|
||||||||||||
| Pfarrer in Schröck | ||||||||||||
Karl Wess |
||||||||||||
Pfarrer Karl Wess Wess, Karl Pfarrer in Schröck von 1937 bis 1948 |
|
|||||||||||
Erinnerungen aus der Zeit von 1937 bis 1948 Als ich im Pfarrhaus in Schröck bei Pfr. Franz Karl Weß tätig war Pfarrer Weß war ein eifriger guter Priester und Seelsorger, und ebenso als Mensch in seiner feinen taktvollen Art sehr beliebt und geschätzt. Als aber Anfang der vierziger Jahre mit einer Gruppe Siegesgewisser mit Schikanen und Hetze immer mehr gearbeitet wurde, und der Druck auf den Pfarrer stets größer wurde, was mit viel Ärger verbunden war, wußte man nicht, ob wir den nächsten Tag noch erleben würden. So wurden für die angesetzten Religionsstunden die er hielt, die Schüler für besondere Aufgaben bestellt, wie Kartoffelkäfer suchen, Tee sammeln von Schafgarbe, Brombeerblätter usw. Dies wurde von der Schulleitung festgesetzt und meistens zu den Religionsunterrichtszeiten. Im Frühjahr 1943 ging seine Nichte zur ersten hl. Kommunion, die wir schon mit 5 Jahren angenommen hatten, da ihre Mutter verstorben war und ihr Vater im Kriegsdienst stand, da geschah es, dass in aller Frühe die Gendarmen kamen und die Hühner zählten, da waren zwei zu viel und es wurde Anzeige erstattet (wir hatten sie für diesen Tag reserviert). Aber Rat und Hilfe fand Herr Pfarrer bei Martin Cloos in Moischt, einem evangelischen Christ (in dieser Zeit anzurechnen). Er war Ortsvorsitzender des Bauernverbandes Marburg, hat uns aber immer zur Seite gestanden, wenn er nur helfen konnte. Einige Zeit später wurde ich als Haushaltshilfe zur Familie Bambay geschickt (dem Pfarrer stand keine zweite Kraft zu). Dort waren 5 Kinder und der Vater zu versorgen, die Mutter weg, erkrankt an TB, später wurde auch der Mann krank, die Frau starb. Die Schwester von Pfr. Weß war kränklich und mußte dann zur Kur, da hatte ich die zwei Haushalte, was unmöglich war. Die Bambay Sache wurde geregelt und ich war frei. Aber es dauerte nicht lange Frl. Weß war noch nicht gesund sollte ich für halbe Tage beim Bauer (Rübenhannes) eingesetzt werden, das konnten wir uns absprechen wenn nötig (wie Rüben und Kartoffeln hacken und ernten). Für 1 Tag Kartoffellesen gab es einen Sack Kartoffeln, die wir aus Angst noch versteckt haben. Selbst der Hund wurde mit Steinen beworfen, dass er verenden mußte. Nach dem Krieg gingen die Unruhen noch immer weiter, wahrscheinlich durch die Entnazifizierung, (Enthebung des Bürgermeisters und Übertragung an einen kommisarisch eingesetzten Bürgermeister übergeben). Es waren im Dorf große Uneinigkeiten entstanden die das Gemeindeleben aber auch den Pfarrer sehr belasteten, so dass der Pfarrer Dechant Möller von Amöneburg zum Hochamt bestellte, um den Schröckern ins Gewissen zu reden. Sonntags hingen oft Gedichte an (Haferhanse Scheune) da war auch immer der Pfarrer mit drin, ein Vers ist mir noch klar in Erinnerung. "Der gute Hirt predigt all Sonntag wie man dem Feind verzeihen mag, doch selber geht ihn das nichts an, das sieht man seiner Rache an. Es folgten noch viele Verse, die ich nicht mehr kenne. Solche Reime waren dann immer Triumpf am Sonntag darauf und auch sehr lange, es ging meistens um den Bürgermeisterposten, Lehrer und verschiedene Bauern. Erst 1948 als Pfr. Weß plötzlich gestorben war, schlug die Bombe ein. "Sie haben ihn tot geärgert" hieß es dann und es war sicher auch etwas dran. Gott hatte es so gefügt, dass die Gemeinde in sich ging. 57 Jahre alt und man kann sagen "ein Opfer der Nazis". Es gab aber auch viele gute Leute, die es ehrlich meinten und über vieles hinweg halfen. Dieses schrieb nach über 50 Jahren, ehemalige Hausangestellte im Pfarrhaus zu Schröck. Helene Ruhl
|
||||||||||||
|
||||||||||||