Seit 50 (!) Jahren läuten in
Schröck die Glocken der Pfarrkirche wieder. Älteste Glocken sind im
dreißigjährigen Krieg verloren gegangen, das letzte
Geläut im 36 Meter hohen Turm ging durch
Ablieferungen im 1. Weltkrieg (1917) zugrunde. Das
Folgegeläut musste 1942 bis auf die alte Glocke von
1771 im Kriegstreiben abgegeben werden. Unter
größtem Aufwand und Opferbereitschaft wurden 1949
die große Bonifatius- und die Elisabethglocke
gekauft, wie in den Pfarrakten für die Nachgeborenen
nachzulesen ist.
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"Zwei Kriege
zerbrachen uns mit Gewalt, Gott gebe, dass wir nun bleiben erhalt" steht neben
dem Gießereiwappen auf der einen Glocke zu
lesen. Diese
Inschrift macht mich in diesen Tagen zutiefst
betroffen. Seit Beginn des Krieges im Kosovo gedenken wir in unserer Pfarrei der Täter
und Opfer in unseren Fürbittgebeten in der
Hl. Messe und in unseren Gebeten.
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Ich lesen die Sätze eines
Bischofs: "Die Angriffe der NATO wirken wie eine
Art Verzweiflungstat Handeln, weil auch das
Nicht-Handeln unerträglich ist". Dabei weiß
ich, dass die Einsätze der NATO aber mit der
Führung der UNO nicht abgesprochen sind. Es ist
bekannt, dass nach der UNO-Konvention der
Sicherheitsrat allein das Gewaltmonopol hat und die
NATO hat das nicht bedacht. Es bleibt zu hoffen, dass das Völkerrecht in Zukunft nicht darunter leidet.
Selbstbeschränkung und Selbstverpflichtung auf
getroffene Vereinbarungen sind ein hohes Gut im
Miteinander der Völker und haben in vielen Krisen
den Krieg verhindert.
Andererseits muss aber auch die
Frage gestellt werden, ob so vom Frieden gesprochen
werden kann, denn niemand darf untätig zusehen, wie
Leben, Würde und Rechte von Menschen mit Füßen
getreten werden.
Es ist schwer, zwischen Handeln
und Nichthandeln und zwischen unterschiedlichen
Mitteln zu wählen.
Angesichts des unvorstellbaren
Flüchtlingselends im Kosovo darf die Solidarität
mit den Flüchtlingen jetzt nicht nur laut verkündet
werden. Ihr müssen Taten folgen.
Alle
Menschen, die an Gott glauben, besonders die
Christen aller Konfessionen laden wir dazu
ein, mit uns für den Frieden zu beten. Wo
wir uns darum bemühen, unseren Glauben an
den Erlöser in Wahrheit zu leben, wird uns
dies vereinen in unseren Anstrengungen, zu
einer Beendigung der Gewaltanwendung und zum
Aufbau einer gerechten Friedensordnung
beizutragen.
Bischofskonferenz
19.4.99
http://www.dbk.de
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Wir
dürfen nicht einfach Zuschauer in diesem
Krieg sein, die Distanz halten. Wir müssen
zusammenzurücken, Platz schaffen und den
Flüchtlingen Sicherheit, Obdach und das
Lebensnotwendige geben, wie es auch Papst
Johannes Paul II. wiederholt gefordert hat. Nach Beratung mit Menschen am
Ort, der Publikation in der Mailingliste, der Presse, im Datennetz
Churchmail ( http://www.churchmail.de ) und ermutigt durch die
Zustimmung unseres Verwaltungsrates (Sonntag,
18.4.99) und vieler Gemeindemitglieder
möchte ich unsere große Glocke bis zum Ende
des Krieges im Kosovo läuten.
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Jede Woche, in der traditionell
begangenen Todesstunde Christi an den Freitagen (15
Uhr), soll sie im ganzen Ort zu hören sein. Sie ist
15 Minuten lang Mahnung und Aufruf und lädt
"alle Menschen, die an Gott glauben" zum
Gebet für den Frieden ein.
Ich möchte über die Glocke
die Christen im Dorf - zuhause oder unterwegs - um
ihr persönliches Gebet bitten für alle Betroffenen
des Krieges in Jugoslawien, in besonderer Weise für
die Vertriebenen und Flüchtlinge aus dem Kosovo und
für jene, die in diesem Krieg zu Tode gekommen sind,
schuldig oder unschuldig, Albaner oder Slaven,
Katholiken, Orthodoxe oder Moslems. (Ein Faltblatt
liegt in der Kirche aus).
