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St. Michael & St. Elisabeth
 
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Quellen aus Schröck

(Beta)

Familie Wolfgang Balzer: Festschrift 25 Jahre Gaststätte Balzer. Schröck 1992.
26 Seiten, 21 Fotos und Zeichnungen, Selbstverlag.

Schröcker Drachen....

Weihnachtspfarrbriefe der Pfarrei 1996ff (MAB)

Schröcker Gute Seiten

Pfarrei-CD-ROM

 

Liturgiereform in unserer Gemeinde

Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil war der Weg für die "Muttersprache" in den Gottesdiensten seit einigen Jahrhunderten möglich geworden und schon sehr bald werden nur noch die Großmütter sich an "lateinische Messen" erinnern können.
Einigen Notizen des Schröcker Chronisten Peter Nau ist zu entnehmen, dass die "Liturgiereform in Schröck" vor genau 35 Jahren Einzug hielt. Die ersten Lesungen und das Evangelium wurde in Schröck nach seinen Aufzeichnungen schon ein Jahr zuvor, ab dem 28.3.1964 verkündet. Nach und nach folgten die neuen Texte und Modelle. Die Handkommunion folgte für Erwachsene und später für die Schulkinder und Erstkommunikanten dann ab 1970.
Bleibt zu erinnern, dass die Bischöfe immer betonten, dass die Fähigkeit der Gemeinden zur Feier lateinischer Messen nicht verloren gehen dürfe. Einige Gesänge und ab und zu das "Pater Noster" sind auch nach wie vor in unseren Gottesdiensten zu hören und es macht Sinn, die lateinischen Gebete im "Gotteslob" ab und an nachzuschlagen. Bis auf den heutigen Tag gilt, was der Apostel Paulus schrieb: "Doch vor der Gemeinde will ich lieber fünf Worte mit Verstand reden, um auch andere zu unterweisen, als zehntausend Worte in Zungen stammeln" (1 Kor 14,19).

SK, April 2000

[Digitalisierung von pfarrgeschichtlichen Quellen und Abhandlungen Nr. 20
dig020.htm | 06.01.00
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 Update 10.04.06

 

Beiträge zur Kirchengeschichte der Pfarrei Schröck – Das Patrozinium St. Michael – (von Dr. Martin Hannappel)

Als der hl. Bonifatius im Jahr 721, von Westen her kommend, das ihm vom Papste zugewiesene mitteldeutsche Missionsgebiet betrat, begann er im oberhessichen Raum. Wie heute, so ragte damals die Amöneburg aus einer weiten Ebene ragend vor ihm auf, und dort faßte er zuerst Fuß.

Es lohnt sich sicher der Versuch, die „Stadt auf dem Berge" in dem Abschnitt ihrer allezeit bedeutsamen Geschichte ausdrücklich ins Bewußtsein zu heben, da sie als Amaanaburch-Hamanburg zum ersten Male in der schriftlichen Überlieferung aus dem Dämmer der Vorgeschichte auftaucht. Ich betone „Versuch", er ist ebenso lockend wie riskant, ich bin mir dessen bewußt, aber da ich mich seit Jahrzehnten mit den Forschungen über die Frühmissionierung in Hessen, genauer über das vorbonifatische Christentum in Ober- u. Niederhessen auseinandergesetzt habe, glaube ich zu einem solchen Versuch berechtigt zu sein, ja verpflichtet, da es nicht mehr lange dauern wird bis mir der Tod den Griffel des Chronisten aus der Hand nimmt.

Zunächst ist auszugehen von dem vorgeschichtlichen Status, den Amöneburg hatte, als Bonifatius kam. Alfred Schneider hat in seiner verdienten Arbeit „Stadt und Amt Amöneburg" 1971 S.5-22 ein ebenso profundes wie umfassendes zum Teil auf persönlicher Forschung und opfervollem Einsatz beruhendes, weit über Max Ehrenpfordt „Chronik von Amöneburg" 1927 S.28-42 hinausführendes Material erschlossen. Und ich weiß von ihm persönlich, wie er darauf brennt, das keltische oppidum Amöneburg durch die Ausgrabung eines keltischen Tores am Südhang der Hauptburg für unsere Kenntnis weiter zu lichten. Die Forschungen in dieser Richtung werden hoffentlich in naher Zukunft weiter getrieben. Da die Forschung noch in vollem Gange ist, hauptsächlich aber deswegen, weil eine Erörterung derselben den Rahmen der vorliegenden Arbeit weit überschreiten würde, gehe ich auf die Vorgeschichte von Amöneburg hier nicht näher ein, ich begnüge mich mit der Feststellung, daß Amöneburg alles andere denn ein Vakuum war, als Bonifatius 721 dorthin kam.

