Pfarrei Schröck v.2004 [Archiv]
St. Michael & St. Elisabeth
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Pfarrkirche | Fledermäuse unter Kirchendach

Elisabeth, unseres Dorfes Schirm und Schutz, Erfleh Gottes Segen, dem Feuer biet Trutz
Glocken im Schröcker Kirchturm

Glocken im Dorf | Glockengeschichte | Notizen | Hintergrund | Marburg und Umgebung

Kirche von Nordwesten, FotoArchivMarburg, Aufnahme von 1938Die Glocken unserer Pfarrkirche in Schröck läuten im 36 Meter hohen Turm der 1726 geweihten Kirche, den der hl. Erzengel Michael als Drachentöter krönt. Ihm verdanken die Schröcker ihren Spitznamen als "Schröcker Drachen".

Das Geläut besteht aus vier Glocken und erklingt in den Tönen f" as', b' und des", was sowohl Dur - als auch Mollakkorde ermöglicht.

Die kleinste Glocke "Maria, Königin des Friedens" wiegt 225 kg
"Maria, du Königin des Friedens bitte für uns" steht auf der kleinsten und jüngsten Glocke (1954), die das Bild der Himmelskönigin trägt.

Die Glocke "St. Elisabeth" (1949) wiegt 450 kg
"Elisabeth, unseres Dorfes Schirm und Schutz, Erfleh Gottes Segen, dem Feuer biet Trutz"

Die älteste Glocke "St. Michael" (1771) und wiegt 500 kg
Sie ist wie damals üblich von dem Glockengießer Christian Danner (oder D?onner) vor Ort gegossen worden. Als die kleinere Glocke von Schröck hat sie alle Kriege überlebt und ist dadurch wohl dem Schmelzofen für Kanonen entgangen. Die beim Guß nicht gut gelungene unvollständige lateinische Inschrift läßt darauf schließen, daß sie zu Ehren des hl. Michael von der Bevölkerung von Schröck gestiftet wurde. ("In honorem S. Michaelis ..... communitatis in Schrick ..... V S A A ... NN ... MDCC ..."). In der Gemeinderechnung von 1771 stehen die gesamten Kosten für das Material der Glocke, für die Steine zum Glockenofen, für die Bezahlung des Gießers usw. Zusammen waren es: 117 fl 234 Kr 2 Pf. Und Nau (S. 105) schreibt: "Ein hoher Betrag, der von der Gemeinde aufgebracht werden mußte."

Die größte Glocke "Bonifatius" (1941) wiegt 900 kg.Die Pfarrkirche in Schröck befindet sich in der Schröcker Str. 23, 218,154 m ü. NN
Ein Bild des Heiligen trägt die Glocke und die Inschrift: "Zwei Kriege zerbrachen uns mit Gewalt, Gott gebe, daß wir nun bleiben erhalt."
Sie ist die schwerste und damit auch tiefste Glocke des Schröcker Geläuts.

Die Glocken geben akustisch im Dorf die Zeit an. Der Schlag zur vollen und halben Stunde ertönt tagsüber. Am Samstagnachmittag wird um 17 Uhr der Sonntag eingeläutet.

Glockengeschichte

Älteste Glocken lassen sich für die mittelalterliche Schröcker Kirche nachweisen. Im Schröcker Kastenprotokoll vom Jahre 1625 heißt es: "Von Marburger Zimmerleiten wird ein Glockenstuhl angefertigt". Aus einer weiteren Notiz im Kastenprotokoll von 1635 (Stiftsarchiv Amöneburg) schließt P. Nau, daß "z. Z. des 30jährigen Krieges in dem Turm der Schröcker Kirche 2 Glocken gehängt haben, die wohl im Verlaufe des Krieges verloren gegangen sind. Denn im Castenprotokoll von 1684 (Pfarrarchiv Schröck) heißt es: "Am 29.05.1684 wurden durch den Jesuitenpater Martin Metz 2 Glocken geweiht. Die kleine zu Ehren der hl. Elisabeth, die größere zu Ehren des hl. Johannes d. Täufers." (Nau, 105)

