Schröck:
"Wir können Ihnen heute mitteilen, daß der
Übergang ins Jahr 2000 bei unseren
funksynchronisierten elektronischen
Digital-Quarz-Hauptuhren problemlos erfolgt."
Das
Schreiben der
Glockenfirma aus Ulm beruhigt Verwaltungsrat und
Pfarrer Stefan Krönung im oberhessischen Schröck
bei Marburg. Denn in ein paar Monaten wird sich
zeigen, ob der Sprung ins nächste Jahr zu schaffen
ist und ob die
Glocken in
der Pfarrkirche auch das neue Jahr einläuten,
pünktlich zu den Gottesdiensten rufen und das
Mittagsläuten nicht mit dem Abendläuten
vertauschen.
"Man weiß ja nie, wie die
Technik mitspielt" erklärt Pfarrer Krönung aus
leidvoller PC-Erfahrung
und meditiert weiter: "Viele meinen
ja mittlerweile, wir lebten in einem
"nachchristlichen Zeitalter".
Christentum
und Kirche mit ihrer bald 2000jährigen Geschichte
seien endgültig überholt und vorbei. Der
christliche Glauben sei heute nicht mehr zeitgemäß.
Dem hält Pfarrer Krönung
entgegen: "Der Kirchturm beweist es: Wir sind
technisch auf dem neuesten Stand und für die Zukunft
gerüstet. Solange noch mehrere Hundert Gläubige am
Wochenende unsere Pfarrkirche füllen und kein Tag
ohne Gottesdienst in Schröck ist, habe ich keine
Angst. Die Geschichte des Christentums ist ja erst am
Anfang, denn was sind im Vergleich zu den
Jahrmillionen, die 2000 Jahre Kirchengeschichte, an
der wir in Schröck auch seit dem 13. Jahrhundert ein
paar Zeilen mitschreiben. Aufs Ganze gesehen, wäre
die Kirche höchstens ein paar Sekunden alt. Da kann
noch viel kommen.
Der Garant für Christentum und
Kirche ist schließlich Gott selbst. Er hält die
Zeit in Händen. Im Lied von Jochen Klepper (*1903,
+1942; Gottlob Nr. 157, Evangelische Gesangbuch Nr.
64) wird er der "Ewige" genannt, der allein
"Anfang, Ziel und Mitte" weiß.
"Davon künden unsere
Glocken im Dorf seit 50 Jahren wieder." Erinnert
Pfarrer Krönung in diesen Tagen an einen
"runden Geburtstag" im Kirchturm. (>
Glockengeschichte)
Und sie künden davon, daß es
auch in Zukunft in der 1270 Seelen-Gemeinde in
Schröck möglich sein kann, das Evangelium zu
verkünden, in der Feier der Hl. Messe an Tod und
Auferstehung »Jesu Christi zu erinnern, und daß Frauen und
Männer lebendige Kirche vor Ort bilden".
Krönung: "Wir schicken
uns deshalb an mit der Weltkirche das kommende Jahr
als ein "Gnadenjahr" zu feiern in der
Rückbesinnng auf Jesus Christus, den Zimmermannsohn
aus Nazareth. Ihn verehren wir als den Herrn, der
gestern schon war, heute lebt und bezeugt wird von
seinen Gläubigen. Er ist Gott und wird in Zukunft
die Geschicke der Welt führen."
Das ist dann kein
"Problem", wie derzeit viele Techniker
aufgrund eines Programmierfehlers befürchten, auch
keine Angst vor Veränderungen in Kirche und
Gesellschaft, sondern ein Bekenntnis zu Gott und
seiner Kirche und auf ihre Zukunftsfähigkeit."
Vorbereitung seit drei
Jahren
Auf dieses Ereignis hat sich
die Pfarrgemeinde in den letzten drei Jahren bereits
vorbereitet.
In den verschiedenen
Jahresthemen, die in Gottesdienst, Predigt,
Katechese, Treffen der Gruppen und Kreise, wiederholt
worden waren, ging es 1997 um "Jesus
Christus, das menschliche Antlitz Gottes".
Bei der zurückliegenden Firmung zum Ausgang des
Jahres, bei der Weihbischof Johannes Kapp Gast in der
Pfarrei war und 24 jungen Leuten das Sakrament
spendete, ging es um "Gottes Geist in der
Welt". Monatlich trafen sich Gläubige, um
von verschiedenen Referenten über den Heiligen Geist
zu hören.
Das laufenden Jahr 1999 ist
"Gott, dem Vater aller Menschen"
gewidmet.
Für das Jahr 2000 sind
verschiedene thematische Gottesdienste geplant, Tage
religiöser Erneuerung und der Wunsch: "In
Eintracht und Frieden, in Glaube, Hoffnung und Liebe
miteinander Zeuge des Evangeliums zu sein."
So kann Pfarrer Krönung
vertrauensvoll sagen: "Das Jahr 2000 wird für
Schröck kein Problem, es wird uns ein Jahr der Gnade
und des Heils!"
Hintergrund Glocken
in Schröck
Die Glocken unserer
Pfarrkirche (erbaut
1726) in Schröck läuten im 36 Meter hohen Turm.
Älteste Glocken lassen sich
für die mittelalterliche Schröcker Kirche
nachweisen, die alle im Verlauf des Dreißigjährigen
Krieges verloren gegangen sind.
Vor dem 1. Weltkrieg gab es 2
Bronzeglocken, die im Verlauf des Krieges 1917
abgeliefert werden mußten. Im Jahr 1926 zum 200.
Kirchbaujubiläum wurden zwei Glocken in den Tönen
f1 und b1 geliefert, die in einem
Eichenholzglockenstuhl aufgehängt wurden.
1938 wurde eine elektrischen
Läutemaschine eingebaut
Im Zweiten Weltkrieg - 1942 -
mußten die neuen Glocken wieder abgegeben werden.
Die alte Glocke von 1771 blieb allein zurück.
Bereits im Jahr des
"Grundgesetzes" und des Neuanfangs in der
Bundesrepublik - 1949 wurden unter großen
Opfern Ersatzglocken gekauft.
1953/54 konnte Pfarrer Laufer
durch Spenden zweier Landwirte noch eine 4. Glocke
anschaffen.
Die Turmuhr und die
Läuteanlage werden seit 1991 durch eine
"funksynchronisierte elektronische
Digital-Quarz-Hauptuhr" der Fa. Philipp Hörz
aus Ulm gesteuert. Das amtliche Zeitzeichen kommt vom
Sender DCF 77 in Mainflingen.
Seit dem Kosovo-Krieg (1999)
mahnt die Bonifatiusglocke in der Todesstunde des
Herrn am Freitagmittag (15 Uhr) zum Frieden.
Das Geläut besteht aus vier
Glocken und erklingt in den Tönen f" as', b'
und des", was sowohl Dur - als auch Mollakkorde
ermöglicht.
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