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Neues aus der Pfarrei | Fronleichnam in Schröck

"Oh welch erschröckliche Kunde aus aus Marburger Landen."

Christen aus Deutschland und dem benachbarten Ausland äußern sich zum Schröcker Fronleichnamsschießen (Pfingsten 1999) - Eine Pfarrgemeinde verabschiedet sich vom Böllerschießen - Eine kurze Dokumentation
Presseerklärung Thesen Diskussion Ortskirchengeschichte Links
 

Kein Böllerschießen mehr an Fronleichnam
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Lafette - Salutschüsse an Fronleichnam (1976-1998) Schröck. Der Beschluß des Mitarbeiterkreises wurde vergangene Woche (25.5.99) einstimmig gefaßt: In diesem Jahr kann wegen des andauernden Kosovo-Krieges kein Böllerschießen zur Schröcker Fronleichnamsprozession stattfinden.

Für die Zukunft schreibt der Beschluß weiter fest, daß im Zusammenhang mit kirchlichen Veranstaltungen das Salutschießen abgeschafft ist.

Am Fronleichnamsfest feiern die katholischen Christen die Einsetzung der Eucharistie und bezeugen ihren Glauben an die bleibende Gegenwart Jesu Christi in diesem Sakrament unter den Gestalten von Brot und Wein. In der Eucharistiefeier und der nachfolgenden Prozession bekennt die Gemeinde öffentlich ihren Glauben an Jesus Christus und lädt zur Nachfolge ein.

"Wir müssen als Christen auch unsere Traditionen und Bräuche auf Klarheit und Eindeutigkeit abklopfen", begründet Pfarrer Stefan Krönung, der sehr wohl weiß, daß diese Entscheidung auf Unverständnis bei Einigen im Dorf stößt. Er verweist auf die Haltung und Lebenspraxis Jesu: "Seine Seligpreisungen loben die Friedfertigen und Gewaltlosen - von Donner- und Kanonenschlag ist dort keine Rede."

"Viel Zustimmung habe ich bereits gehört", stellt der Priester fest, der seit 1996 als Pfarrer in der St. Michaels - und St. Elisabethgemeinde arbeitet. "Mütter sind froh, den Kleinsten nicht mehr die Ohren zuhalten zu müssen. Ältere erinnern sich, "daß es das Schießen bei uns nie gegeben hat. Gut, daß es jetzt wieder aufhört".

Das Böllerschießen ist in Schröck 1974 eingeführt worden und gehörte dann mit einigen Ausnahmen zur jährlichen Prozession ebenso wie das Weinen der Kinder nach den Salutschüssen an jedem Stationsaltar und das Erschrecken von Gläubigen.

Auch in Nachbarorten wird seit einigen Jahren das "Schießen" zur Prozession gepflegt.

Im süddeutschen Raum, besonders in Altbayern, sind Schützenvereine, die einen militärischen Auftrag hatten, seit Jahrhunderten eng mit der Volksreligiosität verwachsen. Deshalb gehörten die Böllerschüsse des Militärs natürlich mit zum Fronleichnamsbrauchtum dazu.

Ein solches "Schießen" ist bereits für 1576 bezeugt. Doch auch dort ist für viele Christen das Brauchtum, das eindeutig aus der militärischen Tradition herkommt, heute mit der Verehrung Gottes nicht mehr vereinbar. Es sind zum Teil heftige Diskussionen entbrannt, ob der lautstarke Salut der Schützen bei Prozessionen und kirchlichen Feiern mit dem religiösen Inhalt der Feste zusammenpaßt.

Aus der Schweiz erreichte die Pfarrei in diesen Tagen eine Nachricht von Sepp B. aus Bellach:

"Sie haben völlig recht, eine solche Schiesserei gehört nicht zu Fronleichnam. (...) Es gibt doch viel schönere Arten, Gott zu loben, mit Musik und Gesang zum Beispiel." (via Email, 23.5.99)

In Schröck predigt Pfarrer Krönung in diesem Jahr: "Glockenklang, Liebe und Eintracht, Buße und Gebet sind Christenwerke - mit diesen wollen wir in die Öffentlichkeit treten."

