Pfarrei Schröck v.2004 [Archiv]
St. Michael & St. Elisabeth
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Schröcker Chronik (1955)

   

Die Pfarrgemeinde S C H R Ö C K im

Wandel der Zeiten

von

A. Laufer, Pfarrer

im 40. Jahre seines Priestertums

1955

(Bild)

Hier:

[8.] Die neue Kirche. [S. 12]

Zur Zeit, als Kanonikus Franz Henzerling hier die Seelsorge ausübte vom 24.5. 1720 - 1729, wurde von der Gemeinde das neue Gotteshaus gebaut, da das alte den Bedürfnissen infolge Zunahme der Bevölkerung nicht mehr entsprach. Nach den traurigen Zeiten des 30jährigen Krieges machte sich überall ein Aufschwung des religiösen Lebens bemerkbar, das in den Neubauten von Gottes-Häusern und in dem Aufblühen der christlichen Kunst besonders der Barockkunst seinen ausdrucksvollen Niederschlag fand. So wurde auch hier in der Gemeinde der Neubau eines Gotteshauses beschlossen. Die Gemeinde, die im Jahre 1665 nur 114 Kommunikanten hatte, muß eine stete Bevölkerungszunahme haben, um ein solch kostspieliges Unternehmen in die Wege zu leiten. In Jahre 1720 wurde der Bau begonnen. Die Steine dazu lieferte der nahe gelegene Steinbruch im Wald. Die Steinmetzarbeiten wurden von den Bewohnern des Ortes, die sich früher vielfach diesem Berufe widmeten, ausgeführt. Desgleichen auch die Maurerarbeiten. Von einem Marburger Bürger Brohmann wurden dazu 400 Gulden geliehen und im Jahre 1732 zurückgezahlt, nachdem sie bei einem Emsdorfer wiederum geborgt worden waren. Die Gemeinde war damals noch arm und die Zeiten nach dem 30jährigen Kriege waren nicht die besten zu nennen; denn allzu viel war geplündert und zerstört und verwüstet worden, wo die Truppen hergezogen und Quartier genommen hatten da sich damals in Amöneburg ziemliche Kämpfe abspielten, und wahrscheinlich auch die hiesige Gegend nicht freigeblieben sein. Darum ist der Neubau eines Gotteshauses nach dieser Zeit der lebendige Ausdruck eines stark erwachten Glaubens, eine große Opfergesinnung und eines stark ausgeprägten Gemeinschaftsgeistes. (* Handschriftlich am Rand ergänzt: Ausdrücklich wird erwähnt das die Gemeinde das Gotteshaus aus eigenen Mitteln errichtete, ohne Kollekten in der Diözese wie beispielsweise Allendorf (Absatz) 2 Männer Haus Nau (Haberhans? U. Haus Nau (Stallhans) werden als ?? sores esch- ? genannt (Absatz) Außerdem hatte die Gemeinde gestiftet aus dem Ertrag verkauftes Grundstück am Hetzel )

Die Kirche wurde im Stil der Zeit1im Barockstil, erbaut und wahrscheinlich nach den Plänen des Architekten von Karl du Ruy in Kassel. Sie ist ein einschiffiger Bau mit Steingewölbe, 24 m. lang und im Schiff 10 m. breit. Der Chor hat eine Breite von 6,70 m. Der Turm ist 38 m. hoch. Die Inschrift über dem Portal lautet : Haec pagi expensis stat nova domus dei. Am 30. September des Jahres 1726, nachdem am vorhergehenden Tag die Kirche zu Mardorf die hl. Weihe erhalten hatte, fand die feierliche Weihe des Gotteshauses durch den Weihbischof Christopf Ignaz von Gudemus, Bischof von Anemonum in Jsauren, statt. Er war Generalvikar In Thüringen, Hessen und im Eichsfeld in Auftrag des Kurfürsten Franz Lothar von Mainz. Es wird dies eine erhebende Feier gewesen sein, als nach den vielen Opfern und Kosten der steinerne Bau durch die weihende Hand des Bischofs aus dem Reiche der Natur in die der Übernatur herausgehoben wurde. Gleichzeitig wird er unter den besonderen Schutz des hl. Erzengel Michael und der hl. Elisabeth, Landgräfin von Hessen und Thüringen gestellt. Letztere wurde wegen ihrer nahen Beziehung zu Marburg und zum Orte selbst gewählt. Aus einem Revisionsprotokoll vom Jahre 1791 werden drei Altäre erwähnt. Summum consecratum in honorem beatiMich. Archangeli, alterum in honorem B.V.M. et sancti Antoni tertium non consecratum. Der Hochaltar wurde von Schreinermeister Thomas Gessner von Amöneburg angefertigt, der Kostenanschlag dazu am 21. Mai 1743 aufgestellt und vom Kommissar Johannes Franziskus Huth in Amöneburg und vom Bürgermeister und Kastenmeister Ludwig Nau in Schröck unterzeichnet. Darin verpflichtet sich die Gemeinde, das erforderliche Holz, den Leim und alle anderen Zutaten zu beschaffen; ferner Arbeitslose 300 rheinische Gulden und zwölf zu zahlen möth Korn und nach verfertigter Arbeit noch einmal 20 Gulden. 10 Reichsthaler sollten monatlich bezahlt werden. Der Schreinermeister verpflichtet sich, den Altar bis zu Michaeli 1744 zu liefern, andernfalls ihm die 20 Gulden von den 300 rheinischen Gulden in Abzug gebracht werden sollten. Der alte Tabernakel war ein Drehtabernakel, der noch auf dem Kirchenboden liegt und später durch Pfr. Ried bei der Renovierung im Jahre 1891 durch ein solches im Renaissancestil ersetzt wurde, das sich sehr schlecht in den ganzen Aufbau des Altares eingliederte und darum durch das alte wahrscheinlich aus der alten Kirche noch stammende vom Ausgang des 13.oder Anfang des 14. Jahrhundert bei der Renovierung 1939 ersetzt wurde, das mit seinem Aufbau nun einen schönen Altarschmuck bietet. An dem Altaraufbau befanden sich früher zwei andere Bilddarstellungen, die leider bei der Renovierung unter Pfr. Ried im Jahre 1891 entfernt wurden. Das eine Bild, das unter dem Schutt bei der Renovierung im Jahre 1939 auf dem Boden noch vorgefunden wurde, stellte hl. Magdalena die Füßen des Kreuzes, wie sie es mit beiden Armen umfaßt hält. Das Bild verriet eine gute Komposition mit hellen Farben und war sicher früher eine Zierde des Hochaltares. Leider war es so stark beschädigt, daß es nicht mehr hergestellt werden konnte. Von dem anderen Altarbild war leider nichts mehr vorzufinden. Geringes Kunstverständnis und eine süßliche, verweichlichte Kunstrichtung haben damals zwei wertvolle Bilder aus der Blütenzeit des Barocks der Vernichtung preisgegeben. Ein Segen war es, daß damals der Baurat von Marburg dazwischen trat, sonst wären wahrscheinlich auch damals noch die wertvollen und künstlerisch überaus hochstehenden Seitenaltäre der Zerstörung anheimgefallen und durch geschmacklose Steinaltäre ersetzt worden. Über die erste Ausmalung der Kirche ließ sich bei der Abwaschung der Wände nichts feststellen. Decken und Wandgemälde hat die Kirche nie gehabt. Nur so viel ließ sich feststellen, daß drei bis vier Renovierungen im Laufe der Zeit stattgefunden haben mit einfachen Schablonenmustern. Die Empore scheint anfangs nicht mit eingebaut worden zu sein, sondern ist erst in späterer Zeit errichtet worden. Sie war sehr plump, das Gestühl sehr unbequem, mit einem Mächtigen Aufstieg zur Höhe, die besonders für alte Leute schlecht zu erreichen war. Sie wurde deshalb bei der Renovierung im Jahre 1939 vollständig umgebaut und bequemer gestaltet.

