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Zu dem althessischen Gebiet, dessen
Zusammenschluß mit dem Frankenreich in der Zeit nach
500 erfolgte, gehört auch unsere engere Heimat mit
dem Hauptort Amöneburg und der Kesterburg (Christenberg) als
zweiten Kultstätte. Im Auftrag des fränkischen
Königs herrschte auf der Ohmfeste ein Graf, dessen
Amtsbereich auch Lahngau genannt wird, im Unterschied
zu dem weiter nördlich um Fritzlar herum gelegenen
Hessengau. Nach den Forschungsergebnissen der
Ortsnamenkunde sind die im Amöneburger Becken
gelegenen Heimorte als typische Gründungen dieser
sogenannten Frankisierung anzusehen.
Wie verhält es sich nun mit der
Gründung des Dorfes Schröck? Jedenfalls gehören
die Ortsnamenbildungen mit dem althochdeutschen
Grundwort "ithi" (was bei Schröck der Fall
ist) zu einer noch älteren Gruppe als die Heimorte.
Der Ortsname Schröck ist entstanden aus einer
Wortverbindung zwischen dem Tätigkeitswort
"schrecken" und dem Grundwort
"ithi". Beide Wortarten, aus ihrer Zeit
gedeutet, sind Sammelbegriffe. Daher kann man
"schrecken" gleichsetzen mit aufspringen
bzw. ansteigen, während "ithi" gleich
Heide oder Triesch, auch als Revier oder Gelände
gedeutet wird (4). Als ältester
Name unseres Dorfes dürfte demnach
"Skrikithi" zu erschließen sein und die
Entstehung mit der Frankisierungszeit zusammenfallen.
Aus "Scrikiti" wurde 1223 Schrikede (5), ums Jahr 1580 Schrika, später Schrickt
und zuletzt Schröck (6). Wenn nun auch
der Name Schröck bis in die althochdeutsche Zeit
zurückverfolgt werden kann, so ist damit noch keine
bestimmte Aussage möglich über die eigentliche
Gründung des Dorfes. Persönlich gehe ich davon aus,
das gegenwärtige Siedlungsbild des Dorfes zugrunde
zu legen und versuche, durch eine sorgfältige
Analyse der Hofanlagen den ursprünglichen Kern
herauszufinden. Es kann nicht geleugnet werden, daß
die Kirche auf einer überhöhten Oberfläche
errichtet wurde, die als Friedhof gedient hat und
gegenüber den niedriger liegenden Straßen durch
eine Mauer aus Sandsteinquadem abgestützt ist.
Demnach steht das Gotteshaus nicht auf gewachsenem,
sondern auf einem künstlich überhöhtem Fundament.
Eine Überprüfung des hinter der Kirchhofsmauer
nordöstlich liegenden Geländes (Posthof) läßt
darauf schließen, daß die Erde für den
überhöhten Kirchenbezirk an dieser Stelle entnommen
wurde. Unter der Voraussetzung, daß meine Vermutung
über die Anlage dieses Kirchengeländes stimmt,
wäre die Folge, daß das Kirchengelände mit
den es umgebenden Hofanlagen die Urzelle des Dorfes
war, daß dann aber die Gründung der eigentlichen
Ursiedlung vor Einführung des Christentums in Hessen
unter Bonifatius bestanden haben muß.
Nach fränkischem Recht gehört
alles eroberte Land, soweit es nicht zweckgebunden
ist. dem Prinzeps (König, Fürst, Graf). Ein Graf
amtiert im Auftrage des Merowinger Königs auf der
befestigten Amelburg (Amöneburg). Von seinen
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Gefolgsleuten
erhält ein ausgewählter Gemeinfreier den Auftrag zu
einer Dorfsiedlung am Westrand des Amöneburger
Beckens, dicht neben dem Hochwald der Lahn berge. Als
Vertreter des niederen Adels begründet dieser das
Dorf und die Gemarkung Schröck, zusammen mit seinen
Sippengenossen und den am Ort verbliebenen
althessischen Bewohnern. Geräumig und reichlich mit
Gärten versehen sind die Hofraiten. Sie sind
persönliches Eigentum, während Wasser, Weide und
anschließender Wald gemeinschaftlich genutzt werden.