Ich wende mich der weiterführenden Frage zu: war Hessen, als Bonifatius kam, ein dünn besiedeltes, fast menschenleeres Gebiet? Bis in die jüngere Vergangenheit neigte die Forschung zu der Annahme, daß dem so war. Aber seit 1968 ist diese Ansicht abgetan. In diesem Jahre nämlich erschien das Werk von Wilhelm Niemeyer „Der Pagus des frühen Mittelalters in Hessen", das leider durch seinen frühen Tod unvollendet blieb, und P. Pius Engelbert O.S.B. gab die „Vita Sturmi des Eigi von Fulda" neu heraus. Es wäre durch die zum Werke von Niemeyer unbedingt gehörigen Karten, die er mir noch einige Wochen vor seinem Tode – seine Frau mußte ihn stützen, um die wenigen Treppenstufen zum Pfarrhause in Mardorf zu bewältigen – mir vorlegte, daß die vielgebrauchten Ausdrücke „solitudo – vastitudo", die von den Mönchen in ihren Viten (Lebensbeschreibungen) so oft gebraucht werden, sich eindeutig auf die Klosterbezirke beschränken und nicht zur Kennzeichnung der Gaue dienen, ob öde und dünn besiedelt. Das gehörte zum Modell ihres Helden, dem sie entsprechen mußten. Und Pater Engelbert gelang der Nachweis, daß zweimal in der Vita Sturmi, im 6. und 10. Kapitel, die Abkürzung der Handschrift „sclm" von Chr. Brouwer 1612 verkehrt gelesen worden ist. Das heißt nicht Seleheim = Großseelheim (Kr. Marburg), sondern saeculum = Welt, Sturmius verließ also den von ihm für die Klostergründung geplanten Klosterbezirk Hersfeld, um dafür die Billigung des hl. Bonifatius einzuholen, und begab sich in die Welt. Wo er Bonifatius traf, ist nicht gesagt. Das kann Fritzlar, vielleicht auch Amöneburg gewesen sein, auf jeden Fall nicht Seelheim. Interessant ist die Annahme von Th. Schieffer in seinem bedeutenden Werk „Winfried-Bonifatius und die christliche Grundlegung Europas" (1954) S.203: „Sturmi und seine Gefährten gaben Hersfeld auf, aber sie konnten noch nicht nach Eichloh übersiedeln; an einem andern, nicht sicher bestimmbaren Ort, vielleicht dem heutigen Kirtorf zwischen Hersfeld und Amöneburg, warteten sie die Entscheidung ab. „Jedenfalls haben wir Abschied zu nehmen von der seit über 3 ½ Jahrhunderten durch die historische Literatur unwidersprochen gehenden Annahme, die zu vielen Kombinationen Anlaß gab, daß hier die Pfalz Großseelheim zum ersten Male erwähnt sei. Nein, der Hauptzeuge für die dünne Besiedlung Hessens, die Viten, fallen in Zukunft als Beweis aus. Allerdings bleibt unwidersprochen die Bemerkung von Professor Edmund Stengel in „Der Stamm der Hessen und das „Herzogtum Franken" S.4: „Es ist eine der rätselhaftesten Erscheinungen der germanischen Frühgeschichte, daß dieses in den beiden ersten Jahrhunderten nach der Zeitenwende so viel genannte, unruhvolle und freiheitliebende chattische Volk bald nach dem Jahre 200 auf mehr als ein halbes Jahrtausend vollkommen spurlos aus der Überlieferung verschwunden ist, so daß man allen Ernstes behauptet hat, die erst im 2. Drittel des 8. Jahrhunderts auftauchenden Hessen seien überhaupt ein ganz anderer Stamm. Man kann diese Überlieferungslücke darauf zurückführen, daß die Chatten offenbar seit dem dritten Jahrhundert – wie einst die Cherusker im ersten – ihre politische Aktionskraft eingebüßt haben. „Zuletzt hat sich zu diesem Rätsel Karl Demandt in der 2. Auflage der Geschichte des Landes Hessen" (1972) S.92-98 geäußert. Auf diese Einzelheiten gehe ich hier nicht ein. Eine kurze Bemerkung zur politischen Lage in Hessen zur Zeit der Ankunft des hl. Bonifatius in Amöneburg ist nicht ganz zu umgehen. Dazu schreibt K. Demandt: „Der Name der Hessen wird seit Anfang des 8. Jahrhunderts genannt, doch läßt sich die Geschichte des hessischen Stammes in großen Zügen bis in die germanische Zeit zurückverfolgen, da der unmittelbare Zusammenhang der Hessen mit den Chatten gewiß ist. Dies ergibt sich aus der Gleichheit der Namen und der Wohnsitze insbesondere aus der Kontinuität in der Funktion des chattischen Zentrums: Mattium-Metze-Maden in Niederhessen, der bis zum 8. Jahrhundert das religiöse und bis zum 13. Jahrhundert auch das politische und rechtliche Zentrum des hessischen Stammes ist. Diese Dauer ist möglich, weil die Chatten von früh an zum fränkischen Verband gehören und nicht, wie die Alemannen von den Franken unterworfen und von ihnen verdrängt worden sind. Die infolgedessen im Rhein-Main-Gebiet nachweisbare dichte fränkische Besiedlung unterbleibt in den althessischen Gebieten, von kleinen Inseln im Umkreis wichtiger militärischer Punkte abgesehen. Seit dem 6. Jahrhundert wird das Land in steigendem Maße in die fränkische Stammesorganisation einbezogen, wobei die mächtigen alten Landes u. Bergfestungen: der Glauburg am Rande der Wetterau, der Amöneburg und der Kesterburg in Oberhessen und der Büraburg in Niederhessen, die ersten Kristalisationspunkte der fränkischen Herrschaft bilden. Die frühen Karolinger setzen die organisatorische Durchdringung Hessens fort. Es wird zum Aufmarschgebiet gegen die Sachsen durch eine vom Siegerland bis zur oberen Weser reichende Grenzmark geschützt und durch große Heerstraßen erschlossen. Die an ihnen errichteten befestigten Etappenstationen sind mehrfach zur Grundlage späterer hessischer Städte geworden.

