Vergebungsbitte auf
dem Dorfplatz
Das "Mea Culpa" des
Papstes für die Verfehlungen der Kirche vom 12.3.
war eine Woche später auf dem Schröcker Dorfplatz
vor der Kirche zu hören mit der Bitte um Vergebung
für viele Ungerechtigkeiten, Gewalttätigkeiten und
Unterdrückung, die auch im altehrwürdigen Kirchort
Schröck von Gläubigen begangen wurden, etwa bei den
Misshandlungen in den Reformationswirren, der
Diskriminierung von Frauen und manchen Verirrungen in
Verkündigung und Pastoral. In zahlreichen Zeitungen,
Zeitschriften und im Rundfunk war davon zu hören,
ein Szeneblatt aus Marburg, das für
Kirchennachrichten sonst wenig sensibel ist, lobte
Papst und Schröcker und empfahl die Aktion
"für den einen oder anderen Polit-Profi nicht
nur christlicher Couleur". Die Aktion wurde von
Pfarrgemeinderat und Gottesdienstbesuchern von
großer Mehrheit mitgetragen. Ärgerlich ist die
Reaktion eines unbekannten Briefschreibers, der die
Gelegenheit nutzte um einzelne Gemeindemitglieder zu
diffamieren. SK
Pressestimmen
"Mit dieser eindrucksvollen
Geste auf dem Dorfplatz hat der Pfarrer deutlich
gemacht, dass Schuld keine kollektive Tat ist. Sie
ist stets von Einzelnen zu verantworten. In Schröck
und anderswo." D. Kuschel, Bonifatiusbote.
"...Erstaunlich genug, dass
der Akt der Abbitte, der sich rechzeitig zum heiligen
Jahr 2000 vollzieht, in den betreffenden
(Kirchen)kreisen als mutig anerkannt wird. Unser
rühriger Schröcker Landpfarrer Stefan Krönung
nutzt die Chance der agilen Kleinen und wird eine
Woche, nachdem der Papst in Rom stellvertretend die
nostra culpa auf die greisen Schultern genommen
hat, am Sonntag selbiges unerschrocken für die
historischen Altlasten seiner Gemeinde tun." Aus:
Stadtmagazin Express, 11/2000.
(Pfarrbrief 2000-07)
Der Papst in Rom
hat in der Vergangenheit eindringlich und öfter
darauf
hingewiesen, daß das Jahr 2000 auch in der
katholischen Kirche zum Anlaß
genommen werden muß, um eine kritische
Gewissenserforschung zu halten. Die
Geschichte, so der Papst, sei zwar eine
"Geschichte der Heiligkeit,
verzeichne aber auch viele Ereignisse, die ein
Antizeugnis gegenüber dem
Christentum darstellen." Deshalb müsse die
Kirche "Vergebung für die Sünden
ihrer Kinder aus Vergangenheit und Gegenwart
erflehen."
Er hat dies am 12. März 2000 in Rom getan. ( www.dbk.de )
Schon der Mitarbeiterkreis unserer Pfarrei hat zur
Fastenzeit 1999 sich mit
diesem Thema beschäftigt und beschlossen, sich dem
Wunsch des Papstes
anzuschließen und in konkreter Weise in St. Michael
& St. Elisabeth zu
entsprechen
Auch die jahrhundertealte Kirchengeschichte um den
Schröcker Kirchturm
herum bis hinüber nach Moischt ist eine wechselhafte
Geschichte. Schwestern
und Brüder haben nicht immer nach dem Evangelium
gehandelt, wir wissen
darum. Das Schuldbekenntnis, das wir in jeder
Meßfeier ablegen, es konfrontiert uns
mit Verhaltensweisen,
die der Reue bedürfen: Denn auch wir haben uns
geirrt, waren ungläubig,
unbeständig und träge.
Auch in unseren Dörfern ist die Einheit der Christen
zerbrochen.
Der Papst spricht in diesem Zusammenhang von Sünden
(delicta), die obligatorisch
Reue (paenitentia) und Umkehr (conversio)
erforderten, und von Schuld (crimina),
die Abbitte (satisfactio) und Vergebung (indulgentia)
verlangten.
Der Vorstand des
PGR hat nun Anfang Feburar beschlossen, diesen
Schritt des
Papstes eine Woche nach dem Gottesdienst in Rom, am
Sonntag, 19.3., öffentlich auf dem
Dorfplatz zu vollziehen.