(Im Pfarrarchiv: 2 Blätter, DinA4, vergilbt. Kapitelnummer und Seitenzahlen nachträglich mit Bleistift zugefügt.)

Info zu Pfr. Laufer

[Digitalisierung von pfarrgeschichtlichen Quellen und Abhandlungen Nr. 9
dig009.htm | 01.07.98
Für Fehler keine Haftung. Nur für den Privatgebrauch. ]

Stefan Krönung 1996-2007 als Pfarrer in St. Michael und St. Elisabeth

 

 

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 Update 31.05.11

 

Die Pfarrgemeinde Schröck im Wandel der Zeiten von A. Laufer, Pfarrer im 40. Jahre seines Priestertums 1955

Zur Ergänzung dienen:

Inhaltsverzeichnis

2. Geschichte des Orts und Namen

Das Dorf Schröck, das auf dem 8. Grad 50 Minuten Längegrad und um 50 Grad 47 Minuten Breitegrad und 200 m über dem Meeresspiegel liegt, wird wohl auf ein bestimmtes Entstehungsjahr zurückzuführen sein, weil die Quellen überaus spärlich sind und zerstreut vorliegen. Der Ursprung einer Siedlung wird bedingt durch die landschaftliche Lage, durch religiöse Haine und Quellen und besonders auch durch wichtige Straßenzüge. Alle diese Vorbedingungen sind für Schröck erfüllt. Etwa 20 Minuten vom Ort entfernt liegt der Elisabethbrunnen, der sicher einst für den religiösen Kult der Katten eine hohe Bedeutung gehabt hat. In der Nähe dieser uralten Quelle wurde eine Anzahl Urnengräber freigelegt, die ein sehr hohes Alter aufweisen und über 2-3000 v. Chr. zurück zu datieren sind. Durch die verdienstvollen Arbeiten der beiden Professoren Wolf und Bremer ist festgestellt, daß zwei wichtige Verkehrswege in unmittelbarer Nähe des Ortes vorbeiführten. Der eine kam aus der Wetterau, führte am Südfuße des Frauenbergs vorbei, über Hahnerheide am Lahnberg entlang bis hinter Bauerbach, wo er dann nicht unweit von Bürgeln die Ohm überquerte. Der andere Weg kam vom Ebsdorfer Grund her über Wittelsberg, Schnapaxe, an Amöneburg vorbei und ging dann weiter nach dem Herrenwald. Von dem ersten, dem sogenannten Balderschneider Weg, führte eine Verbindungsstraße zu dem zweiten Weg hin. All dies hat zur Gründung des Ortes wahrscheinlich die Veranlassung gegeben. Nach den tiefschürfenden Arbeiten des Ortsnamensforschers Arnold ist der Ort keltischen Ursprungs. Der Name wird von sc rie, Erhöhung, und der verallgemeinerten Silbe ede abgeleitet, so daß es etwa hügelige Gegend bedeutet. In den ältesten Urkunden taucht der Name als Schrickhede, Skrikiti, Sciekhede, Scrikede und Screhede auf.

Ein bescheidenes Dasein mag der Ort Jahrhundertelang geführt haben, bis St. Bonifatius, der Apostel der Deutschen, im Jahre 719 in die Hessengau kam. In Seelheim gehörten zwei Adelige, Derik und Ditwolf dem Christentum an. Von da lenkte St. Bonifatius seine Schritte nach Amöneburg, wo er im Jahre 722 ein Klösterlein gründete. Es ist die Vermutung, wie sie von Prof. Dr. Kück in seiner Abhandlung über Elisabethbrunnen und Kreuzkapelle schon ihren Ursprung mit Bonifatius zurück zuführen hat; denn der Apostel der Deutschen liebte es, an Quellen und Hainen, die den alten heidnischen Germanen heilig waren, Kreuzkapellen zu errichten, um diese alten heiligen Stätten dem Christentum zuzuführen.