Mit dieser politischen Lage sah sich Bonifatius konfrontiert, als er 721 von Amöneburg aus seine Missionierung Mitteldeutschlands begann. 718/9 hatte sich Karl Martell durchgesetzt, die Karolinger hatten die Merowinger verdrängt, das fränkische Reich entwickelte sich zur Höhe seiner Macht. Der Schutzbrief Karl Martells öffnete ihm in Amöneburg die Tore bei den Festungskommandanten Dettic und Decrulf.

Ich stellte fest, daß P. Nau in der „Schröcker Chronik" (1976) S. 22 sich dieser Ansicht der friedlichen und allmählichen Assimilierung der Chatten-Hessen in das Frankenreich anschließt.

Nun zum Kernthema: wie war die religiöse Situation, die Bonifatius in Hessen 721 vorfand? Fr. P. Mittermeier hat 1963 in der Festschrift für Ludwig Clemm (Archiv für hessische Geschichts u- Altertumskunde N.F. 28.Bd.) einen Artikel veröffentlicht: „Vorbonifatisches Christentum in Hessen", der die Forschung vorläufig zusammenfaßt. Einige, durch die neuen Grabungen von R. Gensen auf der Kesterburg und N. Wand auf der Büraburg gewonnenen neuen Erkenntnisse werde ich hinzufügen. Mittermeier schreibt (S. 73): „Überall, wohin die fränkischen Krieger und Siedler kamen, tauchten alsbald auch die christlichen Glaubensboten auf. So entstanden noch im 7. Jahrhundert allenthalben zunächst bei den großen Zentren der fränkischen Macht – auf dem Büraberg, der Kesterburg, auf der Amöneburg und Glauburg, bald auch anderswo im fränkischen Machtbereich christliche Taufkirchen und kleine Christengemeinden, Mittel- u. Ausstrahlungspunkte der Christianisierung, die von hier aus allmählich das ganze umliegende Land erfaßte. Die Franken hatten alsbald den Martinskult übernommen. An der Verbreitung des Martinspatroziniums können wir in der Folgezeit die weitere Ausdehnung des fränkischen Machtbereichs ablesen. Hessen ist dafür ein lehrreiches Beispiel. Im einst römisch besetzten Limes-Gebiet der Wetterau gibt es nur ganz vereinzelt Martinskirchen. In Althessen sind sie zahlreicher und zwar handelt es sich dabei meist um alte Taufkirchen, die später zu Vororten der Kirchlichen Sendbezirke wurden. Allerdings besteht zwischen Nieder-u. Oberhessen ein deutlicher Unterschied. Büraberg wurde wahrscheinlich um die Mitte des 6. Jahrhunderts angelegt. Vielleicht entstand auch schon damals hier das erste christliche Kirchlein der Gegend, das aber anscheinend keine große Ausstrahlung besaß..... Es herrscht in Niederhessen das Patroznium St. Peter vor. Nur die Sedeskirche in Bergheim (bei Wildungen) hat Martinspatrozinum, die beiden anderen Martinskirchen im Bereiche des späteren Archidiakonats Fritzlar: Kassel und seine Mutterkirche Kirchditmold lassen – im Kaufunger Reichsfordt gelegen – vorbonifatianische Gründung vermuten.. Hanz anders stand es in Oberhessen und im Siegerland. Hier gab es im scharfen Gegensatz zu Niederhessen eine ganze Anzahl von Taufkirchen mit Martinspatrzinium (ich ordne sie abweichend von Mittermeier nach Dekanaten, deren es im Archidiakonat St. Stephan drei gab). Im Dekanat Amöneburg: Oberofleiden, Rauischholzhausen, Kappel, Gladenbach, Oberweimar und Treysa, im Dekanat Kesterburg: Kesterburg selbst, Michelbach Wehrda, Schönstadt, Bromskirchen, Dautphe, Dodenau und Geismar; im Dekanat Arfeld: Siegen, Raumland, Netphen und Feudingen. Von diesen sind Sendorte: Oberofleiden, Gladenbach, Oberweimar und Treysa; Kesterburg, Michelbach, Schönstadt, Bromskirchen, Geismar und Dautphe; Siegen, Raumland, Netphen. Ich fahre fort nach Mittermeier „Das sind 1/3 aller oberhessischen Send-u. Taufkirchen sowie fast 2/3 derjenigen, deren Patrozinum bekannt ist. Außerdem haben die Kirchen in Dodenau, Wehrda, Kappel und Rauischholzhausen das Martinspatrozinium. Ihre Gründung in vorbonifatianischer Zeit ist