Stefan@Kroenung.de

(Vgl. Oberhessische Presse, 2. Juni 1999)

Hierzu folgte ein Leserbrief von Diakon Dr. Pasenov (OP 5.6.99): "Bergpredigt eignet sich nicht, als Waffe mißbraucht zu werden" ohne zum Gegenstand der Diskussion Stellung zu nehmen:
"Ob Böllerschüsse zu kirchlichen Festen gehören, bewegt mich eigentlich nicht sehr." (Aber:) "Gerade die Bergpredigt eignet sich überhaupt nicht dazu, als Waffe gegen irgendwen mißbraucht zu werden. Sie meint immer nur mich als ihren Hörer. Sie droht auch nicht, vielmehr lockt sie mich durch ihr "selig ist...".
Die Grenze der Perversion wird überschritten, wenn irgendjemand an Jesu Statt daraus für andere ein "du sollst..." macht. ...."

".... Übrigens: ich fand die Fronleichnamsprozession so gut "besucht" wie noch nie. Sehr viele junge Leute - viele auch mit ihren Kleinkindern - vielleicht doch gut, daß es die Böllerschüsse nicht mehr gibt. Ich war am Anfang sehr skeptisch, weil ich auch dachte - Tradition, Salut / Ehrenschüsse - aber vielleicht war die Entscheidung doch gut so. Von Nachbarn war auch der kleine Junge erstmals wieder mit. Die Mutter sagte mir, daß er Angst vor den Schüssen hatte und deshalb nicht mehr mitgegangen ist." Junge Frau, via Email, 7.6.99

"... Auch ich habe mit einigen Leuten im Anschluß an die Fronleichnams-prozession gesprochen. Jedem ist aufgefallen, daß nicht geschossen wurde. Den meisten war es egal. Einige waren aber sehr froh darüber, und niemand hat die Böller wirklich vermißt. Und meine kleine Nichte mußte sich nicht die Ohren zuhalten. Somit dürfte das Thema Böllerschüsse vom Tisch sein." Dr. Weitzel, MAK, via Email, 7.6.99

Pressemeldung aus Österreich:
Böllerschuß ging nach hinten los: Mann schwer verletzt
12. Juni 1999: Beim Hantieren mit Böllern verletzte sich ein 41ähriger Osttiroler schwer. In Tirol bedeutet Fronleichnam "Kranzltag", fahnengeschmückte Dörfer, Schützen und Böllerschüsse. Gesetzlich ist das Böllerschießen im ganzen Land verboten. Trotzdem kommt es immer wieder vor, daß sich Burschen und Männer dieser alten Tradition erinnern und an hohen Feiertagen für gehörigen "Krach" sorgen. Zu diesem Fall wurde interessanterweise bemerkt: "In Innervillgraten war es unmöglich, Einzelheiten über den Vorfall zu erfahren. Wir stießen auf eine Mauer des Schweigens. Niemand will etwas gehört oder gesehen haben."
http://hyperg.carinthia.com/kleine/19980612/Kaernten/Kan0048a.html

 

Aus der Ortskirchengeschichte zu Fronleichnam:

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1974

"Im Jahr 1974 nahm der Verein das traditionelle Böllerschießen mit den "Katzenköpfen" bei der Fronleichnamsprozession und bei Hochzeiten der Mitglieder wieder auf." (Nau, S. 357; der Schützenverein wurde am 12.12.1964 gegründet.)

Es findet sich aber kein Hinweis in den Ausgaben der Gottesdienstordnungen vor oder nach Fronleichnam auf das Ehrenschießen der Schützen, wie es die Schröcker Chronik dokumentiert. Vieles deutet auf eine "spontane Aktion" hin. Von einem "alten Brauch" entdecke ich keine Spur (vgl. Thesen).

