Pfarrei Schröck v.2004 [Archiv]
St. Michael & St. Elisabeth
HOME PFARREI GOTTESDIENST 35043 Marburg-Schröck
Kettelerstr. 12 Tel. 06424/ 92230
 
DPQ

Gemeinde in Schröck vor 10 Jahren

[S. 76]

St. Michael und St. Elisabeth, Schröck

von Gerhard Willeke *

Die Pfarrei Schröck - ihr ursprünglicher Patron ist der Erzengel Michael - darf sich wohl zu den ältesten Pfarreien unseres oberhessischen Raumes zahlen. Darüber findet sich in der von Peter Nau und Karl Schober verfaßten, 1976 anläßlich der 250-Jahrfeier der Kirche herausgegebenen ,,Schröker Chronik" viel Interessantes. Dort ist z.B. nachzulesen, wie in dem mainzischen Schröck vom hessischen Marburg aus die protestantische Predigt eingeführt und, zeitweilig mit Gewalt, den Landeskindern des Mainzer Erzbischof aufgenötigt wurde, bis sich 1608 Landgraf und Erzbischof im Vertrag von Grünberg auf die katholische Zugehörigkeit von Schröck einigten.

Mittelpunkt für die Schröcker Pfarrei ist die 1720-1726 im alten Dorfkern von den Bewohnern mit eigenen Mitteln und in Eigenleistung erbaute stattliche Barockkirche (übrigens die einzige dieser Art in Marburg). Das bringt die lateinische Inschrift über dem Portal zum Ausdruck: ,,Haec pagi erpensis stat nova domus dei" (,,Dieses neue Gotteshaus steht aus Ausgaben der Gemeinde"). Fast alle arbeitsfähigen Gläubigen - die Einwohnerzahl betrug damals lediglich 209 Personen - halfen in irgendeiner Weise beim Bau ihrer Kirche mit. Die von Arbeitern am ,,Lichte Küppel" gebrochenen Sandsteine schafften die Bauern auf ihren Wagen herbei, und von Schröcker Steinmetzen wurden sie dann behauen, so daß die gesamten Außenmauern der Kirche mit schön behauenen Quadern hochgezogen werden konnten, während die übrigen zur gleichen Zeit im Amt Arnöneburg gebauten Kirchen durchweg aus Bruchsteinen errichtet wurden. Besonders sehenswert ist der Figurenschmuck an der Westfassade. Dargestellt sind: Die hl. Elisabeth, wie sie einem Bettler Brot reicht, die Apostelfürsten Petrus und Paulus und über der Giebelspitze Jesus Christus, der Herrscher der Welt.

[S. 77 Foto: St. Michael und St. Elisabeth, Schröck
Foto: W. Leinweber]

St. Michael behielt man als Patron der alten Kirche bei, und St. Elisabeth kam mit dem Neubau als zweite Patronin hinzu. Daher rührt der Doppelname der Pfarrei ,,St. Michael und St. Elisabeth". Seit dieser Zeit beglaubigt der Pfarrer von Schröck auch seine offiziellen Schreiben mit dem Elisabethsiegel.

An der Innenausstattung der Kirche sind die 1865 aus Amöneburg erworbenen Seitenaltäre (Mutter Gottes und St. Anna) am wertvollsten, und zwar wegen ihrer feinen holzgeschnitzten Figuren, die aus der Schule des Johannes Neudecker stammen, eines Meisters der fränkischen Schule. Sein Meisterwerk ist der weithin bekannte Bonifatiusaltar im Fuldaer Dom. Der sehr kunstverständige Pfarrer Franz Christoph Gesang, der in Schröck wegen seines plötzlichen Todes nur zwei Jahre (1958-1960) wirken konnte, ließ die vom Holzwurm stark bedrohten Kunstwerke restaurieren. Dies konnte er um so leichter durchführen, als die Schröcker Pfarrangehörigen aufgrund nur eines einzigen Appells von der Kanzel die erforderliche Summe von DM 20.000 für ihre Kirche spendeten.

Für die Katholiken von Marburg ist folgende Bemerkung in der oben erwähnten Chronik besonders interessant: ,,Die Innenausstattung mit Banken erfolgte in zwei Abschnitten, wobei betont wurde, daß die etwa 40-50 Katholiken aus Marburg beim Besuch des Sonntagsgottesdienstes ganz Platz finden sollten, solange ihnen in Marburg noch keine katholische Kirche zur Verfügung stand."