Vor dem 1. Weltkrieg gab es 2 Bronzeglocken, die Michaelsglocke (s.o.) und eine weitere (größere), die im Verlauf des Krieges 1917 abgeliefert werden mußte.
Im Jahr 1926 zum 200. Kirchbaujubiläum, wurden von der Glockengießerei Gebr. Otto in Hemelingen bei Bremen zwei Glocken in den Tönen f1 und b1 geliefert, die in einem Eichenholzglockenstuhl aufgehängt wurden. Die Glockenseile hingen durch die Gewölbe im Chorraum vor dem Hochaltar, bis sie 1938 durch den Einbau von elektrischen Läutemaschinen durch die Firma Hörz in Ulm verschwanden.

Im Zweiten Weltkrieg - 1942 - mußten die neuen Glocken wieder abgegeben werden. Die alte Glocke blieb allein zurück.

Im Jahre 1949 lieferte die vorher genannte Glockengießerei mit einem LKW die Ersatzglocken mit denselben Tönen. "Der Zuguß war vorzüglich gelungen, so daß das Geläute rein und voll in den Tönen f1 - as1 - b1 erklingt." (Nau, 106)

"1953/54 konnte Pfarrer Laufer durch Spenden zweier Landwirte noch eine 4. Glocke anschaffen. Sie hat den Tod des des2 . (...) Am oberen Rand steht: "Carl Czudnochowsky n Erding hat mich gegossen 1954. Pate dieser Glocke ist Elisabeth Nau (Nr. 2). Das vierstimmige melodische Geläut erfreut alle Bewohner und Besucher des Dorfes. Um die Schwankungen der Turmspitze beim Läuten der Glocken zu beheben, wurde die Glocken durch die Glockengießerei Gebr. Rincker in Sinn im Jahre 1975 in einem neuen, metallenen Glockenstuhl unterhalb der Schallöcher untergebracht. Die Turmschwankungen sind dadurch verschwunden, der voll Klang des Geläutes ist leider etwas gedämpft." (Nau, 106)

Notizen

Die Turmuhr und die Läuteanlage werden seit 1991 durch eine "funksynchronisierte elektronische Digital-Quarz-Hauptuhr" der Fa. Philipp Hörz aus Ulm gesteuert. Das amtliche Zeitzeichen kommt vom Sender DCF 77 in Mainflingen. Die alte Pendel-Hauptuhr, die zuvor 20 Jahre im Dienst der Glocken stand war nicht mehr reparabel.

Die Glocken der Pfarrkirche waren schon öfter im Radio zu hören. Zuletzt wohl am Samstag, 21.01.1995 in einer Übertragung des 4. Hörfunkprogramms des Hessischen Rundfunks. (Gottesdienstordnung, 14.01.99-22.01.95)

Seit dem Kosovo-Krieg (1999) mahnt die Bonifatiusglocke in der Todesstunde des Herrn am Freitagmittag (15 Uhr) zum Frieden.

Aus Anlaß des vorhersehbaren Kriegsendes, zu Ehren des Hl. Bonifatius und zum 50. Glockengeburtstag wurde am 5.6.1999 ein halbstündiges "Jubiläumsläuten" im Anschluss an die Abendmesse veranstaltet.

Hintergrund:

