Pfarrei Schröck v.2004 [Archiv]
St. Michael & St. Elisabeth
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Grosses Jubiläum Jahr 2000
Gewissenserforschung
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Vergebungsbitte auf dem Dorfplatz

Öffentliche Gewissenserforschung und Vergebungsbittte in Schröck vor der Kirche: Christen haben oft das Evangelium verdunkelt. Kyrie eleision! Pfarrer Stefan Krönung, liturgischer Helfer Heinrich Gölzhäuser, Ministranten u.v.m. (März 2000)Das "Mea Culpa" des Papstes für die Verfehlungen der Kirche vom 12.3. war eine Woche später auf dem Schröcker Dorfplatz vor der Kirche zu hören mit der Bitte um Vergebung für viele Ungerechtigkeiten, Gewalttätigkeiten und Unterdrückung, die auch im altehrwürdigen Kirchort Schröck von Gläubigen begangen wurden, etwa bei den Misshandlungen in den Reformationswirren, der Diskriminierung von Frauen und manchen Verirrungen in Verkündigung und Pastoral. In zahlreichen Zeitungen, Zeitschriften und im Rundfunk war davon zu hören, ein Szeneblatt aus Marburg, das für Kirchennachrichten sonst wenig sensibel ist, lobte Papst und Schröcker und empfahl die Aktion "für den einen oder anderen Polit-Profi nicht nur christlicher Couleur". Die Aktion wurde von Pfarrgemeinderat und Gottesdienstbesuchern von großer Mehrheit mitgetragen. Ärgerlich ist die Reaktion eines unbekannten Briefschreibers, der die Gelegenheit nutzte um einzelne Gemeindemitglieder zu diffamieren. SK

Pressestimmen

"Mit dieser eindrucksvollen Geste auf dem Dorfplatz hat der Pfarrer deutlich gemacht, dass Schuld keine kollektive Tat ist. Sie ist stets von Einzelnen zu verantworten. In Schröck und anderswo." D. Kuschel, Bonifatiusbote.

"...Erstaunlich genug, dass der Akt der Abbitte, der sich rechzeitig zum heiligen Jahr 2000 vollzieht, in den betreffenden (Kirchen)kreisen als mutig anerkannt wird. Unser rühriger Schröcker Landpfarrer Stefan Krönung nutzt die Chance der agilen Kleinen und wird eine Woche, nachdem der Papst in Rom stellvertretend die nostra culpa auf die –greisen Schultern genommen hat, am Sonntag selbiges unerschrocken für die historischen Altlasten seiner Gemeinde tun." Aus: Stadtmagazin Express, 11/2000.

(Pfarrbrief 2000-07)

Der Papst in Rom hat in der Vergangenheit eindringlich und öfter darauf
hingewiesen, daß das Jahr 2000 auch in der katholischen Kirche zum Anlaß
genommen werden muß, um eine kritische Gewissenserforschung zu halten. Die
Geschichte, so der Papst, sei zwar eine "Geschichte der Heiligkeit,
verzeichne aber auch viele Ereignisse, die ein Antizeugnis gegenüber dem
Christentum darstellen." Deshalb müsse die Kirche "Vergebung für die Sünden
ihrer Kinder aus Vergangenheit und Gegenwart erflehen."
Er hat dies am 12. März 2000 in Rom getan. (
www.dbk.de )

Schon der Mitarbeiterkreis unserer Pfarrei hat zur Fastenzeit 1999 sich mit
diesem Thema beschäftigt und beschlossen, sich dem Wunsch des Papstes
anzuschließen und in konkreter Weise in St. Michael & St. Elisabeth zu
entsprechen
Auch die jahrhundertealte Kirchengeschichte um den Schröcker Kirchturm
herum bis hinüber nach Moischt ist eine wechselhafte Geschichte. Schwestern
und Brüder haben nicht immer nach dem Evangelium gehandelt, wir wissen
darum. Das Schuldbekenntnis, das wir in jeder Meßfeier ablegen, es konfrontiert uns
mit
Verhaltensweisen, die der Reue bedürfen: Denn auch wir haben uns geirrt, waren ungläubig,
unbeständig und träge.
Auch in unseren Dörfern ist die Einheit der Christen zerbrochen.
Der Papst spricht in diesem Zusammenhang von Sünden (delicta), die obligatorisch
Reue (paenitentia) und Umkehr (conversio) erforderten, und von Schuld (crimina),
die Abbitte (satisfactio) und Vergebung (indulgentia) verlangten.

