von der Aue singt, wie er nunmehr zum wahren Glücke gekommen, seit er sich Christi Blumen, das Kreuz, erwählt, welche die wahre Sommerzeit verkünden. Er erwarte zufolge seines Kreuzzuges, daß Gott ihm hilft "zum zehnten Himmels-chor, daruas den Höllenmohr verstoßen seine falsche List." Ja, ein Dichter jener Tage behauptet, daß schwerlich in's Paradies eingehe, wer nicht nach dem gelobten Lande zieht und sich von jenseits des Meeres sein Kreuz holt. Doch Manchem "war gebunden die Sorge an den Fuß, daß er bleiben muß." Es war nicht Jedem vergönnt, am heiligen Zuge Theilzunehmen. Wie schöne Worte gibt Walther von der Vogelweide dieser Sehnsucht der Daheimgebliebenen:
Im Geiste wenigstens wollten die Zurückgebliebenen mit kämpfen. Wie einst der gealterte Moses während des Streites, erhoben sie die Hände zu Gebet. Am Fuß der Altare, wie am Betschemel in stiller Kemenate, flehten die gläubigen um Segen für die Gottesstreiter, um die Befreiung jenes Landes, "wo die Magd ein |
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[S.10 - Zurück zum Anfang ]Kind gebar, hehr vor Aller Engel Schaar", jener Erde, "wo den Pfad Gott im Menschenbilde trat." Diesen Zweck hatten die zahlreichen Kreuzkapellen. Sie erinnerten den Wanderer an die Streiter im fernen Morgenlande zu denken; sie mahnten zum Gebet. Hier versammelten sich zumal die Angehörigen der Ritter, um für ihre Abwesenden zu beten. In Kreuzburg hatte Landgraf Ludwig den Thüringischen und hessischen Ständen seinen Entschluß kund gethan, das Kreuz zu nehmen. Wie rührend wird uns die Scene beschrieben, als die hl. Elisabeth spielend im Reinhardsbrunn bei ihrem Gemahl das rothe Kreuzchen fand. Nun war er im fernen Lande gestorben. Unter dem Wehklagen des ganzen Volkes trugen sie seine Gebeine zur Ahnengruft. Welch' ein zweiter lebendiger, tiefer Grund für die heilige Elisabeth, die Kreuzkapellen besonders zu lieben und dort zu beten! So wird es wahrscheinlich, daß Elisabeth zum Andenken an ihren im Kreuzzug gefallenen Gemahl jene Kreuzkapelle am Lahnberg baute zur Zeit, wo sie in Marburg beständig das Kreuz trug. Elisabeth hegte stets gegen das hl. Kreuz eine besondere Verehrung. Ein Mystiker sagte: "Wer stets das Kreuz Christi verehrt, dessen Knecht wird Gott". Die hl. Elisabeth wollte in ihrer Weltentsagung ein schweres Kreuz dem Heiland nachtragen. Alle diese Stationen des Kreuz-weges aber ging sie nicht blos in ihrem inneren Leben. Auch äußerlich zeigte sich diese Verehrung. Bei beierlichen Prozessionen folgte Elisabeth dem Umgange im wollenen Gewande und entblöten Füßen; in den Händen aber trug sie ein Kreuz. Ebenso erzählt Dietrich von Apolda: "sie kastiget ihren unschuldigen lib mit großen schlegen, und mit ruten, besunder an den Fritagen und in den Fasten". Das that sie in der ausgesprochenen Absicht, dem gegeißelten Heiland ein Verehrung darzu-bieten. Am Charfreitage verleugnete sie ganz die Fürstin. Sie |
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| Wie kann man von hier die Rhön sehen? SK | [S. 11 - Zurück zum Anfang ]dachte da nur an den Schönsten der Menschenkinder, der zum Spotte des Volkes geworden; der für sein Haupt voll Blut und Wunden nicht einmal ein Ruheplätzchen fand. Die ganze Nacht vom Gründonnerstag durchwachte sie in Betrachtung des bitteren Leidens. "Heute ist ein Tag der Verdemüthigung. Heute soll mir Niemand Ehrfurcht erzeigen!" Barfuß im Kleide einer Bettlerin trug sie ihre Opfergaben an diesem Tage zu den Armen. An einem Charfreitage endlich zog sie in der Kirche zu Marburg das Kleid