"Klinikseelsorge...
- ach, da gehen Sie von Bett zu Bett und sprechen den
Kranken Trost zu - oder wie ist das?" Ja, wie
ist das eigentlich in der Klinik? Eine große
Institution - wie die Universitätskliniken - an
verschiedenen Orten: auf den Lahnbergen, im Lahntal,
am Ortenberg, viele Pflegende, eine große
Ärzteschaft und viele andere Berufe
"drumherum". Und dann noch die
Klinikseelsorge, die dazu gehört und doch nicht von
der Klinik beschäftigt ist, sondern von der Kirche.
Als
"SpezialistInnen" für Seelsorge und
Begegnung, auch beauftragt mit gottesdienstlichen und
sakramentalen Aufgaben, können wir zu den Menschen
gehen: zu Kranken, zu Angehörigen, zu den (beruflich
damit) Beschäftigten. Und wir sind über die
Stationen und über unser Büro zu erreichen.
Kranksein - das ist
vieles zwischen "Nicht können" und
"Nicht müssen" - braucht aufmerksame und
sehr unterschiedliche Begleitung: sei es ein
"einfaches" Gespräch "nur so",
oder Schweigen oder ein Blick, ein Biblischer Vers,
ein Gebet, spielen, taufen oder vieles mehr. Immer
wieder anders - und je anders bei Betroffenen,
Angehörigen oder Personal. Und auf eigene Weise ist
alles Sorge um Menschen, Seelsorge.
Einige kurze Einblicke
haben wir für Sie zusammengetragen wie
Mosaik-Steine. Es gäbe viel mehr vorzustellen und zu
erzählen. Diese Mosaiksteine müssen für heute
genügen - geschrieben von 4 evangelischen und 3
katholischen Hauptamtlichen.
Traugott
J.Simon, geschäftsführender Pfarrer, evangelisch
Seelsorge auf Intensivstationen
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D.h. viel Technik,
viel Pflege, ständige ärztliche Überwachung, viele
Patienten im künstlichen Tiefschlaf - heißt eine
andere Welt betreten; eine, in der die Bedrohung des
Lebens besonders massiv ist.
Für mich bedeutet
das, auch mit Menschen in Kontakt zu treten, die
nicht bei Bewußtsein sind - sie als ganze Menschen
zu sehen, die der zweck-freien Zuwendung bedürfen;
sie anzusprechen, evtl. auch ein Gebet zu sprechen.
Genauso nötig sind
natürlich auch die Besuche bei den wachen Patienten
- ihre Fragen, ängste, Hoffnungen, ihre Geschichte
mit ihnen zu teilen, soweit sie das möchten.
Aber auch für die
Angehörigen ist alles eine große Belastung, gerade
wenn jemand lange Zeit "auf intensiv" liegt
- die ständige Spannung, das Dasein zwischen Hoffen
und Bangen, manchmal die drohende Aussichtslosigkeit
... ! Deshalb suche ich den Kontakt auch zu ihnen.
Seelsorge auf
Intensivstationen heißt aber auch, das Sterben von
Menschen zu begleiten - Ohnmacht, Schmerz, Wut,
Trauer von Angehörigen mitauszuhalten, nicht
zuzudecken, abzuschwächen - und auf Wunsch zu beten.
Seelsorge dort heißt
auch, mich mit denen zu freuen, denen womöglich das
Leben neu geschenkt ist. Und bei und in allem zu
glauben, und darauf zu vertrauen, daß Gott im Leben,
im Sterben und im Trauern mit uns ist.
Angelika
Eberhardt, Gemeindereferentin, katholische
Klinikseelsorge
Wenn ich gefragt werde
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Wenn ich gefragt
werde: "Wie sieht eigentlich Deine Arbeit
aus?" antworte ich etwa folgendermaßen:
"Ich bin im Klinikum für zwei Stationen der
Inneren Medizin zuständig. Ich gehe von Zimmer zu
Zimmer, so weit wie ich komme. Im Zimmer stelle ich
mich bei den Patienten vor, dann ergibt sich meistens
ein Gespräch. Mir ist wichtig zuzuhören, den
einzelnen Menschen mit dem was ihn bewegt, seien es
Sorgen oder ängste oder aber auch erfreuliche
Nachrichten ernst zu nehmen und Zeit dafür zu haben.
Ich möchte "ein offenes Ohr" haben. So wie
jeder Mensch seine eigene Geschichte hat, so
unterschiedlich sind auch die Besuche."
