Pfarrei Schröck v.2004 [Archiv]
St. Michael & St. Elisabeth
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DPQ | Nau, Peter; Schober, Karl: Schröcker Chronik. Entstehung und Wachstum des Dorfes Schröck bis zu seiner Eingliederung in die Stadt Marburg im Jahre 1974, Marburg 1976 - S. 23/24

6. Die Gründung von Schröck und Erklärung des Ortsnamens

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Zu dem althessischen Gebiet, dessen Zusammenschluß mit dem Frankenreich in der Zeit nach 500 erfolgte, gehört auch unsere engere Heimat mit dem Hauptort Amöneburg und der Kesterburg (Christenberg) als zweiten Kultstätte. Im Auftrag des fränkischen Königs herrschte auf der Ohmfeste ein Graf, dessen Amtsbereich auch Lahngau genannt wird, im Unterschied zu dem weiter nördlich um Fritzlar herum gelegenen Hessengau. Nach den Forschungsergebnissen der Ortsnamenkunde sind die im Amöneburger Becken gelegenen Heimorte als typische Gründungen dieser sogenannten Frankisierung anzusehen.

Wie verhält es sich nun mit der Gründung des Dorfes Schröck? Jedenfalls gehören die Ortsnamenbildungen mit dem althochdeutschen Grundwort "ithi" (was bei Schröck der Fall ist) zu einer noch älteren Gruppe als die Heimorte. Der Ortsname Schröck ist entstanden aus einer Wortverbindung zwischen dem Tätigkeitswort "schrecken" und dem Grundwort "ithi". Beide Wortarten, aus ihrer Zeit gedeutet, sind Sammelbegriffe. Daher kann man "schrecken" gleichsetzen mit aufspringen bzw. ansteigen, während "ithi" gleich Heide oder Triesch, auch als Revier oder Gelände gedeutet wird (4). Als ältester Name unseres Dorfes dürfte demnach "Skrikithi" zu erschließen sein und die Entstehung mit der Frankisierungszeit zusammenfallen. Aus "Scrikiti" wurde 1223 Schrikede (5), ums Jahr 1580 Schrika, später Schrickt und zuletzt Schröck (6). Wenn nun auch der Name Schröck bis in die althochdeutsche Zeit zurückverfolgt werden kann, so ist damit noch keine bestimmte Aussage möglich über die eigentliche Gründung des Dorfes. Persönlich gehe ich davon aus, das gegenwärtige Siedlungsbild des Dorfes zugrunde zu legen und versuche, durch eine sorgfältige Analyse der Hofanlagen den ursprünglichen Kern herauszufinden. Es kann nicht geleugnet werden, daß die Kirche auf einer überhöhten Oberfläche errichtet wurde, die als Friedhof gedient hat und gegenüber den niedriger liegenden Straßen durch eine Mauer aus Sandsteinquadem abgestützt ist. Demnach steht das Gotteshaus nicht auf gewachsenem, sondern auf einem künstlich überhöhtem Fundament. Eine Überprüfung des hinter der Kirchhofsmauer nordöstlich liegenden Geländes (Posthof) läßt darauf schließen, daß die Erde für den überhöhten Kirchenbezirk an dieser Stelle entnommen wurde. Unter der Voraussetzung, daß meine Vermutung über die Anlage dieses Kirchengeländes stimmt, wäre die Folge, daß das Kirchengelände mit den es umgebenden Hofanlagen die Urzelle des Dorfes war, daß dann aber die Gründung der eigentlichen Ursiedlung vor Einführung des Christentums in Hessen unter Bonifatius bestanden haben muß.