Es ist darum ziemlich sicher, daß Schröck schon in der ersten Hälfte des achten Jahrhunderts das Christentum annahm. Aus dieser Zeit stammen die ersten Nachrichten über Schenkungen an die christliche Kirche. Wenn auch im zwölften Jahrhundert die Mainzische Oberhoheit über das Amt Amöneburg nachgewiesen werden kann, so ist es doch gleichwohl wahrscheinlich, daß Bonifatius das Amt Amöneburg mit dem Erzbistum Mainz verbunden hat, und daß somit auch Schröck seit dieser Zeit zu Kurmainz gehörte. Schon früh sich eine adlige Familie in Schröck nachweisen, die in der näheren und weiteren Umgebung größere Besitzungen hatte. Das geht aus den Schenkungen hervor, die von Gliedern dieses Adelsgeschlechtes getätigt wurden. So stifteten Sipido von Schröck und seine Gemahlin Adelheid im Jahre 1267 dem deutschen Orden ihre Güter in Lampertshausen, und nach dem Tode ihres Gatten schenkte Adelheid ihre Besitzungen in Merzhausen ebenfalls der Ordensballei. Auch in der Gefolgschaft Sophie von Brabant die Tochter der hl. Elisabeth, befand sich ein Ritter von Schröck. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts war Schröck schon eine selbständige Pfarrei. Zu dieser Zeit lebte hier ein Pfr. Wiegand, der später dem Deutschorden angehörte und ein bedeutender Mann gewesen sein muß. In einem Streite des Vogtes von Seelheim mit dem deutschen Ritterorden diente er als Vermittler, denn er war beauftragt, nähere Erkundigungen beim Erzbischof von Mainz und dem Abte von Fulda über die rechtliche Stellung des Ortes Seelheim einzuziehen. Im Jahre 1233 unterzeichnet er als Zeuge eine Urkunde, worin der Abt und Convent des Klosters Fulda dem Franziskanerhospital in Marburg die zum fuldischen Hof in Seelheim gehörigen Güter in Roßdorf und Mardorf verkauften. (Wyss, Hess. Urk.I No. 37,56,75.) Bald darauf erscheint er Vermittler der Übergabe des Vogtes zu Seelheim durch den Ritter Kraft von Schweinsberg an den Deutschorden. Als die von Merlau dem Deutschen Orden die Vogtei des Dorfes Kirchhain verkauften, ist er wiederum Zeuge. In der Streitsache zwischen dem Deutschen Orden un dem Geistlichn Giselbert über das Patronatsrecht ist er ebenfalls als Vermittler erwähnt. Abt und Vonvent stellen nach Befragung (de prudentium viroum consilio) kluger Männer eine Urkunde aus, worin sie dem Mainzer Stuhle erklären, daß die Vögte zu Seelheim kein Patronatsrecht der dortigen Kirche besäßen; es stehe vielmehr dem Marburger Hofgute zu. Daraufhin entscheiden jedoch die Mainzer Richter den Streit definitiv zugunsten des von den Vögten präsentierten Giselbert. (Wyss, 1.e k.68.69.70.71.) Bei ihrer Anwesenheit in Marburg im Jahre 1248 muß Pfarrer Wiegand mit der Landgräfin Sophie von Brabant, der Tochter der hl. Elisabeth, bekannt geworden sein. Sie bewog ihn, mit nach der Wartburg und nach Brabant zu ziehen. In einer zu Eisenach im Jahre 1250 ausgestellten Urkunde finden wir ihn erwähnt als Wigandus de Screkede capellanus noster (Wyss,I.Nr.97) Er war sogar an der hessischen Regentschaft beteiligt. Dann zo er sich vom öffentlichen Leben zurück und beschloß seine letzten Lebensjahre als einfacher Deutschordensbruder. Nur in den Jahren 1252 und 1254 taucht sein Name noch einmal bei Güterkäufen des Ordens auf als Frater Wigandus de Screkede (Wyss, 1e.Nr. 110-121.)

In die Amtszeit des Pfarrers Wiegand als Pfarrer von Schröck fällt auch der Aufenthalt der hl. Elisabeth in Marburg, die im Jahre 1229 von Eisenach dahin übersiedelte und am 17.11.1231 starb. Da Marburg damals nur aus einer Burg und einigen Häusern bestand, war es noch keine selbständige Pfarrei, sondern eine Filiale von Oberweimar. Der Berater und Seelenführer der Heiligen war damals Konrad von Marburg, Magister und Inquisitor, von 1230 ab für ganz Deutschland Als solcher war er öfters von Marburg abwesend, und sein Stellvertreter in der Seelenleitung der Heiligen war dann der damalige Pfarrer von Schröck. Öfters mag darum die große Heilige über den Lahnberg hierher gekommen sein, um sich mit ihm über ihre seelischen Angelegenheiten zu beraten. Bei diesem Gang hat sie sicher oben in der Waldkapelle zum hl. Kreuz Rast gemacht zum Gebet und zur Betrachtung, wozu die Stille der Natur, das Rauschen des Waldes und Plätschern der Quelle besonders einluden. Hier befand sich auch die stille Klause eines Einsiedlers, der treue Gebetswacht in der Kreuzkapelle hielt. Zur Zeit der hl. Elisabeth war es kein geringerer als der einst so mächtige Graf Heinrich III. von Ziegenhain. Sein Vater Heinrich I. war vorher in den Deutschorden eingetreten. In Schröck ist die Überlieferung an die hl. Elisabeth immer lebendig geblieben. Man sagt, sie habe der Gemeinde versprochen, daß sie nie von einer Feuersbrunst heimgesucht würde. Und in der Tat weiß sich niemand im Dorfe eines Brandes zu erinnern, man schreibt dieses dem besonderen Schutze der hl. Patronin zu, der man im Jahre 1726 neben dem hl. Erzengel Michael das Gotteshaus weihte und deren Standbild man über dem Kircheneingang aufstellte. Allerdings brannten durch Granatbeschuß beim Schluß des 2. Weltkrieges im Jahre 1945 die Scheune des Bauern Krämer, ebenso ein Querbau und die Scheune von Schäfer (Posthof), außerdem Scheune und Stallungen des Bauern Rhiel am 23.10.1949 nieder. (Nachkirmes) Brandstiftung?

