Die Glocken unserer Pfarrkirche in
Schröck läuten im 36 Meter hohen Turm der 1726
geweihten Kirche, den der hl. Erzengel Michael als
Drachentöter krönt. Ihm verdanken die Schröcker
ihren Spitznamen als "Schröcker Drachen".
Das Geläut besteht
aus vier Glocken und erklingt in den Tönen f"
as', b' und des", was sowohl Dur - als auch
Mollakkorde ermöglicht.
Die kleinste
Glocke "Maria, Königin des Friedens"
wiegt 225 kg
"Maria, du
Königin des Friedens bitte für uns" steht auf
der kleinsten und jüngsten Glocke (1954), die das
Bild der Himmelskönigin trägt.
Die Glocke
"St. Elisabeth" (1949) wiegt 450
kg
"Elisabeth,
unseres Dorfes Schirm und Schutz, Erfleh Gottes
Segen, dem Feuer biet Trutz"
Die älteste
Glocke "St. Michael" (1771) und
wiegt 500 kg
Sie ist wie damals
üblich von dem Glockengießer Christian Danner (oder
D?onner) vor Ort gegossen worden. Als die kleinere
Glocke von Schröck hat sie alle Kriege überlebt und
ist dadurch wohl dem Schmelzofen für Kanonen
entgangen. Die beim Guß nicht gut gelungene
unvollständige lateinische Inschrift läßt darauf
schließen, daß sie zu Ehren des hl. Michael von der
Bevölkerung von Schröck gestiftet wurde. ("In
honorem S. Michaelis ..... communitatis in Schrick
..... V S A A ... NN ... MDCC ..."). In der
Gemeinderechnung von 1771 stehen die gesamten Kosten
für das Material der Glocke, für die Steine zum
Glockenofen, für die Bezahlung des Gießers usw.
Zusammen waren es: 117 fl 234 Kr 2 Pf. Und Nau (S.
105) schreibt: "Ein hoher Betrag, der von der
Gemeinde aufgebracht werden mußte."
Die größte
Glocke "Bonifatius" (1941) wiegt
900 kg.
Ein Bild des
Heiligen trägt die Glocke und die Inschrift:
"Zwei Kriege zerbrachen uns mit Gewalt, Gott
gebe, daß wir nun bleiben erhalt."
Sie ist die schwerste und damit auch tiefste Glocke
des Schröcker Geläuts.
Die Glocken geben
akustisch im Dorf die Zeit an. Der Schlag zur vollen
und halben Stunde ertönt tagsüber. Am
Samstagnachmittag wird um 17 Uhr der Sonntag
eingeläutet.
Älteste Glocken
lassen sich für die mittelalterliche Schröcker
Kirche nachweisen. Im Schröcker Kastenprotokoll vom
Jahre 1625 heißt es: "Von Marburger
Zimmerleiten wird ein Glockenstuhl angefertigt".
Aus einer weiteren Notiz im Kastenprotokoll von 1635
(Stiftsarchiv Amöneburg) schließt P. Nau, daß
"z. Z. des 30jährigen Krieges in dem Turm der
Schröcker Kirche 2 Glocken gehängt haben, die wohl
im Verlaufe des Krieges verloren gegangen sind. Denn
im Castenprotokoll von 1684 (Pfarrarchiv Schröck)
heißt es: "Am 29.05.1684 wurden durch den
Jesuitenpater Martin Metz 2 Glocken geweiht. Die
kleine zu Ehren der hl. Elisabeth, die größere zu
Ehren des hl. Johannes d. Täufers." (Nau, 105)
Vor dem 1. Weltkrieg
gab es 2 Bronzeglocken, die Michaelsglocke (s.o.) und
eine weitere (größere), die im Verlauf des Krieges
1917 abgeliefert werden mußte.
Im Jahr 1926 zum 200. Kirchbaujubiläum, wurden von
der Glockengießerei Gebr. Otto in Hemelingen bei
Bremen zwei Glocken in den Tönen f1 und
b1 geliefert, die in einem
Eichenholzglockenstuhl aufgehängt wurden. Die
Glockenseile hingen durch die Gewölbe im Chorraum
vor dem Hochaltar, bis sie 1938 durch den Einbau von
elektrischen Läutemaschinen durch die Firma Hörz in
Ulm verschwanden.
Im Zweiten Weltkrieg -
1942 - mußten die neuen Glocken wieder abgegeben
werden. Die alte Glocke blieb allein zurück.
Im Jahre 1949 lieferte
die vorher genannte Glockengießerei mit einem LKW
die Ersatzglocken mit denselben Tönen. "Der
Zuguß war vorzüglich gelungen, so daß das Geläute
rein und voll in den Tönen f1 -
as1 - b1
erklingt." (Nau, 106)
"1953/54 konnte
Pfarrer Laufer durch Spenden zweier Landwirte noch
eine 4. Glocke anschaffen. Sie hat den Tod des des2
. (...) Am oberen Rand steht: "Carl
Czudnochowsky n Erding hat mich gegossen 1954. Pate
dieser Glocke ist Elisabeth Nau (Nr. 2). Das
vierstimmige melodische Geläut erfreut alle Bewohner
und Besucher des Dorfes. Um die Schwankungen der
Turmspitze beim Läuten der Glocken zu beheben, wurde
die Glocken durch die Glockengießerei Gebr. Rincker
in Sinn im Jahre 1975 in einem neuen, metallenen
Glockenstuhl unterhalb der Schallöcher
untergebracht. Die Turmschwankungen sind dadurch
verschwunden, der voll Klang des Geläutes ist leider
etwas gedämpft." (Nau, 106)
Notizen
Die Turmuhr und die
Läuteanlage werden seit 1991 durch eine
"funksynchronisierte elektronische
Digital-Quarz-Hauptuhr" der Fa. Philipp Hörz
aus Ulm gesteuert. Das amtliche Zeitzeichen kommt vom
Sender DCF 77 in Mainflingen. Die alte
Pendel-Hauptuhr, die zuvor 20 Jahre im Dienst der
Glocken stand war nicht mehr reparabel.