Die führende Familie erhält für sich ein
bevorzugtes Gelände westlich im heutigen Unterdorf
(zwischen Erbsen- und Marktgasse). Als Zugang zu
dieser behelfsmäßigen Curtisanlage diente die
Rüwegasse, während zu meiner Jugendzeit das noch
vorhandene sog. "Rüwehanse Mänerche" das
letzte Überbleibsel eines burgartigen Hauses war.
Die übrigen Hofraiten lagen etwas weiter östlich
von dem Haupthof, aufgelockert und mit Gärten
nebeneinander ohne Hauptstraßenverbindung, aber mit
Zufahrtsmöglichkeiten zu den Anwesen. Etwa hundert
Jahre mögen vergangen sein, bis diese Siedler
unterschiedlicher Herkunft und Veranlagung zu einer
echten Dorfgemeinschaft zusammenwuchsen (vgl. Karte:
Erstes Siedlungsbild). [S. 25 Bild / CD-ROM ]
7.
Die Einführung des Christentums
Im Jahre 721
erschien der aus England stammende Missionar Winfried
Bonifatius auf der Amöneburg bei den dort
residierenden Grafen, den Brudern DeoruIf und Dettik,
um in Hessen das Christentum einzuführen, und zwar
genau in der Form, wie er es in seiner
angelsächsischen Heimat kennengelernt hatte,
nämlich in enger Verbindung mit dem römischen
Papst. Bei seinen Verhandlungen mit den beiden
Amöneburger Grafen erwiesen sich mitgebrachte
Sendschreiben des Papstes und ein Geleitbrief des
fränkischen Hausmeiers Karl Martell als nützlich.
Wie uns der Bonifatius-Biograph berichtet, ließen
sich die beiden Grafen, denen die christliche Lehre
bereits bekannt war, mit einem großen Gefolge und
Tausenden vom übrigen Volk taufen. Unter den
Gefolgsleuten, die sich vom heiduischen Aberglauben
abwandten, war mit ziemlicher Sicherheit auch der
Dorfvorsteher von Schröck. Wir dürfen annehmen,
daß er mit seiner ganzen Gemeinde den christlichen
Glauben annahm, eine Kirche errichten ließ und als
Schutzpatron den Erzengel Michael wählte. Auch den
Pfarrer stellte er an und besoldete ihn, Diese
Folgerungen ergeben sich aus späteren Urkunden des
Schröcker Ortsadels, der bis in die Zeit der
Reformation das Patronatsrecht über die Kirche
ausgeübt hat (vgl. Karte: Nach Einführung des
Christentums).
(S. 25 Bild / CD-ROM)
[wird fortgesetzt]
[Anmerkungen:]
(4) Bach
A., Deutsche Namenskunde, Bd. 11, § 560, S. 232;
Arnold, W.; Ansiedlungen und Wanderungen deutscher
Stämme, 1884, S. 304 ff.; Schröter Edw., Deutsche
Namenskunde, S. 134 ff.
(5) Echard
Franz G., Haina, Regesten und Urkunden, Bd. 1, 1962,
Urkunde Nr. 29
(6) Reimer
H, Dr., Kurhessisches Ortslexikon, 1918, S. 432
Notizen zum Namen
"Schröck"
Der Name
"Schröck" ist ein sehr häufiger
Familienname ( zB www.Schroeck.de ).
Ein aufgegangenes
Dorf "Schröck" ist auf dem Gebiet von
Leopoldshafen aus der Keltenzeit bekannt. Die erste
urkundliche Erwähnung findet sich einem Dokument des
Klosters Maulbronn aus dem Jahre 1160.
