PfarreiiSchröckx2006
St. Michael & St. Elisabeth
 
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Eine alte Predigt....

 


Mk, 6,7-13 15.Sonntag i. Jahreskreis / Lj. B ,Schröck 12.07.1997

Liebe Schwestern, liebe Brüder!
Wenn ich jetzt schon wieder vom sogenannten "Priestermangel" rede, dann
werden viele denken: "Nicht schon wieder!". Ich hätte auch kein neues Wort
darüber verloren, wenn in der letzten Woche uns nicht Hr. Ziegler vom
Katholikenrat in Fulda besucht hätte. In unserem Mitarbeiterkreis hat er
die Initiative unseres Weihbischofs Johannes Kapp erinnert, ein Bündnis
der Berufungen zu schließen, ein Bündnis zwischen denen die in den
Gemeinden, für die Gemeinden arbeiten. Und er hat noch einmal die
Prognosen genannt: In 7 Jahren hat jede 4. Pfarrei zwischen Hann.Münden
und Frankfurt keinen eigenen Pfarrer mehr.

Im Evangelium kann Jesus die Jünger noch zu zweit aussenden - aber über den
Sommer verlieren die ersten Pfarreien im Bistum Fulda ihren Pfarrer und
erhalten keine Nachfolger.

Ja, und wenn da niemand mehr zu schicken ist, dann muß man sich umschauen.
Schröck und Moischt hat einen Pfarrer. Alt ist er auch noch nicht. Was
also noch?
Ahnen Sie schon, was kommt?--- Ich möchte Arbeit verteilen. Nein, ich
möchte Sie nur daran erinnern, daß Sie und ich das Wort des Herrn gehört
haben. Und ich möchte Sie daran erinnern, das Jesus anfing, alle seine
Jünger auszusenden, immer zwei und zwei... keinen allein. Sie sollten
predigen, die unreinen Geister austreiben... sie sollten missionieren.

Und ich denke, daß ist wichtig, denn immer noch sind die Dämonen mächtig.
Jesus und die Jünger haben noch allerhand Arbeit! Nach fast 2000 Jahren
christlicher Verkündigung geht die Arbeit und die Sendung nicht zu Neige:
Im Gegenteil. Wir haben allerhand zu tun!

Die Liebe Gottes gilt allen Menschen! Aber das hat sich noch nicht überall
herumgesprochen, kein Kontinent auf dieser Erde wo nicht ein Mensch dem
anderen den Garaus machen willen, wo der Reiche dem Armen das Brot
stiehlt, Millionen Menschen auf der Flucht sind.

Wer kennt nicht die Frauen und Männer, die besessen sind von Streit und
Neid, von Zwietracht und Zank. Es sind immer noch Dämonen am Werk, wenn
Menschen einteilen in richtig und falsch, in gut und böse, in erfolgreich
und mangelhaft, passend und unpassend, Du gehörst dazu - mit Dir will ich
nichts zu schaffen haben.

Es sind immer noch Dämonen am Werk, wie manche in unserem Land plötzlich
Angst vor Ausländern und Andersfarbigen haben, wie sie ängstlich
wegschauen, sich einigeln und den Kopf in den Sand stecken vor Gewalt und
Intoleranz.

Es scheint zuweilen dämonisch, wie in unserem Rechtsstatt über das Leben
Ungeborener Kinder verhandelt wird, wie mit dem Leben gespielt und
gerechnet wird...

Ach, und wer versucht nicht an Menschen herumzumanipulieren und zu
erziehen.

Und ich selbst? Welcher Dämon drangsaliert mich? Fragen Sie mal nach? Die
Langeweile, der Geiz? Die Lieblosigkeit? Konsum? Fernsehen?
Geschwätzigkeit? Und ich bin sicher, noch lange nicht alle bösen Geister
aufgezählt zu haben...

Jesus sendet seine Jünger aus, damit sie diesem Spuk ein Ende bereiten.
"Umkehr" ist nicht, du darfst nicht, du mußt, du sollst - Die frohe
Botschaft Jesu ist die Liebe Gottes: Es ist gut, daß es dich gibt! Deine
Freiheit ist Gottes Geschenk! Liebe Gott und deinen Nächsten. Und
Weihbischof Johannes Kapp hat das vor Jahren mal in einer Predigt so
gesagt: Jeder, der hier in der Kirche sitzt - es war der große Dom - er
soll versuchen übers Jahr einen weiteren mitzubringen, wiederzubringen, zu
begeistern... in einem Jahr.

In aller Einfachheit sendet Jesus uns: Allen Ballast sollen wir
zurücklassen, damit wir ungehindert den Menschen begegnen können. Und ich
habe auch schon darüber nachgedacht, daß manche Menschen das Übergewicht
eines falschen Gottesbildes zurücklassen müssen, die Last religiöser
Engstirnigkeit und unchristlicher Hartherzigkeit. Ganz im Ernst.

Martin Buber erzählt eine schöne Geschichte aus dem Osten. Etliche
Chassidim aus Reußen kamen zu dem großen Maggid und klagten ihm, der weite
Weg verbiete es ihnen, sooft es ihnen not sei, zu ihm nach Mesritsch zu
fahren, und in den langen Zwischenzeiten stünden sie ohne Lehrer und
Führer. - also Priestermangel - Der Maggid gab ihnen seinen Gürtel und
seinen Stab und sprach: "Bringt dies dem Mann Mendel in der Stadt
Witebek." In Witebeck angelangt, erkundigten sie sich in allen Gassen nach
Rabbi Mendel; aber überall wurden sie beschieden, man kenne hierorts
keinen solchen. Eine Frau, die sie umherforschen sah, fragte sie, was sie
suchten. "Den Rabbi Mendel", antworteten sie. "Einen Rabbi solchen
Namens", sagte sie, "haben wir hier nicht; aber Mendeles gibt es bei uns
wahrhaft mehr als genug; mein eigener Schwiegersohn heißt Mendele." Da
verstanden die Chassidim, daß sie zu diesem gesandt waren. Sie folgten der
Frau in ihr Haus und übergaben ihrem Schwiegersohn den Gürtel und den
Stab. Er legte den Gürtel um sein Mitte und umschloß mit seiner Hand die
Krücke des Stabs. Sie sahen ihn an und erkannten ihn nicht wieder. Ein
anderer Mann stand vor ihnen, in Gottes Macht gekleidet, und Gottes Furcht
erhob ihre Herzen
. (M. Buber, Die Erzählungen der Chassidkim, Zürich 1949,
295).

Schwestern und Brüder! Einen Mann Namens "Mendele" habe ich in unserer
Pfarrkartei nicht gefunden. Könnte es sein, daß die Geschichte meint: Aus
jedem von euch will der Herr einen Verkünder der Botschaft machen.
In der Taufe haben wir den Boden unter den Füßen erhalten, die Sandalen,
mit denen wir uns aufmachen sollen. In der Eucharistie sind wir gegürtet
mit der Speise für das Leben. In der Firmung haben wir den Stab erhalten -
Jeder Christenmensch, ob Mann, ob Frau, ob Kind, ob Greis: sie haben Kraft
und Auftrag - es geht nicht mehr an, allein in der Kirchenbank zu sitzen
oder schon gar nicht mehr dahin zu gehen.
Jeder ist gesandt und davon haben wir 1248 in der Pfarrkartei und auch
neue Kandidaten, die dazukommen wollen. Dank sei Gott. Amen.
Pfarrer Stefan Krönung

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März 1999