kaum zweifelhaft... Die Martinspatrozinien sind sicher älter als die Michaelspatrozinien um Amöneburg. Sie gehören wahrscheinlich zum Teil in die Zeit, als die Franken, um in das mittlere Lahntal zu kommen, noch den Weg von Koblenz über Montabaur und Weilburg lahnaufwärts benutzen mußten, da ihnen der Weg von Mainz aus durch die Wetterau versperrt war d.h. vor der Verdrängung der Alemannen aus diesem Gebiet als Folge der Schlacht von 496. Die Träger der mit dem fränkischen Vorstoß ins Hessenland seit der Mitte des 6. Jahrhundert beginnenden Auseinandersetzung mit den Sachsen waren allerdings nicht mehr Gallo-Romanen aus dem Kerngebiet des Frankenreichs an Loire und Rhone bzw. aus den linksrheinischen Grenzräumen, sondern ein völlig neues Element im Zuge der Christianisierung des germanisch beherrschten Abendlandes, es waren die iroschottischen Wandermönche. Damit wird eines der merkwürdigsten Kapitel unserer hessischen Kirchengeschichte berührt, merkwürdig insofern, als wir genau wissen, daß iroschottische Mönche auch in Hessen tätig waren, aber keine direkten Zeugnisse ihrer Tätigkeit hinterlassen haben. (Mittermeier führt hier als sichere Belege für iroschottische Missionierung das Patrozinium St. Brigida auf der Büraburg und das verwilderte Christentum mit Michaelspatrozinium auf der Amöneburg an, zu beiden Belegen habe ich meine starken Bedenken und bringe sie noch zum Ausdruck)....Etwas anders steht es mit einigen Kirchen in der Umgebung von Marburg, die einen Grundriß von etwa gleichen Ausmaßen und teilweise mit überhalbrundem Chor sowie einen auffallend engen Durchgang zwischen Chor und Schiff aufweisen: Altenvers, Udenhausen, Breidenborn und Helstein bei Raboldshausen am Knüll, bei denen schon Fr. Küch iroschottischen Ursprung vermutete, weil wir einige Kirchen des 7. Und 8. Jahrhunderts höchstwahrscheinlich iroschottischen Ursprungs mit ganz ähnlichem Grundriß auch ja in Frankreich Spanien, der Schweiz, Oberitalien und England kennen. Dazu meine Stellungnahme: Alle Martinspatrozinien in Nieder-u. Oberhessen und auch im Siegerland als beweiskräftig für vorbonifatianische Missionierung in Anspruch zu nehmen, geht zu weit. Es müßte stärker differenziert werden. Fall für Fall wäre zu prüfen. Es ist nämlich sicher, daß manche Martinspatrozinien nicht auf früheste Missionierung, sondern auf verhältnismäßig späten Besitz der Mainzer Kirche in diesen Orten zurückgehen. So hatte das Mainzer Domkapitel starken Besitz im Dekanat Arfeld, wie sich aus der Schrift von Fr. Vigener „Die Mainzer Dompropstei im 14. Jahrhundert-Aufzeichnungen über ihre Besitzungen, Rechte und Pflichten aus den Jahren 1364-1367" ergibt (Darmstadt 1913). Auch für Rauischholzhausen, Kappel und Wehrda erscheint es mir fraglich. Doch im großen und ganzen, besonders für Sedeskirchen mag es zutreffen. Und ganz sicher ist das Martinspatrozinium in der Kesterburg (Christenberg) vorbonifatianisch. Es hat sich nämlich aus den Ausgrabungen von Feldtkeller-Görge und besonders aus den letztjährigen von R. Gensen ergeben, daß die Kesterburg einmal keltischer Zeit nicht nur vorübergehende Fliehburg, sondern Dauersiedlung, wahrscheinlich sogar Fürstensitz gewesen ist und in der Auseinandersetzung zwischen Germanen und Kelten gewesen ist. Dann verliert sie ihre Frontbedeutung und verödet fast für ein Jahrtausend, um dann diese Bedeutung wieder zu gewinnen bei dem innergermanischen Kampf zwischen Franken und Sachsen. Da ersteht die Kesterburg aus ihrem Dornröschenschlaf, wird überaus stark von neuem befestigt. Das geschieht an der Wende vom 7. Zum 8. Jahrhundert, kurz, bevor Bonifatius in Amöneburg erscheint, und abhängig von ihm und vor seiner Missionierung war dort die Martinskirche gebaut worden.