3. Die Kapelle bei Schröck

Die urkundlichen Nachrichten über die oben erwähnte Kapelle "zu dem hl. Kreuz in dem Lahnberg" oder jenseits des Lahnbergs genannt, sind äußerst spärlich und verhältnismäßig jungen Datums. Erst aus dem Jahre 1520, sieben Jahre vor ihrem Abbruch kommt ihre Erwähnung vor. Damals hatte der in Marburg lebende Pfarrer von Schröck, Johannes Strack genannt, Hatzfeld den Landgrafen Philipp als Patron zum Brunnen, Kaplan und obersten Heiligenmeister einsetzen lassen und Notizen über Einkünfte und Besitzstand der Kapelle niedergeschrieben. Im Jahre 1527, dem Jahre der Einführung der Reformation in Hessen, wurde die Kapelle den sieben Vorstehern des Armenkastens in Marburg zugewiesen und zum Teil abgebrochen, die Wertgegenstände, die Träger und das Sparrenwerk des Daches wurden wie aus den Marburger Kirchenrechnungen hervorgeht, zu Gunsten des Kastens verkauft. Noch einmal im Jahre 1578, als die Stadt Marburg ihren restlichen Anbau an das Rathaus, die Ratsküche errichtete, hat man die letzten Überreste der Kapelle verwandt. In mehreren Fuhren wurden die behauenen brauchbaren Steine nach Marburg gebracht und im besonderen zur Wendeltreppe im Rathaus benutzt. Die noch vorhandenen Mauerreste sind allmählich mit der vom Berge herab geschwemmten Erde überdeckt worden und die Stelle, an der die Kapelle einst stand, geriet so ganz in Vergessenheit, bis im Jahre 1925 der Maurer Heinrich Gerlach bei Waldarbeiten auf Mauerreste stieß, die man alsbald als die Trümmer der Kapelle wiedererkannte. Im März und April fand denn auf Kosten des Marburger Geschichtsvereins eine Auagrabung statt, die die Grundmauern der Kapelle wieder freilegte.

Sie lag etwa 54 m von der alten Quelle entfernt, nur ein einfaches rechteckiges, flach gedecktes Gebäude im Ausmaß von 8.60 m – 15.10 m. , von Westen nach Osten gerichtet, von Bruchsteinen aufgebaut, mit einer Mauerstärke von 0,90 m. Auf der West- und Nordseite waren die Fundamentmauern durch eine Lage von Ton gegen das vom Berge herabströmende Wasser geschützt. Zwei Eingänge, wohl auf den beiden Längsseiten, führten in den mit Sandsteinplatten ausgelegten Innenraum. Die Wände waren mit einem gelblichen Bewurf versehen. Zum Südeingang führten vom Brunnen herauf Trittsteine. Die mit Schiefer gedeckte Kapelle hatte weder Turm noch Dachreiter. Eine kleine Glocke befand sich in einer Öffnung an der östlichen Giebelseite. Diese Glocke aus dem Jahre 1493 wurde damals wahrscheinlich der Gemeinde Moischt überwiesen.

In Moischt hängt eine Bronzeglocke aus dem Jahre 1522. Der Bauer Wilhelm Nau, Schafhof 6/Solingen behauptete, sein Großvater habe bei der Auswanderung von Schröck die Glocke mit nach Wetfalen gebracht, wo sie ins neue Wohnhaus aufgehängt sei. Die Glocke habe ich gesehen.-Nau-

Die Ausstattung der Kreuzkapelle war einfach. Das Inventar von 1520 läßt erkennen, daß im Chor ein Haupt- und Nebenaltar mit verschiedenen Statuen wohl von Holz sich befanden. Auf dem Hauptaltar standen zwei Messingleuchter, außerdem wurden noch drei andere kleinere Messingleuchter, drei Kerzenstäbe mit Messingleuchtern, eine Fahne, ein kupferner Weihwasserkessel, zwei Truhen, zwei Opferstöcke zur Bauunterhaltung und ein neues gedrucktes Meßbuch aufgezählt. Das kostbarste Gerät war ein vergoldeter Kelch mit Patene, der Kopf von Silber, der Fuß von Kupfer. Die vorhandenen Paramente bestanden aus einem geblümten Meßgewand aus Samt und einem solchen von wollenem Tuch mit einem weißen Kreuz, beide mit den zugehörigen Alben, Humeralen, Stola und Manipel. Wichtig ist, daß in dem Inventar auch Wachszeichen aufgeführt werden, wodurch der Bau als Wallfahrtskapelle gekennzeichnet wird. Die Aufsicht über das Gotteshaus führte ein Klausner, in der letzten Zeit vor der Reformation der arme Hennchen von Mardorf, von Pfarrer Johannes Strack zum Nachfolger bestimmt, dessen Klause wir uns wohl an der Südwand der Kapelle angelehnt zu denken haben. Heiligen- und Baumeister waren ein Bürger aus Marburg/L. und ein Einwohner von Schröck, die alljährlich am Kirchweihtag mit dem Kaplan bei einer Mahlzeit mit Fleisch, Brot, Butter, Käse, Wein und Bier Abrechnung hielten. Einmal im Jahre 1520, finden wir auch den Dominikanerprior Johannes Becker als Teilnehmer, woraus wohl geschlossen werden darf, daß der Marburger Dominikanerorden ein gewisses Aufsichtsrecht über den Klausner hatte, wie ja öfters die Klausen sich gerade den Bettelorden angliederten. Dem "armen Hennchen" wurde bei diesen Zusammenkünften sein Jahreslohn, bestehend in fünf Ellen grauen Tuchs und einem paar Schuhe gereicht.

Für die Bestimmung des Alters der Kapelle fehlt es an sicheren Anhaltspunkten, da abgesehen von einigen mittelalterlichen Gefäßresten keine Einzelstücke, namentlich keine Profilsteine bei den Ausgrabungen zu Tage kamen. Geheimrat Kück, Marburg hat die Vermutung ausgesprochen, daß der Bau nicht ausschließt, daß ein älteres sakrales Bauwerk schon dort gestanden hat.

Die Tatsache, daß die Kapelle auf den Titel des hl. Kreuzes geweiht war, bietet für die Altersbestimmung keinen Anhaltspunkt, da Kreuzkirchen und Kapellen in den verschiedensten Zeiten entstanden sind. Die in und unmittelbar beiden Städten, auch Kirchhöfen und vor den Stadttoren, namentlich auch an Straßenkreuzungen errichteten Kreuzkapellen stammen meist aus dem späten Mittelalter besonders als die Verehrung des hl. Kreuzes durch Franziskus und seinem Orden einen mächtigen Aufschwung nahm. So stammt die Kapelle des Kärners bei der Marburger Pfarrkirche aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, die Kreuzkapelle vor dem Barfüßertor an der Wegkreuzung Sand und Ockershäuser Weg ist im Jahre 1440 geweiht. Daß die Schröcker Heiligkreuzkapelle sicherlich ein weit höheres Alter aufweist, wurde schon erwähnt. Mit der Einführung der Reformation im Jahre 1527, die bis zur Übertragung des Kirchenpatronats von den hessischen Landgrafen auf die Erzbischöfe von Mainz im Jahre 1608 auch in Schröck Fuß gefaßt hatte, erreichen auch die Wallfahrten am Tage der Kreuzauffindung ihr Ende und wurden erst später um 1800 (1793) wieder aufgenommen, indem das Ziel nach einem unweit im Felde auf der Zechspanne aufgerichteten Kruzifixe verlegt wurde. Bis zum heutigen Tage wird diese Kreuzprozession mit Predigt auf der Zechspanne gehalten.