Der Vorstand des PGR hat nun Anfang Feburar beschlossen, diesen Schritt des
Papstes eine Woche nach dem Gottesdienst in Rom, am Sonntag, 19.3., öffentlich auf dem
Dorfplatz zu vollziehen.

Stefan@Kroenung.de
Pfarrer

Links:

09.03.2000
Die Päpstliche Vergebungsbitte bzw. das Schreiben "Erinnern und
Verzeihen"
http://katholische-kirche.de/  neuerdings: www.katholisch.de

09.03.2000
Die Vergebungsbitte der Kirche in Luxemburg im Rahmen des Jubläums 2000
http://www.cathol.lu/2000/vergebungsbitte.htm

Papst will sich für Verbrechen der Kirche entschuldigen (DPA)
Rolle der Katholiken im Nationalsozialismus angeprangert - Veröffentlichung am 2. März 2000
http://seite1.web.de/show/38B66804.AP1/

Bildzeitung: Papst will um Vergebung bitten
http://www.bild.de/service/archiv/2000/feb/25/aktuell/pabst/pabst.html

VERKÜNDIGUNGSBULLE DES GROSSEN JUBILÄUMS DES JAHRES 2000 u.a.
http://www.vatican.va/jubilee_2000/docs/index_ge.htm
http://katholische-kirche.de/jahr2000/papst02.htm

Konrad Repgen: Kirche, Schuld, Geschichte. Eine aktuelle Ortsbestimmung
http://die-neue-ordnung.de/aktuell/4-99-53-06.htm

Woran denkt der Papst?
In der Verkündigungsbulle zum Großen Jubiläum nennt er stichwortartig, woran er denkt: An "reue-bedürftige" Verhaltensweisen, nämlich Irrtümer, Ungläubigkeit, Unbeständigkeit und Trägheit.

Er beklagt konkret und ausführlicher, die verlorene kirchliche Einheit des Gottesvolkes.

Er spricht von Sünden (delicta), die obligatorisch Reue (paenitentia) und Umkehr (conversio) erforderten, und von Schuld (crimina), die Abbitte (satisfactio) und Vergebung (indulgentia) verlangten.

 

9.3.2000
Papst bitte um Vergebung – Landpfarrei ruft zur Erneuerung auf

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, Schwestern und Brüder im Herrn!

Vor vierzehn Tagen habe ich in unseren sonntäglichen Gottesdiensten in der Predigt die Geschichte der Katholischen Kirche aufgegriffen und für die mutige Tat des Papstes im Jubiläumsjahr 2000 geworben, das Schuldbekenntnis der Kirche und die Vergebungsbitte an die Welt mitzuverfolgen.

Der Papst wird am 12. März in einer liturgischen Feier die Vergebungsbitte aussprechen, deren Inhalt mir bislang nicht bekannt ist, die aber wohl mindestens drei Bereiche enthalten wird: Die Anwendung von Gewalt im Dienste der Wahrheit, die schmerzliche Geschichte des Verhältnisses zu den Juden und die Spaltung der Christenheit.

Ich selbst werde eine Woche nach dem geplanten Schritt des Papstes in Schröck auf dem Dorfplatz das Bekenntnis sprechen und die Mitchristen, Mitbürgerinnen und Mitbürger des Dorfes um Vergebung bitten für viele Ungerechtigkeiten, Gewalttätigkeiten und Unterdrückung, die auch im altehrwürdigen Kirchort Schröck von Gläubigen begangen wurden, etwa die Mißhandlungen während der Reformationswirren im 17. Jahrhundert, die Diskriminierung von Frauen, manche Verirrung in Verkündigung und Pastoral, das große und peinliche Schweigen zahlreicher Gläubigen in der Zeit des Nationalsozialismus.

Wir haben mit den Mitarbeitern der Pfarrei schon zur Fastenzeit des vergangenen Jahres über unsere eigene Kirchengeschichte gesprochen. Uns war klar, daß die jahrhundertealte Geschichte um den Schröcker Kirchturm herum bis hinüber nach Moischt eine wechselhafte Geschichte gewesen ist und daß auch Schwestern und Brüder nicht immer nach dem Evangelium gehandelt haben. Das soll nicht nur schmerzliche Erfahrung sein, sondern im Dienste Der Wahrheit auch ausgesprochen werden.

