Pfarrei Schröck v.2004 [Archiv]
St. Michael & St. Elisabeth
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Aktuell
Glocken und Gebet für den Frieden
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Seit 50 (!) Jahren läuten in Schröck die Glocken der Pfarrkirche wieder. Älteste Glocken sind im dreißigjährigen Krieg verloren gegangen, das letzte Geläut im 36 Meter hohen Turm ging durch Ablieferungen im 1. Weltkrieg (1917) zugrunde. Das Folgegeläut musste 1942 bis auf die alte Glocke von 1771 im Kriegstreiben abgegeben werden. Unter größtem Aufwand und Opferbereitschaft wurden 1949 die große Bonifatius- und die Elisabethglocke gekauft, wie in den Pfarrakten für die Nachgeborenen nachzulesen ist.

Turm der Pfarrkirche Schröck (36 Meter) "Zwei Kriege zerbrachen uns mit Gewalt, Gott gebe, dass wir nun bleiben erhalt" steht neben dem Gießereiwappen auf der einen Glocke zu lesen.

Diese Inschrift macht mich in diesen Tagen zutiefst betroffen. Seit Beginn des Krieges im Kosovo gedenken wir in unserer Pfarrei der Täter und Opfer in unseren Fürbittgebeten in der Hl. Messe und in unseren Gebeten.

Ich lesen die Sätze eines Bischofs: "Die Angriffe der NATO wirken wie eine Art Verzweiflungstat – Handeln, weil auch das Nicht-Handeln unerträglich ist". Dabei weiß ich, dass die Einsätze der NATO aber mit der Führung der UNO nicht abgesprochen sind. Es ist bekannt, dass nach der UNO-Konvention der Sicherheitsrat allein das Gewaltmonopol hat und die NATO hat das nicht bedacht. Es bleibt zu hoffen, dass das Völkerrecht in Zukunft nicht darunter leidet. Selbstbeschränkung und Selbstverpflichtung auf getroffene Vereinbarungen sind ein hohes Gut im Miteinander der Völker und haben in vielen Krisen den Krieg verhindert.

Andererseits muss aber auch die Frage gestellt werden, ob so vom Frieden gesprochen werden kann, denn niemand darf untätig zusehen, wie Leben, Würde und Rechte von Menschen mit Füßen getreten werden.

Es ist schwer, zwischen Handeln und Nichthandeln und zwischen unterschiedlichen Mitteln zu wählen.

Angesichts des unvorstellbaren Flüchtlingselends im Kosovo darf die Solidarität mit den Flüchtlingen jetzt nicht nur laut verkündet werden. Ihr müssen Taten folgen.

Alle Menschen, die an Gott glauben, besonders die Christen aller Konfessionen laden wir dazu ein, mit uns für den Frieden zu beten. Wo wir uns darum bemühen, unseren Glauben an den Erlöser in Wahrheit zu leben, wird uns dies vereinen in unseren Anstrengungen, zu einer Beendigung der Gewaltanwendung und zum Aufbau einer gerechten Friedensordnung beizutragen.

Bischofskonferenz 19.4.99
http://www.dbk.de

  Wir dürfen nicht einfach Zuschauer in diesem Krieg sein, die Distanz halten. Wir müssen zusammenzurücken, Platz schaffen und den Flüchtlingen Sicherheit, Obdach und das Lebensnotwendige geben, wie es auch Papst Johannes Paul II. wiederholt gefordert hat.

Nach Beratung mit Menschen am Ort, der Publikation in der Mailingliste, der Presse, im Datennetz Churchmail ( http://www.churchmail.de ) und ermutigt durch die Zustimmung unseres Verwaltungsrates (Sonntag, 18.4.99) und vieler Gemeindemitglieder möchte ich unsere große Glocke bis zum Ende des Krieges im Kosovo läuten.

Jede Woche, in der traditionell begangenen Todesstunde Christi an den Freitagen (15 Uhr), soll sie im ganzen Ort zu hören sein. Sie ist 15 Minuten lang Mahnung und Aufruf und lädt "alle Menschen, die an Gott glauben" zum Gebet für den Frieden ein.

Ich möchte über die Glocke die Christen im Dorf - zuhause oder unterwegs - um ihr persönliches Gebet bitten für alle Betroffenen des Krieges in Jugoslawien, in besonderer Weise für die Vertriebenen und Flüchtlinge aus dem Kosovo und für jene, die in diesem Krieg zu Tode gekommen sind, schuldig oder unschuldig, Albaner oder Slaven, Katholiken, Orthodoxe oder Moslems. (Ein Faltblatt liegt in der Kirche aus).