Nach fränkischem Recht gehört alles eroberte Land, soweit es nicht zweckgebunden ist. dem Prinzeps (König, Fürst, Graf). Ein Graf amtiert im Auftrage des Merowinger Königs auf der befestigten Amelburg (Amöneburg). Von seinen

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Gefolgsleuten erhält ein ausgewählter Gemeinfreier den Auftrag zu einer Dorfsiedlung am Westrand des Amöneburger Beckens, dicht neben dem Hochwald der Lahn berge. Als Vertreter des niederen Adels begründet dieser das Dorf und die Gemarkung Schröck, zusammen mit seinen Sippengenossen und den am Ort verbliebenen althessischen Bewohnern. Geräumig und reichlich mit Gärten versehen sind die Hofraiten. Sie sind persönliches Eigentum, während Wasser, Weide und anschließender Wald gemeinschaftlich genutzt werden. Die führende Familie erhält für sich ein bevorzugtes Gelände westlich im heutigen Unterdorf (zwischen Erbsen- und Marktgasse). Als Zugang zu dieser behelfsmäßigen Curtisanlage diente die Rüwegasse, während zu meiner Jugendzeit das noch vorhandene sog. "Rüwehanse Mänerche" das letzte Überbleibsel eines burgartigen Hauses war. Die übrigen Hofraiten lagen etwas weiter östlich von dem Haupthof, aufgelockert und mit Gärten nebeneinander ohne Hauptstraßenverbindung, aber mit Zufahrtsmöglichkeiten zu den Anwesen. Etwa hundert Jahre mögen vergangen sein, bis diese Siedler unterschiedlicher Herkunft und Veranlagung zu einer echten Dorfgemeinschaft zusammenwuchsen (vgl. Karte: Erstes Siedlungsbild). [S. 25 Bild / CD-ROM ]

7. Die Einführung des Christentums

Im Jahre 721 erschien der aus England stammende Missionar Winfried Bonifatius auf der Amöneburg bei den dort residierenden Grafen, den Brudern DeoruIf und Dettik, um in Hessen das Christentum einzuführen, und zwar genau in der Form, wie er es in seiner angelsächsischen Heimat kennengelernt hatte, nämlich in enger Verbindung mit dem römischen Papst. Bei seinen Verhandlungen mit den beiden Amöneburger Grafen erwiesen sich mitgebrachte Sendschreiben des Papstes und ein Geleitbrief des fränkischen Hausmeiers Karl Martell als nützlich. Wie uns der Bonifatius-Biograph berichtet, ließen sich die beiden Grafen, denen die christliche Lehre bereits bekannt war, mit einem großen Gefolge und Tausenden vom übrigen Volk taufen. Unter den Gefolgsleuten, die sich vom heiduischen Aberglauben abwandten, war mit ziemlicher Sicherheit auch der Dorfvorsteher von Schröck. Wir dürfen annehmen, daß er mit seiner ganzen Gemeinde den christlichen Glauben annahm, eine Kirche errichten ließ und als Schutzpatron den Erzengel Michael wählte. Auch den Pfarrer stellte er an und besoldete ihn, Diese Folgerungen ergeben sich aus späteren Urkunden des Schröcker Ortsadels, der bis in die Zeit der Reformation das Patronatsrecht über die Kirche ausgeübt hat (vgl. Karte: Nach Einführung des Christentums).

(S. 25 Bild / CD-ROM)

[wird fortgesetzt]


[Anmerkungen:]

(4) Bach A., Deutsche Namenskunde, Bd. 11, § 560, S. 232; Arnold, W.; Ansiedlungen und Wanderungen deutscher Stämme, 1884, S. 304 ff.; Schröter Edw., Deutsche Namenskunde, S. 134 ff.

(5) Echard Franz G., Haina, Regesten und Urkunden, Bd. 1, 1962, Urkunde Nr. 29

(6) Reimer H, Dr., Kurhessisches Ortslexikon, 1918, S. 432


Notizen zum Namen "Schröck"

Der Name "Schröck" ist ein sehr häufiger Familienname ( zB www.Schroeck.de ).