Über den Ursprung der Kapelle läßt sich also nicht Bestimmtes feststellen. Es ist die Vermutung nicht von der Hand zu werfen, ihre Entstehung auf Bonifatius, den Apostel der Deutschen, zurückzuführen. Wir denken dabei an das hohe Alter der Quelle und an die Bedeutung, die sie im Kulte der heidnischen Katten gehabt haben muß. In Hainen und an Quellen spielten sich die religiösen Bräuche der Germanen ab. Wie viele Quellen sind mit dem Namen des hl. Bonifatius nicht in Verbindung gebracht! Wie maanche Kreuzkapelle hat er gegründet z.B. in Kalbach bei Bonames. Wenn wir bedenken, dass Bonifatius im Jahre 719 in Amöneburg, also in größter Nähe unserer Kapelle seine Missionstätigkeit begonnen hat, so ist die Hypothese wenigstens nicht als unwahrscheinlich zu bezeichnen.

Die spätere Überlieferung hat die Kapelle und den Brunnen mit der hl. Elisabeth in Verbindung gebracht. Wohl darf es als bestimmt angenommen werden, dass sie öfters dort geweilt hat, zumal sie sich als Verehrerin des hl. Kreuzes zu den Stätten des hl. Kreuzes besonders hingezogen fühlte. Aber errichtet wird die Kapelle auf ihre Initiative hin nicht sein. Wohl hat die Legende späterer Zeit ihre Fäden um Elisabeth, Brunnen und Kapelle gesponnen. Auf dem Wege durch den Wald begegnete ihr ein Wolf. Elisabeth flüchtete auf eine Eiche. Im Volke wird die Stelle, Elisabethträppchen genannt. Das Wasser, das sich in dieser Fußspur sammelte, ist heilkräftig für kranke Augen, wie das Wasser des Schröcker Brunnens. Ein gepflasterter Pfad, dessen Reste noch heute oberhalb des Brunnens vorhanden sind, soll von Elisabeth selbst angelegt sein und seit 1599 heißt ein Walddistrikt "St. Elisabethen Fußpfad"

Aber die altesten und zuverlässigsten Quellen wissen nichts davon, wie sie auch die hl. Elisabeth mit Kapelle und Brunnen nicht in Verbindung bringen. Wenn die Kapelle von der hl. Elisabeth errichtet wäre, dann hätte sicher der Deutsche Orden, der das Patronatsrecht über die Marburger Kirchen besaß, alles daran gesetzt, auch das Patronat über eine Kirche zu bekommen die von der Liebl.-Heiligen des Ordens errichtet war. Das Patronat über die Kirche hatten die Landgrafen von Hessen, während das über die Kirche von Schröck von ihnen erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts erworben wurde.

Als nach Einführung der Reformation der Kult in der Kapelle sein Ende erreicht hatte, als das Patrozinium des hl. Kreuzes in Vergessenheit geraten und auch die offizielle kirchliche Verehrung Elisabeths in Marburg aufgehört hatte, bildete sich ein reicher Kranz von Legenden um das Leben und Wirken der großen Heiligen des deutschen Volkes; denn die Reformation, die mit den Mitteln der Gewalt in Hessen (Homberger Syn. 1526 – Abstimmung) eingeführt wurde, konnte die Erinnerung an die Heilige im Volke nicht auslöschen, dessen Phantasie besonders noch angeregt wurde, als der Landgraf Philipp von Hessen am 18. Mai 1539 den Sarg der Heiligen aufbrechen ließ, die Kostbarkeiten stahl und die Gebeine herausnahm, um nun für allemal die Prozessionen zu ihrem Grabe zu unterbinden, die trotz Einführung der Reformation immer noch in hergebrachter Weise stattfanden. Im Jahre 1552 begegnet uns zum erstenmal der Name "St. Elisabeth Fußtrappe".

Die Kreuzkapelle wird nicht früher als 1578 in einer Marburger Kämmereirechnung "St. Elisabeth Kappele" genannt und erst die Inschrift am Brunnenbau des Landgrafen Ludwig vom Jahre 1596 bezeichnet auch die Quelle mit ihrem Namen, indem sie zugleich das damals wohl noch vorhandene alte Brunnenhaus von ihr erbaut sein läßt. Der Walddistrikt, in dem Kirche und Quelle lagen, wird im Forstregister von 1599 als "Heilkreuzberg" bei Schröck verzeichnet. Da die hl. Elisabeth nur zweieinhalb Jahre in Marburg weilte, so ist es unwahrscheinlich, dass sie die Kapelle selber gebaut hat.

Die Inschrift auf dem Brunnegebäude am Schröcker Brunnen

(Nach Justi’s Übersetzung)

Forschest du, Wanderer, wer ich sei oder was ich trage?

Ich bin der heiligen Elisabeth Quell.

Mit milder Flut tränkend mein Mutterland, welchem Eichen, Buchen, Fruchtbäume, Getreide.

Und zahllose Kräutergeschlechter entsteigen.

Dadurch erquickt, trinken Hirsch und Wild mein Wasser.

Dadurch gestärkt löschen Vögel aus mir ihren Durst.

Doch was genieß! Ich dessen für Vorteil?

Der Lieblichkeiten Fülle!

Denn was ist schöner wohl als jenes Anblicks Herrlichkeit?

Was Behaglicher las diese Schattungen?

Was wonniger las diese Luftmilde?

Was endlich süßer als der Vögel Wettgesang?

Das alles, sieh‘! bringt des Dankes preiswürdiges Muster mir dar.

Diesem füg‘ ich bei des Wassers Köstlichkeit.

