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Miteinander das Licht teilen[ Traukerze ] Meist trägt sie ein Kind zum Altar. Oftmals ist sie mit dem Datum geziert oder mit den Namen oder zwei Ringen. Nach der Feier in der Kirche brennt sie auf dem festlich geschmückten Tisch, an dem das Hochzeitspaar sitzt. Und sie sagt: Ihr beiden geht Euren Weg nicht allein. Er geht mit. Und auch Euer Licht wird leuchten zu vielen Menschen. Ein Mann hatte gehört, an einem fernen Ort brenne eine heilige Flamme. Er machte eine anstrengende Wallfahrt. um dieses Licht nach Hause zu holen. Er sagte sich: Wenn ich dieses Licht habe, habe ich das Leben, mein Glück gefunden. Nun ist er auf dem Heimweg,' er hütet und hegt dieses Licht. Ist das nicht ein Bild für uns? Bei unserer Hochzeit haben wir gleichsam dieses Licht an unserer Brautkerze entzündet, um es durch unser Leben zu tragen, es zu hüten und sorgsam mit ihm umzugehen. Dieses Licht ist unsere gegenseitige Liebe, die wir uns versprochen haben, die Treue "in guten und bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit, bis der Tod uns scheidet..." Wir haben dieses "Licht" hineingetragen in unser Haus und so das Dunkel erhellt. Mit Jesus haben wir das Licht: "In ihm war das Leben. und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erkannt... Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt" (Joh 1.4.5.9.). Jesus hat gesagt: "Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt. wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben" (Joh 8.12). Jesus selbst hat uns das vorgelebt wie er sich für uns verzehrt hat. Er sagt es uns: Wie diese Kerze sich verzehrt - ohne großen Lärm zu machen -. so gebe ich mich hin für euch. Die Geschichte mit dem Mann, der seine Flamme heil nach Hause bringen will, geht weiter. Unterwegs bittet ihn ein Frierender um die Kraft des Feuers, damit er Holz anzünden kann. Zuerst will er die heilige Flamme nicht für so eine weltliche Angelegenheit herausgeben. Dann aber gibt er seinem Herzen einen Stoß. Kaum geht er weiter, gerät er in einen schlimmen Sturm. So sehr er sein Licht auch schützt, die Flamme erlischt. Nun erinnert er sich an den, mit dem er sein Licht geteilt hat. Den weiten Weg zurück über Meere und durch Wüsten hätte er nicht mehr geschafft, aber zu dem anderen. dem er geholfen hatte, kann er zurück. In dieser Geschichte wird das Wesentliche unserer Liebes- und Ehegeschichte deutlich: Wir haben gleichsam unser Licht einander geschenkt. Das Licht des Vertrauens, der Güte, der Rücksichtnahme, das Bemühen, einander zu verstehen und zu erfreuen, miteinander im Gespräch zu bleiben. Aber im Laufe der Jahre wird es wohl auch manchmal Situationen geben, in denen die Gefahr besteht, daß das Licht zu erlöschen droht. Wir erleben es doch im Bekanntenkreis, haben es in unserer Beziehung schon selbst erlebt: "Diese Situation ist doch völlig hoffnungslos!" -"Das macht mich total fertig!" - "Ich habe das Gefühl, du liebst mich nicht mehr so wie früher!" - "Jetzt reicht es mir aber,' immer soll ich nachgeben!" "Jetzt kommst du schon wieder mit deinen faulen Entschuldigungen!" ... Da ist es doch wunderbar, sich daran zu erinnern, daß wir dieses Licht am Hochzeitstag miteinander geteilt haben. Im eigenen Haus. vom eigenen Partner kann dieses Licht neu entzündet werden. Dieses Licht können wir immer wieder neu zum Leuchten bringen. Nicht nur an Festtagen. sondern gerade auch im grauen Alltag. Oft gelingt es nicht, eine große Flamme zu entzünden'. aber es genügt schon ein kleines Licht. Ein chinesisches Sprichwort sagt: "Es ist besser, ein kleines Licht anzuzünden, als über die Dunkelheit zu klagen." Wo jemand einem anderen ein Licht anzündet - im Dunkel seiner Not, Einsamkeit oder Krankheit - wird er zum Hoffnungsträger. Das ist eigentlich Aufgabe jedes Christen: "Ihr seid das Licht der Welt... - So soll euer Licht leuchten..." (Mt 5,1¾16). Ein Zeitgenosse hat es einmal so formuliert: "Jeder Christ ist ein Licht in der Dunkelheit der Zeit." Jeden Tag ein kleines Licht anzünden, das kann diese dunkle Welt heller machen. Sie meinen, das ist nicht viel? Ein Gleichnis vom Licht spricht eine andere Sprache: In einem Winkel der Welt kauerte verbissen, trotzig und freudlos eine dicke schauerliche Finsternis. Plötzlich erschien in diese Not ein kleines Licht,' klein - aber ein Licht. Jemand hatte es hingestellt. Es war einfach da und leuchtete. Einer, der vorüberging, meinte: "Du ständest besser anderswo als in diesem abgelegenen Winkel!" -"Warum'?" fragte das Licht. "Ich leuchte nicht, um gesehen zu werden; nein, ich leuchte, weil es mir Freude macht, Licht zu sein." Aber die düstere Finsternis ging zähneknirschend und wütend gegen das Licht an. Und doch war die Finsternis machtlos gegen dieses winzige Licht. So versuchen wir, die Dunkelheit zu überwinden, indem wir jeden Tag ein kleines Licht anzünden. Das Licht unserer Flamme haben wir nicht nur miteinander, sondern mit vielen anderen geteilt. Zusammen mit Freunden, Arbeitskollegen und mit vielen Menschen in unserer Pfarrgemeinde. So dürfen wir immer wieder erfahren: Viele, denen wir unsere Flamme weitergeschenkt haben, gehen mit uns, und wir dürfen bei ihnen immer wieder unsere Flamme entzünden. Wir können mit ihnen auch in Zukunft rechnen. Überall, wo wir Liebe, Freundschaft, Aufmerksamkeit verschenkt haben, brennen Lichter, auf die wir zurückgreifen können, wenn unsere Flamme erlischt und wir im Finstern stehen. Das folgende Kirchenlied gibt uns die Zuversicht: "Lobe den Herrn, was in mir ist, lobe den Namen. Lob ihn mit allen, die seine Verheißung bekamen. Er ist dein Licht; Seele, vergiß es ja nicht. Lob ihn in Ewigkeit. Amen." Karlheinz Buhleier |
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