Die Glocken der
Pfarrkirche waren schon öfter im Radio zu hören.
Zuletzt wohl am Samstag, 21.01.1995 in einer
Übertragung des 4. Hörfunkprogramms des Hessischen
Rundfunks. (Gottesdienstordnung, 14.01.99-22.01.95)
Seit dem Kosovo-Krieg (1999) mahnt die
Bonifatiusglocke in der Todesstunde des Herrn am
Freitagmittag (15 Uhr) zum Frieden.
Aus Anlaß des
vorhersehbaren Kriegsendes, zu Ehren des Hl.
Bonifatius und zum 50. Glockengeburtstag wurde am
5.6.1999 ein halbstündiges
"Jubiläumsläuten" im Anschluss an die
Abendmesse veranstaltet.
Z u m A
n f a n g | w e i t
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Der Name leitet sich
her vom irischen doch über das latinisierte clooca
(lautmalend); lateinisch meist signum oder campana
(vgl. Campanile - Glockenturm) genannt. Tönende
Metallgefäße dienen, zuerst vermutlich in China,
seit alten Zeiten dazu,
Zeichen zu geben und Leute
herbeizurufen. Auch in der Antike waren sie als
private und öffentliche Rufzeichen bekannt. In den
christlichen Raum wurden sie zunächst für die
Bedürfnisse der Klöster übernommen. Sie lösten
hier allmählich die Schlagbretter ab, mit denen der
Abt noch heute Klopfzeichen gibt und die als
"Simandron" in den Ostkirchen eine große
Rolle spielen. In der römischen Liturgie leben sie
fort in den "Klappern" oder
"Ratschen", die in den Kartagen die Glocken
ersetzen. Aus dem Gebrauch im Kloster drangen die
Glocken im Westen (vielleicht auf dem Weg über
irische Wanderprediger) und in Teilen der Ostkirchen
(hier behindert durch Verbote der Muselmanen) in das
Leben der Gemeinden ein. In erster Linie dienen
Glocken dazu, den Beginn des Gottesdienstes
anzuzeigen und die Gläubigen zusammenzurufen. Aber
auch während des Gottesdienstes machen sie durch
kurze Zeichen die zu Hause Gebliebenen auf den
Fortgang der
gottesdienstlichen
Feier aufmerksam (Evangelium- und Wandlungsläuten
usw.) und ermöglichen ihnen einen betenden
Anschluß. Sie dienen aber auch der Aufforderung zum
privaten Gebet (Engel des Herrn), erklingen bei
Taufe, Hochzeit und Tod und drücken allgemein die
Freude der Gläubigen aus (bei Prozessionen,
Empfängen und Einzügen, teilweise auch beim Sanctus
(Meßfeier). Seit dem 12. Jh. haben manche Gemeinden
statt der einen Glocke schon ein ganzes Geläute,
wobei den einzelnen Glocken (z.B. Bad Hersfeld. Lullusglocke -
Deutschlands vermutlich älteste Glocke, Mitte 11. Jhd. ) bald auch besondere Funktionen
zugewiesen werden (Ave- bzw. Angelusglocke, Tauf- und
Totenglocke). Bei dem in vielen Ländern bestehenden
engen Verhältnis von kirchlicher und politischer
Gemeinde ist es verständlich, daß die Glocken oft
auch profanen Zwecken dienten (Läuten bei
Hochwasser- und Feuersgefahren, Siegesläuten und
dgl.) und daß daraus nicht selten Konflikte um das
Läuterecht entstanden.
Die
Kirchen der Reformation haben die Glocken beibehalten
und weisen ihnen eine ähnliche Aufgabe zu, ihre
"Weihe" besteht aus Lesungen und Gebeten.
Schon im frühen
Mittelalter wies man, zuerst im gallischen Raum, den
Glocken auch apotropäische, d.h. dämonenabwehrende,
Bedeutung zu und läutete sie deswegen auch in
Pestzeiten und bei drohenden Unwettern
("Wetterläuten").
Im Zusammenhang mit
der um das Jahr 1200 aufkommenden Elevation
entwickelte sich auch das kleine Altarglöckchen
(Schelle), das auch ber der Übertragung der
Krankenkommunion geläutet wurde und später noch die
Aufgabe zugewiesen bekam, auf die Haupteile der
Meßfeier aufmerksam zu machen.
Lit.: Nau, S. 105f; Pfarrarchiv; etc.
Linktipps:
Z u m A
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In der Nachbarschaft
läuten fünf der insgesamt neun Glocken aus der
Elisabethkirche aus vorreformatorischer Zeit. Sie
gelten als Kulturdenkmal, weil sie im Gegensatz zu
den meisten Glocken beide Weltkriege in Deutschland
überstanden haben. An Fest der Hl. Elisabeth
(19.11.) läutet nachmittags die
"Silberglocke" ihr zu Ehren.
Bekannt ist das "Walpernläuten" (von Hl. Walpurgis, 30.
April), daß jährlich mit dem Läuten der vier
Tonnen schweren Elisabethglocke an die Erhebung der
Gebeine der Heiligen Elisabeth (1236) erinnert. Es
besteht aus einem dreifachen Einzelgeläut der
großen Glocke. Der Brauch besteht seit der
Fertigstellung der Türme und der Glocke um 1330!
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