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Der Name leitet sich her vom irischen doch über das latinisierte clooca (lautmalend); lateinisch meist signum oder campana (vgl. Campanile - Glockenturm) genannt. Tönende Metallgefäße dienen, zuerst vermutlich in China, seit alten Zeiten dazu, Glockenstuhl im Schröcker Turm Zeichen zu geben und Leute herbeizurufen. Auch in der Antike waren sie als private und öffentliche Rufzeichen bekannt. In den christlichen Raum wurden sie zunächst für die Bedürfnisse der Klöster übernommen. Sie lösten hier allmählich die Schlagbretter ab, mit denen der Abt noch heute Klopfzeichen gibt und die als "Simandron" in den Ostkirchen eine große Rolle spielen. In der römischen Liturgie leben sie fort in den "Klappern" oder "Ratschen", die in den Kartagen die Glocken ersetzen. Aus dem Gebrauch im Kloster drangen die Glocken im Westen (vielleicht auf dem Weg über irische Wanderprediger) und in Teilen der Ostkirchen (hier behindert durch Verbote der Muselmanen) in das Leben der Gemeinden ein. In erster Linie dienen Glocken dazu, den Beginn des Gottesdienstes anzuzeigen und die Gläubigen zusammenzurufen. Aber auch während des Gottesdienstes machen sie durch kurze Zeichen die zu Hause Gebliebenen auf den Fortgang der Archivbild: Die jünste der Schröcker Glocken wird 1954 auf den Turm gezogengottesdienstlichen Feier aufmerksam (Evangelium- und Wandlungsläuten usw.) und ermöglichen ihnen einen betenden Anschluß. Sie dienen aber auch der Aufforderung zum privaten Gebet (Engel des Herrn), erklingen bei Taufe, Hochzeit und Tod und drücken allgemein die Freude der Gläubigen aus (bei Prozessionen, Empfängen und Einzügen, teilweise auch beim Sanctus (Meßfeier). Seit dem 12. Jh. haben manche Gemeinden statt der einen Glocke schon ein ganzes Geläute, wobei den einzelnen Glocken (z.B. Bad Hersfeld. Lullusglocke - Deutschlands vermutlich älteste Glocke, Mitte 11. Jhd. ) bald auch besondere Funktionen zugewiesen werden (Ave- bzw. Angelusglocke, Tauf- und Totenglocke). Bei dem in vielen Ländern bestehenden engen Verhältnis von kirchlicher und politischer Gemeinde ist es verständlich, daß die Glocken oft auch profanen Zwecken dienten (Läuten bei Hochwasser- und Feuersgefahren, Siegesläuten und dgl.) und daß daraus nicht selten Konflikte um das Läuterecht entstanden.

Turm auf der Schröcker Pfarrkirche (6.8.98)Die Kirchen der Reformation haben die Glocken beibehalten und weisen ihnen eine ähnliche Aufgabe zu, ihre "Weihe" besteht aus Lesungen und Gebeten.

Schon im frühen Mittelalter wies man, zuerst im gallischen Raum, den Glocken auch apotropäische, d.h. dämonenabwehrende, Bedeutung zu und läutete sie deswegen auch in Pestzeiten und bei drohenden Unwettern ("Wetterläuten").

Im Zusammenhang mit der um das Jahr 1200 aufkommenden Elevation entwickelte sich auch das kleine Altarglöckchen (Schelle), das auch ber der Übertragung der Krankenkommunion geläutet wurde und später noch die Aufgabe zugewiesen bekam, auf die Haupteile der Meßfeier aufmerksam zu machen.

Lit.: Nau, S. 105f; Pfarrarchiv; etc.

Linktipps:

Marburg und Umgebung

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In der Nachbarschaft läuten fünf der insgesamt neun Glocken aus der Elisabethkirche aus vorreformatorischer Zeit. Sie gelten als Kulturdenkmal, weil sie im Gegensatz zu den meisten Glocken beide Weltkriege in Deutschland überstanden haben. An Fest der Hl. Elisabeth (19.11.) läutet nachmittags die "Silberglocke" ihr zu Ehren.

Bekannt ist das "Walpernläuten" (von Hl. Walpurgis, 30. April), daß jährlich mit dem Läuten der vier Tonnen schweren Elisabethglocke an die Erhebung der Gebeine der Heiligen Elisabeth (1236) erinnert. Es besteht aus einem dreifachen Einzelgeläut der großen Glocke. Der Brauch besteht seit der Fertigstellung der Türme und der Glocke um 1330!

Weitere Links

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[Digitalisierung von pfarrgeschichtlichen Quellen und Abhandlungen Nr. 15
glocken.htm | 05.06.99
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Stefan Krönung 1996-2007 als Pfarrer in St. Michael und St. Elisabeth

 

 

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 Update 31.05.11