Mk, 6,7-13 15.Sonntag i. Jahreskreis / Lj. B
,Schröck 12.07.1997
Liebe Schwestern, liebe Brüder!
Wenn ich jetzt schon wieder vom sogenannten
"Priestermangel" rede, dann
werden viele denken: "Nicht schon wieder!".
Ich hätte auch kein neues Wort
darüber verloren, wenn in der letzten Woche uns
nicht Hr. Ziegler vom
Katholikenrat in Fulda besucht hätte. In unserem
Mitarbeiterkreis hat er
die Initiative unseres Weihbischofs Johannes Kapp
erinnert, ein Bündnis
der Berufungen zu schließen, ein Bündnis zwischen
denen die in den
Gemeinden, für die Gemeinden arbeiten. Und er hat
noch einmal die
Prognosen genannt: In 7 Jahren hat jede 4. Pfarrei
zwischen Hann.Münden
und Frankfurt keinen eigenen Pfarrer mehr.
Im Evangelium kann Jesus die Jünger noch zu zweit
aussenden - aber über den
Sommer verlieren die ersten Pfarreien im Bistum Fulda
ihren Pfarrer und
erhalten keine Nachfolger.
Ja, und wenn da niemand mehr zu schicken ist, dann
muß man sich umschauen.
Schröck und Moischt hat einen Pfarrer. Alt ist er
auch noch nicht. Was
also noch?
Ahnen Sie schon, was kommt?--- Ich möchte Arbeit
verteilen. Nein, ich
möchte Sie nur daran erinnern, daß Sie und ich das
Wort des Herrn gehört
haben. Und ich möchte Sie daran erinnern, das Jesus
anfing, alle seine
Jünger auszusenden, immer zwei und zwei... keinen
allein. Sie sollten
predigen, die unreinen Geister austreiben... sie
sollten missionieren.
Und ich denke, daß ist wichtig, denn immer noch sind
die Dämonen mächtig.
Jesus und die Jünger haben noch allerhand Arbeit!
Nach fast 2000 Jahren
christlicher Verkündigung geht die Arbeit und die
Sendung nicht zu Neige:
Im Gegenteil. Wir haben allerhand zu tun!
Die Liebe Gottes gilt allen Menschen! Aber das hat
sich noch nicht überall
herumgesprochen, kein Kontinent auf dieser Erde wo
nicht ein Mensch dem
anderen den Garaus machen willen, wo der Reiche dem
Armen das Brot
stiehlt, Millionen Menschen auf der Flucht sind.
Wer kennt nicht die Frauen und Männer, die besessen
sind von Streit und
Neid, von Zwietracht und Zank. Es sind immer noch
Dämonen am Werk, wenn
Menschen einteilen in richtig und falsch, in gut und
böse, in erfolgreich
und mangelhaft, passend und unpassend, Du gehörst
dazu - mit Dir will ich
nichts zu schaffen haben.
Es sind immer noch Dämonen am Werk, wie manche in
unserem Land plötzlich
Angst vor Ausländern und Andersfarbigen haben, wie
sie ängstlich
wegschauen, sich einigeln und den Kopf in den Sand
stecken vor Gewalt und
Intoleranz.
Es scheint zuweilen dämonisch, wie in unserem
Rechtsstatt über das Leben
Ungeborener Kinder verhandelt wird, wie mit dem Leben
gespielt und
gerechnet wird...
Ach, und wer versucht nicht an Menschen
herumzumanipulieren und zu
erziehen.
Und ich selbst? Welcher Dämon drangsaliert mich?
Fragen Sie mal nach? Die
Langeweile, der Geiz? Die Lieblosigkeit? Konsum?
Fernsehen?
Geschwätzigkeit? Und ich bin sicher, noch lange
nicht alle bösen Geister
aufgezählt zu haben...
Jesus sendet seine Jünger aus, damit sie diesem Spuk
ein Ende bereiten.
"Umkehr" ist nicht, du darfst nicht, du
mußt, du sollst - Die frohe
Botschaft Jesu ist die Liebe Gottes: Es ist gut, daß
es dich gibt! Deine
Freiheit ist Gottes Geschenk! Liebe Gott und deinen
Nächsten. Und
Weihbischof Johannes Kapp hat das vor Jahren mal in
einer Predigt so
gesagt: Jeder, der hier in der Kirche sitzt - es war
der große Dom - er
soll versuchen übers Jahr einen weiteren
mitzubringen, wiederzubringen, zu
begeistern... in einem Jahr.
In aller Einfachheit sendet Jesus uns: Allen Ballast
sollen wir
zurücklassen, damit wir ungehindert den Menschen
begegnen können. Und ich
habe auch schon darüber nachgedacht, daß manche
Menschen das Übergewicht
eines falschen Gottesbildes zurücklassen müssen,
die Last religiöser
Engstirnigkeit und unchristlicher Hartherzigkeit.
Ganz im Ernst.
Martin Buber erzählt eine schöne Geschichte aus dem
Osten. Etliche
Chassidim aus Reußen kamen zu dem großen Maggid und
klagten ihm, der weite
Weg verbiete es ihnen, sooft es ihnen not sei, zu ihm
nach Mesritsch zu
fahren, und in den langen Zwischenzeiten stünden sie
ohne Lehrer und
Führer. - also Priestermangel - Der Maggid gab ihnen
seinen Gürtel und
seinen Stab und sprach: "Bringt dies dem Mann
Mendel in der Stadt
Witebek." In Witebeck angelangt, erkundigten sie
sich in allen Gassen nach
Rabbi Mendel; aber überall wurden sie beschieden,
man kenne hierorts
keinen solchen. Eine Frau, die sie umherforschen sah,
fragte sie, was sie
suchten. "Den Rabbi Mendel", antworteten
sie. "Einen Rabbi solchen
Namens", sagte sie, "haben wir hier nicht;
aber Mendeles gibt es bei uns
wahrhaft mehr als genug; mein eigener Schwiegersohn
heißt Mendele." Da
verstanden die Chassidim, daß sie zu diesem gesandt
waren. Sie folgten der
Frau in ihr Haus und übergaben ihrem Schwiegersohn
den Gürtel und den
Stab. Er legte den Gürtel um sein Mitte und
umschloß mit seiner Hand die
Krücke des Stabs. Sie sahen ihn an und erkannten ihn
nicht wieder. Ein
anderer Mann stand vor ihnen, in Gottes Macht
gekleidet, und Gottes Furcht
erhob ihre Herzen. (M. Buber, Die
Erzählungen der Chassidkim, Zürich 1949,
295).
Schwestern und Brüder! Einen Mann Namens
"Mendele" habe ich in unserer
Pfarrkartei nicht gefunden. Könnte es sein, daß die
Geschichte meint: Aus
jedem von euch will der Herr einen Verkünder der
Botschaft machen.
In der Taufe haben wir den Boden unter den Füßen
erhalten, die Sandalen,
mit denen wir uns aufmachen sollen. In der
Eucharistie sind wir gegürtet
mit der Speise für das Leben. In der Firmung haben
wir den Stab erhalten -
Jeder Christenmensch, ob Mann, ob Frau, ob Kind, ob
Greis: sie haben Kraft
und Auftrag - es geht nicht mehr an, allein in der
Kirchenbank zu sitzen
oder schon gar nicht mehr dahin zu gehen.
Jeder ist gesandt und davon haben wir 1248 in der
Pfarrkartei und auch
neue Kandidaten, die dazukommen wollen. Dank sei
Gott. Amen.
Pfarrer Stefan Krönung