So sehe ich mich als Pfarrer stellvertretend in der Pflicht und möchte für die jahrhundertealte Geschichte unserer Pfarrei die Vergebungsbitte des Papstes öffentlich vortragen. Ich tue das für unsere Ortskirche, für unsere Pfarrei, für jeden Christen unseres Dorfes und für mich selbst.

Reumütig bitten wir Gott, den barmherzigen Vater, indem wir über begangenes Unrecht oder Unterlassungen auch zukünftig nachdenken und versuchen, Rechenschaft abzulegen: "Vergib uns unsere Schuld!" Und von Herzen fügen wir an, dabei auf den am Kreuz erhöhten Herrn und auf das Zeugnis vieler zum Verzeihen bereiter Christen blickend: "Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern."

Als Kirche Christi in Schröck und Moischt fassen wir demütig und aufrichtig den Vorsatz, zukünftig authentischer von der befreienden Kraft des Evangeliums Zeugnis abzulegen.

Als Volk Gottes, das auf seinem Weg durch die Geschichte noch nicht am Ziel angelangt ist, sind wir uns jedoch bewußt, auch in Zukunft nicht gegen Irrtümer und Fehler gewappnet zu sein. Zumindest legt uns ein realistischer Blick auf unser irdisches Tun, das jederzeit unvollkommen und bruchstückhaft ist, diese Einschätzung nahe.

Stets reformbedürftig und ohne unsere Grenzen zu verkennen, schreiten wir dennoch mutig und vertrauensvoll dem Reich Gottes entgegen. Gebe Gott, daß wir bei dieser Pilgerschaft unsere besten Kräfte einsetzen und uns getragen wissen von seinem Beistand und seiner Gnade, die er niemals versagt.

Kyrie eleison.

Stefan Krönung, Pfr.

(Pressetext 27.2.2000)

Papst bitte um Vergebung – Landpfarrei ruft zur Erneuerung auf

Schröck. Pfarrer Stefan Krönung (34) predigte am vergangen Wochenende in zwei gut besuchten Gottesdiensten über die Geschichte der Katholischen Kirche und warb für die mutige Tat des Papstes im Jubiläumsjahr 2000 das Schuldbekenntnis der Kirche und die Vergebungsbitte an die Welt mitzutragen.

Er selbst werde eine Woche nach dem geplanten Schritt des Papstes am 12. März in Rom in Schröck auf dem Dorfplatz das Bekenntnis sprechen und die Mitchristen, Mitbürgerinnen und Mitbürger des eigenen Dorfes um Vergebung bitten für viele Ungerechtigkeiten, Gewalttätigkeiten und Unterdrückung, die auch im altehrwürdigen Kirchort Schröck von Gläubigen begangen wurden, etwa die Mißhandlungen während der Reformationswirren im 17. Jahrhundert, die Diskriminierung von Frauen und ihr öffentliches Bloßstellen durch eigens ausgewiesene Kirchenbänke für "gefallene Mädchen" im 18. Jahrhundert oder das große und peinliche Schweigen zahlreicher Gläubigen in der Zeit des Nationalsozialismus.

An die Mitarbeiter der Pfarrei schrieb der Seelsorger der Gemeinde schon zur Fastenzeit im vergangenen Jahr: "Auch die jahrhundertealte Kirchengeschichte um den Schröcker Kirchturm herum bis hinüber nach Moischt ist eine wechselhafte Geschichte. Schwestern und Brüder haben nicht immer nach dem Evangelium gehandelt, wir wissen darum."

Im geplanten Schreiben, das rechtzeitig zum Ereignis im Dorf verteilt werden wird, ist formuliert: "Als Pfarrer sehe ich mich in der stellvertretend in der Pflicht und möchte für die jahrhundertealte Geschichte unserer Pfarrei die Vergebungsbitte des Papstes öffentlich vortragen. Für unsere Ortskirche, für unsere Pfarrei, für jeden Christen unseres Dorfes. Ich möchte das Beispiel aus dem Alten Testament beherzigen, dem Schuldeingeständnis des Bundesvolkes der Juden nach dem Exil folgen, die für die Schuld ihrer Väter einstanden und für unsere historische Schuld um Vergebung bitten: >Gepriesen und gelobt bist du, Herr, Gott unserer Väter ... wir haben gesündigt und durch Treuebruch gefrevelt und haben in allem gefehlt. Wir haben deinen Geboten nicht gehorcht..<." (Dan 3,26.29f.)"