Protokoll des PGR vom Montag, 27.05.1974
Nach "halbjähriger Pause" behandelt der PGR unter TOP 1 die Fronleichnamsprozession. Zitat: "Die Gestaltung unserer diesjährigen Fronleichnamsprozession wurde von den Anwesenden besprochen und vorbereitet. In diesem Jahr führt die Prozession wieder durch die Dorngasse. Heilige Messen 7.30 Uhr und 9.00 Uhr." Auffallend: kein Hinweis auf das "Einführen" des Böllerschießens, auch nicht bei der "Nachbesprechung" in der Sitzung vom 20.06.1974 (TOP 2): "Die vorausgegangene Fronleichnamsfeier war nach Meinung aller Anwesenden in diesem Jahr, bei sehr guter Beteiligung der Pfarrangehörigen, von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen, eine ehrfurchtsvolle und würdige Feier. Die zwei neuen Fahnen wurden mitgeführt."

Pfarrer Willeke bemerkt dann im Pfarrbrief:

"Zur Vorbereitung des Fronleichnamsfestes haben ein paar Frauen in Zusammenarbeit mit Schw. Remigia an 2 Abenden bis gegen 23 Uhr in der Kirche zu tun gehabt; Andere haben Mühe und Kunstfertigkeit eingesetzt, um Blumenteppiche zu gestalten, Altäre aufzubauen, Bäumchen zum Spalier aufzustellen und den Prozessionsweg mit schönen Dingen zu säumen.
Aber auch d i e s ist nicht zu verhehlen: Der "Schwanz des Satans" gleichsam, die Kehrseite der Dinge, das Lächerliche und das Ärgernis neben dem Erhabenen.
Das Ärgernis etwa, das die Fronleichnamsbläser beständig vor Augen haben mussten, wenn sie aufblickten auf ihre "Vorgänger". Das Haus, das ungeschmückt bleiben musste, weil der Besitzer dem Pfarrer den Gruss verweigert - und daher wohl auch dem Hergott? Das abschleppreife Auto auf dem Prozessionsweg u.dgl.mehr. Doch sicher wog das Würdige das Läppische auf. Der Herr spricht "Wehe" über die Ärgernisgeber. Sie hätten wahrlich besser daran getan, erst gar nicht mitzugehen - und damit weniger Schuld sich aufgeladen...."
(
Gottesdienstordnung 23.6.-30.6.1974)

Dann:

1975

"Der alte Barockbrauch des Böllerschiessens - im letzten Jahr erstmalig wieder aufgegriffen - wird auch in diesem Jahr fortgesetzt: Mittwochabend ist daher nicht nur feierliches Einläuten sondern auch "Einschiessen." Der Segen mit dem Allerheiligsten an den 4 Altären wird von Böllern begleitet."
(
Gottesdienstordnung, 25.5.-1.6.1975)

1976

"... Die "Böllerschüsse" zur Wandlung in der Eucharistiefeier an Fronleichnam sowie zum Sakramentalen Segen an den 4 Altären sind nicht als "Jux" aufzufassen, sondern als "Ehrensalut" für den Herrn aller Herren. So würde dies früher verstanden, so wollen wir es auch heute - nach Wiederauflebung dieses alten Brauches - zu werten suchen. Dank dem Herrn "Feuerwerker" für seinen Einsatz mit der neuen Lafette! Für Kinder und etwa "Schreckhafte" zum Trost: Die Böller erfolgen jeweils n a c h dem Segen mit der Monstranz und in grösserer Entfernung" (Gottesdienstordnung 30.5.-6.6.1976, Rückseite)

1979 ohne Notiz (...)

1999 Der Brauch des Böllerschießens wird durch Beschluß des Mitarbeiterkreises nach 25 Jahren (mit Unterbrechungen) wieder abgeschafft. Der Krieg im Kosovo macht erschreckend deutlich, daß äußere Zeichen und Symbole mit Inhalt und Auftrag der Kirche übereinstimmen müssen.