der Franziskanierinnen an (1229 oder 1230), weil an diesem Tage Christus, von Allem entblößt, ans Kreuz genagelt wurde; und weil an diesem Tage die ihres Schmuckes beraubten Altäre die Christen ands höchste aller Opfer erinnern. (Dietrich von Apolda.) Nun denke man sich ihr ganzes inneres und äußeres Leben, die Lage, worin sich die zur Wittwe gewordene hl. Elisabeth jetzt bei ihrer Übersiedelung nach Marburg befand; was mochte damals der Kreuzträgerin näher stehen, als die Erbauung einer Kapelle des hl. Kreuzes ? Im Kreuz ist Trost. Und wahrlich! Hier hatte sie ein Plätzchen gefunden, welches sie traulich zum Beten einladen mußte. Ringsum lagert die freie, fröhliche Gottesnatur in ihrer erhabenen Ruhe. Andächtig stehen die Buchen und Eichen auf dem Abhange da, ernst wie betende Alte Männer, und werfen einen geheimnißvollen Schleier über das Kreuzkirchlein. Und wenn dann die Selige ihr Auge erhob und hinüberschaute ins offene Ohmthal, dann erblickte sie gerade gegenüber im Osten die erste Stiftung des hl. Bonifatius in Hessen, die felsenbebaute, auf dem Basaltkegel königlich thronene Amöneburg, und zu deren Füßen zahlreiche blühende Dörfer wie Perlen im Kranz gereiht. Aus der Ferne grüßten die blauen Kuppen des Rhöngebirges, aus jener Gegend, wo die Gebeine des deutschen Apostels im Grabe ruhen. Mächtig mußte diese Herrlichkeit der Natur auf die |
[S. 12 - Zurück zum Anfang ]selige Elisabeth einwirken. Ihr Herz jubelte auf zum Lobe des Schöpfers, von dessen ewiger Schönheit alle Erdenpracht nur ein schwacher Abglanz ist, wie das Mondlicht vom Sonnenglanze. Welcher Gedanke konnte ihr also näher liegen, als gerade hier an der Waldquelle, auf der Grenze ihres Landes, dem Herrn ein Heiligthum zu bauen ? Die stille Waldquelle war bald der Sammelplatz der Armen und Bedrängten geworden. Elisabeth, die gütige Fürstin, trug stets ihr Almosen-körbchen für die Armen, und spendete an dieser Stelle gar Manchem Trost. Sollte sie mit den leiblichen Gaben nicht auch die Werke der geistigen Barmherzigkeit verbinden ? Darum gab sie den Armen aus dem Mainzer Gebiet hier auf ihrem hessischen Boden zugleich mit ihren Almosen Gelgenheit zum Gebet und zum Hören der hl. Messe. Ja, es ist wahrscheinlich, daß gerade zur Stunde des Gottesdienstes die Armen sie hier erwarteten. Das schlechte Wetter verhinderte Elisabeth nicht, nach diesem ihrem Lieblingsorte zu pilgern. Die Sage erzählt, wenn sie dort unter freiem Himmel gebetet, und es geregnet habe, so sei sie nicht naß geworden. (Hermann von Fritzlar.) An einem Wintertage, als es stark fror, verlangte ein dürftiger Kranker nach Fischen. Sogleich eilte Elisabeth zum Brunnen, und rief zu ihrem göttlichen Fürsorger: "0 Herr Jesus Christus, ist es dein Wille, so gib mir Fische für deinen armen Siechen!" Dann schöpfte sie Wasser und fand im Eimer einen großen Fisch, den sie schnell dem Kranken brachte. (Herm. von Fritzlar. Dietrich von Apolda VI. 4.) Fleisch und Brod, Mehl und andere Gegenstände ließ sie sich nachtragen, welche sie selbst an die Hilfs-bedürftigen austheilte. (Dietrich VI. 10.) Edelsteine und Ringe, seidene Schleier und sonstige Putzsachen verkaufte sie, um ihren Erlös an die Armen auf ihren Gängen auszuspenden. Auch bei diesen Anlassen kam sie dengeringsten Wünschen bereitwilligst entgegen. [ Zurück zum Anfang | Fortsetzung 2/2 ] |
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Quelle und Anmerkungen
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[Digitalisierung
von pfarrgeschichtlichen Quellen und Abhandlungen Nr. 3 |