Freitag, 16. April 1999 (auch
PresseInfo v. 17.4.99)
Stefan Krönung, Pfarrer
[PresseInfo] Pfarrei Schroeck
30.3.99
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Niederlage gegen die Menschlichkeit
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Papst Johannes Paul II hat die Bombenangriffe gegen
Jugoslawien "als eine
Niederlage gegen die Menschlichkeit" bezeichnet.
Es müsse sofort der Weg des Dialogs wieder
aufgegriffen werden um Lösungen
für alle Beteiligten zu finden.
Die Logik wonach ein Verhandlungsergebnis
herbeigebombt werden soll, sei
verfehlt und führe zu nichts, so ein Sprecher des
Vatikans. Papst Johannes
Paul II. verfolge mit tiefer Sorge das Leiden der
Bevölkerung im
Konfliktgebiet. Die Solidarität des Papstes gelte
allen Volksgruppen.
Einem Aufruf des Papstes und der
Bischöfe folgen die katholischen
Kirchengemeinden in Oberhessen. So werden zB in der
Pfarrei Schröck in den
Fürbitten des täglichen Gottesdienstes in der
Pfarrkirche der Not des
Krieges, seiner Opfer und Täter gedacht.
Pfarrer Stefan Krönung: "In
der Karwoche gedenken die Christen in aller
Welt des Leidensweges Jesu. Wir können unsere Augen
vor dem Leid so vieler
verfolgter und leidender Mitmenschen nicht
verschließen. Unser Gebet ist
eine Klage und eine Bitte an Gott, daß endlich
Frieden werde!"
Stefan@Kroenung.de
Reaktionen:
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"Wenn Glocken zum Friedensgebet rufen, kann das niemals
falsch sein. Ich denke
dass das Gebet einer unserer wichtigen Beiträge zur
Problemlösung sein sollte.
Ich wäre aber auch sehr an einer Diskussion über
Sinn und Unsinn über
Rechtfertigung und die Ungerechtigkeit der
militärischen Intervention im Kosovo
interessiert. Bietet sich dazu mal die Gelegenheit?
Vielleicht sogar außerhalb
des Netzes?" Thomas via Email, 16.4.99
Deiner
Pfarrei gehöre ich zwar nicht an - dennoch ...
meinem früheren
Kaplan möchte ich dazu Mut machen und Dir alle
Unterstützung wünschen.
Deine Einladung zum Gebet freitags um 15 Uhr
nehme ich an.
MfG! Adolf via Email, 17.4.99
.. ich
halte das für eine gute Idee. Gut finde ich vor
allem, daß Du für alle
Opfer läuten willst; nicht gegen (und schon gar
nicht für) den Krieg, der
ja als Wort sowieso nur schlecht zu fassen ist,
sondern (wenn ich recht
verstanden habe) als Appell an alle Seiten, daß es
hier letztlich immer um
Einzelschicksale geht. Schön wäre es, wenn
sich mehr Glocken und Kirchen
dem Geläut anschließen würden. Gruß
Roland via Email 18.4.99
Gute
Idee!!
Gruß, K. Bastian via Email v. 18.4.99
(...)
Wann ist der Krieg denn zuende? Vielleicht werden
bald die großen
Waffengänge beendet, aber der Krieg, der Hass und
die Verzweiflung sind über
Generationen in die Menschen eingebrannt. Es kann
dort keinen Frieden mehr geben!
Die Eltern, deren Kinder verreckt sind, die Kinder,
die zusehen mussten,
wie ihre Lehrer und Eltern gemetzelt wurden, die
vergewaltigten Frauen ... aber
auch die Bestien, wenn sie wieder zu Besinnung kommen
... sie werden
niemals mehr sagen können 'Nun habe ich Frieden'!
Der Kosovo ist kein Schauplatz, auf dem nun etwas
über die Bühne geht, was
hoffentlich bald vorbei ist, sondern er ist ein
Geschwür, das sich tiefer
und tiefer in unsere Existenz hineinfrißt. Dieses
Loch kann nie wieder
geschlossen werden.
(...) Vielleicht sollten wir auch für uns
selbst beten, daß Jesu für uns das tut,
was Abraham für Sodom tat. (...) Volker via. Churchmail, 16.4.99
(....)
