Pfingsten 2000
Ein Bild. Der Mond wirft sein
Licht auf die Erde. Er hat es nicht aus sich heraus.
Er hat es von der gewaltigen Sonne. Immer wieder
nimmt er für unsere Augen zu, bis er ein großer
Runder Spiegel ist, dann wird er kleiner und es
bleibt die finstre Nacht. Das geschieht im immer
wiederkehrenden Rhythmus. Immer wieder.
Für die alte Kirche ist das
Bild und Gleichnis gewesen.
Das Bild vom Sterben und
Auferstehen des Mondes in regelmäßigen Abständen
das haben sie auf das Sterben und Auferstehen
der Kirche übertragen. Sie sagten: Wie der Mond in
der Natur dazu da ist, das Licht der Sonne
aufzunehmen, es in die Nacht auszustrahlen, damit
auch in der Nacht Orientierung möglich ist So
ist die Kirche in der Menschheit da! Sie hat die
Aufgabe das starke Licht des Evangeliums aufzunehmen
und weiterzugeben. Sie hat die Botschaft von Gottes
großer und zuvorkommender Liebe aufzunehmen und in
die Nacht der Menschheit hineinzustrahlen. Was also
der Mond in der Natur ist, das ist die Kirche im Gang
der Menschheitsgeschichte. Ein klares Bild. Ein
deutliches Bild!
Entscheidend: Der Mond muß
dabei aber in rhythmischen Abständen sterben.Er muß
verschwinden um als "Neumond" wieder
zum "Vollmond" werden zu können.
Und die Kirchengeschichte dazu:
Auch sie muß immer wieder in ihrer jeweils
historischen Gestalt, geworden, gewachsen,
überwuchert, eingetrocknet... egal. Sie muß
sterben. Sterben, um dann neu im Glanz der Sonne des
Evangeliums aufzugehen.
Ganz wie an Ostern. Die Lehre
vom Sterben und der Auferstehung, vom Tod und von der
Wiedergeburt, die künden wir an Ostern kein
Wunder, dass auch an Pfingsten gültig ist!
Kein Wunder, daß die Kirchengeschichte so eng
verbunden ist mit der Jesusgeschichte.
Kein Wunder, daß in Asien, Lateinamerika und an
vielen Stellen in Afrika, die Kirche auflebt.
Und - Keine Angst, wenn für unser Land der
abnehmende Mond allen, die sich mit Entwicklungen,
Zahlen und Fakten auseinandersetzen, klar und
deutlich wird.
- Für die Kirche steht in
unserem Land das Exil an die Diaspora.
Für viele ist das gar nicht so neu, andere
werden sich umstellen. Im Dorf ist Kirche
nicht mehr alles. Wir sind je nach
Grenzziehung eine Minderheit und werden es
gewiß noch werden. Und wie es
"früher" einmal war, das können
wir uns dann noch an Fronleichnam ansehen.
Für das wahre Gesicht empfehle ich die
Frühmesse am Donnerstag.
- Und dabei hat es die
Kirche geschafft. Es geht zuende mit dem
Christentum in Europa, weil es sich aufmacht
zur Weltkirche, eigentlich jetzt erst nach
bald 2000 Jahren. Zum erstenmal in der
Geschichte werden wir "katholisch".
Jüdisch und Griechisch haben wir begonnen,
europäisch waren wir im Mittelalter in...
einigen Jahrzehnten sind drei Viertel der
Christen auf allen anderen Kontinenten zu
Hause.
- Es stirbt das Christentum
der Konfessinen und Glaubenskriege. Wir sind
unterwegs zu einer neuen Kultur des
Miteinander. Wir werden aufgeschlossen für
andere Kulturen und Religionen.
- Wir nehmen Abschied von
"Hochwürden" wir verlieren
die "Heiligen Väter" wir
kommen ab vom "Oberhirten" weil wir
das "allgemeine Priestertum aller
Glaubenden" und die "Freiheit eines
Christenmenschen" realisieren.. Noch nie
hat es in der Kirche so zahlreich engagierte,
kompetente und entschiedene sog. Laien
gegeben. Kein Wunder, dass es genau an diesem
Punkt immer wieder zu Streit und Zank kommt,
denn wer nimmt schon gerne Abschied von
Machtpositionen und Gepflogenheiten.
- Vorbei wird es bald sein
mit dem "Hokuspokus" der
Verwechslung von Innerlichkeit mit
Äußerlichkeit. Wir besitzen keine
Zauberkraft und haben den lieben Gott nicht
in unseren Büchern und Geschichten
gepachtet. Aber wir werden innerlich und
kraftvoll, wenn wir uns auf den Weg der
Glaubwürdigkeit, der Gotteserfahrung und der
echten Nächstenliebe machen. Eigentlich
merkwürdig, dass da noch niemand früher
draufgekomem ist....
Ja, unsere historische, alte,
müde gewordene Kirche in Deutschland und vielleicht
auch in Europa liegt im Sterben. Das ist nicht zum
Lachen. Denn das Abschiednehmen ist hier wie
in unserem eigenen und persönlich gewordenen Leben
keine leichte Aufgaben. Dazu gehören die Tränen,
die Verzweiflung, die Mutlosigkeit ... und das
Vertrauen. Das ganz feste Vertrauen.
Für mich ist deutlich
geworden: Es gibt viel Grund zur Hoffnung, es gibt
viel vom Neuanfang es wird mit dem Feuer des
Heiligen Geist, mit der Kraft und Macht des
Gottesgeistes die neue Gestalt auferstehen, um dem
Evangelium von der Menschenfreundlichkeit unseres
Gottes zum Glanz zu verhelfen.
Ich lade Sie ein, daran
mitzutun. Ärgern Sie sich nicht, wenn sie ihre
"liebgewordene" Gottesdienstzeit nicht mehr
präsentiert bekommen suchen sie die Feier des
Glaubens, die nicht an Ort und Zeit gebunden ist und
seien sie dabei mit Herz und Herzlichkeit!
Ärgern Sie sich nicht, wenn
sie nicht mehr "pastoral" oder
"seelsorglich" bedient werden, der
"Oberkellner" ist selten geworden - werden
sie selbst Dienerin und Diener Jesu Christi. Wenn Sie
fragen wie das gehen soll: Blicken sie auf unsere
heilige Elisabeth. Sie hats begriffen und ergriffen.
Ja, der Mond ist aufgegangen.
Kirche lebt in der Herzen der Menschen. In ihr lebt
Gottes Geist. Ich wünsche uns frohe und gesegnete
Pfingsten im Heiligen Jahr 2000.
Weitere Predigten:
HitRadioFFH (Predigt
aktuell 19.7.98, ca. 8.25 Uhr)
Fest der Heiligen Familie 27.12.98, ca. 8.25 Uhr
Predigt aktuell bei HITRadioFFH
www.ffh.de
http://www.bistum-fulda.de/bistum/presse_medien/Rundfunk/privater_Rundfunk.shtml?navid=180