Und schmeichelndes Wellengeriesel.

Darum preist man mich als eine der ersten von Hessens Quellen.

Allein was noch mehr?

Mich genießt jeder Bewohner des Hessenlandes,

nicht niederes Volk allein, sondern jeder Sprosse.

Aus königlichem, fürstlichem, adeligem Geschlecht,

und die im hohem Ruhme strahlten.

Unter diesen kam vormals oft zu mir

Die heilige Elisabeth, Ungarn Königstochter,

Landgraf Ludwigs Ehegemahl, mildtätig gegen die Armen,

Gütig gegen alle, demütig und duldend,

glühend von inbrünstigem Gebet zu Gott,

dankend Gott, der Natur und mir.

Erbaute sie neben mich eine Kapelle,

schmückte mich zuerst, nach ihrer Zeiten Sitte,

mit schlichtem Bau und nannte mich Elisabethborn.

Unter vielen ihrer glorreich Entstammten

Hat nachmals der erlauchte und mächtige Fürst Ludwig,

jenes großen Philipps, des Hessen-Mazedoniers Sohn,

hier seinen Geburtstag mit seinen Edlen

heiteren Antlitzes oft gefeiert.

Genießend meiner Anmut,

und dessen zum Gedächtnis,

der Ahnmutter lobsamer Weise treu.

An meiner Mündung ein Steinbecken und festes Gebäude,

nach dorischer und jonischer Säulenart errichten lassen,

im Jahre Christi 1596.

Die Inschrift auf der Steintafel oberhalb der Brunnenmündung

"Sei rein, entweihe und beschmutze mich nicht durch schamlose Worte oder Handlungen!
Mein Gestein und mein Hallenbau verletze mich nicht! Wenn Glut dich plagt, so entpflieh‘ du hierhier! Stille deinen Durst und wasche dich! Genieße des murmelnde Wassergeriesels

Und der mannigfachen Anmut, und preise Gott, meinen Schöpfer.

4. Die Zeit vor der Reformation

Die geistlichen Kurfürsten von Mainz hatten in jener Zeit im steigenden Maß das Betreben, aus politischen Gründen den in Hessen liegenden zerstreuten Besitz zu erweitern und zu befestigen. Dieses mußte notwendigerweise zu Streitigkeiten mit dem Landgrafen von Hessen führen, der sein Besitztum gefährdet sah. Die Grenzstreitigkeiten führten bereits in den Jahrhunderten vor der Glaubensspaltung zu heftigen Kämpfen beider Fürsten spielen auch fortan in der Geschichte von Schröck eine große Rolle. Am 14. Mai 1329 kamen Vertreter der beiden Parteien am Brunnen bei Schröck zusammen, um sich nach einer heftigen Fehde über den Grenzverlauf zwischen Mainz und Hessen am Walde bei Schröck zu einigen. Daß diese Einigungsbestrebungen kein positives Ergebnis hatten, beweisen die fortgesetzten Ausschreitungen der Hessen im Amte Amöneburg. Besonders hart mußten die Grenzdörfer leiden. So wurde Ginseldorf, Schröck und Roßdorf im Jahre 1484 von den Hessen gebrandschatzt und gründlich ausgeplündert, Kühe und Pferde geraubt und Menschen getötet. Auch der berühmte Ritter Götz von Berlichingen ließ, als er mit dem Erzbischofe Albrecht von Mainz in Fehde lag, im Jahre 1516 die Dörfer Schröck, Bauerbach und Stausebach plündern und einige Bauern gefangen nehmen.

Die Mainzischen Ämter lagen weithin über das ganze Hessenland in fremdes Gebiet eingesprengt, fast ohne jede Verbindung untereinander. Welche Schwächung eine derartige Zersplitterung in Kriegszeiten bedeutete, welche Schwierigkeiten einer einheitlichen Gesamtverwaltung erwuchsen, bedarf keiner weiteren Erörterung. Unter diesen Umständen ist es nicht zu verwundern, daß man sich mainzischerseits gelegentlich mit dem Gedanken trug, durch Austausch einzelner Gebiete, das Land abzurunden. So ist es zu erklären, daß Schröck 1330 noch Abgaben nach Amöneburg entrichtete, während schon 1369 der Zehnte in hessischem Besitz war. Landgraf Heinrich von Hessen verpfändete diesen an das Deutschordenshaus in Marburg. Damals bereits fanden Verhandlungen statt, die auf einen Austausch des ganzen Amtes Amöneburg gegen das Amt Eppstein im Taunus hinzielten. Sie scheiterten an der Weigerung des Landgrafen, der nicht "Hopfenstangen gegen Weinreben" vertauschen wollte. Immerhin läßt sich aus der Verworrenheit der Rechtsverhältnisse jener Tage mit Sicherheit feststellen, daß vom 13. Jahrhundert an Schröck kirchlich zum Amt Amöneburg gehörte, nach Hessen zehntpflichtig war und unter dem Patronat der Schenken von Schweinsberg stand ( ist zu streichen, weil durch neueste Forstung widerlegt )

Neben dem Freiherrn Schenk zu Schweinsberg hatten noch die Herren von Gilsa, von Riedesel und von Rau in Schröck Besitzungen. An letztere erinnert noch heute der "Rawe" Hof. (unsicher) Vor 1700 hieß der Inhaber des Hofes "Raab".

5. Die Zeit nach der Reformation

Über die Geschichte Schröck nach den Tagen der hl. Elisabeth läßt sich nicht viel sagen, da darüber kaum Quellen aufzufinden sind. Es mag wohl ein bescheidenes, geruhsames Daheim geführt haben, bis die Tage der Reformation kamen, da es damals zum Kurfürstentum Hessen gehörte, (seit 1237 zu Mainz lt. Synodalregister, Patronat war an Hexen verpfändet) mußte es nach Willen seines Landherrn des Kurfürsten Philipp von Hessen seinen Glauben wechseln. Im Jahre 1527 wurde auch hier im Anschluß an die Homberger Synode 1526 neue Lehre eingeführt, wahrscheinlich durch den Pfarrer Strack, genannt Hatzfeld, der vom alten Glaube abfiel, heiratete und von 1520-27 die Pfarrei pastorierte, aber als Notar in Marburg wohnte und 1546 starb. In der protestantischen Zeit wurde es von Kappel bei Marburg aus versehen. Der neu Glaube wird nie Wurzel gefaßt haben, und die Verehrung der hl. Elisabeth blieb auch in der Zeit des ev. Glaubens in der Gemeinde lebendig. Etwa 80 Jahre dauerte es, bis im Jahre 1608 die Rückkehr zur Religion der Väter wieder erfolgte. Infolge einer neuen Grenzregulierung fiel Schröck mit Bauerbach und Himmelsberg wieder an das Kurfürstentum Mainz zurück, durch die Bemühungen des seeleneifrigen Kommissars Musculus von Amöneburg wurde die kath. Religion wieder hier eingeführt. Die Austauschurkunde ist in Würdtwein Stephan Alexander Dioecesis Mognutina in Archidiacconatus distincta, Tomus III. Mannheim 1777.S.262 ss.

