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St. Michael & St. Elisabeth
 
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Predigt in der Schröcker Pfarrkirche (c) 1995-2001
Sonntagspredigt
Anmerkung | Predigt aktuell bei HITRadioFFH www.ffh.de

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

Pfingsten 2000

Ein Bild. Der Mond wirft sein Licht auf die Erde. Er hat es nicht aus sich heraus. Er hat es von der gewaltigen Sonne. Immer wieder nimmt er für unsere Augen zu, bis er ein großer Runder Spiegel ist, dann wird er kleiner und es bleibt die finstre Nacht. Das geschieht im immer wiederkehrenden Rhythmus. Immer wieder.

Für die alte Kirche ist das Bild und Gleichnis gewesen.

Das Bild vom Sterben und Auferstehen des Mondes in regelmäßigen Abständen – das haben sie auf das Sterben und Auferstehen der Kirche übertragen. Sie sagten: Wie der Mond in der Natur dazu da ist, das Licht der Sonne aufzunehmen, es in die Nacht auszustrahlen, damit auch in der Nacht Orientierung möglich ist – So ist die Kirche in der Menschheit da! Sie hat die Aufgabe das starke Licht des Evangeliums aufzunehmen und weiterzugeben. Sie hat die Botschaft von Gottes großer und zuvorkommender Liebe aufzunehmen und in die Nacht der Menschheit hineinzustrahlen. Was also der Mond in der Natur ist, das ist die Kirche im Gang der Menschheitsgeschichte. Ein klares Bild. Ein deutliches Bild!

Entscheidend: Der Mond muß dabei aber in rhythmischen Abständen sterben.Er muß verschwinden –um als "Neumond" wieder zum "Vollmond" werden zu können.

Und die Kirchengeschichte dazu: Auch sie muß immer wieder in ihrer jeweils historischen Gestalt, geworden, gewachsen, überwuchert, eingetrocknet... egal. Sie muß sterben. Sterben, um dann neu im Glanz der Sonne des Evangeliums aufzugehen.

Ganz wie an Ostern. Die Lehre vom Sterben und der Auferstehung, vom Tod und von der Wiedergeburt, die künden wir an Ostern – kein Wunder, dass auch an Pfingsten gültig ist!
Kein Wunder, daß die Kirchengeschichte so eng verbunden ist – mit der Jesusgeschichte.
Kein Wunder, daß in Asien, Lateinamerika und an vielen Stellen in Afrika, die Kirche auflebt.
Und - Keine Angst, wenn für unser Land der abnehmende Mond allen, die sich mit Entwicklungen, Zahlen und Fakten auseinandersetzen, klar und deutlich wird.

  • Für die Kirche steht in unserem Land das Exil an – die Diaspora. Für viele ist das gar nicht so neu, andere werden sich umstellen. Im Dorf ist Kirche nicht mehr alles. Wir sind je nach Grenzziehung eine Minderheit und werden es gewiß noch werden. Und wie es "früher" einmal war, das können wir uns dann noch an Fronleichnam ansehen. Für das wahre Gesicht empfehle ich die Frühmesse am Donnerstag.
  • Und dabei hat es die Kirche geschafft. Es geht zuende mit dem Christentum in Europa, weil es sich aufmacht zur Weltkirche, eigentlich jetzt erst nach bald 2000 Jahren. Zum erstenmal in der Geschichte werden wir "katholisch". Jüdisch und Griechisch haben wir begonnen, europäisch waren wir im Mittelalter in... einigen Jahrzehnten sind drei Viertel der Christen auf allen anderen Kontinenten zu Hause.
  • Es stirbt das Christentum der Konfessinen und Glaubenskriege. Wir sind unterwegs zu einer neuen Kultur des Miteinander. Wir werden aufgeschlossen für andere Kulturen und Religionen.
  • Wir nehmen Abschied von "Hochwürden" – wir verlieren die "Heiligen Väter" – wir kommen ab vom "Oberhirten" weil wir das "allgemeine Priestertum aller Glaubenden" und die "Freiheit eines Christenmenschen" realisieren.. Noch nie hat es in der Kirche so zahlreich engagierte, kompetente und entschiedene sog. Laien gegeben. Kein Wunder, dass es genau an diesem Punkt immer wieder zu Streit und Zank kommt, denn wer nimmt schon gerne Abschied von Machtpositionen und Gepflogenheiten.
  • Vorbei wird es bald sein mit dem "Hokuspokus" – der Verwechslung von Innerlichkeit mit Äußerlichkeit. Wir besitzen keine Zauberkraft und haben den lieben Gott nicht in unseren Büchern und Geschichten gepachtet. Aber wir werden innerlich und kraftvoll, wenn wir uns auf den Weg der Glaubwürdigkeit, der Gotteserfahrung und der echten Nächstenliebe machen. Eigentlich merkwürdig, dass da noch niemand früher draufgekomem ist....