In den letzten Jahren hat sowohl vor wie nach der unvergessenen 250-Jahrfeier das ehrwürdige Gotteshaus eine umfassende Außen- und Innenrenovierung mit Anbau einer neuen größeren Sakristei sowie Einbau einer modernen Raum-und Fußbodenheizung erfahren. Außerdem konnte dank der Opferfreudigkeit vieler Pfarrangehöriger die Ausstattung mit liturgischen Gewändern und Kultgegenständen fortgesetzt und erweitert werden. Als nächstes steht eine Restaurierung der Seitenaltäre sowie der Orgel an. Außerdem soll eine Umpflasterung der Kirche auf der oberen Ebene, passend zum Sandsteinbau, in Angriff genommen werden.

Die über Jahrhunderte relativ homogene Pfarr- und Dorfgemeinde befindet sich seit mehreren Jahren in einem starken Umbruch auf den verschiedensten Ebenen. Wegen der Nähe zur Universitätsstadt Marburg und vor allem der Errichtung zahlreicher Universitätsinstitute und des Klinikums auf den nahegelegenen Lahnbergen wurde Schröck für viele dort beschäftigte Dozenten und Studenten als Wohnsitz interessant und gefragt. Überhaupt gilt Schröck seit einigen Jahren allgemein als attraktiver Wohnort. Dadurch nahm die Bevölkerung von Schröck (etwa 1000) seit 1965 um die Hälfte zu. Damit änderte sich auch die Sozialstruktur der Einwohner Schröcks, das über Jahrhunderte überwiegend von Bauern und Handwerkern geprägt war, und der Einfluß einer gewissen ,,Überfremdung" und ,,Verstädterung" wird auf verschiedenen Gebieten deutlich. Dieser Prozeß wurde noch beschleunigt durch die kommunale Eingliede-

[S.78/79]

rung Schröcks in die Stadt Marburg infolge der Gebietsreform im Jahre 1974. Im Anschluß daran wurde die Pfarrei Schröck aus dem Dekanat Amöneburg, zu dem es viele Jahrhunderte gehört hatte, ausgegliedert und dem Dekanat Marburg zugeordnet. Das alles droht die bisherige Geschlossenheit von Dorf- und Kirchengemeinde zu sprengen. In der Pfarrgemeinde zeigt sich das besonders daran, daß eine große Zahl von Neubürgern, aber auch zahlreiche Einheimische den Gottesdienst in Marburg besuchen, zumal dort ein umfangreiches und vielfältiges und zeitlich sehr günstiges ,,Angebot" besteht. Die zunehmende Motorisierung erleichtert und beschleunigt diese Entwicklung. Das hat zur Folge, daß der Gottesdienstbesuch in der Heimatgemeinde zurückgeht, was für die hiesige Seelsorge erhebliche Nachteile mit sich bringt. Der aufgezeigte Umbruch verursachte eine weitere, auch für die katholische Pfarrgemeinde bemerkenswerte Entwicklung: die Tatsache, daß immer mehr evangelische Mitchristen in Schröck ihr Zuhause finden. Während die Schröcker Bevölkerung bis in die sechziger Jahre fast ausschließlich katholisch war, leben hier jetzt zusammen mit den etwa 1250 Katholiken knapp 300 Protestanten, deren Zahl ständig zunimmt. Eine engere Zusammenarbeit zwischen den beiden Konfessionen ist daher für die nächste Zukunft wünschenswert und unerläßlich. Hinzu kommt, daß die über 100 in der Nachbargemeinde Moischt wohnenden Katholiken, die seelsorgerisch von Schröck aus betreut werden, zu integrieren sind.

Eine Herausforderung für die Pfarrgemeinde ist auch der in kirchlicher Trägerschaft geführte Kindergarten. Mit Stolz erinnern sich die älteren Schröcker an den unter der Leitung von Kaplan Vinzenz Trageser im Jahre 1957, zumeist in Hand- und Spanndiensten, errichteten Kindergartenbau. Doch auch hier sind erhebliche Änderungen eingetreten. Während noch vor nicht allzu langer Zeit Wartezeiten für aufzunehmende Kinder bestanden, mußte leider vor wenigen Jahren infolge des erschreckenden Geburtenrückgangs eine Reduzierung von drei auf zwei Gruppen vorgenommen werden, was natürlich eine erhebliche finanzielle Mehrbelastung für die Pfarrgemeinde mit sich brachte. Weiter wurde vom Mutterhaus in Fulda nach über 50 Jahren segensreicher Tätigkeit im Dienst an den Kleinen, Alten, den Kranken und auch für die Kirche mangels Schwesternnachwuchses die Auflösung der Schwesternstation verfügt. Ihre selbstlose Arbeit ist nur schwer durch Laienkräfte zu ersetzen, und natürlich wirkt sich der Weggang der Schwestern aus in Form höherer Kosten. Ebenso fiel das kleine Altenheim im Schwestenhaus der Auflösung zum Opfer.