St. Brigida auf der Büraburg galt seither als Kronbeleg für iroschottische Mission. Mittermeier unterstreicht ihre Bedeutung im Kultleben der Iroschotten: Sie war eine der Hauptheiligen der irischen Kirche, wird oft als „Maria Hibernorum" und als „Maria der Gälen" bezeichnet. Aber Heinrich Büttner brachte die Aufstellung schon zum Wanken durch den Nachweis, daß Brigida schon in ältesten Mainzer Kalendarien vorkommt, und ich kann dem hinzufügen, sie steht auch in der Allerheiligenlitanei des „Sacramentarium Fuldense" (1912) S.349 s: Sancta Afra, s.Digna, s.Eugenia, s.Euprepia, s.Regina, s.Brigida....Wenn auch die Aufzeichnung des Sakramentarium erst im 10. Jahrhundert erfolgte, so geht es doch sicher in die ältesten Zeiten des Klosters Fulda zurück. Es ist hier nach der Ausgrabung von N. Wand anzumerken, daß die Anlage der Büraburg von J. Vonderau zu früh angesetzt wurde, sie gehört in die zweite Hälfte des 7. Jahrhunderts, Bonifatius fand sie vor mit ihrer Kirche und plante diese als Kathedrale für das Bistum Hessen. Büraburg hat keine keltische Vorvergangenheit im Gegensatz zur Kesterburg und zur Amöneburg.

Das verwilderte Christentum auf der Amöneburg mit dem Michaelspatrozinium ist ein sehr schwaches Argument für iroschottische Missionierung. Das erstere stimmt ist aber kein Beweis, das letztere stimmt nicht, denn Bonifatius kürte das Michaelspatrozinium für sein Amönburger Kloster, doch ich will dem Gedankengang nicht vorgreifen. Nur dies möchte ich hier noch anfügen. Hat man sich einmal klar und bewußt gemacht, was das heißt: iroschottische Mönche gründen Dauerniederlassungen in fränkischen Grenzfestungen? Mönche, aus deren Gedankenwelt solch wild phantastische Geschichten wie „Sanct Brandans Meerfahrt". (Jena 1927 bei Eugen Diederichs) entstanden? Das ist mir besonders aufgegangen, nachdem ich die Schrift von J. Lortz „Bonifatius und die Grundlegung des Abendlandes (Wiesbaden 1954) gelesen haben: „In der Art der Iroschotten lag die Gefahr der Vereinzelung und der mangelnden Kontinuität, wie sie jeder Art charismatischer Spiritualisierung droht; aber sie war erfüllt von einer gewaltigen religiös-asketischen Kraft. Was hier an Gefahr vorlag, überwand die englische Kirche in ihrer Heimat und in der Mission auf dem Festland durch den hierarchischen Zusammenhang mit Rom, von der religiösen Kraft ließ sie sich tief befruchten".

