Pfarrei Schröck v.2004 [Archiv]
St. Michael & St. Elisabeth
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Digitalisierung von pfarrgeschichtlichen Quellen und Abhandlungen

Kreuzkapelle

"Die Hl. Kreuzkapelle beim Schröcker Brunnen"

Abschrift.

"Aus der Vergangenheit unserer Heimat"
Geschichts-Beilage der Oberhessischen Presse Nr.136 vom 17. November 1953

"Auf Veranlassung des Verschönerungsvereins ist nun wieder das restliche Mauerwerk der ehemaligen Hl. Kreuzkapelle bei Schröck freigelegt und das sie seit Jahren überwuchernde Strauchwerk entfernt worden. Dabei zeigte sich, daß die Kapelle weit geräumiger war, als der bloße Anschein bisher erwies. Sie stand einst im Walde oberhalb des Schröcker Brunnens am steilen Berghang, etwa 6o Schritte vom Brunnen-Gebäude entfernt in westlicher Richtung. Die nun aus dem Boden etwa einen halben Meter hoch herausragenden Grundmauern zeigen bei 16,20 m Länge, 1,10 m Breite und 0,80 m Mauerdurchmesser ein Rechteck, dessen Längsachse genau in ostwestlicher Richtung steht. Die Mauern sind noch gut erhalten, eine größere Lücke ist nur an der Südseite. Hier lag auch die Pforte zur Kapelle, 1,15 m breit mit einer breiten Steinstufe.

Nicht steht fest, aus welcher Zeit die Kapelle stammt; doch darf angenommen werden daß sie zur Zeit der Hl. Elisabeth bereits vorhanden war und irgendwie an eine vorchristliche Quell-Kultstätte anschließt. Sie wird des öfteren von Marburg aus hinüber gewandert sein auf jenem Pfad über die Lahnberge und den Schröcker Gleichen, von dem heute noch geringe Spuren eines grobgepflasterten Weges oberhalb der Kapelle zeugen; an einen solchen Besuch knüpft sich die Sage von der Elisabetrappe, jenem groben Findlingsblock, der auf der Fläche des Schröcker Gleichen zwischen Förstereiche und Sanatorium "Sonnenblick" im Walde versteckt (Wege- bez. Roter Strich) liegt.

Doch ist uns über die Schicksale der Kapelle von jener Zeit an bis zum Regierungsantritt Philipp des Großmütigen nichts bekannt. 1520 wird sie erstmals genannt und hieß "Kapelle zu dem heiligen Kreuz jenseits des Lahnberges" , besaß weder Turm noch Dachreiter; ein Glöcklein hing in einer nach Schröck gelegenen Nische des Giebels. Dies geht aus einem 1527 aufgestellten Inventarverzeichnis hervor, wo außerdem noch Meßbuch, Meßgewänder, Kelch, fünf hölzerne Laden und zwei Opferstöcke erwähnt werden. Durch Spenden der Wallfahrer, der Reichen wie der Armen, wurde der Unterhalt des dienenden Bruders der Kapelle bestritten, deren letzter der "arme Henche von Mardorf" war. Diesen Klausner aus dem Eselsgrund beschreibt der Pfarrer G. Th. Dittmar 1872 in einer umfangreichen Ballade von nicht weniger als 81 Versen in Vierzeilern.

Bei Einführung der Reformation im Jahre 1527 hörte der Gottesdienst in der Kapelle auf. Die kirchlichen Gerätschaften nebst der Glocke erhielt der neu gegründete Armenkasten in Marburg, das sogenannte "Gespenge", eiserne Klammern und Bänder, wie das Gitterwerk, die Stadt Marburg. Gewalt und Zahn der Zeit zehrten nun an dem Mauerwerk und rasch ging die Kapelle dem Verfall entgegen. Manches Steinmaterial wird in das nahe Dorf Schröck gewandert und dort zum Errichten von Häusern und Scheunen verwandt worden sein. Bezeugt ist aus der Maburger Stadtrechnung von 1578, daß sechs Schilling für zwei Fuhren Steine verausgabt wurde, die bei "St. Elisabethen Kapelle" geladen und als Treppentritte beim Rathausturmbau Verwendung fanden. Das Rathaus selbst in den Jahren 1512 bis 1516 erbaut, wurde ja durch den prunkliebenden Landgraf Ludwig IV., den zweiten Sohn Philipps, von 1578 bis 1581 einem Umbau unterzogen; der obere Teil des Treppenhauses wurde erneuert und der damaligen Mode entsprechend von Meister Ebert Baldewein der barocke Giebel mit der Kunstuhr und den Standfiguren darauf gesetzt. Die letzten Reste der Kapelle mögen dann bei Anlage des Schröcker Brunnens verschwunden sein, als der gleiche Landesfürst zu Ehren seiner Stammutter, der Hl. Elisabeth, das reich mit lateinischen Inschriften und Wappen verzierte Brunnengebäude am Fuße des Berges 1596 errichten und den großen Platz davor einebnen und mit Grotten, Steintischen und Steinbänken versehen ließ.

Man versäume nicht beim Besuch dieses so idyllisch gelegenen Platzes mit dem weltumfassenden Blick hinüber nach Amönburg, Schweinsberg und Wittelsberg die Stätte der Hl. Kreuzkapelle aufzusuchen, deren Ruinenreste noch immer eine beredte Sprache zu uns reden. Aber auch hier gilt der Spruch: Schont und schützt die Denkmäler vergangener Zeiten.

Gg Rumpf"

(Pfarrarchiv, DinA4, maschinengeschrieben mit zahlreichen Korrekturen)

[Digitalisierung von pfarrgeschichtlichen Quellen und Abhandlungen Nr. 6
Texterfassung: Stefan Krönung, Dezember 1997
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Stefan Krönung 1996-2007 als Pfarrer in St. Michael und St. Elisabeth

 

 

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 Update 31.05.11

1997