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| Maria von Magdala | Veranstaltungen | Hintergrund | Lindaukapelle | ||||||||
Maria von Magdala ist neben Maria, der Mutter Jesu, zweifellos die bedeutendste Frau im Neuen Testament. Sie ist die Protozeugin des Auferstandenen, die von Jesus zu den Jüngern geschickt wird, um ihnen die Osterbotschaft zu bringen, daß er lebt. Ihr Gedenktag ist am 22. Juli. Unterhalb der Amöneburg an der "Lindaukapelle" wird alljährlich eine "Oktav" begangen. Die Magdalenenkapelle in der Lindau, 1343 benediziert, wurde im 30jährigen Krieg zerstört; die jetzige wurde 1867 erbaut. Der Wallfahrtsort hat regionale Bedeutung.
Im Rahmen der Amöneburger Magdalenen-Oktav findet jährlich eine Jugendmesse an der Lindaukapelle statt. BDKJ-Regionalteam und die Katholische Regionalstelle für Jugendbildung laden alle Jugendlichen und der Jugendarbeit verbundene Erwachsene zu diesem Gottesdienst ein. Weitere Veranstaltungen
erfragen Sie bitte bei: Erzbischof Schick (Bamberg) als Festprediger 2004
Hintergrund:Die Kirchenväter vor Gregor dem Großen (Augustinus, Hippolyt, Johannes Chrysostomus, Cyrill von Alexandrien) sehen schon sehr früh die Bedeutung Maria Magdalenas und betonen ihre Erwählung zur ersten Osterbotin. Sie bezeichnen sie als neue Eva. Und Hippolyt von Rom (um 200) nennt sie sogar ,,Apostolin der Apostel" (Comm in Cant.). Weiter sagt er: ,,Christus erschien den Frauen, damit sie Apostel Christi seien. Christus sagt zu jenen: Ich selbst bin diesen Frauen erschienen, ich wollte sie zu euch als Apostel schicken." Und ganz erstaunlich ist die Aussage des Gregor von Antiochien, er läßt Jesus zu den Frauen sprechen: ,,Seid die ersten Lehrerinnen der Lehrer. Petrus soll lernen, daß ich auch Frauen als Apostel erwählen kann." Noch im 12. Jahrhundert spricht Philagathos von Cerami in einer Homilie von der ,,Apostolin der Apostel" In späterer Zeit vereint Gregor die verschiedenen biblischen Marien zu der einen Gestalt der Maria von Magdala und legt den Akzent auf die Büßerin. Kann einem so großen Theologen die höchste Bedeutung Magdalenas, erste Osterbotin sein zu dürfen, entgangen sein? Oder spielen da schon mehr asketische und monastische Geistesströmungen herein, die den Bußgedanken so stark betonen, daß die Büßerin der Osterbotin den Rang abläuft? In der darstellenden Kunst wird die Büßerin dann zum Hauptmotiv. Dennoch bleibt der Gedanke an die Osterbotin erhalten. Allerdings liegt bis heute im religiösen Bewußtsein des Volkes nach wie vor der Hauptakzent auf der Büßerin.
In der heutigen Liturgie ist Maria Magdalena deutlich und ausschließlich als Osterbotin herausgestellt; von der Büßerin, von der die Exegese sagt, daß es sich um eine andere Frau handelt, ist nicht mehr die Rede. Doch wenn wir uns dem Osterfest selbst zuwenden, verschwindet Maria von Magdala wieder recht schnell und geradezu unbemerkt: In allen drei Lesejahren wird in der Messe am Ostertag Joh 20, 1-9 (Petrus und Johannes am Grab) als Evangelium verkündet. Lediglich als Alternative wird Joh 20, 1-18 (Petrus und Johannes und Maria Magdalena) angeboten. Im Lesejahr C sind die Verse 10-18 sogar ganz verschwunden, und es wird als Alternative das Evangelium der Osternacht angeboten. Dieses wichtige Proto-Osterevangelium ist damit eigentlich aus den Sonntagsperikopen herausgefallen, und es kann nicht darüber hinwegtrösten, daß Joh 20,11-18 am Mittwoch in der Osteroktav gelesen wird. Wer von den Christen ist am Wochentag in der Messe? Wohl die wenigsten Männer wie Frauen hören somit jemals von der Osterbotschaft, die Jesus der Maria von Magdala aufgetragen hat, denn am Sonntag wird sie nie verkündet. In der erneuerten Leseordnung hat sie wenigstens an ihrem Fest ihr Osterevangelium (was ihr in der alten nicht vergönnt war; dort hörten wir von der Sünderin, die Jesus mit ihren Tränen die Füße wäscht). Ob hier nicht eine Reform der Reform anstehen würde, um diesem bedeutsamen Evangelium in der Sonntagsperikopenordnung den gebührenden Platz zu geben? Gesang im Gotteslob Nr.221 (das alte ,,0 fili et filiae") mit eigenen Strophen zu ergänzen. Man könnte diesen Ostergesang auch so singen: 1. Ihr Christen, singet
hoch erfreut; / der Herr der ew'gen Herrlichkeit / ist
von dem Tod erstanden heut. Und nun schaue ich auf dem Hintergrund dieser Überlegungen ins liturgische Direktorium und ins Stundenbuch. Maria von Magdala wird nach wie vor lediglich ein Gebotener Gedenktag zugestanden. Verdiente die große Osterbotin nicht ein Fest wie die übrigen Apostel, auch auf dem Hintergrund der großartigen Aussagen der frühen Kirchenväter? Und welchen Titel trägt sie? Sie ist weder Büßerin noch Witwe noch Ordensfrau noch Kirchenlehrerin, nicht einmal Mutter, sondern eine alleinstehende, im besten Sinn emanzipierte Frau, die Jesus selbst von allem Dämonischen befreit und zu einer großen Würde erhoben hat. Doch in der heutigen Liturgie ist sie sine titub, einfach ,,nichts". Sind sich die Männer der Kirche bewußt, daß das Frauen weh tut, besonders ,,Nichtmüttern", ,,Nichtordensfrauen", eben ,,Allein"-Stehenden, die aber voll und trotz allem mit Freude im pastoralen Dienst der Kirche stehen und teilhaben am Verkündigungsauftrag Jesu? Verdiente Maria Magdalena nicht wirklich den Titel einer ,,Apostolin"? Es muß ja nicht unbedingt die ,,Apostola apostolorum" Hippolyts sein. Wenn die Ostkirche einen solchen Titel Apostelschülerinnen zugesteht, lägen wir eigentlich in einer guten Tradition. Die Hochschätzung der frühen westlichen wie östlichen Kirchenväter, die sie Maria Magdalena entgegenbringen, tut uns Frauen gut. Ob nicht die heutigen liturgischen und theologischen Väter aus diesen Fakten Schlüsse ziehen könnten, die unter Beweis stellen, daß die Frau in ihrer Würde gesehen und ernstgenommen wird? Wir stünden damit in bester alter Tradition. Margret Hasenmüller (vgl. Gottesdienst 32(1998), 100f) - Bearbeitung folgt.
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Kirche in Oberhessen - credobox (c) 1998-07-22 - Fotos: Stefan@Kroenung.de