Im südlichen Afrika haben es Familien nicht leichtBrautpaare haben KinderKeine idealen FamilienKluft zwischen Arm und ReichQuelle
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Hochzeit in Südafrika |
Zum AnfangMARIA PETRA SCHÜTTENKOPF SSpS:Mit Kind und Kegel zum
Traualtar.
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Im südlichen Afrika haben es Familien nicht leichtFrüher Samstagmorgen in Nketa, einer neuen Siedlung am Stadtrand von Bulawayo. Von Wochenendruhe keine Spur. Mit den ersten Sonnenstrahlen wird es im Meer der rotbraunen Ziegelhäuschen lebendig. Männer machen sich auf den Weg zur Arbeit, Frauen fegen tiefgebeugt mit kurzen Reisigbesen den Platz vor ihren Häusern.
Geschäftig bereiten die Ministranten den Altar für die Meßfeier vor und stellen schließlich rechts und links vor den Altarstufen je vier einfache Stahlrohrsessel auf. Eine Doppelhochzeit steht auf dem Programm. Nach und nach gesellen sich mehr Leute zu den Beterinnen, manche festlich gekleidet, manche offensichtlich nicht vertraut mit katholischen Symbolen wie Kniebeuge oder Weihwasser. Unsicher um sich blickend lassen sie sich auf den einfachen Bänken nieder. Abseits sitzt ein älterer Mann und liest aufmerksam in der Bibel, unbeirrt vom Treiben ringsum. Endlich wird es beim Haupttor lebendig: die Hochzeitsgesellschaften sind eingetroffen. Es dauert eine Weile, bis sich die Bräute mit ihren wallenden weißen Kleidern -die sind übrigens eine Leihgabe der Pfarre - aus den Fahrzeugen geschält haben. Besorgte Tanten, Schwestern und Freundinnen ordnen Rüschen und Schleifen, zupfen die Schleier zurecht. Dann ziehen die zwei Brautpaare, begleitet von den Eltern und nächsten Verwandten, in die Kirche, gefolgt von den Ministranten und dem Priester. Die Frauengruppe stimmt ein Lied an, und schon hallt die große Kirche wider vom Singen und Klatschen der Gemeinde, vom Rhythmus der Trommeln und Rasseln. Brautpaare haben KinderErnest Ndoro und seine Frau Vaines Sakala haben es geschafft, ihre langjährige Verbindung nun von der Kirche segnen zu lassen, ebenso Mildred Mazarira und Daniel Mhlani, der einer anderen Kirche angehört. Beide Paare sind bereits in den Dreißigern und haben einige Kinder. Die kirchliche Trauung bildet normalerweise nicht den Beginn, sondern gewissermaßen den Abschluß der ersten Phase des gemeinsamen Lebensweges, sie besiegelt den Entschluß, weiter beisammenzubleiben. Solche Hochzeiten finden in Nketa häufig statt. Denn wer im neuen Township ein Haus erwerben oder die Einkommenssteuer entsprechend der Kinderzahl reduzieren will, muß in legaler Ehe leben. In Simbabwe gibt es drei gleichwertige Formen der Eheschließung: die traditionellen Riten, je nach Stamm sehr verschieden, werden vom Häuptling und vor Vertretern der beiden Familien ,,registriert", weiter die standesamtliche und die kirchliche Trauung. Der Weg zum Traualter ist - wie fast überall in Afrika- weit und mit vielen Hürden versehen. Die Kirche ist vorsichtig geworden. ,,Erst wenn die traditionellen Riten abgeschlossen sind und das Paar sich auch in der christlichen Gemeinde als zuverlässig erwiesen hat, gibt die Kirche ihren Segen", erklärt der aus Polen stammende Missionar. Zunächst muß der Mann bzw. seine Familie den "Lobola", den obligaten Brautpreis, leisten. Das kann sich über Jahre hinziehen, vor allem wenn die Braut die Erstgeborene ist oder eine gute Ausbildung erhalten hat. Früher bestand der Brautpreis aus einer bestimmten Anzahl von Rindern oder Ziegen. In ländlichen Gebieten gelten diese Preise noch heute; oder es werden entsprechende Geldsummen verlangt. Doch wenn jahrelange Dürreperioden den Viehbestand reduzieren, die galoppierende Inflation jegliche Abmachung verzerrt oder die Geldgier der Verwandtschaft ins Maßlose steigt, haben die jungen Leute kaum Aussicht auf Eheglück. Dazu kommt der Einfluß der westlichen Zivilisation mit ihrer lockeren Moral. Kein Wunder, daß sich immer weniger Menschen um die alten, strengen Normen kümmern, früh sexuelle Beziehungen eingehen und - falls überhaupt - erst an Heiraten denken, wenn bereits etliche Kinder da sind. Die ursprünglich weitverbreitete Polygamie wurde durch die christliche Verkündigung bereits zurückgedrängt, die wirtschaftlichen Verhältnisse verstärken die Tendenz zur Einehe. Wer mehrere Frauen hat, hat auch viele Kinder, und das ist teuer. Keine idealen FamilienMit der Unabhängigkeit kamen neue Gesetze, die den Frauen im Fall einer Scheidung gewisse finanzielle Absicherungen zugestehen, während sie früher einfach davongejagt werden konnten. Das führt freilich dazu, daß Männer immer weniger Interesse an einer Heirat