Mittermeier hat nur auf die Martinspatrozinien als Beweis für vorbonifatianische Missionierung hingewiesen. Zur Ergänzung wäre noch hinzuweisen auf St. Alban in Großseelheim und St. Blasius in Niederklein, beide sind merowingischer Provenienz, doch die Begründung würde zu weit führen! Zu verweisen wäre auch auf das Patrozinium von Kleinseelheim, das bislang unbekannt war. St. Adelgundis! Ich fand es in der Urkunde 1524 Januar 19 (S.A. Mbg. Deutscher Orden). Nach Fr. v. Sales Doye „Heilige und Selige..." I.Bd. Leipzig 1929 S. ist sie Gründerin und 1. Äbtissin von Maubeuge, aus dem Merowingischen Königshause gebürtig, ihre Eltern wollten sie verheiraten, weshalb sie nach Haumont zum hl. Bischof Amandus floh und Nonne wurde, worauf sie zu Maubeuge ein Doppelkloster stiftete, gestorben um 685, Tag 30. Januar-Attribut: meist geht ein Engel vor ihr her, da sie, von ihrem Bräutigam verfolgt, den Sambrefluß trockenen Fußes durchschritt; auch eine Taube über sich, deinen Nonnenschleier trägt. –

Patrozinium: gegen Augenleiden, wird das Wasser bei der Quelle benutzt, die nahe bei Maubeuge entsprang, als die hl. Adelgundis auf der Flucht ermattet war: gegen Besessenheit, gegen kranke Brüste, Geschwüre, Fieber Halsentzündung, Krätze, Krebs, Kopfweh. Kinder, die schwer gehen lernen, wurden von ihren Müttern dreimal um die Quelle der Heiligen herumgeführt. Durch Mittermeier ist mir klar geworden, daß auch die fränkische Reichskirche ihre Bedeutung für das vorbonifatianische Christentum in Hessen besonders in den Gemeinden der Grenzfesten Kesterburg, Amöneburg und Büraburg hatte, aber sie hatte in einer Zeit des Niedergangs im 7. Jahrhundert jede Ausstrahlung und missionarsche Kraft eingebüßt.

Willibald schreibt von der Ankunft des hl. Bonifatius in Amöneburg: Er kam an einen Ort, mit Namen Amanaburch...dem Zwillingsbrüder vorstanden, nämlich Dettich und Deorulf. Mit Gottes Hilfe erreichte er es und löste sie aus der Zensur für den sakrilegischen Götzendienst, dem sie unter dem Namen der Christlichkeit übel oblagen und gewann eine sehr große Volksmenge nach Eröffnung der Einsicht in dem rechten Weg, nachdem der Greuel der Irrtümer abgelegt war vom üblen heidnischer Kult zurück, und dann errichtete er, nachdem eine Schar von Gottesdienern gesammelt war, eine Klosterzelle.

Im Jahre 726 gesellte sich zu Amöneburg und Fritzlar in Hessen eine dritte monastische Zelle Ordruf in Thüringen südlich Gotha. Otloh von St. Emmeram in Regensburg ziehe ich für die Schilderung dieser Gründung heran, weil er sie am ausführlichsten beschreibt und weil aus dieser Schilderung hervorgeht, warum Bonifatius zum Verehrer des hl. Erzengels Michael wurde. Otloh schreibt im I. Kapitel. Damals – im Jahre 726 – wurde nach Sammlung einer großen Schar Gottesdiener ein Kloster an dem Orte, der Ordorf heißt, unter dem Schutze des hl. Erzengels Michael gegründet. Alle nämlich, die nach apostolischer Sitte leben, erlangten durch eigene Arbeit Speise und Kleid. Warum aber zur Ehre des hl. Michael dieses Kloster gebaut wurde ist kurz zu erzählen. Denn als der hl. Bonifatius predigend und taufend durch Thüringen zog und nach Errichtung von Zelten bei einem Fluß namens Oraha nächtigte, da umfloß ein großes Licht die ganze Nacht durch den Ort, wo der Bischof blieb. In diesem Lichte erschien dem Bischof der hl. Erzengel Michael, der herankam, ihn ansprach und im Herrn stärkte. Als es Morgen geworden war zelebrierte er daher Gott lobend und preisend dort eine feierliche Messe. Dann ordnete er an, an demselben Orte ihm ein Mahl zu bereiten. Als er aber von seinem Diener hörte, er habe nichts Eßbares, antwortete er: „Vermag nicht jener, der eine Volksmenge in der Wüste in 40 Jahren durch vom Himmel gesandtes Manna speisen konnte, mir, seinem unwürdigen Knecht zu eines Tages Ernährung Speise zu gewähren?" „Als er das gesagt hatte, befahl ihm den Tisch vorzusetzen. Unterdessen flog ein Vogel vorbei, brachte einen so großen Fisch, der zur Ernährung jenen Tages genüge, herbei und warf ihn vor den Tisch. Als er das gesehen, dankte der hl. Bischof Gott und befahl, den herbeigebrachten Fisch schnell zu präparieren. Nachdem er vollends bereitet und gegessen war, ließ er die Reste in den Fluß werfen. Von dort brach er auf, wanderte durch Thüringen und forschte sorgfältig, wem jener Ort gehöre, wo ihm eine so große Vision erschienen war. Als er in Erfahrung gebracht hatte, daß Hugo, der der Ältere genannt wurde Besitzer jenes Ortes wäre, bat er, ihm ihn zu schenken. Jener stimmte zu und übergab als Erster aller Thüringer dem verehrungswürdigen Bischof sein Erbe. Dann übergaben Albolt und mehrere andere dem genannten Ort angrenzenden Besitz. Nachdem er das erlangt hatte, kehrte der hl. Bonifatius zurück und befahl, an diesem Orte das Gestrüpp auszuroden und das Land zu bebauen und nachdem das Fundament gelegt war, ließ er eine Kirche errichten. Dies aber habe ich in einem alten Buche aufgezeichnet gefunden und beschloß daher es (hier einrücken, damit bei Kenntnis der Ursache weswegen das erwähnte Kloster errichtet wurde, sowohl der Ort als auch der Begründer dessen – einer Engelserscheinung würdig – mehr verehrt würden." (Ich habe den ganzen Text wiedergegeben, damit deutlich wird, von wann ab der hl. Michael von dem hl. Bonifatius in besonderer Weise verehrt wurde).

