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400 Jahre
Elisabethbrunnen bei Schröck
Eine
geschichtsträchtige Stätte / Von Erwin Sturm
In: Buchenblätter, Nr. 15, Dienstag, 2. Juli 1996, S. 60
(mit einigen sachlichen Fehlern)
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Östlich
von Marburg liegt rechts der Straße nach
Roßdorf-Mardorf kurz vor Schröck eine stimmungsvolle
und geschichtsträchtige Stätte: der sogenannte
Elisabethbrunnen. Die hl. Landgräfin von Thüringen ist
in ihren letzten Lebensjahren, die sie als Witwe in
Marburg verbrachte und den Armen und Kranken widmete, oft
hierhergekommen, um Almosen zu verteilen. Oberhalb des
heutigen Brunnenhauses stand bis 1527 eine
Wallfahrtskapelle zum Heiligen Kreuz, deren Fundamente
und Mauerreste im Jahre 1925 wieder freigelegt wurden.
Bis zur Reformationszeit lebte dort auch ein Einsiedler
(Klausner), zuletzt bis 1527 das ,,arme Henche von
Martorff". Der Brunnen war schon in
vorgeschichtlicher Zeit von Bedeutung, zumal sich in der
Nähe zwei alte Straßen kreuzten. Vor 400 Jahren ließ
dann Landgraf Ludwig IV. (der Ältere) von Hessen-Marburg
die heutige Brunnenanlage nach antikem Vorbild als
Brunnentempel errichten. Der rundbogige Eingang zur
Brunnenstube wird von vier dorischen Säulen auf
diamantierten Sockeln mit dazwischenliegenden leeren
Nischen flankiert. Über dem omamentierten Architrav
erhebt sich ein zweites Geschoß mit sechs kannelierten,
ionischen Säulen, das mit einem flachen Dreieckgiebel
bekrönt ist. Eine Inschrift erzählt: ,,Weiland kam
oftmals zu mir die hl. Elisabeth Ungarns Königs Tochter
Landgraf Ludwigs Ehegemahl mildtätig gegen die Armen
Gütig gegen alle und demütig duldend in heißem Gebet
zu Gott gewandt Und dankend Gott der Natur und mir
Erbaute sie mir ein kleines Bethaus Schmückte mich
zuerst nach ihrer Zeiten Sitte Mit einfachem Bau und
nannte mich Elisabeth-Born."
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Das Pfarrdorf Schröck, das heute zur Stadt
Marburg gehört, ist von den katholischen Dörfern des
Amöneburger Beckens das am weitesten nach Westen
vorgeschobene. Es war in der Reformationszeit durch die
Landgrafen von Hessen evangelisch geworden, wurde aber
nach dem Übergang an das Hochstift Mainz im Jahre 1608
wieder katholisch. Urkundlich erscheint
"Scrickede" erst im Jahre 1233 und hatte damals
schon einen Pfarrer. Der eigenartige Ortsname geht wohl -
wie alle Schrecken-Flurnamen (vgl. Schrecksbach bei
Ziegenhain) -auf ein altes Wort "scric" für
Riß, Sprung zurück. Die Seelsorge übte das
Kollegiatstift Amöneburg aus. 1821 wurde Schröck
Filiale von Roßdorf und 1884 wieder selbständige
Pfarrei. Die barocke Pfarrkirche St. Michael wurde in den
Jahren 1712 bis 1720 erbaut, vermutlich nach einem Plan
des Kasseler Baumeisters Karl du Ry. Die Weihe erfolgte
erst 1726 durch den Mainzer Weihbischof in Erfurt,
Christoph Ignaz von Gudenus. Der Saalbau von drei
Fensterachsen mit Pilastergliederung ist an der
Westfassade mit Sandsteinplastiken des Erlösers, der
Apostelfürsten Petrus und Paulus sowie der hl. Elisabeth
von Joh. Friedrich Sommer geschmückt. Über dem
dreiseitig geschlossenen Chor erhebt sich der achtseitige
Glockenturm mit Doppelter Laterne und Haube. Der barocke
Hauptaltar aus der Erbauungszeit der Kirche ist leider
seiner ursprünglichen Gemälde und Statuen beraubt. Die
beiden Seitenaltäre St. Maria und Mutter Anna wurden
1710 bis 1711 ebenfalls vom Marburger Bildhauer Sommer
für die Amöneburger Stiftskirche geschaffen. Vier
schwungvolle Evangelistenfiguren stammen aus der Mitte
des 18. Jahrhunderts. [Joh. Neudäcker d. Ä. SK] Die
barocke Pfarrkirche von Schröck wurde von 1712 bis 1720
erbaut. [1726 geweiht, SK]
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(Bilder im Orginal: Der
Brunnentempel am Elisabethbrunnen bei Marburg-Schröck
wird in diesem Jahr 400 Jahre alt.; Die barocke
Pfarrkirche von Schröck wurde von 1712 bis 1720 erbaut.)
