Der Bericht
z u r
ü c k | w e i t e r
Schröck, 19.02.98:
Der angekündigte Besuch von
Marion Weber vom Arbeitskreis Wildbiologie (Uni
Gießen) versprach eine Exkursion auf den Dachboden
der Schröcker Kirche.
Fledermäuse sind die
am stärksten gefährdete Säugetiergruppe Europas.
Der Grund für ihre
Bestandsbedrohung ist zum einen die Verschlechterung
der Nahrungssituation und zum anderen der Rückgang
des Quartierangebotes.
Frau
Weber kam zu Besuch, weil sie dafür arbeitet, daß
im Landkreis Marburg-Biedenkopf das Quartierangebot
für Fledermäuse verbessert wird.
"Das
Fledermaus-Schutzvorhaben ist vom Bundesamt für
Naturschutz in Bonn in Auftrag gegeben und wird im
Landkreis von Flederrnauskundlern der Universitäten
Marburg und Gießen durchgeführt".
Besonders Kirchen sind
dafür geeignet. Fledermäuse und Menschen lebten und
leben schon seit Jahrhunderten unter einem Dach. Bis
in die fünfziger Jahre gab es fast in jedem Dorf
eine größere Fledermauskolonie, meist vom Großen
Mausohr- und meist im Dachboden der Kirche. Die
Dachböden der Kirchen bieten den Fledermäusen
ideale Voraussetzungen für die Aufzucht der
Jungtiere, denn sie haben gleichbleibend warme
Temperaturen, sind groß und zugluftfrei und vor
allem ungestört. Diese Eigenschaften und vor allem
auch die Tatsache, daß sie nicht wie Dachböden von
Privathäusem irgendwann ausgebaut werden können,
machen die Kirchendachböden zu langfristig sicheren
und wichtigen Rückzugsorten für Fledermäuse.
| Hinter der
Orgel über eine schmale Leiter stiegen wir
in den letzten Wintertagen 1998 auf den
Dachboden. Verwilderte Tauben waren vor
Jahren eine große Plage, doch nach der
letzten Sanierung wurde die
Einflugmöglichkeiten mit Draht gesichert.
Durch die Kreuzöffnungen der kleinen
Dachgauben aber kann die Fledermaus herein:
So fanden sich auch Spuren des Großen
Mausohrs und weiterer Arten.
Am Kot läßt sich die
Art bestimmen, kleine Fliegenbeinchen,
Schmetterlingsschuppen u.a. aus dem
Speiseplan der kleinen Mitbewohner findet
sich darin wieder, wenn ein kundiger Mensch,
die Geheimnisse der kleinen Ausscheidungen im
Licht einer Taschenlampe deutet. In
Mauerspaken oder Zapfenlöcher lassen sich in
günstiger Jahreszeit die Tiere finden.
|
 |
 |
Leider
gibt es heute kaum noch Kirchen mit
größeren Fledermauskolonien. Im Landkreis
Marburg-Biedenkopf z.B. sind nur noch zwei
von ca. 200 Kirchen von Wochenstubenkolonien
des Großen Mausohrs besiedelt: Die
evangelische Kirche in Seelbach beherbergt im
Sommer ca. 15 Weibchen, die dort gemeinsam
ihre Jungen aufziehen, in der Martinskirche
in Gladenbach sind es ungefähr 120 Weibchen,
die jedes Jahr im Frühjahr dorthin
zurückkehren. |