Die Arbeitsgruppe
"Gemeinde" der Initiative "Wir sind
Kirche" hat in einer Presseerklärung vom
29.11.98 den "Priestermangel als Chance
entdeckt. Hier der Wortlaut:
Priestermangel ist
Chance für die Gemeindeentwicklung
Presseerklärung Nr.
85
"Der sich
dramatisch zuspitzende Priestermangel in den
Gemeinden* stellt
nicht nur bisherige pastorale Konzepte in Frage,
sondern bietet auch ungeahnte
Chancen für die Weiterentwicklung der Kirche".
Zu dieser Überzeugung
gelangten die Mitglieder der Arbeitsgruppe
,Gemeinde" der KirchenVolksBewegung Wir
sind Kirche während ihres 3. Treffens zum Thema
,Gemeinde der Zukunft" am 27.
und 28. November 1998 in Gundelsheim bei Heilbronn.
Wir sind Kirche war Gast in einer Gemeinde, die im
Laufe mehrerer Jahre
ohne Pfarrer am Ort eine eigenständige
Gemeindeleitung entwickelt hat. Während
in der Erzdiözese Freiburg und in der Diözese
Rottenburg-Stuttgart - wie in
vielen anderen Diözesen auch - eine heftige
Diskussion um die Zusammenlegung
mehrerer Pfarreien zu sog. Seelsorgeeinheiten im
Gange ist, zeigt eine
kleine Gemeinde von etwa 500 Katholiken und
Katholikinnen, daß Gemeindeleitung
auch in Eigenverantwortung möglich ist. ,Unsere
Gemeinde will eigentlich nichts
Besonderes sein", erklärt ein Mitglied des
Kirchengemeinderats den Gästen,
,aber wir haben einfach Glück gehabt, daß wir
zusammenhielten und die
gewachsene Eigenverantwortung von den Pfarrern
respektiert wurde, die
unsere Gemeinde mitbetreuten".
Welche grundlegenden Veränderungen durch die
Umstrukturierung in
Seelsorgeeinheiten zu erwarten sind, verdeutlichte
Bruno Ernsberger vom
Institut für Fort- und Weiterbildung der Diözese
Rottenburg-Stuttgart, der
das Treffen fachkundig begleitete. Es sei zumindest
erreicht worden, ,daß die
Gemeinden Träger der Seelsorge bleiben". Für
die Teilnehmenden der Wir
sind Kirche-Tagung war die Fortschreibung der
pastoralen Mangelverwaltung in
den Plänen der Diözesen unübersehbar. So äußerte
der ebenfalls anwesende
Pfarrer einer Nachbargemeinde seine Sorge über die
zunehmende Distanz zwischen ihm
als verantwortlichem Pfarrer und der kaum zu
überschauenden Zahl der
Gemeindemitglieder, wenn immer mehr Pfarreien
zusammengeschlossen würden.
Viel Ermutigendes wurde der Arbeitsgruppe
,Gemeinde" von den Anwesenden
ins Stammbuch geschrieben: Solidarität unter den
selbständigen Gemeinden
sollte weitergetragen und Vernetzung untereinander
vorangetrieben werden.
Entscheidend sei es, aufeinander respektvoll zu
hören und an der Basis
Überzeugungsarbeit zu leisten. Mit dem Bemühen um
eine dialogfähige Kirche
sei Wir sind Kirche auf dem richtigen Weg. ,Haben Sie
einen langen Atem!", war
die Empfehlung auch mit Blick auf die
Kirchenleitungen, die an dieser
Bewußtseinsänderung auf Dauer nicht vorbeigehen
können.
Die drängenden Probleme der Gemeinden werden
weiterhin einen Schwerpunkt
der Arbeit der KirchenVolksBewegung bilden. ( ....)
* Nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz vom
Sommer 1998 verfügen
nur noch etwa 8.000 der rund 13.000 Pfarrgemeinden in
Deutschland über einen
eigenen Priester.
Bundesweite Kontaktadresse:
KirchenVolksBewegung »Wir sind Kirche«
c/o Christian Weisner
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