Stefan@Kroenung.de
Pfarrer
09.03.2000
Die Päpstliche Vergebungsbitte bzw. das Schreiben
"Erinnern und
Verzeihen"
http://katholische-kirche.de/ neuerdings:
www.katholisch.de
09.03.2000
Die Vergebungsbitte der Kirche in Luxemburg im Rahmen
des Jubläums 2000
http://www.cathol.lu/2000/vergebungsbitte.htm
Papst will sich für
Verbrechen der Kirche entschuldigen (DPA)
Rolle der Katholiken im Nationalsozialismus
angeprangert - Veröffentlichung am 2. März 2000
http://seite1.web.de/show/38B66804.AP1/
Bildzeitung: Papst
will um Vergebung bitten
http://www.bild.de/service/archiv/2000/feb/25/aktuell/pabst/pabst.html
VERKÜNDIGUNGSBULLE
DES GROSSEN JUBILÄUMS DES JAHRES 2000 u.a.
http://www.vatican.va/jubilee_2000/docs/index_ge.htm
http://katholische-kirche.de/jahr2000/papst02.htm
Konrad Repgen: Kirche,
Schuld, Geschichte. Eine aktuelle Ortsbestimmung
http://die-neue-ordnung.de/aktuell/4-99-53-06.htm
Woran denkt der Papst?
In der Verkündigungsbulle zum Großen Jubiläum
nennt er stichwortartig, woran er denkt: An
"reue-bedürftige" Verhaltensweisen,
nämlich Irrtümer, Ungläubigkeit, Unbeständigkeit
und Trägheit.
Er beklagt konkret und
ausführlicher, die verlorene kirchliche Einheit des
Gottesvolkes.
Er spricht von Sünden
(delicta), die obligatorisch Reue (paenitentia) und
Umkehr (conversio) erforderten, und von Schuld
(crimina), die Abbitte (satisfactio) und Vergebung
(indulgentia) verlangten.
9.3.2000
Papst bitte um Vergebung Landpfarrei ruft zur
Erneuerung auf
Liebe Mitbürgerinnen und
Mitbürger, Schwestern und Brüder im Herrn!
Vor vierzehn Tagen habe ich in
unseren sonntäglichen Gottesdiensten in der Predigt
die Geschichte der Katholischen Kirche aufgegriffen
und für die mutige Tat des Papstes im Jubiläumsjahr
2000 geworben, das Schuldbekenntnis der Kirche und
die Vergebungsbitte an die Welt mitzuverfolgen.
Der Papst wird am 12. März in
einer liturgischen Feier die Vergebungsbitte
aussprechen, deren Inhalt mir bislang nicht bekannt
ist, die aber wohl mindestens drei Bereiche enthalten
wird: Die Anwendung von Gewalt im Dienste der
Wahrheit, die schmerzliche Geschichte des
Verhältnisses zu den Juden und die Spaltung der
Christenheit.
Ich selbst werde eine Woche
nach dem geplanten Schritt des Papstes in Schröck
auf dem Dorfplatz das Bekenntnis sprechen und die
Mitchristen, Mitbürgerinnen und Mitbürger des
Dorfes um Vergebung bitten für viele
Ungerechtigkeiten, Gewalttätigkeiten und
Unterdrückung, die auch im altehrwürdigen Kirchort
Schröck von Gläubigen begangen wurden, etwa die
Mißhandlungen während der Reformationswirren im 17.
Jahrhundert, die Diskriminierung von Frauen, manche
Verirrung in Verkündigung und Pastoral, das große
und peinliche Schweigen zahlreicher Gläubigen in der
Zeit des Nationalsozialismus.
Wir haben mit den Mitarbeitern
der Pfarrei schon zur Fastenzeit des vergangenen
Jahres über unsere eigene Kirchengeschichte
gesprochen. Uns war klar, daß die jahrhundertealte
Geschichte um den Schröcker Kirchturm herum bis
hinüber nach Moischt eine wechselhafte Geschichte
gewesen ist und daß auch Schwestern und Brüder
nicht immer nach dem Evangelium gehandelt haben. Das
soll nicht nur schmerzliche Erfahrung sein, sondern
im Dienste Der Wahrheit auch ausgesprochen werden.
So sehe ich mich als Pfarrer
stellvertretend in der Pflicht und möchte für die
jahrhundertealte Geschichte unserer Pfarrei die
Vergebungsbitte des Papstes öffentlich vortragen.