Siehe auch:
Digitalisierung
von pfarrgeschichtlichen Quellen und Abhandlungen
Der Elisabethbrunnen gehört der
Verwaltung Staatlicher Schlösser und Gärten in
Hessen
Schloß
61348 Bad Homburg v.d.H.
Unsere Kolpingsfamilie hält die Anlage in Ihrem Auftrag sauber.
Lit.:
Dolff-Bonekämper, Gabriele: Die Entdeckung des Mittelalters:
Studien zur Geschichte der Denkmalerfassung und des
Denkmalschutzes in Hessen-Kassel bzw. Kurhessen im 18.
und 19. Jahrhundert. Darmstadt und Marburg: Selbstverlag
der Hessischen Historischen Kommission Darmstadt und der
Historischen Kommission für Hessen; 1985. (Quellen und
Forschungen zur hessischen Geschichte; Bd. 61).
(Überarbeitete Fassung der Diss. Phil. Marburg 1983).
ISBN 3-88443-149-8. (Kap. III, 4.1. Der Elisabethbrunnen
in Schröck).
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Die Inschrift auf dem Brunnegebäude am
Schröcker Brunnen
(Nach Justis Übersetzung)
Forschest du, Wanderer, wer ich sei
oder was ich trage?
Ich bin der heiligen Elisabeth Quell.
Mit milder Flut tränkend mein Mutterland, welchem
Eichen, Buchen, Fruchtbäume, Getreide.
Und zahllose Kräutergeschlechter entsteigen.
Dadurch erquickt, trinken Hirsch und Wild mein Wasser.
Dadurch gestärkt löschen Vögel aus mir ihren Durst.
Doch was genieß! Ich dessen für Vorteil?
Der Lieblichkeiten Fülle!
Denn was ist schöner wohl als jenes Anblicks
Herrlichkeit?
Was Behaglicher las diese Schattungen?
Was wonniger las diese Luftmilde?
Was endlich süßer als der Vögel Wettgesang?
Das alles, sieh! bringt des Dankes preiswürdiges
Muster mir dar.
Diesem füg ich bei des Wassers Köstlichkeit.
Und schmeichelndes Wellengeriesel.
Darum preist man mich als eine der ersten von Hessens
Quellen.
Allein was noch mehr?
Mich genießt jeder Bewohner des Hessenlandes,
nicht niederes Volk allein, sondern jeder Sprosse.
Aus königlichem, fürstlichem, adeligem Geschlecht,
und die im hohem Ruhme strahlten.
Unter diesen kam vormals oft zu mir
Die heilige Elisabeth, Ungarn Königstochter,
Landgraf Ludwigs Ehegemahl, mildtätig gegen die Armen,
Gütig gegen alle, demütig und duldend,
glühend von inbrünstigem Gebet zu Gott,
dankend Gott, der Natur und mir.
Erbaute sie neben mich eine Kapelle,
schmückte mich zuerst, nach ihrer Zeiten Sitte,
mit schlichtem Bau und nannte mich Elisabethborn.
Unter vielen ihrer glorreich Entstammten
Hat nachmals der erlauchte und mächtige Fürst Ludwig,
jenes großen Philipps, des Hessen-Mazedoniers Sohn,
hier seinen Geburtstag mit seinen Edlen
heiteren Antlitzes oft gefeiert.
Genießend meiner Anmut,
und dessen zum Gedächtnis,
der Ahnmutter lobsamer Weise treu.
An meiner Mündung ein Steinbecken und festes Gebäude,
nach dorischer und jonischer Säulenart errichten lassen,
im Jahre Christi 1596.
Die Inschrift auf der
Steintafel oberhalb der Brunnenmündung
"Sei rein, entweihe und
beschmutze mich nicht durch schamlose Worte oder
Handlungen!
Mein Gestein und mein Hallenbau verletze mich nicht! Wenn
Glut dich plagt, so entpflieh du hierhier! Stille
deinen Durst und wasche dich! Genieße des murmelnde
Wassergeriesels
Und der mannigfachen Anmut, und preise Gott, meinen
Schöpfer.
(Aus der Chronik von Pfarrer Laufer)
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