| PfarreiiSchröckx2006 St. Michael & St. Elisabeth |
HOME |
GEMEINDE |
GOTTESDIENST |
35043
Marburg-Schröck Kettelerstr. 12 Tel. 06424/ 92230 |
||
Sorgen des Schröcker Pfarrgemeinderates - Empörung über den Umgang mit Gottes Geschöpfen - Pfarrer spricht von Barbarei
(Anhang: Katechismus, Weihbischof Prof. Dr. Ludwig Schick zum Thema Tierseuchen)
In seiner heutigen Sitzung (Donnerstag, 5.4.2001, 20 Uhr) hat der Schröcker Pfarrgemeinderat der kath. Kirchengemeinde St. Michael und St. Elisabeth die aktuellen Vorgänge im Umgang mit den aktuellen Tierseuchen beraten. Pfarrer Stefan Krönung hatte in einem Eröffnungsreferat persönliche Anmerkungen vorgetragen: "Es steht mir nicht zu, mich in Agrarpolitik, Marktwirtschaft und aktuelle Krisenszenarien einzumischen. Dafür bin ich nicht kompetent. Als Theologe aber möchte ich bei aller Barbarei, die ich Tag für Tag in Zeitungen und Medien mitbekomme, auf Sätze aus dem Katholischen Weltkatechismus hinweisen. Es ist mir eine Gewissenspflicht in einer Zeit, in der Rinder, Schafe, Schweine zur "Sache" verkommen, die man tötet und als Sondermüll entsorgt, wenn sie erkranken. So etwas gibt es nur in unseren sogenannten zivilisierten Gesellschaften."
Die Sätze des Katechismus fassen Glaubens- und Lebenspraxis der Katholiken zusammen, mahnen den verantwortlichen Umgang mit Gottes Schöpfung an und wollen auch Tiere als Mitgeschöpfe schützen. Nötig ist es seiner Meinung nach sehr: "Tiere sind Geschöpfe Gottes" heißt es da "und unterstehen seiner führsorgenden Vorsehung. Für den Menschen lautet der Auftrag: "Darum schulden ihnen auch die Menschen Wohlwollen.", zitierte der 35jährige Geistliche und äußerte Unverständnis über den "Tierschutz mit der Keule".
Persönlich fügte er hinzu: "Seit 1996 bin ich Landpfarrer. Den letzten Kontakt zu Tieren und kleinster Landwirtschaft hatte ich als Kind über meinen Großvater, der als "Hüttner" bis in die 70ger Jahre als "Nebenerwerbslandwirt" auf dem Petersberg bei Fulda ein paar Schweine, Hasen und Hühner hielt. In unserem Marburger Stadtteil Schröck bekomme ich mit, wie schwer es noch wenige Landwirte haben, Haus und Hof zu bewirtschaften, ihre Existenz zu sichern. Aber aus Erzählungen und Berichten von Verwandten, die Landwirtschaft betrieben, konnte ich heraushören, dass die Alten verantwortlicher mit Tieren umgingen. Die "Scheiterhaufen" und Massenopfer wie sie beispielsweise bildhaft von England berichtet werden, lassen mich erschauern. Mir tun die Tiere leid."
Einige Mitglieder des Pfarrgemeinderates konnten aus eigener Erfahrung mit Tierseuchen berichten, berichteten von Erinnerungen an Nachkriegstagen, in denen das Dorf noch überwiegend landwirtschaftlich geprägt war. Einhellig waren sie entsetzt und enttäuscht über die derzeitige Praxis, nahezu sinnlos Tiere zu töten. Wörtlich: "Wir erklären uns solidarisch mit allen Landwirten, die sich der Verantwortung als Menschen gegenüber Tieren nicht schämen."
Pfarrer Krönung: "Wir beten in unserer Pfarrkirche für Menschen und auch für die Tiere. Gott möge sie "schützen vor Krankheit und Gefahr und alle schädlichen Einflüsse von ihnen fernhalten." (Rituale S. 336). In den Fürbitten rufen wir den allmächtigen Gott und seine Heiligen an, dass wir "die Tier als Mitgeschöpfe achten, dass die Tiere vor Krankheit, Seuchen und Gefahren bewahrt werden, dass wir Freude an den Tieren haben, die Gott geschaffen hat."
Vorsitzender Dr. Lothar Weitzel brachte angesichts der Entscheidungen von Politikern und Experten aber resigniert die Meinung der Gemeindevertreter auf den Punkt: "Aber ich denke, dass die verbleibenden Fasten- und Bußtage nicht ausreichen, das sinnlose Massenschlachten zu verhindern. Hier regiert allein das Geld, von Gewissen keine Spur."
Pfarrgemeinderat St. Michael u. St. Elisabeth Marburg-Schröck 06424-92230 www.pfarrei-schroeck.de
(Anhang KKK)
http://www.vatican.va/archive/catechism_lt/index_lt.htm,
u.a.