Vor einiger Zeit
besuchte ich eine Frau oft, weil sie lange im
Krankenhaus liegen mußte. Was mich sehr bewegt hat
war, daß sie mit bei meinen Besuchen immer sagte:
"Bitte beten Sie für mich": Dann habe ich
für sie gebetet. Ich glaube, daß im Gebet eine
große Chance liegt, nämlich nicht allein seine
Sorgen und ängste und alles was uns beschäftigt zu
tragen, sondern Gott um seine Kraft und Nähe zu
bitten, daß er uns hilft und uns durch alles Schwere
hindurchträgt.
Gunda
Eidenmüller, Diakonin, evangl., nebenamtlich in der
Klinikseelsorge tätig
Kinder begegnen Sterben und Tod
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In meinem Alltag als
Klinikpfarrerin begegne ich auch Kindern auf den
Stationen: Kindern, die als Patienten da sind,
Operationen und Therapien über sich ergehen lassen,
und Kindern, die als Angehörige ihre
Familienmitglieder besuchen. Immer wieder sind so in
meinen Klinikbereichen gerade auch die Kinder
konfrontiert mit der Endlichkeit des eigenen Lebens,
aber auch dem Sterben und Tod naher Angehöriger. In
diesen krisenhaften Lebenssituationen benötigen
Kinder wie Erwachsene behutsame Wegbegleitung.
Sterben und Tod,
Lebensthemen, vor denen viele ihr Kind am liebsten
schützen wollen - und doch begegnen Kinder nicht
erst im Alltag Sterben und Tod: Der Hamster ist
gestorben, ein kleiner Vogel aus dem Nest gefallen,
in der eigenen Familie ist plötzlich jemand schwer
krank, ... stirbt ...
Kinder begreifen sehr
schnell, daß dann etwas Entscheidendes passiert und
sie erleben unsere Reaktionen darauf hautnah, ziehen
sich zurück, wenn sie spüren, daß wir, die
Erwachsenen, völlig hilflos und fremd in unserem
Verhalten sind. Kindertrauer macht oft ohnmächtig.
Deshalb möchten wir sie am liebsten nicht wahrhaben.
Dennoch: Lassen Sie Ihr Kind Abschied nehmen, wenn es
das will und sorgen Sie für gute Vorbereitung und
angemessene Begleitung (Nachbarn, Freunde, evtl.
Therapeuten ...). Es ist wichtig für betroffene
Kinder, daß wir sie nicht ausschließen von den auch
für uns oft sehr belastenden Abschiedssituationen,
sondern teilhaben lassen und mitentscheiden lassen,
was sie jetzt wollen. Durch unser (Vor-) Leben
eigener Gefühle können Kinder lernen, welche
Möglichkeiten des Begleitens und Abschiednehmens es
geben kann. Ich möchte Ihnen Mut machen, sich am
Wunsch der Kinder zu orientieren .... Kinder helfen
uns dabei, wenn wir sie ernst nehmen und mit ihnen
solch bewegende und schwere Lebenssituationen
durchleben.
Marion
Kohl-Eckardt, Pfarrerin, evangelisch
Chronisch Kranke und Frömmigkeit
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Bei meinen Besuchen
auf den Stationen des Universitätsklinikums begegnen
mir Menschen, die ihre Krankheit auf ganz
unterschiedliche Weise in Zusammenhang mit ihrem
Glauben bringen. Manche halten ihre Krankheit für
eine Strafe Gottes, deren Ursache sie gar nicht
unbedingt kennen. Andere meinen, wenn es einen
gerechten Gott gebe, hätten sie eigentlich nicht
erkranken dürfen. Wieder andere erkennen ihre
Krankheit als Wegweiser, der ihre Aufmerksamkeit in
eine bisher nicht wahrgenommene Richtung lenkt und
manchmal regelrecht lebensverändernde Wirkung hat.
Für viele Menschen taucht ihr Glaube gerade durch
eine Krankheit aus der Versenkung auf und erschließt
eine Kraftquelle, die sie bisher kaum in Anspruch
genommen haben. Manchmal wird ihnen bei diesem
Erleben sogar zweitrangig, ob vollständige
medizinische Heilung möglich ist.
Menschen auf diesem
Weg begleiten zu dürfen, erlebe ich als sehr
bereichernd.
Birgit Priester,
Klinikseelsorgerin, evang.
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Seit zwei Jahren
gehöre ich zum Team der ev. KlinikseelsorgerInnen
als Klinikpfarrerin mit einer halben Stelle. Der
Schwerpunkt meiner Arbeit liegt im Bereich dreier im
Lahntal angesiedelten Kliniken: der
Hals-Nasen-Ohren-, der Haut- und der Zahnklinik. Dort
besuche ich Patientinnen und Patienten, halte
Gottesdienste und führe Gespräche mit Angehörigen
und dem Personal.