Thesen zum Böllerschießen in Schröck

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Das Böllerschießen ist ein Barockbrauch, den es in unserer Pfarrei mit großer Sicherheit zu keiner Zeit gegeben hat.

Mir es bekannt, daß im Süddeutschen Raum ein Schützenbrauch in dieser Art 1567 vom Landrichter von Lichtenthann, Jakob Khollerspacher, bezeugt ist. Er spricht vom "Schießen" bei einem "Schaungottesdienst" in Köstendorf 60 Tage nach Ostern.

Auch als Markenzeichen eines örtlichen Schützenvereins ist er nicht brauchbar, da der Schützenverein eine Gründung der letzten Jahrzehnte ist (12.12.1964) und keine historischen Vorbilder hat.

Prägende Ereignisse der letzten Jahrhunderte für unsere Region waren Reformation, Dreißigjähriger Krieg, Weltkriege. Kanonendonner ist kein Mittel, die Ehre Gottes zu fördern. Der Salut ist ein eindeutiges militärisches Ehrenzeichen. Die Herkunft des Schützenbrauches ist zweifelsfrei dort zu suchen.

Der Brauch wurde in Schröck 1974 eingeführt, er konnte sich über die Jahre nur halten, weil mit starkem persönlichen Engagement eines Einzelnen die Sache betrieben wurde. Eine Diskussion hat es nach Durchsicht des Protokollbuchs des PGR darüber zu keiner Zeit gegeben. Allerdings sind die Unterlagen unvollständig. Es läßt sich kein Beschluß zum "Einführen" des Brauchs finden.

In mehreren Jahren fand das Böllerschießen nachweislich nicht statt.

Für die Böllerschüsse zum Fest Fronleichnam in Schröck gibt es kein einheitliches Konzept. Das "Einschießen" des Festtages am Mittwoch vor Fronleichnam scheint schon sehr früh wieder aufgegeben worden zu sein, wie der Salut während der Meßfeier zur Wandlung.

Einzig der Salut an den "vier Altären" scheint einheitlich gestaltet worden zu sein.

Von Anfang an ist das Böllerschießen ohne einhellige Zustimmung aufgenommen worden.

In diesem Zusammenhang verwehrt sich schon 1976 Pfr. Willeke in einer Erklärung im Pfarrbrief:

"Die "Böllerschüsse" zur Wandlung in der Eucharistiefeier an Fronleichnam sowie zum Sakramentalen Segen an den 4 Altären sind nicht als "Jux" aufzufassen, sondern als "Ehrensalut" für den Herrn aller Herren. So würde dies früher verstanden, so wollen wir es auch heute – nach Wiederauflebung dieses alten Brauches - zu werten suchen. Dank dem Herrn "Feuerwerker" für seinen Einsatz mit der neuen Lafette!

Dazu folgt die diffamierende Bemerkung: "Für Kinder und etwas "Schreckhafte" zum Trost: Die Böller erfolgen jeweils n a c h dem Segen mit der Monstranz und in grösserer Entfernung" (Gottesdienstordnung 30.5.-6.6.1976, Rückseite)

Bei der Abschaffung von Brauchtum ist immer unterschiedlich verfahren worden. Gerade unsere Pfarrei macht dies deutlich: Tracht, Gottesdienstbesuch, Religiöses Leben werden und wurden viel leichtfertiger aufgegeben.

Glaube und Glaubensvollzug müssen zu aller Zeit hinterfragt werden. Von der Kirche werden Zeichen und Symbole besser und klarer gesetzt! Dazu muß eine Ortsgemeinde ebenso in der Lage sein. (Stefan Krönung, Mai 1999)


Hier dokumentiere ich eine Reihe von Beiträgen aus der "Praxis-Liste" (http://www.katholisch.de), die aufgrund meiner Anfrage dort erschienen sind.