Zum Jahre 732 schreibt hinwieder Willibald: „Als die Boten (von Rom) ankamen und die einsichtige Antwort des apostolischen Mannes (Papstes) berichtet hatten.... errichtete er (Bonifatius) dem Herrn zwei Kirchen, die eine in Fritzlar, die er zur Ehre des hl. Apostelfürsten Petrus weihte und die andere in Hamannaburch (=Amöneburg), diese weihte er auch, und zwar zur Ehre des hl. Erzengels Michael. Er verband auch den zwei Kirchen Klösterchen und besetzte sie mit einer nicht geringen Menge von Gottesdienern, so daß bis heute dem Herrn und Gott demütig Ehre, Lobpreis und Dank erstattet wird".

Ich habe die einschlägigen Berichte aus den Biographien des hl. Bonifatius wörtlich wiedergegeben, um deutlich zu machen:

721 gründet Bonifatius in Amöneburg eine Klosterzelle, 726 hat er in Ohrdruf die Erscheinung des hl. Miachel und gründet dort das Kloster zu dessen Ehren. 732 baut er in Amöneburg die Klosterzelle aus, in dem er ihr eine eigne Kirche gibt, die er dem hl. Michael weiht. Hatte etwa Amöneburg vordem, und erst recht nach der Gründung der Klosterzelle 721 keine Kirche? Die Frage stellen, heißt, beantworten. Selbstverständlich hatte Amöneburg genau so eine Kirche vor Bonifatius wie der Christenberg. Das Kloster mit seiner Kirche ist nach etwa einem halben Jahrtausend durch EB Adalbert I. im Zuge der Neuorganisation der Diözese Mainz (Archidiakonate) nicht eingegangen, sondern aufgehoben worden. Wie das auch anderwärts (Fritzlar, Dorla, Jechaburg) zu beobachten ist. Die alte Pfarrkirche aber ist geblieben: Johannes Baptista. Das hat + K.H. Schäfer 1920 in den Fuldaer Geschichtsblättern gesagt.

Und nun gilt es, die Ergebnisse dieser eingehenden Untersuchungen dem eigentlichen Ziel zuzuwenden: St. Michael in Schröck!