Ein weiterer und
wiederum ganz anderer Bereich, für den ich
zuständig bin und den ich in diesem kurzen Bericht
vorstellen möchte, ist die Zusammenarbeit mit der
ökumenischen Krankenhaushilfe (öKH), den
"Grünen Damen und Herren", die
ehrenamtlich in einigen Kliniken tätig sind: im
Besuchsdienst, in der Bücherwagenarbeit und im
Lotsendienst. Für dieses Team bin ich zum einen
Ansprechpartnerin bei belastenden Situationen in der
Klinik und in Konflikten sowie für neu an dieser
Arbeit Interessierte. Zum anderen bereite ich die
monatlichen Treffen vor, die Gelegenheit zum
Austausch über Erfahrungen in der Arbeit, zur
Beschäftigung mit Themen wie "Gespräche am
Krankenbett", "Depression", "Was
Sterbende brauchen" u.v.m. und zur Besinnung auf
eigene Möglichkeiten und Grenzen bieten.
Besonders intensive
Begegnungen innerhalb der Gruppe erlebe ich während
der jährlich stattfindenden Seminartage und bei
gemeinsamen Ausflügen.
Angelika Richter,
Pfarrerin, evangelisch
Gottesdienst feiern
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"... und meine
andere halbe Stelle ist Klinikseelsorge für 9
psychiatrische Stationen der Nervenklinik am
Ortenberg." Kurze Pause meines Gegenüber, ein
Blick: "Das ist aber schwer." - So geht es
mir meist. "Ja und Nein", sage ich dann.
Mir ist diese Arbeit nicht nur Mühe, sondern auch
Freude! Es hängt wohl - außer den oft sehr
intensiven Begegnungen - an den Gottesdiensten. Ein
Tagesraum in der Nervenklinik ist ja nicht eben das
Einladendste. Aber schon - Kerzen und Tücher,
Blätter, Blumen oder Steine auf den Tischen und die
Stühle im Kreis verwandeln die Atmosphäre. Wer hier
krank ist, ob mit Schlaganfall, Parkinson, Depression
oder Angstzuständen, die bzw. der schätzt eine
ansprechende Gestaltung. Kranke Menschen durchleben
oft Grenz-Situationen des Lebens, nicht erst in
Todesnähe oder Gefahr. Sie erleben Brüche des
Lebens - und sind froh, wenn diese Erfahrungen - auch
beim Feiern - Platz haben und sein dürfen. Darum
sind die 12 oder 15 oder 25 Gäste im Tagesraum so
wach und so interessiert: Dem Gewohnten durch
Krankheit für eine Zeit entrissen, wird alles - auch
Gottesdienst - oft sehr unmittelbar aufgenommen.
Gottesdienste mit Kranken bereichern und beleben ihr
Kranksein und das Leben der "Gesunden" in
vielerlei Hinsicht: Ob ich sie deswegen so gerne
feiere?
Traugott J.Simon,
Pfarrer, evangelisch
Mitarbeit in der Fort- und Weiterbildung
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Klinikseelsorger/-innen
am Universitätsklinikum Marburg gestalten in
Zusammenarbeit mit verschiedenen Marburger
Krankenpflegeschulen und im Rahmen der
innerbetrieblichen Fortbildung (IBF) Aus- und
Weiterbildungsangebote mit. Dazu gehören mehrtätige
Seminare zu den Themen: "Begleitung von
Schwerkranken, Sterbenden und Umgehen mit
Trauernden" und Gesprächsführungstrainings.
Innerhalb des Faches
"Ethik" in der Krankenpflegeausbildung
stehen jeweils aktuelle ethische Fragestellungen auf
dem Programm, so z.B. "Sterben in Würde -
Palliativtherapie im Hospiz", "Pflege von
Patienten/-innen unterschiedlicher
Glaubensrichtungen", "Wahrheit am
Krankebett", "Begleitung von
Angehörigen" etc.
Nicht zuletzt lernen
sich bei den unterschiedlichsten
Fortbildungsveranstaltungen die verschiedenen im
Krankenhaus tätigen Berufsgruppen näher kennen, so
daß eine effektivere Zusammenarbeit möglich ist.
Günter Tucher,
Pastoralreferent, katholisch
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Quelle:
Was macht denn so
"die" Klinikseelsorge? in KIM, 99-01, im
Internet 11.01.99
zuletzt auf www.elisabethkirche-mr.de
gefunden.
Weitere Links:
Grenzgang Klinikseelsorge -
Woche für das Leben 2003 http://www.ekd.de/woche/2003/mader.html
und http://www.ekd.de/woche/2003/mader.html
Wie
erreiche ich die Klinikseelsorge in Marburg?
Dienste,
die wir Ihnen in der Pfarrgemeinde Schröck anbieten
können
Tod,
Trauer und Auferstehung - Das Zeugnis des Glaubens