Ja, unsere historische, alte, müde gewordene Kirche in Deutschland und vielleicht auch in Europa liegt im Sterben. Das ist nicht zum Lachen. Denn das Abschiednehmen ist hier – wie in unserem eigenen und persönlich gewordenen Leben keine leichte Aufgaben. Dazu gehören die Tränen, die Verzweiflung, die Mutlosigkeit ... und das Vertrauen. Das ganz feste Vertrauen.

Für mich ist deutlich geworden: Es gibt viel Grund zur Hoffnung, es gibt viel vom Neuanfang – es wird mit dem Feuer des Heiligen Geist, mit der Kraft und Macht des Gottesgeistes die neue Gestalt auferstehen, um dem Evangelium von der Menschenfreundlichkeit unseres Gottes zum Glanz zu verhelfen.

Ich lade Sie ein, daran mitzutun. Ärgern Sie sich nicht, wenn sie ihre "liebgewordene" Gottesdienstzeit nicht mehr präsentiert bekommen – suchen sie die Feier des Glaubens, die nicht an Ort und Zeit gebunden ist und seien sie dabei mit Herz und Herzlichkeit!

Ärgern Sie sich nicht, wenn sie nicht mehr "pastoral" oder "seelsorglich" bedient werden, der "Oberkellner" ist selten geworden - werden sie selbst Dienerin und Diener Jesu Christi. Wenn Sie fragen wie das gehen soll: Blicken sie auf unsere heilige Elisabeth. Sie hats begriffen und ergriffen.

Ja, der Mond ist aufgegangen. Kirche lebt in der Herzen der Menschen. In ihr lebt Gottes Geist. Ich wünsche uns frohe und gesegnete Pfingsten im Heiligen Jahr 2000.

 

Weitere Predigten:

HitRadioFFH (Predigt aktuell 19.7.98, ca. 8.25 Uhr)
Fest der Heiligen Familie 27.12.98, ca. 8.25 Uhr

Predigt aktuell bei HITRadioFFH www.ffh.de
http://www.bistum-fulda.de/bistum/presse_medien/Rundfunk/privater_Rundfunk.shtml?navid=180


Anmerkung: Die hier veröffentlichten Texte geben in der Regel das Manuskript der Predigt wieder, die am genannten Tag von mir in der Pfarrkirche Schröck gehalten wurde. Seit September 1996 bin Pfarrer an dieser schönen Barockkirche. Für den Wortlaut kann ich keine Garantie übernehmen, es gilt das Gesprochene. Fehler der Orthographie oder Grammatik liegen außerhalb jeder Haftung. Die unten angeführten "Predigtdienste" dienen nicht selten als Quellenangabe.

Geschichte: Diesen Dienst betreibe ich seit einigen Jahren. Zuerst wurden die Ansprachen und Predigten in der "Credo!Box, der frömmsten Mailbox Kassels" (1994-96) veröffentlicht. Das war eine Mailbox, die im Pfarrhaus in Kassel auf einem ausrangierten Rechner 386/40 Mhz schnurrte und über das Netzwerk »Churchmail die Verbindung in die weite Welt hielt. Seit November 1995 bis heute spiegle ich das Wort im weltweiten Internet.
Als ich in den ersten Sommertagen 1998 die Predigtkonvertierung einstellen wollte, haben mich zahlreiche Reaktionen davon abgehalten. Es hat den Anschein, als ob eine Internetpredigt echt einen "Klick" wert ist.

Feedback an Stefan Kroenung. Persönliche Anmerkungen und Ergänzungen erlaubt und erwünscht!
Weitere aktuelle Predigten zu den Sonntagen und zum Kirchenjahr finden sich in der immer noch funktionierenden
Credo!Box (Jetzt: "Christliche Mailbox in Oberhessen" /bis2003/ ) im Brett CREDOBOX/PREDIGT.


Weitere Predigtdienste im Internet

http://www.redemptoristen.at/links/links.php?menuid=158&topmenu=189&keepmenu=inactive

Weitere Bibelausgaben zB: Die Elektronische Bibel-Konkordanz im Internet ( www.churchmail.de
Die Einheitsübersetzung der Bibel online lesen: http://dbk.de/bibel/
 

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 Update 10.04.06