Ein aufgegangenes Dorf "Schröck" ist auf dem Gebiet von Leopoldshafen aus der Keltenzeit bekannt. Die erste urkundliche Erwähnung findet sich einem Dokument des Klosters Maulbronn aus dem Jahre 1160.
Thorsten Hornung erklärt den Dorfnamen "Schröck" mit "[althochdeutsch: steiler Abhang]." und bemerkt: "Manche Forscher glauben, daß Leopoldshafen - oder Schröck - noch viel älter ist, und in grauer Vorzeit Frechstett oder Freckanstetten hieß. Die Menschen in Leopoldshafen lebten früher hauptsächlich vom Handwerk, der Landwirtschaft und dem Rhein. Dieser bot die Möglichkeit des Fischfangs und der Goldwäscherei - und der Leopoldshafener Rheinhafen, der bis 1914 als Kohlen-, Eisen-, Handels- und Reisehafen diente, bot vielen Menschen Einkommen als Hafenarbeiter. Nach dem 1. Weltkrieg wurde der Hafen geschlossen (bzw. er zog nach Karlsruhe um). Seit dem 14. Jahrhundert verbindet bis heute eine Fähre das badische Leopoldshafen mit dem pfälzischen Leimersheim. Hafen und Fähre sorgten dafür, daß Leopoldshafen früher badische Zollstation war. 1933 wurde zu Ehren des badischen Großherzogs Schröck in
Leopoldshafen umgetauft - Großherzog Leopold hatte im Schröcker Hafen sein Dampfschiff in Dienst gestellt. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde im Hardtwald von Leopoldshafen das „Kernforschungszentrum" (heute „Forschungszentrum Karlsruhe") gebaut. Dadurch zogen viele Techniker, Ingenieure und Wissenschaftler aus ganz Deutschland nach Leopoldshafen, die auch den Segelsport mit in unseren Ort brachten. 1963 wurde die Segelkameradschaft Leopoldshafen gegründet - seither halten 150 Mitglieder das segelsportliche Leben in "Schröck" aufrecht. Das Wappen der SKL ist übrigens das alte Wappen Leopoldshafens und zeigt einen Fährmann mit Rheinfähre - und nicht, wie viele denken, ein antikes Segelboot... (Zitiert nach
http://home.t-online.de/home/fam.hornung/ljmgeschichte.html mit der Notiz: " Letzte Änderung: 11. August 1998" am 30.12.1999 , Ortsgeschichte von Eggenstein und Leopoldshafen http://www.eggleo.de/spd/hafen/tafel.htm , Zit.01-08-18)

Christenberg. Hier befindet sich eine der ältesten Siedlungen im Marburger Raum. Schon in der Jungsteinzeit (ca. 5000-1800 v. Chr.) war der Christenberg besiedelt oder wurde als Fluchtort genutzt. Die vierzig Hügelgräber nordwestlich des Plateaus wurden um 600 v. Chr. in der Eisenzeit gebaut. Im 4. und 3. Jahrhundert v. Chr. hatte hier vermutlich ein Keltenfürst seinen Sitz. Vom Christenberg aus hat man einen großartigen Ausblick. Inmitten der Wallanlage steht noch die romanische St. Martinskirche mit Bauelementen vom 11. bis zum 19. Jahrhundert.

Amöneburg. Der Basaltkegel, auf dem sich die Stadt befindet, ist durch Vulkanausbrüche des Vogelsberges entstanden. 360 Meter hoch ragen Stadt und Burg aus dem Amöneburger Becken heraus. Seit 5000 Jahren ist das Gebiet besiedelt. Bis ins 19. Jahrhundert gab es Konflikte mit den hessischen Landgrafen, da man im Unterschied zu ihnen nicht protestantisch geworden war und zum Erzbistum Mainz gehörte. Der Fluß Ohm gab der Stadt den Namen. "Amanaburg" nannten sie die Kelten, die die Burg um 450 v. Chr. zur Stadt ausbauten. Der angelsächsische Bischof und Missionar Bonifatius gründete hier im Jahr 721 Kloster und Kirche. Im Heimatmuseum in der Schulgasse ist die Geschichte der Burgstadt dokumentiert. Das Amöneburger Becken gehört zu den trockensten hessischen Gebieten. Zwei Naturschutzgebiete am Nord- und Südhang bieten hier einen Lebensraum für wärmeliebende Tiere und Pflanzen, die sonst in Hessen nirgendwo vorkommen.

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Stefan Krönung 1996-2007 als Pfarrer in St. Michael und St. Elisabeth

 

 

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 Update 31.05.11

1999-12-30 Krö Up 01-08-18