Thorsten Hornung erklärt den Dorfnamen
"Schröck" mit "[althochdeutsch:
steiler Abhang]." und bemerkt: "Manche
Forscher glauben, daß Leopoldshafen - oder Schröck
- noch viel älter ist, und in grauer Vorzeit
Frechstett oder Freckanstetten hieß. Die Menschen in
Leopoldshafen lebten früher hauptsächlich vom
Handwerk, der Landwirtschaft und dem Rhein. Dieser
bot die Möglichkeit des Fischfangs und der
Goldwäscherei - und der Leopoldshafener Rheinhafen,
der bis 1914 als Kohlen-, Eisen-, Handels- und
Reisehafen diente, bot vielen Menschen Einkommen als
Hafenarbeiter. Nach dem 1. Weltkrieg wurde der Hafen
geschlossen (bzw. er zog nach Karlsruhe um). Seit dem
14. Jahrhundert verbindet bis heute eine Fähre das
badische Leopoldshafen mit dem pfälzischen
Leimersheim. Hafen und Fähre sorgten dafür, daß
Leopoldshafen früher badische Zollstation war. 1933
wurde zu Ehren des badischen Großherzogs Schröck in
Leopoldshafen umgetauft - Großherzog Leopold hatte
im Schröcker Hafen sein Dampfschiff in Dienst
gestellt. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde im
Hardtwald von Leopoldshafen das
Kernforschungszentrum" (heute
Forschungszentrum Karlsruhe") gebaut.
Dadurch zogen viele Techniker, Ingenieure und
Wissenschaftler aus ganz Deutschland nach
Leopoldshafen, die auch den Segelsport mit in unseren
Ort brachten. 1963 wurde die Segelkameradschaft
Leopoldshafen gegründet - seither halten 150
Mitglieder das segelsportliche Leben in
"Schröck" aufrecht. Das Wappen der SKL ist
übrigens das alte Wappen Leopoldshafens und zeigt
einen Fährmann mit Rheinfähre - und nicht, wie
viele denken, ein antikes Segelboot... (Zitiert nach http://home.t-online.de/home/fam.hornung/ljmgeschichte.html mit der Notiz: "
Letzte Änderung: 11. August 1998" am 30.12.1999 , Ortsgeschichte von Eggenstein und Leopoldshafen
http://www.eggleo.de/spd/hafen/tafel.htm
, Zit.01-08-18)
Christenberg. Hier befindet sich eine der ältesten
Siedlungen im Marburger Raum. Schon in der
Jungsteinzeit (ca. 5000-1800 v. Chr.) war der
Christenberg besiedelt oder wurde als Fluchtort
genutzt. Die vierzig Hügelgräber nordwestlich des
Plateaus wurden um 600 v. Chr. in der Eisenzeit
gebaut. Im 4. und 3. Jahrhundert v. Chr. hatte hier
vermutlich ein Keltenfürst seinen Sitz. Vom
Christenberg aus hat man einen großartigen Ausblick.
Inmitten der Wallanlage steht noch die romanische St.
Martinskirche mit Bauelementen vom 11. bis zum 19.
Jahrhundert.
Amöneburg.
Der Basaltkegel, auf dem sich die Stadt befindet, ist
durch Vulkanausbrüche des Vogelsberges entstanden.
360 Meter hoch ragen Stadt und Burg aus dem
Amöneburger Becken heraus. Seit 5000 Jahren ist das
Gebiet besiedelt. Bis ins 19. Jahrhundert gab es
Konflikte mit den hessischen Landgrafen, da man im
Unterschied zu ihnen nicht protestantisch geworden
war und zum Erzbistum Mainz gehörte. Der Fluß Ohm
gab der Stadt den Namen. "Amanaburg"
nannten sie die Kelten, die die Burg um 450 v. Chr.
zur Stadt ausbauten. Der angelsächsische Bischof und
Missionar Bonifatius gründete hier im Jahr 721
Kloster und Kirche. Im Heimatmuseum in der Schulgasse
ist die Geschichte der Burgstadt dokumentiert. Das
Amöneburger Becken gehört zu den trockensten
hessischen Gebieten. Zwei Naturschutzgebiete am Nord-
und Südhang bieten hier einen Lebensraum für
wärmeliebende Tiere und Pflanzen, die sonst in
Hessen nirgendwo vorkommen.
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