2415 Das siebte Gebot verlangt auch, die Unversehrtheit der Schöpfung zu achten. Tiere, Pflanzen und leblose Wesen sind von Natur aus zum gemeinsamen Wohl der Menschheit von gestern, heute und morgen bestimmt. Bodenschätze, die Pflanzen und die Tiere der Welt dürfen nicht ohne Rücksicht auf sittliche Forderungen genutzt werden. Die Herrschaft über die belebte und die unbelebte Natur, die der Schöpfer dem Menschen übertragen hat, ist nicht absolut; [...] sie verlangt Ehrfurcht vor der Unversehrtheit der Schöpfung.
2416 Tiere sind Geschöpfe Gottes und unterstehen seiner führsorgenden Vorsehung. Schon allein durch ihr Dasein preisen und verherrlichen sie Gott. Darum schulden ihnen auch die Menschen Wohlwollen. Erinnern wir uns, mit welchem Feingefühl die Heiligen, z.B. der hl. Franz von Assisi und der hl. Philipp Neri, die Tiere behandelten.
2417 Gott hat die Tiere unter die Herrschaft des Menschen gestellt,. den er nach seinem Bild geschaffen hat. Somit darf man sich der Tiere zur Ernährung und zur Herstellung von Kleidern bedienen. Man darf sie zähmen, um sie dem Menschen bei der Arbeit und in der Freizeit dienstbar zu machen. Medizinische und wissenschaftliche Tierversuche sind in vernünftigen Grenzen sittlich zulässig, weil sie dazu beitragen, menschliches Leben zu heilen und zu retten.
2418 Es widerspricht der Würde des Menschen, Tiere nutzlos leiden zu lassen und zu töten. Auch ist es unwürdig, für sie Geld auszugeben, das in erster Linie menschliche Not lindern sollte. Man darf Tier gern haben, soll ihnen aber nicht die Liebe zuwenden, die einzig Menschen gebührt.
Der Fuldaer Weihbischof Prof. Dr. Ludwig Schick hat vor Wochen formuliert:
"... ich möchte darauf hinweisen, dass Tiere zur Nahrung für die Menschen geschlachtet werden dürfen und gegebenenfalls zum Schutz des Menschen getötet werden müssen. Es dürfen aber keine Tiere willkürlich umgebracht werden. Um das zu verhindern, darf der Mensch vor allem keine Tiere maßlos und künstlich züchten (Überproduktion) und sie nicht - mit welchen Mitteln auch immer - gegen ihre Natur verändern. Wem die Schöpfungsgeschichte der Bibel hoch und heilig ist, muss die artgerechte Aufzucht und Haltung aller Tiere einfordern. Diese müssen von uns Menschen als Geschöpfe Gottes betrachtet, behandelt und geschützt werden.
Ein Theologe muss darauf aufmerksam machen, dass für das Zustandekommen des BSE und des Schweinemastskandals die Mitwirkung vieler notwendig war und ist, nämlich: Verbraucher, die immer feineres, zarteres und fettärmeres Fleisch verzehren und dieses immer billiger kaufen wollen. Erzeuger, die immer mehr, immer schneller und immer billiger produzieren wollen und müssen. Tierärzte, Biologen und Chemieindustrie, die immer mehr ausprobieren und anwenden und dabei Geld machen wollen. Politiker, die nicht oder nicht rechtzeitig ihren Pflichten nachkommen. Einer Gruppe allein die Schuld zu geben, ist ungerecht. Die eben genannte Kausalkette nicht zu sehen, ist Blindheit. Sich selbst für absolut schuldlos zu halten, ist Pharisäismus. Eine wichtige Ursache für die derzeitige Krise ist der Verlust von bestimmten Tugenden, der teilweise durch Chemie wettgemacht wird: Die Geduld des Ackerbauers und Viehzüchters wird durch Gentechnik, Medikamente und Wachstumsbeschleuniger ersetzt. Das Maßhalten beim Essen und Trinken ist einem Gourmandverhalten gewichen, das für Ernährungsprobleme in den Entwicklungsländern mit verantwortlich ist und das bei uns durch Arzneimittel kuriert werden muss. Die Zufriedenheit mit dem, was die Natur schenkt, hat der Habgier den Platz geräumt. Kluge Sparsamkeit beim Kaufen der Grundnahrungsmittel ist bei manchen in blinden Geiz umgeschlagen. Die Natur wird der menschlichen Willkür preisgegeben. Landwirtschaft ist gut und notwendig zur Pflege der Natur und zur Produktion von Nahrung. Sie muss dabei die Schöpfung, wie Gott sie will, pflegen. Jede gute Ware darf ihren guten Preis haben. Krisen, die von vielen ausgelöst wurden, müssen solidarisch von allen überwunden werden. Die Natürlichkeit in der Lebensgestaltung ist der Mutterboden für jede humane Kultur. Wir alle müssen zurück zur Weisheit der Naturordnung und zu den Tugenden unserer Kultur. Darauf hinzuweisen, ist Sache eines Kirchenmannes und sein Beitrag zur gegenwärtigen Diskussion über BSE und Schweinemastskandal." (Bischöfliche Pressestelle Fulda, Februar 2001)
http://www.bistum.fulda.net