Die Feier der Trauung .
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Hochzeitszeitung

Tafelsatzung 1673 | Eherezept

 

Tafelsatzung Anno 1673

Die geladenen Gäste sind gehalten sich gegenseitig eines
feinen und wohlanständigen Benehmens zu befleißigen.
Fürnehmlich soll jedermann seinen Nachbarn, so bei der
Tafel neben ihm sitzt, mit Gunst behandeln, selbigen mit
allem, so zu des Leibes Notdurft gehört, eifrigs versorgen
und ihm Speiß und Trank durch allerlei kurzweilig 
Zwiegespräch zu versüßen suchen.

Wer solch Gebot nicht achtet, seinen Nachbarn bey Tische
stößet und bedrängt, ihm saftige Stücklein vom Teller
wegstibitzet und seinen Wein wegrinket, desgleichen wer
seines Nachbarn Gewand mutwillig mit Tunken oder
ähnlichem Zeuge bespritzet, selbiger soll Messer, Gabel und 
Humpen verwirket haben.

So Eyner eine Rede halten soll, der Mut ihm dabei aber
entsinket, der darf auch schweigen. Wohingegen sich Eyner
aber gar nimmer halten und zähmen kann, so mache er's
kurz.
Dahingegen soll der, der allzulange oder zur Unzeit redet,
also, daß der Trank absteht und die herumgereichte Speiß
kalt wird, hierfür selber Speiß und Trank verwürket haben.

So ein Jüngling oder Jungfräulein bei dem Essen
nebeneinander sitzen, soll ein jeder sich fein artig und sittsam
verhalten und sollen beyde ein ehrbar Zwiegespräch selbander
führen.

Ein Jungfräulein aber, so des Jünglings Herze mutwillig 
betöret und knicket, die treibet solcherley ein böses Spiel und
soll ihr Leben lang ledig bleyben.

So aber ein Jüngling zu eynem Jungfäulein in Minne
entbrennet, so soll er kein laut Geschrey machen, also daß
das Mägdeleyn erschröcket, vielmehr seyn Sach feyn sittsam und
bescheyden vortragen, also daß das Mägdeleyn nicht erröte.

So Eyner den guten Gaben, insbesondere dem trefflichen 
Getränke nicht weydlich zuspricht, ein muffligen Fratzen
scheidet oder gar trutzig dreinschauet, der Politika
oder sonstiger Streytigkeyten gedenket, der soll auf 
einer Renntierhaut feyerlich aus dem Saale geschleyfet werden.

Eherezept

Man nehme

das Leben von 2 verliebten Menschen, 
putze es ganz sauber von 
Ärger, Hektik, Angst und Sorgen
und zerlege jedes Jahr in 12 Monate und
zerkleinere jeden Monat in 30 oder 31 Teile, 
so daß der Vorrat ein ganzes Leben lang reicht.

Dann wird jeder Tag einzeln angerichtet,
aus 24 Stunden Gottvertrauen und 8 Stunden Arbeit, 
man füge 3 Eßlöffel Frohsinn und 
5 gehäufte Eßlöffel Geduld hinzu, 
einen Teelöffel Freundlichkeit, ein Körnchen Witz
und eine Prise Toleranz.

Am Herd wird das Ganze dann in der Hitze von
Schwierigkeiten, Mühsal und Mißverständnissen
gegart, bis der liebliche Duft von Gottes Güte
und Vergebung anzeigt, daß das Mal genießbar 
geworden ist.

Das fertige Gericht schmücke man noch mit Sträußchen
kleiner Aufmerksamkeiten und serviere es täglich mit
Heiterkeit - und einer guten erquickenden Tasse Milch.

und nun: GUTEN APPETTIT !!
(Siehe auch Textvariante)
  

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