Freitag, 16. April 1999 (auch PresseInfo v. 17.4.99)
Stefan Krönung, Pfarrer

[PresseInfo] Pfarrei Schroeck 30.3.99
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Niederlage gegen die Menschlichkeit
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Papst Johannes Paul II hat die Bombenangriffe gegen Jugoslawien "als eine
Niederlage gegen die Menschlichkeit" bezeichnet.
Es müsse sofort der Weg des Dialogs wieder aufgegriffen werden um Lösungen
für alle Beteiligten zu finden.
Die Logik wonach ein Verhandlungsergebnis herbeigebombt werden soll, sei
verfehlt und führe zu nichts, so ein Sprecher des Vatikans. Papst Johannes
Paul II. verfolge mit tiefer Sorge das Leiden der Bevölkerung im
Konfliktgebiet. Die Solidarität des Papstes gelte allen Volksgruppen.

Einem Aufruf des Papstes und der Bischöfe folgen die katholischen
Kirchengemeinden in Oberhessen. So werden zB in der Pfarrei Schröck in den
Fürbitten des täglichen Gottesdienstes in der Pfarrkirche der Not des
Krieges, seiner Opfer und Täter gedacht.

Pfarrer Stefan Krönung: "In der Karwoche gedenken die Christen in aller
Welt des Leidensweges Jesu. Wir können unsere Augen vor dem Leid so vieler
verfolgter und leidender Mitmenschen nicht verschließen. Unser Gebet ist
eine Klage und eine Bitte an Gott, daß endlich Frieden werde!"
Stefan@Kroenung.de

Reaktionen:

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"Wenn Glocken zum Friedensgebet rufen, kann das niemals falsch sein. Ich denke
dass das Gebet einer unserer wichtigen Beiträge zur Problemlösung sein sollte.
Ich wäre aber auch sehr an einer Diskussion über Sinn und Unsinn über
Rechtfertigung und die Ungerechtigkeit der militärischen Intervention im Kosovo
interessiert. Bietet sich dazu mal die Gelegenheit? Vielleicht sogar außerhalb
des Netzes?" Thomas via Email, 16.4.99

Deiner Pfarrei gehöre ich zwar nicht an - dennoch ... meinem früheren
Kaplan möchte ich dazu Mut machen und Dir alle Unterstützung wünschen.
Deine Einladung zum Gebet freitags um 15 Uhr nehme ich an.
MfG! Adolf via Email, 17.4.99

.. ich halte das für eine gute Idee. Gut finde ich vor allem, daß Du für alle
Opfer läuten willst; nicht gegen (und schon gar nicht für) den Krieg, der
ja als Wort sowieso nur schlecht zu fassen ist, sondern (wenn ich recht
verstanden habe) als Appell an alle Seiten, daß es hier letztlich immer um
Einzelschicksale geht. Schön wäre es, wenn sich mehr Glocken und Kirchen
dem Geläut anschließen würden
. Gruß Roland via Email 18.4.99

Gute Idee!!
Gruß, K. Bastian via Email v. 18.4.99

(...) Wann ist der Krieg denn zuende? Vielleicht werden bald die großen
Waffengänge beendet, aber der Krieg, der Hass und die Verzweiflung sind über
Generationen in die Menschen eingebrannt. Es kann dort keinen Frieden mehr geben!
Die Eltern, deren Kinder verreckt sind, die Kinder, die zusehen mussten,
wie ihre Lehrer und Eltern gemetzelt wurden, die vergewaltigten Frauen ... aber
auch die Bestien, wenn sie wieder zu Besinnung kommen ... sie werden
niemals mehr sagen können 'Nun habe ich Frieden'!
Der Kosovo ist kein Schauplatz, auf dem nun etwas über die Bühne geht, was
hoffentlich bald vorbei ist, sondern er ist ein Geschwür, das sich tiefer
und tiefer in unsere Existenz hineinfrißt. Dieses Loch kann nie wieder
geschlossen werden.
(...) Vielleicht sollten wir auch für uns selbst beten, daß Jesu für uns das tut,
was Abraham für Sodom tat. (...) Volker via.
Churchmail, 16.4.99

(....) Die Idee des Glockenläutens für Kosovo Flüchtlinge hat mir übrigens sehr
gefallen. Sarah, Firmbewerberin, via Email 17.4.99

... Das Friedensgelaeut am Freitag um 15:00 Uhr finde ich gut. Es hat
aufruettelnden Charakter, damit moeglichst wenige Menschen einfach so
weiterleben wie bisher, solange der "Krieg" nicht direkt an unsere eigene
Haustuer klopft.
Mich bestuerzen in diesen Wochen die Menschen mit mangelhaften
Geschichtskenntnissen. Und viele Medien klaeren nicht auf, sondern zaehlen
stattdessen nur Einsaetze, Tote und Bomben oder ergehen sich in Benefiz-
Rummel. - Warum werden die grossen Zusammenhaenge nicht genauer erklaert?
Herzliche Gruesse vom Niederrhein, Thomas via
Churchmail, 20.4.99

Oberhessische Presse v. 21.4.99 Schröcker Glocken läuten für den Frieden

Bonifatiusbote ( www.kirchenzeitung.de ) v. 9.5.99

Im Weihnachtspfarrbrief 1999 fasst Frau Katharina Jakobi Gedanken zum Jahreswechsel noch einmal zusammen. Das Mahnläuten ist seit dieser Zeit fester Bestandteil unserer Läuteordnung.