Ich tue das für unsere Ortskirche, für unsere
Pfarrei, für jeden Christen unseres Dorfes und für
mich selbst.
Reumütig bitten wir Gott, den
barmherzigen Vater, indem wir über begangenes
Unrecht oder Unterlassungen auch zukünftig
nachdenken und versuchen, Rechenschaft abzulegen:
"Vergib uns unsere Schuld!" Und von Herzen
fügen wir an, dabei auf den am Kreuz erhöhten Herrn
und auf das Zeugnis vieler zum Verzeihen bereiter
Christen blickend: "Wie auch wir vergeben
unseren Schuldigern."
Als Kirche Christi in Schröck
und Moischt fassen wir demütig und aufrichtig den
Vorsatz, zukünftig authentischer von der befreienden
Kraft des Evangeliums Zeugnis abzulegen.
Als Volk Gottes, das auf seinem
Weg durch die Geschichte noch nicht am Ziel angelangt
ist, sind wir uns jedoch bewußt, auch in Zukunft
nicht gegen Irrtümer und Fehler gewappnet zu sein.
Zumindest legt uns ein realistischer Blick auf unser
irdisches Tun, das jederzeit unvollkommen und
bruchstückhaft ist, diese Einschätzung nahe.
Stets reformbedürftig und ohne
unsere Grenzen zu verkennen, schreiten wir dennoch
mutig und vertrauensvoll dem Reich Gottes entgegen.
Gebe Gott, daß wir bei dieser Pilgerschaft unsere
besten Kräfte einsetzen und uns getragen wissen von
seinem Beistand und seiner Gnade, die er niemals
versagt.
Kyrie eleison.
Stefan Krönung,
Pfr.
(Pressetext
27.2.2000)
Papst bitte um Vergebung
Landpfarrei ruft zur Erneuerung auf
Schröck. Pfarrer Stefan
Krönung (34) predigte am vergangen Wochenende in
zwei gut besuchten Gottesdiensten über die
Geschichte der Katholischen Kirche und warb für die
mutige Tat des Papstes im Jubiläumsjahr 2000 das
Schuldbekenntnis der Kirche und die Vergebungsbitte
an die Welt mitzutragen.
Er selbst werde eine Woche nach
dem geplanten Schritt des Papstes am 12. März in Rom
in Schröck auf dem Dorfplatz das Bekenntnis sprechen
und die Mitchristen, Mitbürgerinnen und Mitbürger
des eigenen Dorfes um Vergebung bitten für viele
Ungerechtigkeiten, Gewalttätigkeiten und
Unterdrückung, die auch im altehrwürdigen Kirchort
Schröck von Gläubigen begangen wurden, etwa die
Mißhandlungen während der Reformationswirren im 17.
Jahrhundert, die Diskriminierung von Frauen und ihr
öffentliches Bloßstellen durch eigens ausgewiesene
Kirchenbänke für "gefallene Mädchen" im
18. Jahrhundert oder das große und peinliche
Schweigen zahlreicher Gläubigen in der Zeit des
Nationalsozialismus.
An die Mitarbeiter der Pfarrei
schrieb der Seelsorger der Gemeinde schon zur
Fastenzeit im vergangenen Jahr: "Auch die
jahrhundertealte Kirchengeschichte um den Schröcker
Kirchturm herum bis hinüber nach Moischt ist eine
wechselhafte Geschichte. Schwestern und Brüder haben
nicht immer nach dem Evangelium gehandelt, wir wissen
darum."
Im geplanten Schreiben, das
rechtzeitig zum Ereignis im Dorf verteilt werden
wird, ist formuliert: "Als Pfarrer sehe ich mich
in der stellvertretend in der Pflicht und möchte
für die jahrhundertealte Geschichte unserer Pfarrei
die Vergebungsbitte des Papstes öffentlich
vortragen. Für unsere Ortskirche, für unsere
Pfarrei, für jeden Christen unseres Dorfes. Ich
möchte das Beispiel aus dem Alten Testament
beherzigen, dem Schuldeingeständnis des Bundesvolkes
der Juden nach dem Exil folgen, die für die Schuld
ihrer Väter einstanden und für unsere historische
Schuld um Vergebung bitten: >Gepriesen und gelobt
bist du, Herr, Gott unserer Väter ... wir haben
gesündigt und durch Treuebruch gefrevelt und haben
in allem gefehlt. Wir haben deinen Geboten nicht
gehorcht..<." (Dan 3,26.29f.)"