Die Idee des Glockenläutens für Kosovo Flüchtlinge
hat mir übrigens sehr
gefallen. Sarah, Firmbewerberin, via
Email 17.4.99
... Das
Friedensgelaeut am Freitag um 15:00 Uhr finde ich
gut. Es hat
aufruettelnden Charakter, damit
moeglichst wenige Menschen einfach so
weiterleben wie bisher, solange der "Krieg"
nicht direkt an unsere eigene
Haustuer klopft.
Mich bestuerzen in diesen Wochen die Menschen mit
mangelhaften
Geschichtskenntnissen. Und viele Medien klaeren nicht
auf, sondern zaehlen
stattdessen nur Einsaetze, Tote und Bomben oder
ergehen sich in Benefiz-
Rummel. - Warum werden die grossen Zusammenhaenge
nicht genauer erklaert?
Herzliche Gruesse vom Niederrhein, Thomas via Churchmail, 20.4.99
Oberhessische
Presse v. 21.4.99 Schröcker Glocken läuten
für den Frieden
Bonifatiusbote
( www.kirchenzeitung.de ) v. 9.5.99
Im
Weihnachtspfarrbrief 1999 fasst Frau Katharina Jakobi
Gedanken zum Jahreswechsel noch einmal zusammen. Das
Mahnläuten ist seit dieser Zeit fester Bestandteil
unserer Läuteordnung.
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Einige Gedanken zum
Jahreswechsel hat uns Anna Katharina Jakobi
geschrieben. Sie sollen uns von einem Jahr und
Jahrhundert ins Nächste begleiten.
Unser Geburtstagsfest
"50 Jahre Glocken in der
Pfarrkirche" wurden 1999 mit dem Mahn- und
Gebetsläuten gegen den Krieg und für die Opfer im
Kosovo begonnen, jetzt am Ende des Jahres blicken wir
mit Trauer und Angst nach Tschechenien... Der Friede
ist ein zerbrechliches Gut. Die eingegossene Mahnung
unserer schwersten Glocke lautet: "Zwei Kriege
zerbrachen uns mit Gewalt, Gott gebe, daß wir nun
bleiben erhalt."
Frau Jakobi erinnert
sich: "Es fing eigentlich gut an. Wir freuten
uns bei kirchlichen und weltlichen Zusammenkünften.
Doch dann ein fürchterlicher Schock! Im Fernsehen
sah man wie Kettenfahrzeuge der Streitkräfte per
Schiff verschickt wurden. Wohin nur? Was soll das
bedeuten? Wir hörten bald den Grund: Kosovo.
Nicht lange, und die
Bomberverbände flogen über uns hinweg, Geräusche,
die man als sehr junger Mensch gehört hatte und
sensibel dafür wurde. Die Verbände flogen auch
damals im 2. Weltkrieg beim Anflug auf unsere großen
Städte sehr hoch. Jetzt flogen Sie durch unser Land,
aber in der Nacht hörte ich wieder das dumpfe
Brummen der Flugzeugmotoren. Es war genau wie damals,
ich fühlte mich ganz erbärmlich. Nacht für Nacht
hörte ich im 2. Weltkrieg das dumpfe Brummen, obwohl
man als sehr junger Mensch einen guten Schlaf hat.
Immer wieder galt meine Aufmerksamkeit dem
Motorengeräusch der ausländischen Bomber. Mal
hörte es sich an, als wolle ein Pilot mit seiner
fürchterlichen Fracht aus dem Verband ausscheren,
als wolle er überholen oder man hörte, dass der
Motor gedrosselt wurde. War das Flugzeug da oben
defekt, fällt es runter, oder will es hier seine
Fracht abwerfen, so damals meine kindlichen Gedanken.
Schließlich schlief man weiter und hörte trotzdem
halbwach nach einigen Stunden den Rückflug der
Bomber. Was hatte sich da in den jugendlichen
Schlafrhythmus eingeschlichen?
Bei dem jetzigen Flug
der Bomber kamen die Erinnerungen wieder, Berichte
aus dem gleichen spannungsgeladenen Land, so schwer
wie damals für alle Beteiligten! Warum muß erst das
Äußerste eingesetzt werden, warum können sich
Menschen nicht einigen und verzeihen? Warum lassen
sich Haß und Verfolgung nicht ausrotten?
Damit Menschen für
Frieden und gegen Haß beten, läuten bei uns in
Schröck seit dem Kosovo freitags um 15.00 Uhr die
Glocken. Beizeiten sollen überall Menschen dem Haß
entgegen wirken. Möge uns das Jahr Zweitausend und
allen Menschen Frieden bringen."