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"....entweder bist du unglaublich mutig oder unglaublich dumm. 8-) Ob du in der Sache Recht hast, weiss ich nicht. Ich neige dazu, dir zuzustimmen. Eine anderes Ding ist da deine Vorgehensweise. Sich mit eingefahrenen Traditionen anzulegen ist schon mutig. Aber auch noch das halbe (oder auch nur ein drittel) Dorf gegen sich aufzubringen (d.h. alle, die im Schuetzenverein sind und die aus den Nachbardoerfern auch noch) ist, hoeflich gesprochen, undiplomatisch. Weniger hoeflich ausgesprochen ist es ausgesprochen d... Vielleicht haettest du es klueger, d.h. ohne offene Konfrontation, regeln koennen."
Pfarrer, Nordhessen, kath. Via Email vom 22.05.99

"...Der Paderborner BdSJ-Dioezesanverband (Schützenjugend im BDKJ) wird sich sicher NICHT gegen Deinen *Skuetzkenverein* (Was schuetzt der eigentlich? Nur noch leere Traditionen?) stellen. Aber sie werden durch mein Forward hoechst nachdenlich werden. Ich hoffe, das troestet Dich in Deiner Enttaeuschung, die ich als KDV-Berater (Z.Zt. KEINE einzige Beratung! Der Krieg kratzt hier scheinbar keinen!) teile. Meine persoenlich Solidaritaet ist Dir gewiss."

"Der Heilige Geist moege uns die Power geben, das zu veraendern und zu bewegen, was unbedingt neu werden muss!
Er moege Euch die Gelassenheit schenken, das hinzunehmen, was wir nicht veraendern koennen!
"Und uns die Weisheit senden, das Eine vom Anderen zu unterscheiden!"

"Sie haben völlig recht, eine solche Schiesserei gehört nicht zu Fronleichnam. Dieser schiessfreudige Herr hat offenbar noch nicht gemerkt, dass wir bald im 21. Jahrhundert leben. Es gibt doch viel schönere Arten, Gott zu loben, mit Musik und Gesang zum Beispiel.
mfg Sepp Grimm, Bellach (CH)."

" Lieber Stefan Krönung, das ist ja wohl ein dolles Un-Ding, was sich "Ihre" Schützen da leisten! Bei aller Tradition - hier muss sich was ändern. Was anderes soll denn Wandlung sein oder be-wirken? In diesem Sinne einen frohen 2. Pfingstfeiertag - als Nachschlag, weil offenbar 1 x Heiliger Geist (Pfingstsonntag) nicht reicht... Viele Grüße aus Warburg/Westf. Reinhard Burchhardt burchhardt@online.de"

"Oh welch erschröckliche Kunde aus aus Marburger Landen."
Wir haben letztes Jahr den 350. Jahrestag des Westf. Friedens gefeiert (in Münster und Osnabrück recht ausgiebig). Mach den Brauchtumsjüngern klar, auch der Dreißigjährige Krieg dauerte - gottlob - nur dreißig Jahre. :-/
Ich könnte Dir den gerade pensionierten Bezirksheimatpfleger von Unterfranken zu Deiner Schützenhilfe empfehlen, der konnte so richtig vom Leder ziehen wider falsches Brauchtum.
Konrad Mülbert"

Date: Mon, 24 May 1999 10:40:34 +0200
From: "bert.zeppenfeld" <bert.zeppenfeld@cityweb.de>
Subject: Re: Wenn bis dahin kein Krieg mehr ist....
"... Wir hatten in unserer Gemeinde mal ein ähnliches Problem, nämlich mit der Verbrennung des "Judas" in Form einer Strohpuppe auf dem Osterfeuer. Pfarrgemeinderat und ersch. Predigten haben die Gemeinde darum gebeten, darauf zu verzichten (u.a.gegen Schützen- und andere Vereine, und gegen die Feuerwehr). Der Beschluss des PGR wurde in einem Jahr eingehalten, im nächsten prangte der Judas wieder hoch auf dem Feuer. Da ist der Pfarrer, der traditionellerweise mit einer Mischung aus Prozession und Festzug das Feuer von der Osterkerze zum Osterfeuerplatz brachte einfach weitergezogen, am Feuer vorbei wieder zur Kirche. Einige, vor allem jugendliche Gemeindemitglieder folgten ihm. Die übrigen haben das Feuer zwar angesteckt und mitsamt Judas verbrannt, das Thema ist aber seitdem erledigt. Auch der Wechsel in der Pfarrstelle hat es icht wieder auf die Tagesordnung gebracht. Ich empfehle, auch bei der Fronleichnamsprozession eine ähnliche "Demonstration" zu planen und wünsche viel Mut dazu! Berthold Zeppenfeld