haben, schon gar nicht nach einer Scheidung. Sie halten sich lieber eine Freundin, die nach Belieben weggeschickt werden kann. Die großen, farbkräftigen Bilder über dem Altar haben mehr katechetischen als künstlerischen Wert: in der Mitte die Heilige Familie in afrikanischem Ambiente; rechts und links davon heutige ldealfamilien sowie die Kirchengemeinde als die große Familie Gottes, in der die einzelnen Mitglieder füreinander sorgen und sich um die Bibel versammeln. Die Wirklichkeit sieht freilich anders aus: Viele Familien sind zerrissen und zerbrochen, Frauen sind noch immer der Willkür der Männer ausgeliefert, die Kinder einer Frau stammen oft von verschiedenen Vätern, erzählt R Grenda. Der polnische Missionar nennt noch weitere Probleme. Da ist z.B. die starke Wanderbewegung. Viele Männer gehen nach Südafrika oder Botswana und kommen nur selten oder auch gar nicht mehr nach Hause. Die Frauen müssen dann sehen, wie sie sich und ihre Kinder durchbringen. Arm und ohne Ausbildung, bleibt ihnen oft nichts anderes, als sich wieder an einen Mann zu hängen oder in die Prostitution zu gehen. Nach dem Evangelium stehen die Brautpaare auf, und plötzlich wird es still. Dennoch gehen die Stimmen der Brautleute in der großen Kirche unter, als sie nacheinander die Trauungsformel sprechen. Einige kräftige Schläge auf die Trommel verkünden der Gemeinde, daß das Jawort gesprochen wurde. Dann treten die Paare und Trauzeugen zum Altar und unterschreiben ihre Formulare - begleitet von fröhlichem Klatschen, Singen und Trommeln und dem typischen ,,Triller-Jodler" der Frauen. Völlig ungebremst äußern sich die Glückwünsche dann beim Auszug: Frauen schwenken Tücher oder ihre Jacken und geleiten die Frischvermählten mit Gesängen und Trillern, Trommeln und Rasseln zum Kirchtor. Noch das obligate Gruppenfoto mit dem Pater, dann bringen die geschmückten Autos die Brautpaare in ihre Häuser im Township. Was auf dem Altar unterzeichnet wurde, gilt auch vor dem Staat als Heiratsdokument. Der Pfarrer ist demnach zugleich Standesbeamter. Das setzt Kurse mit Prüfung voraus und hat viel Papierkram zur Konsequenz. Kluft zwischen Arm und ReichR Grenda bleibt in der Kirche. Die Ruhe währt nur kurz. Kaum sind die Hochzeitsgäste weg, strömen von allen Seiten Kinder zum Katechismusunterricht herbei - mehrere Hundert, die sich in fünf Gruppen treffen. Geeignete Räume dafür gibt es kaum. Die erst ein Jahr alte Pfarre zählt schon etwa 100 erwachsene Taufbewerber. Sie werden in einem mindestens zweijährigen Kurs auf die Taufe vorbereitet. Die Vorbereitung auf Erstkommunion und Firmung dauert normalerweise ein Jahr. R Tadeusz freut sich sichtlich über das blühende Leben in der jungen Pfarre. Die offizielle Statistik von Anfang 1994 weist 2500 Katholiken unter den 60000 Einwohnern aus. Seither gab es ständig Zuwachs, weil immer neue Bewohner zusiedeln. Sonntags sind die 1300 Sitzplätze der Kirche voll, dabei hocken die Kinder auf dem Boden. Die Basisgemeinden sind gerade dabei, sich von der Mutterpfarre Nkulumane abzulösen. ,,Am Anfang des Jahres hatten wir unsere ersten Wahlen für Sektionsleiter und die anderen Mitglieder des Leitungsteams der Basisgemeinden", erzählt der Pole. ,,Derzeit haben wir 21 solcher kleiner christlicher Gemeinschaften." Stolz ist er auch auf die übrigen Gruppen der Pfarre, etwa die verschiedenen Singgruppen oder die 27 ehrenamtlichen Katechisten. Diese brauchen ständige Weiterbildung. Dazu bietet R Grenda monatlich Treffen an. Die Katechisten kommen samstags und sonntags zusammen und werden von Mitarbeitern des Pastoralzentrums der Diözese unterrichtet. Da geht es um Methoden für Leitung und Katechese ebenso wie um Basiswissen über die Kirche. R Grenda der zuvor fünf Jahre im Nachbarland Botswana gewirkt hat, 1988 nach Simbabwe kam und seit Anfang 1990 in Bulawayo tätig ist, macht sich freilich keine Illusionen über die Schwierigkeiten, die auch in dieser blühenden Gemeinde auf die Kirche zukommen werden, vor allem die immer größer werdende Kluft zwischen Armen und Reichen. Das hat enormen Einfluß auf die Familien. Dann der Zerfall der traditionellen Werte und damit der Zerfall der Familien. ,,Das sieht man nicht auf den ersten Blick, weil hier viele junge Familien zugezogen sind. Aber sie sind sehr instabil. Die jungen Leute bleiben nicht bei einem Partner. So nimmt auch Aids rapide zu. Es gibt bereits die ersten Aids-Waisen." Um so mehr ist es ihm ein Anliegen, die Pfarre ,,Zur Heiligen Familie" zu einem Ort zu machen, wo die Menschen nicht nur angesiedelt sind, sondern eine wahre Heimat finden. |
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