Pfarrgemeinderat und Mitarbeiter der Pfarrei hatten über ein Jahr lang in behutsamer Weise auch Fehler und Verfehlungen in Geschichte und Praxis der Pfarrei St. Michael und St. Elisabeth zusammengetragen und dabei auch die Zeit des Nationalsozialismus des letzten Krieges nicht ausgespart.

Pfarrer Krönung: "Die kostspielige Innenrenovierung unserer Barockkirche geht jetzt nach 10 Jahren mit der Reinigung und Säuberung des Hochaltares und des Figurenschmucks ihrem Ende zu. Die Renovierung unserer inneren Einstellungen, das Reformieren unseres Christseins, das bleibt eine immer wiederkehrende Herausforderung und Aufgabe."

(Brief Fastenzeit 1999)

Sehr geehrte(r) MitarbeiterIn!

Der Papst in Rom hat in letzter Zeit eindringlich und öfter darauf hingewiesen, daß das Jahr 2000 auch in der katholischen Kirche zum Anlaß genommen werden muß, um eine kritische Gewissenserforschung zu halten. Die Geschichte, so der Papst, sein zwar eine "Geschichte der Heiligkeit, verzeichne aber auch viele Ereignisse, die ein Antizeugnis gegenüber dem Christentum darstellen." Deshalb müsse die Kirche "Vergebung für die Sünden ihrer Kinder aus Vergangenheit und Gegenwart erflehen."

In seiner letzten Sitzung hat unser Mitarbeiterkreis über diesen Wunsch des Papstes gesprochen und will zukünftig Überlegungen anstellen, wie ihm in konkreter Weise in St. Michael & St. Elisabeth entsprochen werden kann.
Auch die jahrhundertealte Kirchengeschichte um den Schröcker Kirchturm herum bis hinüber nach Moischt ist eine wechselhafte Geschichte. Schwestern und Brüder haben nicht immer nach dem Evangelium gehandelt, wir wissen darum.

Wir wollen darüber behutsam ins Gespräch kommen, und ich bitte Sie als Mitarbeiter und Mitarbeiterin unserer Pfarrei um Mithilfe.

Haben Sie Kenntnis oder Hinweise auf Ereignisse, Taten oder Vorgänge, an denen wir - unsere Vorväter und Urmütter eingeschlossen - Schuld auf sich geladen haben, wo ggf. auch "Vergebung aus Vergangenheit und Gegenwart erfleht werden muß?" und wie wir das tun können.
Allein unser verstreichendes Jahrhundert hat viele schreckliche Ereignisse und unglückselige Zeiten gekannt, die auch an einer kleinen Landgemeinde nicht spurlos vorbeigezogen sind. (Weltkriege, Flüchtlingsströme, Veränderung der Kirchlichkeit....)

Wer tiefere Kenntnis zur Ortsgeschichte hat, den bitte ich um Nachforschung in vergangenen Jahrhunderten.

Durch die Schwäche und Sünde des einzelnen Christen bleibt auch die Kirche als Gemeinschaft hinter dem Auftrag des Herrn zurück. Der Ruf Jesu: "Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium" (Mk 1,15) soll uns in diesem Jahr besonders nahe sein.

Von Anfang an haben die Christen feste Zeiten der Besinnung und der Buße gehalten und dabei erfahren, wie wichtig und hilfreich es für uns Menschen ist, Wege der Umkehr und in Gemeinschaft der Glaubenden einzuüben.
Unsere diesjährige Fastenzeit soll hiervon geprägt sein.

Ich verspreche Ihnen alle Hinweise vertraulich zu behandeln und nur mit ihrem ausdrücklichen Auftrag zur Beratung in unsere Gremien zu tragen.
Sprechen Sie mich an, schreiben Sie oder äußern Sie sich in geeigneter Form.
Am Ende der Fastenzeit ist ein Abend der Aussprache und der Versöhnung in unserem Pfarrheim denkbar.


Mit f
reundlichen Grüßen!

stefan@kroenung.de

[Digitalisierung von pfarrgeschichtlichen Quellen und Abhandlungen Nr. 23
gnadenja.htm | 12.03.00
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Stefan Krönung 1996-2007 als Pfarrer in St. Michael und St. Elisabeth

 

 

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 Update 31.05.11

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