".... Böllerschießen erinnert an Krieg, hat nichts in der Kirche verloren
und das muß ich als Kriegsdienstverweigerer ablehnen (...)
- in den Alpenländern gibt es die Tradition des Böllerns - aber dort ist
es eben auch eine solche! 1974 ist keine Tradition, sondern Nachahmung
wegen der Gaudi
- Gaudi soll Frohnleichnam jedoch nicht sein und auch kein Anlaß, um die
Sau rauszulassen.
Fazit: Bleiben Sie hart - die Argumente sprechen für Sie und außer den
Schützen, vermutlich die jungen Burschen, dürfte doch die Mehrheit für
die Argumente offen sein, oder?" via Email 28.5.99


Umschau

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"Schützen halten Erinnerung an die Geschichte wach und sehen ihre Überlieferung als Dienst am kulturellen Leben" lese aus Österreich, wo Schützenbruderschaften, Fronleichnamschießen und dererlei Brauchtum seit dem 16. Jahrhundert nachzuweisen sind. ( http://www.salzburg.com/zeitung/97/05/10/lokal-5858.html ).

"Der lautstarke Salut der Schützen bei Prozessionen und kirchlichen Festlichkeiten hat mancherorts zu heftigen Diskussionen geführt. Passen Lärmbrauch und religiöser Inhalt der Feste zusammen? Laut Hans Paarhammer läßt sich die Beteiligung von Schützen bei Prozessionen schon Mitte des 16. Jahrhunderts nachweisen: Als Beweis zitiert er im Beitrag "Schützenbrauch und religiöser Kult" den Landrichter von Lichtenthann, Jakob Khollerspacher, der 1567 von einem Schießen bei einem "Schaungottesdienst" in Köstendorf berichtet. 60 Tage nach Ostern begeht die Kirche das "Hochfest des Leibes und Blutes Christi". Dieses mehr als Fronleichnam bekannte Fest am Donnerstag der 2. Woche nach Pfingsten ist für Schützen traditionellerweise ein wichtiger Tag. Ihre Mitbeteiligung führt vor allem da zu Auseinandersetzungen, wo Prestigedenken und Intoleranz die Gesprächsbasis vergiften. Weder mit rigorosen Verboten noch mit unnachgiebigen Justamentsstandpunkten werden die Differenzen beseitigt werden können. Vermehrt zeigt sich, daß Glaube und Glaubensvollzug hinterfragt werden und daß von der Kirche Zeichen und Symbole besser und klarer gesetzt werden wollen. Im
Miteinander, im Verständnis für diese Rückbesinnung auf die Inhalte kirchlicher Feiern wird - das haben Beispiele gezeigt - auch eine Gemeinsamkeit in der Festgestaltung möglich sein. Unbestritten ist der Salut ein wichtiges Ausdrucksmittel der Schützen. Dieser Salut gilt bedeutenden Persönlichkeiten, bei kirchlichen Anlässen auch dem Glaubensinhalt, dem in der Hostie gegenwärtigen Herrn."

Weitere Links:

http://www.user.xpoint.at/fink.robert/garde/default.htm (Eine neugegründete Bürgergarde, das "Priv.Uniform.Bürgerkorps Mattighofen", gegründet 1628, ist mit Artillerie auch auf der Fronleichnamsprozession dabei.)

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 Update 10.04.06

Mai 1999