Parochiae Schreck, Buerbach et Himmelsberg etc.

Wir Johann Schweichard von Gottes gnaden Ertzbischoff zu Mayntz, des heiligen Römischen reichs durch Germanien Ertzcantzler und Churfürst, und wir Moritz von desselben gnaden Landtgraf zu Hessen, Graf zu Catzenelenbogen, Dietz, Ziegenhayn und Nidda tc. Thun kundt und bekennen hiemit öffentlich, für uns un unsere nachkommen, demnach sich eine geraume zeithero wegen der pfarrbestellung in unser des Ertzbischoffen zu Mayntz eigenthumlich und ohnmittelbarer hohen und niederer Obrigkeit gelegenen dreyen dorffschafften Schrick, Bauerbach und Himmelsberg beyderseits fast beschwerliche mißverständigkeiten enthalten, daß wir zu endlicher hin-und beylegung derselben, auch fortpflanzung und beständiger erhaltung guter verträulichen correspodentz und friedfertiger einsamer nachbarschafft und vermittels eines auswechels miteinander nachfolgender gestalt und masen freundlich im grundt vereinbaret, verglichen und vertragen, daß nemlich wir Landtgraf Moritz des herrn Ertzbischoffen zu Maynz Liebden obberührte pfarrgift oder pfarrbestellung so weit und viel wir und deren bishero in benanten dreyen dorffschafften Schrick, Bauerbach und Himmelsberg in krafft eines theils und selbsten zustehenden, theils von anderen adelichen personen an uns erlangteniuris patronatus berechtiget erachtet, und daselbst herbracht, gäntzlich und zumahl abgetretten und solches Sr.Liebd. vollkömlich überlassen und eingeräumt, hingegen ab wir Johann Schwickard Ertzbischoff zu Mayntz und Churfürst etc. gedachts herrn Landgraf Moritzen zu Hessen Liebd. Beide pfarrgiften zu Nordenstadt und Oberliederbach, so unsers Dhomcapituls in unserer stadt Maynz praesents zuständig, und in Sr. Liebd.ober-und bottmäsigkeit gelegen und noch darzu die gemeine pfarrgift zu Eppstein (dadurch wir idoch ein mehrers oder weiters nicht, dan allein die bloße collatur, oder ius praesentndi meynen oder verstehen) cedirt, überlassen und eingeraumt, darbey auch abgeredt, erthaitiget und verglichen worden, daß wir Landtgraf Moritz die anverlangte gewisse verfügung thuen sollen und wollen, damit alle register und documenta, so zu offterwehnten dreyen kirchen Schrick, Bauerbach und Himmelsberg gehörig, und in unsern oder der unserigen handen seyn, gebührlich restituirt und wieder herausgegeben werden möge. Es soll auch durch diese beyderseits vorgesetzter massen beschehene verträgliche handlung, cession übergab und einräumung keinen theil an seinen der endts herbrachten zehenden, gefällen oberheitlichen oder andern rechten, sowohl auch beyderseits unterthanen an ihren privatrechten, oder anderen bishero genossenen nutzbarkeiten, wie die immer heißen, oder nahmen haben mögen, einige verfängliche schmälerung, abbruch oder praeiuditz zugezogen seyn, sondern ein jder einen weeg als den anderen, ohne abgang darbey ruhiglich gelassen und gehandhabt werden. Dessen alles zu wahrer urkundt und steter vesthaltung haben wir Johann Schweichard Ertzbischoff zu Mayntz und Churfürst etc. und wir Moritz Landtgraf zu Hessen etc. dievertragsnotul in unser beeder nahmen zwifach verfertigen ujdt ingrossiren und unsere insigel zu end daran wissentlich hangen lassen. Und wir Jakob von Eltz dechant und capitel gemeinlich des Dhomstiffts zu Mayntz bekennen in kraft dies Briefs, daß obberührte vertragshandlung inmassen obgeschrieben, mit unserem guten Wissen und willen geschehen ist willigen auch darin, und haben dess zu bekanntnus unsers capitels insiegel, so wir zu den sachen gebrauchen, bey ongedachten unser gnädigen lieben Herrn insiegel gehangen, doch uns unserer gemeinen praesentz an unser, und unseren sonderen renthen undt gefällen ohnschädlich. Datum den 30 tag Octobris Anno millesimo sexcentesimo octavo. 1608.

Herr Johannes Strack von Hatzfeld war später auch noch Pfarrer von Bauerbach. Bei seiner zweiten Amtshandlung an diesem Orte hatte er einen unangenehmen Zwischenfall. Am Palmsonntag, den 27. März 1575 wurde durch eine Verwechslung des Bauerbacher Einwohner Henchen Weintraut eine Kanne mit Essig statt mit Wein für die Abendmahlsfeier auf den Altar gestellt und vom Pfarrer, ohne den Irrtum zu bemerken, an die Gläubigen verteilt. Darauf entstand eine große Aufregung im Dorf. Der Küster wurde inhaftiert, aber nach kurzer Zeit als schuldlos in Freiheit gesetzt. Nach dem Tode des gelehrten Strack war evg. Pfr. Esther Groß war die Freude der Gemeinde Schröck, als sie wieder zur (1608) wahren Kirche Christi zurückfanden, auch wenn es bei einigen nicht leicht war.