Einige Bemerkungen zur Verehrung des hl. Erzengels Michaels zuvor. W. Stüwer schreibt in seinem Werke "„Die Patrozinien im Kölner Großarchidiakonat Xanten""S.89: Früh begann in Deutschland die Michaelsverehrung. Schon die karolingisch-ottonische Zeit brachte in der Kunst das Bild des Heiligen als siegreicher Überwinder des höllischen Drachen. Dieselbe Zeit kennt ihn als weitverbreiteten Kirchen-und Kapellenheiligen, der die Heiligtümer auf Bergeshöhen, Friedhöfen und Klosterimmunitäten schützte. Die Missionare brachten die Verehrung des über alles Böse triumphierenden Engels mit. So erbaute Bonifatius ihm eine Kirche in Ohrdruf, nachdem er dort eine Erscheinung des Erzengels gehabt hatte, auch die zahlreichen Michaelskirchen auf den Bergen werden gewöhnlich als ehemals heidnische Kultstätten angesehen, an denen die Missionare das Patrozinium des Signifer caeli (des Himmels Bannerträger) aufgerichtet haben, um die heidnischen Kulte zu verdrängen. Gewiß, in vielen Fällen mag dem Erzengel in dieser Absicht ein Heiligtum erbaut sein, das wird man schon im Hinblick auf die Missionspraxis, wie sei in dem berühmten Schreiben Gregors d. Gr. an Augustinus von Canterbury so deutlich zum Ausdruck kommt, nicht leugnen können, ob aber nur allein aus solchen Beweggründen Michaelskirchen auf Bergen errichtet wurden, kann und muß solange fraglich bleiben, wie Meisen mit Recht betont, bis nachgewiesen wird, daß die Michaelsverehrung in Deutschland eine Sonderentwicklung erlaubt hat, die aus dem Bereich der allgemeinen kirchlichen Entwicklungslinie herausfällt... Mit den Bergkirchen hat man die Michaelskapellen in Türmen und Toren in Verbindung gebracht. Dort wo Berge fehlen, soll man künstliche Höhenlagen geschaffen haben. Derartige Michaelskapellen sind nicht nur auf deutschem Gebiet beliebt gewesen.... Der Benediktinerorden ist sehr stark in der Vorbereitung des Michaelskultes vertreten. Siegburg! Bei den Benediktinern findet sich auch die Sitte, Gotteshäuser auf Friedhöfen Michael, dem manuductor animarum (der die Sellen an der Hand führt) zu weihen. Eine der ältesten Totenkirchen mit Michaelspatrozinium dürfte Fulda besitzen, sie wurde im Jahre 820 erbaut... Verwandt mit dem Seelenführer ist der Seelenwäger Michael, der die Verstorbenen vor dem Gericht Gottes ruft (St. Sever in Erfurt)..... Die Bedeutung des hl. Michael ist damit für die Patrozinienforschung nicht erschöpft. Gleich S. Georg dem Drachenbesieger ist auch Michael der Heilige der Ritter geworden, unter dessen Schutz sich zahlreiche Ritterorden stellten."

St. Michael wurde zum Schutzpatron des deutschen Volkes, schon 955 in der Schlacht auf dem Lechfeld flatterte dem Heere Ottos d.Gr. das Michaelsbanner voraus. Der deutsche Michael! Hört man in dem uns allen noch bekannten Michaelslied: Hilf uns hier kämpfen, die Feinde dämpfen, St. Michael! Den stapfenden Schritt marschierender Kolonnen heraus? – Doch zurück vom Allgemeinen.

Es ist schon immer für Oberhessen vermerkt worden, die relative Häufigkeit der dortigen Michaelspatrozinien müsse einen besonderen Grund haben. Und man sieht es für sicher an, daß hier sich das Michaelspatrozinium des Bonifatiusklosters in Amöneburg ausgestreut hat. Michaelspatrozinien haben im Bereiche der alten Senpfarrei Amöneburg: Schröck, Anzefahr, Erfurtshausen und Kirchhain, im weiteren Umkreis – vielleicht anzusprechen als langjähriges Missionsgebiet des Bonifatiusklosters: Wohra und Ruhlkirchen. Nach der Inschrift über dem Hochaltar hat diese Kirche als 1. Schutzheiligen Hubertus, als 2. Bonifatius, als 3. Michael. Es wäre interessant zu wissen, welche Patrozinien Münchhausen bei Allendorf im Bärenschießen und Münchhausen am Christenberg hatten, denn nach ihren Besitzverhältnissen ist es klar, daß sie Rodunssiedlungen der Mönche von Amöneburg waren und daher ihren Namen haben.

Der geschichtliche Entwicklungsgang der Pfarrei Schröck ist also so zusehen: Mit der Gründung des Michaelsklosters in Amöneburg 721/732 setzt alsbald eine stetige christliche Missionierung der ganzen Gegend ein, der Ortsadel in Schröck erbaut alsbald eine Kirche und stellt sie den Mönchen zur Verfügung, diese stellen sie unter den Schutz ihres Klosters: St. Michael. Der kirchenrechtsgeschichtliche Tatbestand der „Eigenkirche" bleibt aber unerschüttert bestehen. Aus der Eigenkirche wird im Zuge der allgemeinen kirchlichen Rechtgeschichte im 12. Jahrhundert der Patronat. Dieser teilt die Schicksale der Patronatsfamilie, die P. Nau verdient nachgewiesen hat und geht im ausgehenden 16. Jahrhundert auf die hessischen Landgrafen überaus dieser Rechtslage ergeben sich die turbulenten Ereignisse um die Pfarrei Schröck in der Zeit der Reformation und Gegenreformation.

Den Wandel von der Eigenkirche zum Patronat habe ich in einem eigenen Artikel geschildert. Die Ereignisse in Schröck zur Zeit der Reformation und Gegenreformation steht vor der Vollendung.