,,Mami, wenn du tot
bist, bekomme ich dann deine Ringe?" Die Frage
eines vierjährigen Kindes macht deutlich, wie
unbekümmert Kinder über ein Thema sprechen, das
für viele Erwachsene tabu ist. Diese Unbefangenheit
kann Erwachsene ziemlich schocken, und häufig sind
sie unsicher, was sie antworten sollen. Wo ist Oma
jetzt? Warum mußte Oma sterben?" - wie soll man
auf diese Fragen antworten, wenn man selber einen
Kloß im Hals hat, nur weinen oder schweigen möchte?
Aber auch diese Reaktionen gehören dazu, sind eine
,,Sprache", die die Kinder verstehen können. Es
ist gut und richtig, Kinder an der eigenen Trauer
teilhaben zu lassen.
Wir sollten keine
Scheu haben, Kinder mitzunehmen bei Beerdigungen, es
sei denn, sie wollen dies ausdrücklich nicht. Ist
die eigene Betroffenheit so groß, daß die Fragen
des Kindes zum Begräbnis keinen Raum haben, dann
findet sich in den meisten Fällen eine Verwandte
oder eine Freund/in, die sich um das Kind kümmert,
seine Fragen beantwortet.
Es ist ganz wichtig,
die Kinder bei allem verständlichen Durcheinander
nicht zu vergessen. Es ist wichtig, mit ihnen zu
reden, damit wir ihre Ängste erkennen und sie ihrer
Trauer Ausdruck verleihen können. Sie sollten auch
nicht ,,abgeschoben" wer- den, oder wie soll man
ihnen nachher erklären, ,,daß Oma einfach
verschwunden ist"? Dann ist die Gefahr, daß ein
Kind übermäßige Verlustangst entwickelt, viel zu
groß. Besser ist es, wenn das Kind spürt: Oma ist
tot, aber die anderen sind bei mir und lassen mich
nicht alleine.
Im November ist gute
Gelegenheit, mit Kindern über einen Friedhof zu
gehen. Die bepflanzten und mit Blumen und Lichtern
geschmückten Gräber zeigen ohne viele Worte, daß
Menschen, die gestorben sind, trotzdem noch geliebt
werden. christliche Symbole auf Grabsteinen
vermitteln etwas von dem Glauben an ein Leben nach
dem Tod.
Den ,,Himmel"
dürfen sich Kinder ruhig in bunten Farben ausmalen -
es ist ein Bild für ein Leben bei Gott, wo es dem
Menschen gut geht und an nichts fehlt. Wenn es für
ein Kind wichtig ist, dann darf es sich den Himmel
auch vorstellen mit Pferden, Schnecken oder
Spielplätzen. Auch Bücher können eine Hilfe sein,
um mit Kindern über den Tod zu reden: Das Buch
,,Abschied von Rune" (von Oyen/ Kaldhol) gibt
Kindern Verstehenshilfen und Trost, ohne zu
verharmlosen oder vor- schnelle Antworten und
Vertröstungen zu geben. Es handelt von einem
Mädchen, das den Tod seiner Freundin ,,Rune"
bewältigen muß. Ebenfalls empfehlenswert ist das
Buch von Roberto Piumini: ,,Matti und der
Großvater".
T r a u e r
Umgang mit Trauer und
mit Trauernden ist etwas, was viele von uns lernen
müssen. Im folgenden lesen Sie Auszüge aus einem
Brief von Jörg Zink an eine Frau, die um ihren Mann
trauert. Trauer hat heilende Kraft ,,Ich denke an die
Stunde, als wir, es ist schon eine Reihe von Tagen
her, am offenen Grab standen und Abschied nahmen....
Nun wird es einsam um dich. Von den Freunden geht
jeder seinen Weg. Vielleicht ist nun die Zeit, dir zu
schreiben. Du erzähltest, was deine Nachbarn und
Kollegen sagten: Du mußt vergessen, sagten sie. Du
mußt dich ablenken. In Urlaub fahren. Du mußt
Abstand gewinnen, sagten sie. Als hätte das
irgendeinen Sinn. Ich weiß, man bewundert eine Frau,
wenn sie Haltung bewahrt, sich beherrscht... Denn es
ist für die anderen so am einfachsten. Man meint,
mit der Trauerfeier sei es überstanden. Dann werde
sie schon darüber hinwegkommen. Das ist nicht böse,
nur schrecklich ahnungslos. Wir haben es heute
besonders schwer, Zeiten der Trauer durchzustehen.
Täglich hören wir, was irgendwo auf der Welt an
Unglück geschieht, was an Leid und Elend erlitten
wird, und wir schützen uns davor dadurch, daß wir
alles schnell wieder vergessen. So erwarten wir es
auch von den Trauernden, und sie selbst entschuldigen
sich, daß es ihnen nach vier Wochen noch immer nicht
besser geht. Die Freunde reden nicht mehr darüber.
Nicht daran rühren, sagen sie. Aber ich wünschte im
Gegenteil, wir fänden Worte, über den Weggegangenen
zu reden... Ich will dir sagen, was hilft: Weinen,
weil du verlassen bist.. Schreien. Auch wenn es
jemand hört... Verstummen, wenn du das Gefühl hast,
der andere könne dich nicht verstehen.... Eines
Tages wird es nicht mehr so wichtig sein, zu weinen
oder zu schreien. Aber jetzt ist es gut. Und jetzt
soll es dir niemand verwehren. ... Meine nicht, du
müssest allein bleiben. Du dürfest den anderen
deine Trauer nicht zumuten. Es ist wichtig, daß du
das Gespräch suchst mit denen, die den Toten gekannt
haben. Du hilfst auch ihnen, die sich so sehr
scheuen, aus ihrer Angst herauszukommen. Sie können
viel Unbefangenheit gewinnen, gerade von dir.... Du
brauchst noch lange Zeit viel Geduld mit dir
selbst... Vielleicht dauert es Monate, vielleicht
Jahre, bis du wieder in diese Welt einwurzelst. Bis
dein Tag wieder Licht und Sinn hat. Bis dir ein
Erfolg wieder Freude macht, ein Erlebnis dich
fröhlich stimmt, eine Plauderei dich anregt. Bis
sich um dich her wieder deine Welt bildet, nicht so,
wie sie war, aber doch auch wieder gut. Du darfst in
all dem nichts von dir fordern, was gegen dein
Gefühl geht. Denn deine Trauer wird ein langer Weg
sein."
(aus: Jörg Zink:
Trauer hat heilende Kraft)
NB Diese Thematik wird
einmal jährlich auf unseren Erstkommunion-Elterntreffen mit großem
Zuspruch besprochen.