Pfarrgemeinderat und
Mitarbeiter der Pfarrei hatten über ein Jahr lang in
behutsamer Weise auch Fehler und Verfehlungen in
Geschichte und Praxis der Pfarrei St. Michael und St.
Elisabeth zusammengetragen und dabei auch die Zeit
des Nationalsozialismus des letzten Krieges nicht
ausgespart.
Pfarrer Krönung: "Die
kostspielige Innenrenovierung unserer Barockkirche
geht jetzt nach 10 Jahren mit der Reinigung und
Säuberung des Hochaltares und des Figurenschmucks
ihrem Ende zu. Die Renovierung unserer inneren
Einstellungen, das Reformieren unseres Christseins,
das bleibt eine immer wiederkehrende Herausforderung
und Aufgabe."
(Brief
Fastenzeit 1999)
Sehr geehrte(r) MitarbeiterIn!
Der Papst in Rom hat in letzter Zeit eindringlich und
öfter darauf hingewiesen, daß das Jahr 2000 auch in
der katholischen Kirche zum Anlaß genommen werden
muß, um eine kritische Gewissenserforschung zu
halten. Die Geschichte, so der Papst, sein zwar eine
"Geschichte der Heiligkeit, verzeichne aber auch
viele Ereignisse, die ein Antizeugnis gegenüber dem
Christentum darstellen." Deshalb müsse die
Kirche "Vergebung für die Sünden ihrer Kinder
aus Vergangenheit und Gegenwart erflehen."
In seiner letzten Sitzung hat unser Mitarbeiterkreis
über diesen Wunsch des Papstes gesprochen und will
zukünftig Überlegungen anstellen, wie ihm in
konkreter Weise in St. Michael & St. Elisabeth
entsprochen werden kann.
Auch die jahrhundertealte Kirchengeschichte um den
Schröcker Kirchturm herum bis hinüber nach Moischt
ist eine wechselhafte Geschichte. Schwestern und
Brüder haben nicht immer nach dem Evangelium
gehandelt, wir wissen darum.
Wir wollen darüber behutsam ins Gespräch kommen,
und ich bitte Sie als Mitarbeiter und Mitarbeiterin
unserer Pfarrei um Mithilfe.
Haben Sie Kenntnis oder Hinweise auf Ereignisse,
Taten oder Vorgänge, an denen wir - unsere Vorväter
und Urmütter eingeschlossen - Schuld auf sich
geladen haben, wo ggf. auch "Vergebung aus
Vergangenheit und Gegenwart erfleht werden
muß?" und wie wir das tun können.
Allein unser verstreichendes Jahrhundert hat viele
schreckliche Ereignisse und unglückselige Zeiten
gekannt, die auch an einer kleinen Landgemeinde nicht
spurlos vorbeigezogen sind. (Weltkriege,
Flüchtlingsströme, Veränderung der
Kirchlichkeit....)
Wer tiefere Kenntnis zur Ortsgeschichte hat, den
bitte ich um Nachforschung in vergangenen
Jahrhunderten.
Durch die Schwäche und Sünde des einzelnen Christen
bleibt auch die Kirche als Gemeinschaft hinter dem
Auftrag des Herrn zurück. Der Ruf Jesu: "Die
Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt
um und glaubt an das Evangelium" (Mk 1,15) soll
uns in diesem Jahr besonders nahe sein.
Von Anfang an haben die Christen feste Zeiten der
Besinnung und der Buße gehalten und dabei erfahren,
wie wichtig und hilfreich es für uns Menschen ist,
Wege der Umkehr und in Gemeinschaft der Glaubenden
einzuüben.
Unsere diesjährige Fastenzeit soll hiervon geprägt
sein.
Ich verspreche Ihnen alle Hinweise vertraulich zu
behandeln und nur mit ihrem ausdrücklichen Auftrag
zur Beratung in unsere Gremien zu tragen.
Sprechen Sie mich an, schreiben Sie oder äußern Sie
sich in geeigneter Form.
Am Ende der Fastenzeit ist ein Abend der Aussprache
und der Versöhnung in unserem Pfarrheim denkbar.
Mit freundlichen Grüßen!
stefan@kroenung.de
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von pfarrgeschichtlichen Quellen und Abhandlungen Nr. 23
gnadenja.htm | 12.03.00
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