Wechselgedanken

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Einige Gedanken zum Jahreswechsel hat uns Anna Katharina Jakobi geschrieben. Sie sollen uns von einem Jahr und Jahrhundert ins Nächste begleiten.

Unser Geburtstagsfest "50 Jahre – Glocken in der Pfarrkirche" wurden 1999 mit dem Mahn- und Gebetsläuten gegen den Krieg und für die Opfer im Kosovo begonnen, jetzt am Ende des Jahres blicken wir mit Trauer und Angst nach Tschechenien... Der Friede ist ein zerbrechliches Gut. Die eingegossene Mahnung unserer schwersten Glocke lautet: "Zwei Kriege zerbrachen uns mit Gewalt, Gott gebe, daß wir nun bleiben erhalt."

Frau Jakobi erinnert sich: "Es fing eigentlich gut an. Wir freuten uns bei kirchlichen und weltlichen Zusammenkünften. Doch dann ein fürchterlicher Schock! Im Fernsehen sah man wie Kettenfahrzeuge der Streitkräfte per Schiff verschickt wurden. Wohin nur? Was soll das bedeuten? Wir hörten bald den Grund: Kosovo.

Nicht lange, und die Bomberverbände flogen über uns hinweg, Geräusche, die man als sehr junger Mensch gehört hatte und sensibel dafür wurde. Die Verbände flogen auch damals im 2. Weltkrieg beim Anflug auf unsere großen Städte sehr hoch. Jetzt flogen Sie durch unser Land, aber in der Nacht hörte ich wieder das dumpfe Brummen der Flugzeugmotoren. Es war genau wie damals, ich fühlte mich ganz erbärmlich. Nacht für Nacht hörte ich im 2. Weltkrieg das dumpfe Brummen, obwohl man als sehr junger Mensch einen guten Schlaf hat. Immer wieder galt meine Aufmerksamkeit dem Motorengeräusch der ausländischen Bomber. Mal hörte es sich an, als wolle ein Pilot mit seiner fürchterlichen Fracht aus dem Verband ausscheren, als wolle er überholen oder man hörte, dass der Motor gedrosselt wurde. War das Flugzeug da oben defekt, fällt es runter, oder will es hier seine Fracht abwerfen, so damals meine kindlichen Gedanken. Schließlich schlief man weiter und hörte trotzdem halbwach nach einigen Stunden den Rückflug der Bomber. Was hatte sich da in den jugendlichen Schlafrhythmus eingeschlichen?

Bei dem jetzigen Flug der Bomber kamen die Erinnerungen wieder, Berichte aus dem gleichen spannungsgeladenen Land, so schwer wie damals für alle Beteiligten! Warum muß erst das Äußerste eingesetzt werden, warum können sich Menschen nicht einigen und verzeihen? Warum lassen sich Haß und Verfolgung nicht ausrotten?

Damit Menschen für Frieden und gegen Haß beten, läuten bei uns in Schröck seit dem Kosovo freitags um 15.00 Uhr die Glocken. Beizeiten sollen überall Menschen dem Haß entgegen wirken. Möge uns das Jahr Zweitausend und allen Menschen Frieden bringen."


 
Links (ohne Aktualisierung)

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Stellungnahmen zum Nato-Einsatz im Kosovo:
http://katholische-kirche.de/news

Dominikanerkloster in Braunschweig mit Linkliste
http://home.t-online.de/home/dominikaner-braunschweig/akt.htm

Die niederländische Initiative "Help B 92":
Berichte unabhängiger Journalisten aus Jugoslawien und dem Kosovo
http://helpb92.xs4all.nl/index1.html

Die Homepage des unabhängigen Belgrader Radiosenders B92
(als Sender z.Zt. geschlossen)
http://www.b92.net

Die unabhängie jugoslawische Nachrichtenagetur Beta-Press
http://www.beta-press.com

Die offizielle jugoslawische Nachrichtenagetur Tanjug
http://www.tanjug.co.yu

Wer Informationen über unsere Medienberichterstattung hinaus zum Krieg im Kosovo
sucht, dem sei die Homepage der Serbisch-Orthodoxen diözese Raska + Prizren im
Kosovo empfohlen:
http://www.decani.yunet.com

... ebenso die New Yorker Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch"
http://www.hrw.org

von P. Hans-Albert Gunk OP - Danke!

 

Stefan Krönung 1996-2007 als Pfarrer in St. Michael und St. Elisabeth

 

 

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 Update 31.05.11