Dann zu erklären, daß Schröck 1330 noch Abgaben nach Amöneburg entrichtete, während schon 1369 der Zehnte in Hessischem Besitz war. Landgraf Heinrich von Hessen verpfändete diesen an das Deutschordenshaus in Marburg. Damals bereits fanden Verhandlungen statt, die auf einen Austausch des ganzen Amtes Amöneburg gegen das Amt Eppstein im Taunus hinzielten. Sie scheiterten an der Weigerung des Landgrafen, der nicht "Hopfenstangen gegen Weinreben" vertauschen wollte. Immerhin läßt sich aus der Verworrenheit der Rechtsverhältnisse jener Tage mit Sicherheit feststellen, daß vom 13. Jahrhundert an Schröck kirchlich zum Amt Amöneburg gehörte, nach Hessen zehntpflichtig war und unter dem Patronat der Schenken von Schweinsberg stand. Neben den Freiherrn Schenk zu Schweinsberg hatten noch die Herren von Gilsa, von Riedesel und von Rau in Schröck Besitzungen. An letztere erinnert noch heute der "Rawe Hof".

Seit 1608 vermutlich ab Errichtung des Kollegiatstifts in Amöneburg, also früher erhielt dann die Pfarrgemeinde keinen eignen Pfarrer mehr, sondern die Stiftsherren von Amöneburg kamen dorthin und versahen bis 1803 die kirchlichen Funktionen.

Die Zeit des 30jähr. Krieges

Kaum hatte sich Schröck von den Wirren der sog. Reformation erholt, da begann nach 10 Jahren der 30jährige Krieg. Mit ihm zog unendliches Leid ins deutsche Land. Das 2/3 seiner Einwohner durch Pest und Hunger verlor, eine große religiöse und sittliche Verwilderung war die Folge. Die religiösen Gegensätze prallten heftig aufeinander, und auch Hessen ist von den traurigen Auswirkungen der religiösen Auseinandersetzungen nicht verschont geblieben. Aus diesem Zeitabschnitt lassen sich wenig Nachrichten über die Geschichte des Orts auffinden. Schröck bekam im Jahre 1609 wieder einen selbständigen Seelsorger namens Scherer, der von Amöneburg stammte. Im Jahre 1656 übertrug Johann Philipp, Kurfürst von Mainz, die Seelsorge von Schröck den Stiftsherrn von Amöneburg. In unbeugsamer Festigkeit und erfüllt von einem glühenden Seeleneifer hat damals der Kommissar Petrus Musculus (1589-1632) von Amöneburg die Rechte der Kirche vertreten und die Gegenreformation in Oberhessen eingeleitet. Nur seiner Zähigkeit und seinem Mute ist es zu verdanken, daß die Gegend hier wieder kath. wurde. Viel Leid, Enttäuschung und Bitternis wurden ihm (Leidenschaftlichen Streiter für die Kirche) im Leben zuteil. Am 27. Februar 1632 fiel Amöneburg nach mehrwöchiger Belagerung in die Hand des Landgrafen Wilhelm von Hessen. Obwohl den Geistlichen alle ihre Privilegien zugesichert waren, verließen Petrus Musculus und das Kapitel die Stadt, kehrten aber bald wieder zurück. Am 1. August 1632 erlag er seinem Alter und der Trauer ob die Einnahme seiner Vaterstadt durch den hessischen Erbfeind. Nach seinem Tode blieb das Dekanat drei Jahre unbesetzt. Der luth. Gottesdienst wurde trotz der Zusicherung des Landgrafen vom 27. Februar 1632 unterdrückt. Von der Kanzel der Stiftskirche predigte ein kalvinischer Prädikant. Am 2. Juni 1633 erging ein fürstlich hessisches Reskript an den hessischen Oberamtmann zu Amöneburg, Melchior von Lehrbach, daß die geistlichen Stiftsherrn ihre Wohnungen zu Amöneburg räumen sollten. Ihren Gottesdienst sollten sie in der Kapelle außerhalb der Stadt – der Lindau Kapelle – halten. Nach einer kurzen kaiserlichen Besatzung kam die Stadt erst wieder am 2. März 1635 in länger dauernden mainzischen Besitz. Gleich danach wurde auch wieder katholische Kultus eingeführt. Der Kurfürst nannte Andreas Krebs zum geistlichen Kommissar und am 1. August 1635 wurde er vom Kapitel auch zum Dekan des Stiftes erwählt. Bald darauf brach in Amöneburg die Pest aus, die unter den Bewohnern furchtbar wütete. Am 3. Februar 1636 berichtet der Kommissar dem Kurfürsten von Hessen, daß alle geistlichen Häuser zerstört seien und bat ihn, keine weitere Einquartierung mehr nach Amöneburg zu senden, da alle Häuser überbelegt seien. Im Jahre 1646 wurde die Stadt von Grund aus zerstört, und alle Bewohner flohen (Vergleiche die wertvolle Chronik des Bauern Kaspar Preis aus Stausebach). Nur Konrad Hoffmann, der im Jahre 1649 Kommissarius und Stiftsdechant wurde, blieb bei der Zerstörung der Stadt am 25. Juni 1646 zurück. Mit großer Mühe und unter großer Gefahr rettete und barg er die Dokumente des Stiftsarchivs und einen großen Teil der Paramente. Nach dem westfälischen Frieden im Jahre 1648 konnte man wieder an den Aufbacu von Stadt und Stift denken. Mehrere Reisen unternahm Hoffmann nun, um die Materalien dazu zu bekommen. Im Jahre 1653 steht die Kirche wieder vollständig unter Dach. Im Jahre 1663 am 19. Mai konnte auch das neue Stiftsgebäude bezogen werden, in dem die Stiftsherrn gemeinsam nach der Regel des Bartholomäus Holzhauer lebten, das 1917 abbrannte.

Vom Jahre 1656 ab also wurde Schröck über 150 Jahre von einem Stiftsherrn von Amöneburg aus pastoriert. In diesem Jahre übergibt Kurfürst Johann Philipp von Mainz die Seelsorge den Stiftsherrn über den Ort. Von diesem Tage an läßt sich auch die Reihenfolge der Geistlichen lückenlos nachweisen. Sie führen den Namen Cooperator, Proparachus, Substitutus, Administrator der Pfarrei Schröck, aber niemals kommt der Name Kaplan vor.

 

 

Texterfassnung: E. Krahn (1999/2000)