Pfarrei Schröck v.2004 [Archiv]
St. Michael & St. Elisabeth
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Pfarrei | Dienste | Tod, Trauer und Auferstehung - Das Zeugnis des Glaubens
Mit Kinder über den Tod sprechen

 

,,Mami, wenn du tot bist, bekomme ich dann deine Ringe?" Die Frage eines vierjährigen Kindes macht deutlich, wie unbekümmert Kinder über ein Thema sprechen, das für viele Erwachsene tabu ist. Diese Unbefangenheit kann Erwachsene ziemlich schocken, und häufig sind sie unsicher, was sie antworten sollen. Wo ist Oma jetzt? Warum mußte Oma sterben?" - wie soll man auf diese Fragen antworten, wenn man selber einen Kloß im Hals hat, nur weinen oder schweigen möchte? Aber auch diese Reaktionen gehören dazu, sind eine ,,Sprache", die die Kinder verstehen können. Es ist gut und richtig, Kinder an der eigenen Trauer teilhaben zu lassen.

Wir sollten keine Scheu haben, Kinder mitzunehmen bei Beerdigungen, es sei denn, sie wollen dies ausdrücklich nicht. Ist die eigene Betroffenheit so groß, daß die Fragen des Kindes zum Begräbnis keinen Raum haben, dann findet sich in den meisten Fällen eine Verwandte oder eine Freund/in, die sich um das Kind kümmert, seine Fragen beantwortet.

Es ist ganz wichtig, die Kinder bei allem verständlichen Durcheinander nicht zu vergessen. Es ist wichtig, mit ihnen zu reden, damit wir ihre Ängste erkennen und sie ihrer Trauer Ausdruck verleihen können. Sie sollten auch nicht ,,abgeschoben" wer- den, oder wie soll man ihnen nachher erklären, ,,daß Oma einfach verschwunden ist"? Dann ist die Gefahr, daß ein Kind übermäßige Verlustangst entwickelt, viel zu groß. Besser ist es, wenn das Kind spürt: Oma ist tot, aber die anderen sind bei mir und lassen mich nicht alleine.

Im November ist gute Gelegenheit, mit Kindern über einen Friedhof zu gehen. Die bepflanzten und mit Blumen und Lichtern geschmückten Gräber zeigen ohne viele Worte, daß Menschen, die gestorben sind, trotzdem noch geliebt werden. christliche Symbole auf Grabsteinen vermitteln etwas von dem Glauben an ein Leben nach dem Tod.

Den ,,Himmel" dürfen sich Kinder ruhig in bunten Farben ausmalen - es ist ein Bild für ein Leben bei Gott, wo es dem Menschen gut geht und an nichts fehlt. Wenn es für ein Kind wichtig ist, dann darf es sich den Himmel auch vorstellen mit Pferden, Schnecken oder Spielplätzen. Auch Bücher können eine Hilfe sein, um mit Kindern über den Tod zu reden: Das Buch ,,Abschied von Rune" (von Oyen/ Kaldhol) gibt Kindern Verstehenshilfen und Trost, ohne zu verharmlosen oder vor- schnelle Antworten und Vertröstungen zu geben. Es handelt von einem Mädchen, das den Tod seiner Freundin ,,Rune" bewältigen muß. Ebenfalls empfehlenswert ist das Buch von Roberto Piumini: ,,Matti und der Großvater".

 

T r a u e r

Umgang mit Trauer und mit Trauernden ist etwas, was viele von uns lernen müssen. Im folgenden lesen Sie Auszüge aus einem Brief von Jörg Zink an eine Frau, die um ihren Mann trauert. Trauer hat heilende Kraft ,,Ich denke an die Stunde, als wir, es ist schon eine Reihe von Tagen her, am offenen Grab standen und Abschied nahmen.... Nun wird es einsam um dich. Von den Freunden geht jeder seinen Weg. Vielleicht ist nun die Zeit, dir zu schreiben. Du erzähltest, was deine Nachbarn und Kollegen sagten: Du mußt vergessen, sagten sie. Du mußt dich ablenken. In Urlaub fahren. Du mußt Abstand gewinnen, sagten sie. Als hätte das irgendeinen Sinn. Ich weiß, man bewundert eine Frau, wenn sie Haltung bewahrt, sich beherrscht... Denn es ist für die anderen so am einfachsten. Man meint, mit der Trauerfeier sei es überstanden. Dann werde sie schon darüber hinwegkommen. Das ist nicht böse, nur schrecklich ahnungslos. Wir haben es heute besonders schwer, Zeiten der Trauer durchzustehen. Täglich hören wir, was irgendwo auf der Welt an Unglück geschieht, was an Leid und Elend erlitten wird, und wir schützen uns davor dadurch, daß wir alles schnell wieder vergessen. So erwarten wir es auch von den Trauernden, und sie selbst entschuldigen sich, daß es ihnen nach vier Wochen noch immer nicht besser geht. Die Freunde reden nicht mehr darüber. Nicht daran rühren, sagen sie. Aber ich wünschte im Gegenteil, wir fänden Worte, über den Weggegangenen zu reden... Ich will dir sagen, was hilft: Weinen, weil du verlassen bist.. Schreien. Auch wenn es jemand hört... Verstummen, wenn du das Gefühl hast, der andere könne dich nicht verstehen.... Eines Tages wird es nicht mehr so wichtig sein, zu weinen oder zu schreien. Aber jetzt ist es gut. Und jetzt soll es dir niemand verwehren. ... Meine nicht, du müssest allein bleiben. Du dürfest den anderen deine Trauer nicht zumuten. Es ist wichtig, daß du das Gespräch suchst mit denen, die den Toten gekannt haben. Du hilfst auch ihnen, die sich so sehr scheuen, aus ihrer Angst herauszukommen. Sie können viel Unbefangenheit gewinnen, gerade von dir.... Du brauchst noch lange Zeit viel Geduld mit dir selbst... Vielleicht dauert es Monate, vielleicht Jahre, bis du wieder in diese Welt einwurzelst. Bis dein Tag wieder Licht und Sinn hat. Bis dir ein Erfolg wieder Freude macht, ein Erlebnis dich fröhlich stimmt, eine Plauderei dich anregt. Bis sich um dich her wieder deine Welt bildet, nicht so, wie sie war, aber doch auch wieder gut. Du darfst in all dem nichts von dir fordern, was gegen dein Gefühl geht. Denn deine Trauer wird ein langer Weg sein."

(aus: Jörg Zink: Trauer hat heilende Kraft)

NB Diese Thematik wird einmal jährlich auf unseren Erstkommunion-Elterntreffen mit großem Zuspruch besprochen.

Stefan Krönung 1996-2007 als Pfarrer in St. Michael und St. Elisabeth

 

 

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 Update 31.05.11