Folgenschwer war für die seelsorgerische Betreuung der Schüler auch die nach der Gebietsreform im Jahre 1974 erfolgte Schließung der Hauptschule Schröck; denn alle Kinder ab dem 5. Schuljahr müssen nun Schulen in Marburg besuchen und sind in relativ jungen Jahren völlig neuen und kaum mehr zu überblickenden Einflüssen ausgesetzt. Für den Pfarrer sind nur mit Mühe günstige Zeiten,

[S. 79/80]

etwa für Seelsorgestunden, Firm- und Entlassungsunterricht und nicht zuletzt auch für Schülergottesdienste zu finden.

Große Unterstützung erfährt der Seelsorger durch die kirchlichen Vereine: die lebendige und aktive Frauengemeinschaft und die Kolpingsfamihe, die während ihres 25- bzw. 40-jährigen Bestehens in vieler Hinsicht zahlreiche belebende und bereichernde Aktivitäten entfalteten. Dabei galt ihre Sorge auch den Menschen der ,,Dritten Welt". Als Beispiele seien nur erwähnt die Brasilienaktion (Kleidersammlung) und Sammlungen für Ghana, wo eine Pfarrangehörige viele Jahre als Schwester wirkte. Übrigens sind neun Ordensschwestern, davon allein vier aus einer Familie, und ein Ordensbruder bei den Benediktinern aus der Pfarrgemeinde hervorgegangen. Nicht vergessen werden sollen in diesem Zusammenhang die stete Einsatzbereitschaft des Gesangvereins ,,Caecilia" und der Schröcker Blaskapelle und nicht zuletzt die tatkräftige Mithilfe der Mitglieder des Verwaltungsrates.

Vor wenigen Jahren errichtete die Pfarrgemeinde unter der l-eitung des Orts-pfarrers neben dem Pfarrhaus ein Pfarrheim, um für alle Pfarrangehörigen neben dem Gotteshaus ein weiteres ,,Zuhause" zu schaffen für Jung und Alt, für alteingessene und neuhinzukommende Bürger, auch die von Moischt, damit der drohenden Gefahr der Anonymität und Entfremdung entgegengewirkt wird. Bemerkenswert ist auch hier die Tatsache, daß die Gesamtkosten von DM 540.000- bis auf etwa DM 45.000 durch Opfer und Spenden von Pfarrangehörigen aufgebracht wurden. Ergänzend darf hinzugefügt werden, daß die Mitglieder der Pfarrgemeinde sich seit vielen Jahren ihrer Fürsorge und Verantwortung für Mission und Caritas und viele überpfarrliche Aufgaben voll bewußt sind. Das beweist das Aufkommen von Spenden und Kollektenopfern für ,,Misereor", ,,Adveniat", ,,Missio" usw. Hier liegt Schröck wohl mit an der Spitze aller Pfarrgemeinden in der Diözese Fulda.

Das Jahr 1988 hat eine wesentliche Veränderung für die Seelsorge in der Pfarrei Schröck gebracht, denn Pfarrer Gerhard Willeke hat nach zwanzigjähriger Tätigkeit jetzt in Horbach im Freigericht eine neue Pfarrei übernommen. Sein Nachfolger wurde am 1. September Pfarrer Hartmut Wegner, der vorher in Oberrodenbach bei Hanau wirkte. Die für November geplante etwa zweiwöchige Volksmission kann zur guten ,,Starthilfe" für den neuen Pfarrer von Schröck werden.

[Ende]


Info zu Pfr. Willeke - Diese Seite ist eine Gabe zum 70. Geburtstag am 22.07.98

[Digitalisierung von pfarrgeschichtlichen Quellen und Abhandlungen Nr. 10
dig010.htm | 01.07.98
Für Fehler keine Haftung. Nur für den Privatgebrauch. ]

Stefan Krönung 1996-2007 als Pfarrer in St. Michael und St. Elisabeth

 

 

 © 1996-2007  - www.pfarrei-schroeck.de  

 Update 31.05.11

1998-07-01